Ein Lächeln ist billiger als eine Patrone.

Ich gebe es zu: Ich bin ein Mainstream-Cineast. Ich finde Filme von Stanley Kubrick (Eyes Wide Shut) öde. Ich kann bei skandinavischen Filmen (Adams Äpfel) zwar schmunzeln, freiwillig sehe ich sie mir aber nicht an. Wenn ich ins Kino gehe, will ich in erster Linie unterhalten werden. Ich will lachen, weinen, schmunzeln, fürchten. Aber ich will mich nicht langweilen. Und auch nicht in die Deutschstunde der 7. Klasse zurückversetzt fühlen .o0("Was will der Autor uns damit sagen?”)

Heute habe ich District 9 gesehen.

Die Story: Vor 28 Jahren sind eklige, insektoide Außerirdische gelandet, die seitdem in Johannesburg in einem Slum zusammengepfercht leben müssen dürfen. Der Protagonist darf den riesigen Kakerlaken übermitteln, dass sie in ein anderes Lager umgesiedelt werden sollen (und natürlich geht es um viel mehr).

Und tatsächlich: Diese fiesen, glubschäugigen Insekten, die sich mit unheimlichen Knack-lauten verständigen, überall Fühler und Gelenke haben sind vor allem fremd. Und hässlich. Aber vor allem fremd.

Im Interview mit Spiegel-Online sagt der Regisseur Neill Blomkamp, dass er sich alle Mühe gab, die Außerirdischen mit allen nur denkbaren, negativen Attributen zu versehen.

Doch während des ganzen Filmes habe ich mich seltsam unwohl gefühlt. Gefakte Werbespots motivieren die Soldaten, sich den “Shrimps” gegenüber freundlich zu ver-halten, denn “Ein Lächeln ist billiger als eine Patrone!”

In einer Szene telefoniert der Hauptdarsteller mit seiner verängstigten Frau.               Er: “Ich hatte ganz sicher niemals Sex mit einer von diesen Kreaturen. Ich würde niemals abartige Praktiken mit einer von diesen Kreaturen eingehen. Ich will wieder nach Hause kommen, dich umarmen und küssen.”                                                                       Sie: “Ich will nicht, dass du mich je wieder küsst.”

Und mitten im Film verliere ich den Überblick. Geht es um diese fiesen, fremden Aliens, oder sind wir zurück in der Apartheid? Spricht die Ehefrau von diesen Kakerlaken, oder geht es um die Affäre eines Weißen mit einer Schwarzen? Sehe ich die Umsiedlung von ekelhaften Wesen, die sich mit Knacklauten unterhalten, oder die Deportation der Juden, Roma und Sinti?

Geht es in District 9 um ein Slum, also den verwahrlosten, verfallenen Teil einer Stadt, voller sprechender Kakerlaken, oder um den verwahrlosten, verfallenen Teil in meinem Kopf? Mit dieser unangenehmen Frage lässt einen der Film zurück.

Ein guter Film. Vielleicht der Beste, den ich dieses Jahr gesehen habe.

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