Allein(v)erziehend

Allein(v)erziehend

Vor einigen Tagen habe ich mich jedem merkwürdigen Ritual hingegeben, das wohl nur junge Väter wirklich nachvollziehen können: Ich habe mit meiner Tochter Monster gespielt.

Klingt toll, oder?

Irgendwann war meine Tochter das Monster, aber bevor sie mich erreicht hat, habe ich die Gartentür zugemacht und sie ausgesperrt. Zunge rausgestreckt. Lange Nase gemacht. Und anschließend das Rollo ein wenig runtergelassen. Gekichert. Gelacht. Anschließend wieder rein gelassen und was getrunken und unterhalten.

Dann wollte sie fangen spielen. Kein Monster mehr. Also gut. Ich renne raus in den Garten.

Sie nicht.

Sie bleibt im Wohnzimmer.

Und schließt die Tür.

Und streckt mir die Zunge heraus.

Und bevor ich nur an der Tür bin, lässt sie das Tür-Rollo komplett runter und lacht wild und tanzt vor dem Fenster und streckt immer wieder die Zunge raus.

"Ich will wieder rein! Carolina Sophie, lass mich rein" rufe ich und kann mich vor Lachen kaum halten.

"Bekomme ich dann ein Eis, Papa?" entgegnet sie frech.

Ich nicke.

Sie zieht das Rollo hoch.

Ich mache mich bereit.

Sie öffnet die Tür.

Ich stürme herein und kitzel sie durch.

Wenn je ein Vater seine dreijährige Tochter durchgekitzelt hat, dann ich an diesem Nachmittag.

Und später, als alles wieder friedlich ist, mache ich mir Gedanken. Ich rechne mir aus, wie viel Zeit mir noch bleibt, ehe ich keine Chance mehr habe – und nehme mir vor, jeden Tag zu genießen.

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