“Heuschreckenplage in Manchester”

Die Vereine der Bundesliga kann man in zwei Kategorien einteilen: Da gibt es die Traditionsvereine wie Hamburg, Schalke oder Köln. Und es gibt Werks-Vereine wie Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim. Letztere bilden eine Ausnahme im deutschen Profifussball. (Und natürlich die ganz großen, attraktiven Vereine die das Herz der Bundesliga ausmachen – Vereine wie Borussia Dortmund 🙂 )

Während die Mannschaften der ersten Kategorie ihr Geld über Zuschauereinnahmen, Werbeverträge und Europapokalspiele verdienen müssen, können die Werksvereine darauf bauen, dass eine übergeordnete Firma ihnen Geld in beliebiger Höhe zuschasst. Erst letztes Jahr durften wir mit Wolfsburg einen deutschen Meister erleben, der ohne Schwierigkeiten 62 Millionen Euro investieren konnte – bei gesellschaftlich völliger Unbedeutsamkeit.

Wo liegt nochmal Wolfsburg?

In Deutschland ist es eigentlich nicht erlaubt, dass eine Firma einen Verein übernimmt. Leverkusen und Wolfsburg bilden Ausnahmen, in Hoffenheim verschenkt Dietmar Hopp sein Geld ohne Gegenleistung. Der Gedanke dieser “50+1-Regel” ist, dass verhindert werden soll,

…dass Großunternehmen oder andere Kapitalgeber die vollständige Kontrolle über die Profimannschaften von Vereinen übernehmen. So sollen die sportlichen Interessen der Vereine vor den wirtschaftlichen Interessen der Investoren gewahrt werden.

Alle paar Monate wieder versucht nun Martin Kind, der Präsident von Hannover 96, diese Regel außer Kraft zu setzen. Denn Hannover ist kein besonders attraktiver Verein und wenn eine große Firma bzw. ein reicher Öl-Scheich mit vielen Millionen Dollar käme, konnte man aus Hannover vielleicht etwas machen.

Denkt Herr Kind.

In England ist das durchaus üblich. Der FC Chelsea (wo auch Michael Ballack spielt) gehört dem russischen Milliardär Roman Abramowitsch. Manchester United (der Verein, der gegen die Bayern 1999 im Finale der Champions League in der Nachspielzeit aus einem 0:1 noch ein 2-1 machte…) gehört Malcolm Glazer. Und letzterer tut nun genau dass, wovor Kritiker warnen:

Er will Geld verdienen.

Das bedeutet, dass Glazer den ehemals reichsten Verein der Welt an allen Ecken und Enden schröpft. Die Eintrittspreise in Manchester haben sich in den letzten vier Jahren fast verdoppelt, das Trainingsgelände wurde verkauft (und zurückgemietet), seine sechs Kinder wurden für zehn Millionen Dollar Jahresgehalt angestellt. Solche Dinge eben.

Damit ist Manchester United ziemlich sicher ziemlich bald pleite.

Obwohl wir den internationalen sportlichen Erfolg in Deutschland sehr vermissen, sollten wir uns nicht den trügerischen Stimmen hingeben, die in den Modellen von England, Spanien oder Italien das gelobte Land versprechen. Wir haben randvolle Stadien, eine überwiegend friedliche Atmosphäre, abwechselnde Meister, eine Liga die nicht völlig unausgeglichen ist und mit Dortmund auch noch den Verein, der das schönste Stadion der Welt besitzt.

Ich finde: Wir haben die attraktivste Liga der Welt. 🙂

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One Response to “Heuschreckenplage in Manchester”

  1. Nils Steinbrück says:

    „I agree!“

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