Generationenübergreifendes Lernen im Web 2.0

In einem ganz spannenden Artikel beschäftigt sich Christian Spannagel mit den Möglichkeiten des Web 2.0, Mauern zwischen den Generationen einzureißen:

“Das Web bietet ein unglaubliches Potenzial für Seniorinnen und Senioren, gemeinsam mit Menschen allen Alters zu lernen.”

Spannagel erwähnt bspw. die Möglichkeiten, Senioren als Experten für bestimmte Themen via Skype in die Klasse zu schalten.

Natürlich, werden Skeptiker jetzt einwerfen, wie sollen wir den PCs, Internetzugänge oder gar Senioren herbekommen? 😉

Abseits all der Hürden ist dies trotzdem eine Idee, an der festzuhalten sich lohnt. Gerade durch meine Kirchenzugehörigkeit stehe ich in Kontakt zu vielen Senioren, die früher die verrücktesten Berufe ausgeübt haben. Ein riesiger Fundus aus dem man schöpfen könnte. Zudem bietet die “Expertenbefragung” die Möglichkeit, die (Groß-)Eltern der Kinder aktiv in den Unterricht einzubauen. Ein Miteinander der Generationen im Web 2.0.

Man kennt das ja meist aus Filmen – wenn alle Eltern sich vor einer Grundschulklasse vorstellen und das Kind des Anwalts sich in Grund und Boden schämt, aber am Ende…. naja.

Für mich eine tolle Idee. Wir kommen als Lehrer nicht umhin, uns stets mit technologischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Statt gegen den Fortschritt anzukämpfen, müssen wir überlegen, wie wir Computer, Handy, Beamer etc. sinnvoll in den Unterricht einbinden können.

Das wird spannend!

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11 Responses to Generationenübergreifendes Lernen im Web 2.0

  1. Till says:

    Naja, das generationsübegreifende Lernen ist doch schon lange Alltag, z.B. in der Free and Open Source Software Community.

    Ich bin ja nicht fortschrittsfeindlich, aber mehr oder weniger künstlich Techniken in ’nen Unterricht einzubinden, ohne dass vorher ein Problem klar war, was dadurch gelöst wird, klingt auch nicht so überzeugend. Gerade im Studium waren die Professoren, die sich irgendwelche Powerpoint-Folien zusammengekleistert haben, nicht unbeding diejenigen, bei denen ich am besten was gelernt habe.

    Und dieses Expertentelefon klingt auch ein wenig künstlich. In dem Artikel hieß es ja, dass es zum einen ganz viele interessierte Senioren gäbe, aber es nur sehr selten möglich sein sollte, Jemanden dann real ins Klassenzimmer einzuladen. Ich lerne doch noch am besten, wenn ich zusammen mit dem Experten direkt ein Problem lösen kann.

    • Jan-Martin Klinge says:

      Einer meiner Dotzenten sagte mal, wenn der einzige Mehrwert wäre, dass man es mit einem Computer gemacht hätte – dann wäre der Mehrwert die Computernutzung. Er wollte damit ausdrücken, dass dies eine (neue) Erfahrung sei, die sich für viele Schüler womöglich lohne.

      • Till says:

        Nunja, aber das sind ja zwei Paar Schuhe. Zum einen kann man moderne Technik nutzen, um bestimmtes anderes Wissen besser zu vermitteln, zum anderen kann man sie nutzen, um zu lernen, wie man sie benutzt.
        Angenommen Jemand, z.B. aus einem Entwicklungsland, soll seine Erfahrungen per Videotelefonie in einem Klassenzimmer erzählen. Dann sollte die Technik problemlos funktionieren, da der Focus auf der Wissensvermittlung steht. Andererseits kann man aber auch vermitteln, wie man zwei Klassenzimmer per Videotelefonie verbindet. Da tragen dann Probleme und Lösungen zum Lernerfolg bei, auch wenn am Ende nichts sinnvolles per Videotelefonie übertragen wird.

        Vermutlich passt das Zitat Deines Dozenten aber, solange Kompetenzen im Umgang mit moderner Technik als solches nicht an Schulen gelehrt wird und so ein Lehrer zumindest in seinem Fach den Kindern etwas Erfahrung in dieser Richtung mitgeben kann.

  2. cspannagel says:

    @Till Ich stimme dir vollkommen zu! Ideal wäre es, wenn Senioren gemeinsam mit Schülern ein Projekt durchführen. Neben möglichen realen Treffen könnte die Kooperation dabei auch über das Web (z.B. Wikis) durchgeführt werden.

    Aber auch Expertenbefragungen haben ihren Sinn. Weshalb sollten nicht Schüler zu einem bestimmten Thema fragen sammeln und diese dann an den Experten stellen? Es kommen ja durchaus auch gelegentlich Experten ins Klassenzimmer, um mit den Schülern über ein bestimmtes Thema zu sprechen. Wenn der Senior aber nicht kommen kann, weshalb dann nicht per Skype ins Klassenzimmer holen?

    Künstlich wird es nur – da gebe ich dir Recht – wenn man keinen inhaltlichen Anlass hat. Aber davon gehe ich sowie aus.

  3. Till says:

    Warum sollte man Fragen sammeln, wenn man sie sich auch direkt mit Hilfe des Internets beantworten könnte?

    Wenn tatsächlich mal der Fall auftreten sollte, dass nur dieser eine Experte helfen kann, dann kann es evtl. hilfreich sein, Videotelefonie zu nutzen. Aber wie oft kommt das vor? Es gibt seit vielen Jahren Funk und Telefon, aber wird das in dicht besiedelten Gebieten für den Unterricht genutzt bzw. benötigt? In dünn besiedelten Gebieten (iirc z.B. Alaska oder Australien), gibt es schon seit langem Unterricht über Funkgeräte. Wenn also ein Problem bestand, sollte das also auch hier schon längst gelöst. Gerade wenn es nur eine Gegenstelle hat, bietet Videotelefonie über das Internet ja auch keine großen neuen Vorteile. Ein Beispiel, wo man es eher gut nutzen könnte, wären z.B. für Tandem-Sprachpartner, so dass Schüler mit Muttersprachlern Ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern können. Da ist es halt ein Vorteil, wenn man günstig viele Kommunikationskanäle aufbauen kann. Aber das ist ja auch kein rein technisches Problem, von einem Kommilitonen habe ich erfahren dass Muttersprachler im Englischunterricht evtl. benachteiligt werden, z.B. wenn der Lehrer nur seine Vorstellung von korrektem Englisch anerkennt, unabhängig davon, dass es auch in der Sprache jede Menge Variationen gibt.

    • Jan-Martin Klinge says:

      Aus der Sicht eines Lehrers würde ich sagen: Nicht so sehr das Ergebnis ist wichtig (also die tatsächliche Lösung/Information) – insbesondere, wenn man sch vor Augen ruft, wie viel die Schüler tatsächlich im Gedächtnis behalten. Mindestens ebenso wichtig ist der Weg dorthin – wenn bspw. Schüler eine Präsentation erstellen sollen, ist (aus zeitlicher Entfernung betrachtet) wichtiger, dass die Schüler mal PowerPoint ausprobiert haben, als dass, was am Ende entstanden ist.
      Ich denke, dass jedes Einbeziehen von Technologie in der Schule nicht Ergebnisorientiert, sondern auch Prozessorientiert zu bewerten ist. Lernen die Schüler (nebenbei? zusätzlich?) mit Computern umzugehen? Lernen die Schüler, (nebenbei? zusätzlich?) dass Senioren einen wertvollen Beitrag leisten können? Lernen Schüler (…?) mal einen „echten Physiker/Philosophen/…“ kennen, statt disesen Beruf nur aus dem Schulbuch zu kennen. Ich erkenne da schon einen Mehrwert 🙂

      • Till says:

        Meiner Erfahrung nach sind so halbgare Aufgabenstellungen aber eher eine Quelle des Frusts. Wenn man eine Präsentation erstellen soll, damit man den Umgang mit der jeweiligen Software lernt, dann sollte auch das genau anständig gelehrt werden. Allerdings bietet PowerPoint ja auch gerade viele Möglichkeiten, die man für eine wissenschaftliche Präsentation nicht braucht, aber vielleicht für eine unterhaltende Präsentation bei einem Fest, wie die ganzen Folienwechseleffekte. Und zu einer wissenschaftlichen Präsentation, gehört ja auch einiges mehr, als z.B. einfach eine Wikipediaartikel auf mehreren Folien im Powerpoint zu verteilen. Da hat man auch gelernt, wie man mit einem Computer umgeht und Powerpoint bedient, aber wenn man tatsächlich mal Wissen vermitteln will oder wichtiges von unwichtigem trennen muß, weiß man nicht, wie es geht.

        Achja, und zum kennenlernen des echen Physikers, vermutlich kennen sie wenn die Personen ja eher aus dem Fernsehen, da macht der Computerbildschirm nicht so sehr den großen Unterschied. Da wäre es doch viel spannender und hilfreicher, eine Exkursion in ein Labor zu machen. Ein Exkursion in ein Gentechniklabor habe ich auch als gute Erinnerung aus meiner Schulzeit behalten. Da durfte man dann auch DNS in Baktierien einabauen und es hat auch super vermittelt, wie öde Laborarbeit ist im Gegensatz zum Fernsehen. Passendes Comic:
        http://xkcd.org/683/

        • Jan-Martin Klinge says:

          Grundsätzlich hast du recht – jede angewandte Technologie sollte ordentlich beherrscht werden.
          Aber wenn du jemandem eine Sprache beibringst, fängst du ja auch nicht mit Gothe oder Shakespeare an, sondern ganz einfachen Sätzen. Und ich habe in der Schule mit Jugendlichen zu tun, bei denen immer auch ein großer Teil noch nie vor PowerPoint/Excel/Skype/… gesessen hat.
          Und natürlich ist eine Exkursion ‚besser‘ – aber auch zeitaufwändiger. Auch hier müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein – du sprichst von Bio-Leistungskurs, ich von einer 6. Klasse 😉

          • Till says:

            Gerade wenn man sich noch nie mit irgendeiner Software beschäftigt hat, ist es doch um so störender, wenn man sich sowohl damit beschäftigen muß, überhaupt erst damit zurecht zu kommen, als auch das eigentliche zu lernen. Bei Powerpoint würde man ja auch erst Jemanden beibringen, wie man damit überhaupt was machen kann, als das man beim Referat als Nebenbedingung stellt, dass es mit Powerpoint gemacht wird. Oder für’s Sprachenlernen gibt es ja auch ein gutes Beispiel. Irgendwelche Aachener (iirc) haben so einen Web2.0 Karteikartenlernsystem geschrieben. Es ist die eine Sache, das mal für sich vorzustellen, so dass man das mal ausprobieren und kennenlernen kann, aber z.B. im Unterricht vorzugeben dass man die Vokabeln damit lernt, fände ich eher kontraproduktiv, da man auch wenn man das System nicht mag bzw. nicht so gut damit zurecht kommt, die Vokabeln dennoch irgendwie anders lernen müßte. Einfach Technik einsetzen, weil es sie gibt und das dann damit rechtfertigen, dass man so wenigstens die Technik mal kennengelernt hat, finde ich in der Hinsicht nicht so toll.

            Um die Schüler mal in die Technik reinschnuppern zu lassen, weil sie es eh sonst gar nicht beigebracht bekommen, ist das nebenbei Lernen schon eine akzeptable Notlösung. Aber würdest Du denn z.B. Physik auf Italienisch unterrichten, damit die Schüler wenn sie schon nichts von der Physik behalten, wenigstens mal Italienisch gehört haben?

            Und zum Aufwand bei Exkursionen: So wie ich die Welt einschätze, werden durch den Technikeinsatz eher Exkursionen dann nicht mehr durchgeführt, als dass zusätzlich zu bisherigen Exkursionen, das ganze per Technik erweitert wird.

            • Jan-Martin Klinge says:

              Zum einen: Genau das wird gemacht – zwar nicht in italienisch, sondern in englisch aber: Ja. Bilingualer Unterricht.
              Zum anderen geht’s mir ja nicht drum, Schüler einfach PP (oder sonstwas) an die Hand zu geben und zu sagen „mach mal“. Natürlich muss jede Technologie sinnvoll eingebetet werden. Ausgangspunkt des Artikels ist jedoch, eben das Potential dieser Technologien des Web 2.0 in den Unterricht einzubinden, statt auf Gedeih und Verderb die nächsten 40 Jahre mit Kreide und Tafel weiterzumachen. 🙂
              Wenn ich also demnächst einen Informatiker brauche, habe ich die Wahl, dich aus Aachen einfliegen zu lassen, oder via Skype ins Klassenzimmer zu holen 😀

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