Endlich: der Kristall zum Sprühen!

Endlich: der Kristall zum Sprühen!

Bei meinem letzten Abend mit einem guten Glas synthetischem Weißwein (^^) und ein wenig anspruchsvollem deutschen Fernsehen konnte ich mich den endlosen Werbepausen nicht entziehen und habe aufmerksam gelauscht. Ich war begeistert von den Versprechungen und den Erfolgserlebnissen, die mir die Schauspieler dort präsentierten. Gerade als Chemiker ist es äußerst interessant zu hören, womit heute geworben wird. Es ist nicht mehr der Geruch oder der Geschmack der im Vordergrund der Propaganda steht. Nein! Es sind andere Inhaltsstoffe mit denen der unwissende Verbraucher gelockt wird. Silbermoleküle, flüssige Kristalle, Hyaluronsäure, Antitranspirantien, Alaune… usw… Ein Hygieneprodukte hat mich besonders angesprochen: Das Deodorant. Wir schwitzen unter den Achseln, die einen feuchtwarmen Lebensort für allerlei von Bakterien darstellen. Diese verstoffwechseln unseren Schweiß und einige Fettsäuren und synthetisieren dabei verschiedene übelriechende Stoffe, wie Butter- und Ameisensäure. Wie in den meisten Ländern dieser Welt üblich, bekämpfen wir täglich diesen Geruch mit ein wenig Deodorant. Schon der Alkohol in den meisten Deos reicht aus, um einen Großteil der Bakterien zu bekämpfen. Meist sind den Deos der Neuzeit aber verschiedenste Stoffe beigemischt, die nicht nur die Bakterien zerstören, sondern auch noch das weitere Schwitzen unterbinden. Diese antitranspirante Wirkung wird durch verschiedene Aluminiumverbindungen hervorgerufen (meistens Aluminiumchlorid), die die Schweißdrüsen verstopfen und somit das Schwitzen verhindern. Ganz neu auf dem Markt sind Deos ohne Aluminium, dafür aber mit Silbermolekülen oder Alaunen.

Zitat einer der Hersteller: “Die Silbermoleküle verbindet sich mit Enzymen und anderen Proteinen in Bakterien, dadurch wird die Zellstruktur verändert und die Zelle verliert ihre Lebensfähigkeit. Außerdem verbindet sie sich mit der Zellwand der Bakterie. Sie bindet ihre DNA und verhindert so die Vermehrung der Bakterien. Dies beugt zuverlässig der Entstehung von Körpergeruch vor.“

Meistens handelt es sich bei diesen Silbermolekülen um Nanopartikel oder kolloidales Silber, das tatsächlich eine Wirkung auf die Bakterien hat. Leider scheint der Wirkungsgrad sehr klein zu sein, da es sich eher um eine kleine Beschäftigung für die Bakterienflora handelt. Außerdem werden die silberhaltigen Moleküle durch das Sprühen und das anschließende Duschen in die Umwelt freigesetzt. Da es sich um Nanopartikel handelt und derern Wirkung auf die Umwelt noch nicht erforscht ist, gehen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass die Partikel von Wasserorganismen im Laufe der Nahrungskette aufgenommen werden und langfristig unabschätzbare Umweltschäden hervorrufen. In Göteborg wurden beispielsweise, seit dem Erscheinen der silberhaltigen Hygieneartikel, eine Verdopplung des Silbergehaltes im Klärschlamm der Stadt festgestellt. Das Silber antibakteriell wirkt, ist übrigens schon seit der Antike bekannt und diese Eigenschaft macht man sich zum Beispiel in Waschmaschinen zu Nutze um Bakterien in der Kleidung abzutöten. Nur Leider haben Bakterien eine lästige evolutionäre Angewohnheit, die sich nach längerer Exposition eines antibakteriellen Mittels bemerkbar macht. Sie entwickeln eine Resistenz. Neben einer Silberresistenz entwickelt sich ebenfalls eine Antibiotikaresistenz, die von schwedischen Mikrobiologen an einigen Bakterienstämmen nachgewiesen werden konnte. Eine karzinogene Wirkung konnte noch nicht nachgewiesen werden, aber man geht stark davon aus, dass diese bald nachgewiesen wird…

Genug vom Silber, kurz zum Alaun. „Duschdas“ brachte vor kurzem eine neue Pflegeserie auf den Markt mit dem Namen „Alaun“. Alaun ist ein Salz der Schwefelsäure, welches neben Kalium auch Aluminium enthält (Kaliumaluminiumsulfat) und wunderschöne farblose Kristalle bildet. Dies ist natürlich auch der Grund, warum der Hersteller mit dem „Kristall zum Sprühen“ wirbt, wobei diese Aussage jedem Chemiker die Tränen in die Augen treibt.
In Lebensmitteln wird es als Festigungsmittel bzw. Stabilisator E 522 zugesetzt und wird von mir ausschließlich für die Kristallsynthese verwendet. Nachweislich hat Alaun eine blutstillende Wirkung ist aber Leider nicht wirklich, wie versprochen, antibakteriell. Es dient hier hauptsächlich als Hemmstoff und verhindern die bakterielle Herstellung von Buttersäure. 150ml dieses Deos kosten übrigens 4,29€ und enthalten wahrscheinlich nur eine Messerspitze Alaun. 5kg Alaun kosten rund 25 Euro. In Wasser gelöst, könnte man sich damit täglich bis an sein Lebensende einreiben…  ^^

Sollten Sie also demnächst genau so begeistert sein von den toll klingenden Inhaltsstoffen mancher redundanter Produkte in unseren Supermärkten, erinnern sie sich an meinen Blogeintrag und denken Sie darüber nach, wie Sie die letzten Jahre vollkommen zufrieden, auch ohne Kristalle unter dem Arm, überleben konnten.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: