Schriftverständnis

image Vor ein paar Tagen wollte meine kleine Tochter einer Biene helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Und wurde dafür mit einem Stich in den Daumen belohnt.

Wann immer größere oder kleinere Unfälle in ihrem Leben passieren, wird sofort der Arzt der Familie angerufen – Onkel Tim. Onkel Tim genießt eine Autorität, von der ich nur träumen kann. Er bestimmt über Diagnose, Dauer der “Medikation” und wenn Onkel Tim sagt, dass es nicht so schlimm ist, dann… nunja 🙂

Direkt nach der selbstmörderischen Attacke der Biene schrieben wir ihn an. Prompt kam die Medikationsanweisung per SMS:

Schokoladeneis! Das kühlt den Körper.

“Aber erst nach dem Essen”, versuchte ich bei meiner Tochter Zeit herauszuschlagen. Denn Onkel Tim hat nur so pädagogisch wertvolle Medizin auf Lager.

“Klar”, erwidert Carolina, “können wir jetzt die Schokolade essen und später das Eis?”

Ich bin verblüfft.

“Eine ganz frühe Form des Schriftverständnisses”, kommentiert die Pastorin des Hauses grinsend.
Und irgendwie hat sie damit recht, nicht wahr? Wir hören oft Dinge, die so gar nicht gemeint waren. Eine flapsige Bemerkung nehmen wir tief gekränkt zur Kenntnis. In einen Blick deuten wir oft mehr hinein, als tatsächlich vorhanden ist.

Und manchmal hören und lesen wir einfach das, was wir hören und lesen wollen. Bin ich von meinem Schriftverständnis überzeugt? Wahrhaftig nach Antworten zu suchen ist ein anstrengend. Mühsam. Und nicht immer von Erfolg gekrönt.

Und das führt uns zu der Frage, ob wir mit uns selbst zufrieden sind, oder nicht? Mit dem was wir wissen. Was wir glauben. Und was wir glauben zu wissen.
Sich neu auf Menschen einlassen fordert uns heraus. Sich neue Unterrichtsmethoden anzueignen ist anstrengend. Gott nachzuspüren kann uns ängstigen.

Und am Ende steht für mich einmal mehr die Frage: Wer möchte ich eigentlich sein?

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