ekelhafte Methoden… oder?!

Letzte Woche Freitag habe ich meiner Siebener, eine Woche vor der Klassenarbeit mit einem Überaschungs-Test aus dem morgendlichen Tiefschlaf geweckt.

Eine Reihe allgemeiner, offen gestelter Fragen zum aktuellen Thema. “Was ist der Unterschied zwischen einer proportionalen und einer wachsenden Zuordnung? Gib ein Beispiel.” “Was bedeutet Quotientengleichheit in diesem Zusammenhang?”
Lauter so Zeug.
Nicht sonderlich schwer – aber aus dem Stehgreif auch nicht ganz einfach.

Das Ergebnis war vorhersehbar: Eine ganze Reihe richtig schlechter Noten – bedingt auch durch meine sehr strenge Korrektur. Denn ein Großteil der Schüler denkt nur, er hätte den Stoff verstanden – in der Realität sieht es aber ganz anders aus.
Durch eine glückliche Fügung hatte ich den Kurs an jenem Freitag in der fünften Stunde nochmal und konnte den Test direkt zurückgeben. Wie zu erwarten gab es ein paar lange Gesichter. Normalerweise bewerte ich Tests genauso wie mündliche Noten mit “+”, “o” und “-“. Schüler wie Eltern nehmen die Tests sonst zu wichtig und setzen sie (un-)bewusst mit Klassenarbeiten gleich.
Diesmal aber nicht.
Bei diesem Test gab es konkrete Noten – und zwar tendenziell schlechte. Und zusammen mit dem Test gab es die traditionelle Test-Version der Klassenarbeit1.
Meine Hoffnung war nun, dass die Schüler – aufgeschreckt von der schlechten Test-Note – die nächsten Tage zum intensiven Lernen nutzen. Denn vielen war offenbar nicht klar, wie groß ihre Defizite sind. In der Folgestunde habe ich über eine Folie weitere Aufgaben an die Wand geworfen (die Test-Version der Klassenarbeit bespreche ich nicht – das ist Aufgabe der Schüler selbst). Einige Schüler wollten gerne Kopien der Folie haben und ich versprach, jedem, der es wünsche, eine Version mit Lösung zum Überprüfen, per E-Mail zukommen zu lassen.

Und tatsächlich haben das einige Schüler in Anspruch genommen. Und erfreulicherweise nicht diejenigen, die sowieso „eins“ stehen.

Zurück bleiben aber – für mich – einige offene Fragen:

  • Ein, zwei Schüler waren ob der schlechten Note den Tränen nahe – insbesondere wenn sie an den Ärger mit ihren Eltern dachten. Rechtfertigt mein Zweck (die Schüler erschrecken & zum Lernen antreiben) die Mittel (harter Test, ohne Vorankündigung…)? Zumal es sicher auch (wenn auch eher nicht in meiner Klasse) Kinder gibt, die unter „archaischen“ Erziehungsmitteln zu leiden haben.
  • Soll ich die Ergebnisse der Schriftlichen Übung überhaupt werten? Schließlich habe ich bewusst darauf gesetzt, schlechte Ergebnisse zu erhalten, um die Schüler aufzuschrecken. Wie rechtfertige ich ein mögliches Nicht-Werten vor den Schülern, die sehr gut abgeschnitten haben?
  • Hat das überhaupt etwas gebracht? Also, fällt die Klassenarbeit (heute geschrieben) besser aus?

Unter jedem schlechten Test habe ich die Eltern um ein telefonisches Gespräch gebeten. Zum einen, um sie davon abzuhalten, ihren Kindern die Hälse umzudrehen und zum anderen, um sie zu beruhigen – der Test sei nur als Tritt in den Hintern gedacht: Für die Schüler, aber auch für die Eltern, damit sie ihre Kinder bewusst zum Lernen anhalten. Insbesondere spiegele die Test-Note nicht den tatsächlichen Leistungsstand des Kindes.

1 Thema: (Anti-)Proportionalität mitsamt typischer Aufgaben im Stile von:
”Nach der Apfelernte wird ein großer Teil der Äpfel zu Apfelsaft verarbeitet. Aus 60 kg Äpfeln erhält man 24 l Apfelsaft.
a) Wie viel Kilogramm Äpfel wurden gepresst, wenn man 408 l erhalten hat?
b) Wie viel Liter Saft erhält man aus 515 kg Äpfeln?

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