Die Zukunft unserer Blogs…

Vor einigen Wochen bin ich über einen Bericht gestolpert, indem der Lebenslauf einer jungen Frau beschrieben wurde, Amanda Hocking.
Hocking ist war Altenpflegerin und schreibt in ihrer Freizeit Herzschmerz-Vampirromane. Wer jetzt die Augen verdreht, dem geht es genauso wie mir. Eine Assoziationskette bildet sich. Rosafarbene, parfümierte Seiten. Gebrochenes Herz Die Last der Welt auf den Schultern eines jungen Mädchens. Flirten - Frau Ein geheimnisvoller Junge in der Klasse. Verwelkte Rose

Die Chefs verschiedener Verlage sind genauso sympathische Menschen wie ich – sie haben Frau Hocking nämlich abblitzen lassen und ihre Bücher als das eingeschätzt, was sie sind: Billiger Ramsch.
Amanda Hocking hat sich infolge dessen entschieden, ihren Mist ihre Schnulzen eigenständig zu verkaufen: Als ebooks via Amazon. Das geht mit ein paar Klicks.  Ihre Bücher kosten dort zwischen zwei und zehn Dollar. 70% davon gehen an Hocking, 30% an Amazon.

Mittlerweile hat Frau Hocking knapp eine Million Bücher verkauft und ist mehrfache Millionärin.

Dieser Artikel im SPIEGEL und weitere Berichte über sie und andere Autoren im Selbstverlag läßt mich grübeln. Im Internet kann man beobachten, dass die Zahl der FanFiction-Seiten zurückgeht. Wo früher wilde Geschichten über die homoerotische Liebe zwischen Spock und Captain Kirk kursierten, romantischen Begebenheiten zwischen Mulder und Scully und diversen weiteren Fantasien freier Lauf gelassen wurde, wandert diese Art von Kunst Prosa in Richtung Amazon ab. Wer heute wissen will, ob die romulanische Sklavin je wieder vom klingonischen Außenposten in die Freiheit kommt, wird heute dafür zahlen müssen. Oder dürfen?
Immerhin sorgt diese Art der Professionalisierung für Motivation bei den Schreibern und einer Art zentralen Anlaufstelle für Konsumenten.

Langfristig aber wird es sicher spannend, ob und wie zum Beispiel Blogautoren diese Art des Publizierens wahrnehmen werden. Ich lese eine Reihe von Blogs, deren Schreibstil und humorvolle Art mir sehr zusagt. Würde so jemand ein Buch verkaufen wollen – hätte er nicht durch den Blog eine Menge “Fans” (Käufer) gewonnen?

Wird es womöglich eine Art “Professionalisierung” der Blogszene geben? Paid Content? Man stelle sich vor, Mike Riecken würde ein Buch über Moodle verfassen und für zwei Euro bei Amazon verkaufen. Herr Rau und Herr Larbig würden womöglich eine Sammlung aller Gedichte rausbringen, die ihnen so unterkommen. Jeder Blogautor hat ja im Grunde eine Sparte, die ihn so ein bisschen auzeichnet. Das sind spannende Gedanken, die ich erst noch zu Ende denken muss.

Jetzt aber verfasse ich erstmal einer neuen Folge von: “La’Ala, die romulanische Liebessklavin auf Kronos 1 – Folge 386” Zwinkerndes Smiley

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7 Responses to Die Zukunft unserer Blogs…

  1. simonnickel says:

    In vielen Bereichen der Bloggosphäre ist das schon seit einiger Zeit so. Ich treibe mich viel auf Webentwickler Blogs herum, wer da auf Dauer erfolgreich ist, schreibt auch mit der Zeit ein Buch. Es ist bei ihnen aber nicht üblich ein eBook selbst zu vermarkten. Wahrscheinlich ist es einfach nicht nötig, da die Branche von den Verlagen noch recht stark gefördert wird. Bei solch professionellen Themen geht es natürlich meist primär um Geld, ich denke, wer sich selbst um die Vermarktung kümmert ist froh, wenn er die investierte Arbeit ansatzweise finanziert bekommt. Eine solche Erfolgsgeschichte wird hoffentlich viele motivieren es auch einfach mal zu versuchen, schaden kann es nicht.

  2. Herr Rau says:

    Ich kenne eine Menge Blogs, deren Autoren dann auch ein Buch geschrieben haben, zum Blog oder zu verwandten Themen. Man hat da schon ein bisschen Mundpropaganda, ein paar Kontakte, Schreiberfahrung, sicher ein gangbarer Weg, Publikum wäre da. Aber das Schreiben macht halt Arbeit.

    (Früher wollte ich mal Romane schreiben, so vor 20 Jahren. Eigentlich will ich ja nur ein bestimmtes Buch lesen, dass es noch nicht gibt. Aber Selberschreiben macht so viel Arbeit. Inzwischen wäre es eher non-fiction – eine Art Kreuzung aus Denksportbuch und Sammlung von Textinterpretationsaufgaben für Deutsch.)

    • Ingo says:

      So geht es mir auch. Ich wollte auch immer mal einen Science-Fiction Roman schreiben. Den Anfang dazu (ersten paar Seiten) habe ich auch mal geschrieben. Es ist ja sooooo mühselig. Man muss sich halt irgendwie dazu entscheiden: Koch oder Esser. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich lieber das Essen genieße und mich dabei von neuen Kreationen überraschen lasse als mir selbst was auszudenken.

      Obwohl ich auch schon gefragt wurde, ob ich nicht meine Internetseite als Buch veröffentlichen will. Aber ich finde, dass das Internet auch weiter so frei wie möglich den Zugang zu Informationen anbieten sollte. Ohne Kosten!

  3. Herr Larbig says:

    Der Gedanke kam mir tatsächlich schon: Wenn ich mal ein Bich schreibe, dann besorge ich mir ISBN und veröffentliche es als eBook. Verlagsautoren bekommen, wenn sie Glück haben, 10% des Ladenpreises als Honorar. Dieses Geschäftsmodell ist für Autoren damit eigentlich obsolet. Es gibt nur ein kleines Problem: Das zu veröffentlichende Buch gibt es nicht 😉

  4. Maik Riecken says:

    Maik Riecken, der ein Buch über Moodle schreibt… (Maik hält Moodle für ein notwendiges Übel für den Übergang – die Möglichkeiten für Schülerzentrierung sind mehr als lächerlich oder nur durch 50+ Klicks zu erreichen).

    Das haben ja schon eine Menge Menschen versucht und getan. Ich denke tatsächlich auch darüber nach, dies und das vielleicht auch einmal im Totholz- oder Ebook-Format zu publizieren, dank PoD und diverser Dienstkleister ist die ISDN kein natürliches Hindernis mehr.

    Im Prinzip wäre das Ganze ja lediglich ein Mashup von den ganzen Gedanken der vergangenen vier Jahre – die Textmenge in meinem Blog ist ja schon mehr als romanwertig.

    Dem „Kommerz“ im Web haftet ja immer ein wenig das Klischee des „Unziemlichen“ an – es ist aber etwas grundlegend anderes, wenn ein Verlag dem Autoren 10% zubilligt oder wenn der Autor seine Reichweite durch jahrelange Arbeit selbst aufgebaut hat und dann direkt davon profitiert – ich fände es ok, wenn Herr Larbig von 10 Euro 7 Euro bekommt und das wäre sogar ein Grund, sein Werk zu kaufen.

    Zurzeit möchte ich am liebsten mein eigenes Chemie- oder Deutschbuch „2.0“ schreiben – am besten mit ganz vielen anderen zusammen. Eine Onlineversion mit Onlinepotentialen und eine PoD-/Ebook-Version für den Schulgebrauch. Wäre doch witzig, eine Schulbuchverlagsdomäne „mal eben so“ kollaborativ zu besetzen. Vielleicht könnte es sich sogar lohnen.

    Gruß,

    Maik

  5. Friederike says:

    Och, die Fanfiktionseite, auf der ich mich bewege, hat ständigen Zuwachs.

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