Vater-Sohn Dialoge 1

imageEs gibt da diese grandiose Szene in der ersten Folge der Bill Cosby Show, die mir auch nach Jahren noch tief im Gedächtnis verankert ist. Cliff betritt das völlig versaute Zimmer seines Sohnes Theo, um mit ihm über dessen schulische Leistungen zu sprechen. (seinerzeit konnte ich mich sehr gut mit Theo identifizieren…)

Theo wiegelt ab und behauptet, alles “sei unter Kontrolle”. Er wolle ja schließlich nur “ein gewöhnlicher Mensch” werden, und da brauche er keine guten Schulnoten. Eine Einschätzung, die Cliff natürlich nicht teilt.

“Dad, ich habe darüber nachgedacht,”  beginnt Theo schließlich seine Erklärung,“…und ich verstehe, was du meinst. Bloß, ähm… ich möchte dazu auch was sagen. Du bist Arzt und Mum ist Anwältin und ihr seit erfolgreich und alles… und das finde ich toll!
Aber vielleicht bin ich dazu geboren, ein gewöhnlicher Mensch zu sein und ein gewöhnliches Leben zu führen. Ich würde dich auch nicht weniger lieben, wenn du kein Arzt wärest. Weil du mein Vater bist. Kannst du… anstatt dauernd den Enttäuschten zu spielen, weil ich nicht so bin wie du… mich denn nicht einfach so akzeptieren und lieben so wie ich bin, einfach… weil ich dein Sohn bin?”

Damit wendet sich Theo ab und es entsteht eine bedeutungsschwangere Pause, die einige Sekunden anhält. Wow, habe ich gedacht, genau Theo. Du sprichst es aus!
Ich wollte auch nur ein gewöhnlicher Mensch sein und natürlich sah mein Vater, ebenfalls Arzt, dass genauso kritisch. Viele Jahre später unterhielt ich mich mit meinen Brüdern und tatsächlich – auch sie erinnern sich an diese Szene. Theo sprach aus, was ich damals fühlte: Kann ich nicht einfach so akzeptiert werden, wie ich bin?

Einfach, weil ich dein

Sohn

bin?

Ich bin aber sicher, dass sich die Szene nicht so sehr wegen Theos Erklärung in mein Gedächtnis gebrannt hat, sondern wegen der Antwort seines Vaters. Ich missinterpretierte die sekundenlange Pause als argumentativen Sieg des Sohnes über den Vater. Endlich hatte der Schwächere gewonnen. Und wenn Theo das schaffte, dann sollte es mir mit meinen schlechten Zensuren doch auch möglich sein.

Doch dann war die Pause vorbei. Und Cliff antwortet.

“Theo, das ist das DÜMMSTE was ich je in meinem Leben gehört habe. Kein Wunder, dass du nur Vieren nach Hause bringst. Ich fürchte, du hast Angst dich zu sehr anzustrengen, weil du fürchtest, dein Kopf könnte explodieren.
Hör zu, mein Freund, du wirst dich künftig anstrengen – du wirst so hart arbeiten wie du kannst und du wirst es machen weil ich sage du sollst es tun. Denn ich bin dein Vater. Ich habe dich in die Welt gesetzt und kann dich auch wieder rauswerfen.”

Und wenn ich ehrlich bin, dann wußte ich damals schon, dass Cliff recht hat. Ich war kein “gewöhnlicher Mensch”, ich war ein “fauler Mensch”.

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4 Responses to Vater-Sohn Dialoge 1

  1. Herr Rau says:

    Geschichten bilden, auch wenn sie aus dem Fernsehen kommen.

  2. Ingo says:

    Was wäre das Leben mit Kindern ohne Bill Cosby im Hintergrund. Ich habe sogar seinen Erziehungsratgeber mal gekauft. Leider nicht ganz so witzig.

    Könnt ihr euch auch noch dran erinnern, wie er dann das monatliche Einkommen von Theo als „Müllmann“, glaube ich, zerpflückt hat? Großartig!

    Allerdings habe ich inwzischen selbst einen Sohn wie Theo. Dann ist das Ganze irgendwie leider nicht mehr ganz so lustig.

    • Jan-Martin Klinge says:

      Das ist sogar die gleiche Episode – im Zusammenhang mit Theos Wunsch, ein „gewöhnlicher Mensch“ zu werden.

      Ich liebe die Serie ja sehr und fand das Buch „Fatherhood“ von Bill Cosby sehr gelungen.

  3. Tanja says:

    „Allerdings habe ich inwzischen selbst einen Sohn wie Theo. Dann ist das Ganze irgendwie leider nicht mehr ganz so lustig.“
    *brüll*

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