Computerspiele betrügen

Computerspiele betrügen

Als ich noch ein Kind war, also bevor wir dieses Internetz oder auch nur Festnetz hatten (wir hatten Telefon! Es gab kein Festnetz.) und Computerspiele noch auf vielen Disketten mit .arj gepackt wurden, da stand für meine Freunde und mich das Spielen am Computer nicht so sehr im Vordergrund. Wir haben größeren Spaß daran gehabt, die Programme zu modifizieren und neue, ungeplante Wege zu erforschen. Zu unserer Zeit ging das noch mit einem HEX-Editor, indem wir Wert für Wert unserer Savegames variiert und auf Veränderung im Spiel überprüft haben.  Ausrüstungsgegenstände ändern, Wände verschwinden lassen, Geschlecht ändern oder Monster ersetzen – nichts war unmöglich. Erinnert sich jemand an die Szene aus dem Film Matrix, indem die Leute sich den Code direkt angucken und darin eine schicke Blonde, Brünette oder Rothaarige sahen?

Nun, ganz soweit ging das bei uns nicht – aber es gab Nachmittage, an denen wir mehr Zeit mit dem Betrachten des HEX-Codes verbracht haben, als mit Spielen.

Heute ist das etwas anders. Mir fehlen sowohl Zeit, als auch Lust. Sowohl zum spielen am Computer, aber erst recht zum analysieren. Ich genieße die Sommerferien. Und Carolina natürlich auch.
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Eine Woche lang haben wir in Dänemark Sonne getankt und den Strand genossen. Und damit meiner Tochter nicht irgendwann langweilig würde (und weil sie ja nicht die ganze Zeit Latein-Vokabeln lernen kann) haben wir die XBOX mitgenommen. Samt Kinect und einem Sport-Spiel. Mit dieser Kombination braucht man keinen Controller, sondern wird von einer Kamera direkt erfasst. Wenn man also so tut, als würde man rennen, rennt auch die Figur im Spiel. Man kann bowlen und Fußball oder Tischtennis spielen. Es gibt Volleyball und Leichtathletik. Meine Tochter hatte eine Menge Spaß und war stets hinterher völlig nassgeschwitzt.

Doch irgendwann wurde ihr das Bowlen zu langweilig. Und sie begann… genau… das Programm auf Fehler zu überprüfen. Und sie fand welche.
Wenn man die (virtuelle) Bowlingkugel in zu hohem Bogen schmiss, splitterte die Bahn. Und wenn man die Kugel mit Schwung in die Zuschauer warf, johlte das Publikum entsetzt auf. “Papa, schau mal”, rief meine Tochter am letzten Ferientag, “ich töte die Zuschauer mit der Bowlingkugel! Sind die bald alle tot…!?”

Natürlich nicht.
Das ist ja ein Kinderspiel. Aber mich verblüfft der Drang, mit Dingen zu experimentieren. Zu schauen, was geht. Und… ja, ein bisschen stolz bin ich schon darauf. Nicht auf den Versuch, Leute mit Bowlingkugeln zu erschlagen – aber darauf, sich über der Spiel zu erheben.

4 Replies to “Computerspiele betrügen”

  1. Ich habe da ein altes Spiel … den Namen will ich nicht nennen, weil es so peinlich ist (aber so dermaßen lustig!) … da hatte man ohne Hex-Editor gar keine Chance 😀

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