ARTE filmt mich.

“Guten Mooorgen”, weckt mich die fröhliche Stimme des Kameramannes Ulf. Im Nachhinein hätte mich das schon aufmerksam werden lassen müssen. Aber in dem Moment war ich zu erschrocken, um nachzudenken. Ich nestle an meinem roten Schlafanzug, auf dessen Oberteil Donald Duck Entenhausen ebenfalls einen “guuten Mooorgen” wünscht und murmele etwas Unverständliches. Dann verschwinde ich ins Bad.

Während Ulf nett mit meiner Frau plaudert, mache ich das Frühstück. Carolina hat sich in den Kopf gesetzt, die Reste der Erdnussflips von gestern nun zu frühstücken und ich bin in meinem Wahn zu verwirrt, um zu widersprechen. Im Nachhinein gibt das sicher kein gutes Bild im Fernsehen.
So richtig durchatmen kann ich erst in der Schule. Vernünftiger Unterricht. Zwischendurch immer wieder das Kamerateam – aber die Schüler arbeiten vernünftig. Zum Schluss die Interviews.
Ulf bittet mich, nicht direkt in die Kamera zu schauen, sondern auf ihn. Doch während ich mein Gesicht ihm zuwende, wandern meine Augen unauffällig nach links in Richtung Kamera. Das sieht so dämlich aus, dass wir vier Anläufe brauchen, bis ich das in den Griff bekomme.

“Hallo, wir drehen für den Kanal ARTE eine Dokumentation für Yourope.”
Ein Schüler kräht dazwischen.
”Habt ihr gehört? Die drehen für Youporn!”
Aufgeregtes Gekreische. Die Jungs gröhlen, die Mädchen kichern. Ich versinke vor Scham im Boden und…

…wache schweißgebadet auf.

Himmel.
Ein Blick aufs Handy. Es ist erst Mittwoch. Nur ein Albtraum. Trotzdem wechsle ich schnell das Schlafanzugoberteil aus. Nur für alle Fälle.

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