Ouzo auf dem Weisshorn

Der irische Physiker und Bergpionier John Tyndall unternahm im August 1861 eine wagemutige Reise. Nachdem er einige male davon gesprochen hatte das Weisshorn in den Walliser Alpen mit seinen 4505 m zu besteiegen, war es nun endlich soweit. Mit den beiden Bergführern Johann Benet und Ulrich Wenger von Randa machte er sich auf den Weg. Auf halber Strecke hielt Benet es für eine gute Idee eine kleine Pause einzulegen um einen Ouzo zu trinken. Natürlich war allen bewusst, dass der Alkohol die körperlichen Strapazen nicht leichter machen würde. Also schlug Tyndall vor, den Ouzo mit ein wenig Wasser zu verdünnen. Im Moment des Zusammentreffens von Ouzo und Wasser passierte etwas Unerwartetes. Der Ouzo trübte sich weiß. Tyndall war fasziniert von dem was er sah und nahm sich vor, nach der Besteigung dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Am 19. August 1861 schrieben die drei Geschichte und bestiegen das Weisshorn als erste.

Nach dieser kleinen zum Teil erfundenen Anekdote nun zurück zum Ouzo. Ouzo bekannt als Lieblingsgetränk der Griechen ist wie Raki, Absinth, Pernod, Pastis uvm. ein Anisschnaps. Diese enthalten einige ätherische Öle, wie das Anethol aus dem Anissamen, welche gut in Ethanol (Trinkalkohol) aber nur schlecht in Wasser löslich sind. Ihr molekularer Aufbau und ihre Form sorgen dafür, dass sich die Dichte der Elektronen in den Molekülen homogen über die Atomgruppen der  Moleküle verteilen, sie besitzen kein permanentes elektrisches Dipolmoment . Die Öl-Moleküle sind unpolar. In Wassermolekülen hingegen liegt ein Großteil der Elektronen auf einer Seite des Moleküls, es bilden sich Ladungsschwerpunkte, die zwei elektrische Pole und ein permanentes elektrisches Dipolmoment erzeugen. Wasser ist polar. Da sich die Öl-Öl und die Wasser-Wasser Wechselwirkungen aufgrund der Polarität der Moleküle  sehr stark unterscheiden sind Öl und Wasser nicht miteinander mischbar. Gibt man also Wasser in den Ouzo bildet sich eine sogenannte Mikroemulsion, man spricht vom Louche-Effekt. Die Öl-Moleküle finden sich zusammen zu submikroskopisch kleinen Kugeln. Doch was hat das ganze jetzt mit John Tyndall zu tun? Wenn wir davon ausgehen, dass das ätherische Öl farblos ist und Wasser ja bekanntermaßen auch, warum wird der Ouzo dann trüb, fast schon weiß wenn man ihm Wasser beifügt? Haben die Öl-Kugeln einen Durchmesser ähnlich der Wellenlänge des sichtbaren Lichts, kommt es zur Streuung desselben an der Öl-Wasser-Grenzfläche und der Ouzo wirkt weiß. Dieser Effekt wurde nach unserem Bergsteigerfreund John Tyndall (Tyndall-Effekt) benannt, da er auch einer der ersten war, der die Lichtstreuung an Mikroemulsionen untersuchte.

LoucheDer Louche-Effekt, also die spontane Bildung einer Mikroemulsion kann man auch beobachten, wenn man Ouzo stark kühlt, da die Löslichkeit der ätherischen Öle im Alkohol mit sinkender Temperatur abnimmt. Für alle Lehrer habe ich mal wieder einen Link zur Seite von Prof.  Blume, der ein paar schöne Schülerversuche zum Thema Polarität und Mischbarkeit zusammengestellt hat.

Zu letzt sei noch zu sagen, dass Tyndall und seine Freunde wirklich die Erstbesteiger des Weisshorns waren und dass Tyndall ein sehr engagierter Klimaforscher war, der nicht nur Gletscher, sondern auch die Klimaerwärmung untersucht hat.  Das mit dem Ouzo… Wer weiß… 😀

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