Hangover vs. Charlie Chaplin

Noch zwei Wochen Unterricht hier in NRW.
Tatsächlich sind die letzten beiden Wochen mitunter die anstrengendsten: Die Noten sind gemacht. Schüler wie Lehrer sind ferienreif und das gute Wetter trägt sein übriges dazu bei, die Arbeitsmoral zu senken. Es ist mehr “betreutes Rumlungern” als Bildungsoffensive.

Es ist die Zeit, in der vermehrt Filme geguckt werden, um das Schuljahr entspannt ausklingen zu lassen. Leider funktioniert das nur ein, zwei Tage lang – irgendwann hängen auch den Kindern die ewigen Filme zum Hals raus. “Nicht schon wieder was gucken…” (sic!)

Auch meine Klasse wünscht sich gemeinsames Kino im Klassenraum und ich habe vorsichtig nachgefragt.

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Im Unterschied zu früheren Zeiten (in denen natürlich grundsätzlich alles besser war) – haben die Kinder heute die meisten Filme schon gesehen und ein großer Teil zu Hause auch auf DVD. Das senkt den Guck-Spaß beträchtlich. Und es wirft die Frage auf, wie sinnvoll die x-te Wiederholung von “Findet Nemo” ist. Nicht, dass ich die Pixar-Filme nicht mag – aber irgendwann erschöpft sicher der Humor dann doch. Und nicht nur die Lerngruppen sind heterogen, auch die Filmgeschmäcker: Wo einige Jungs schon Hangover 1-3 mitsprechen können, erfreuen sich andere an Disneys Cars.

Was mich zu dem Gedanken bringt, Filme auszusuchen, die wirklich niemand kennt. “Moderne Zeiten” von Charlie Chaplin zum Beispiel. Oder “Arsen und Spitzenhäubchen” aus dem Jahr 1941. Beides urkomische Filme. Und so alt, dass garantiert niemand sie sehen will kennt.

Als ich meiner Frau davon erzählte, schüttelte sie nur milde den Kopf (wie meistens, wenn ich großartige skurrile Ideen habe). Und ja: Auch die Schüler fänden Chaplin sicher zunächst blöd. Oder Cary Grant, der seine mordlüsternen Tanten besucht. Aber vielleicht nur im ersten Moment. Denn wo – wenn nicht in der Schule – bekämen sie je solche Filme zu sehen? Wer schaut in Zeiten “World War Z” noch “Die Vögel” von Alfred Hitchcock?
Muss man uns nicht auch manchmal zu unserem Glück zwingen?
Am Ende aber würden sie die Filme vielleicht wirklich blöd finden – zumindest hätten sie jedoch einen der großen Klassiker mal gesehen.

Wie seht ihr das?
Was habt ihr in der Schule gesehen oder zeigt euren Klassen?

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32 Responses to Hangover vs. Charlie Chaplin

  1. herr_mess says:

    Meine Oberstufe in Englisch hat vom mir mal The Blair Witch Project serviert bekommen – und war völlig verstört. Da ihnen der Film und der Hype darum gar nicht mehr bekannt war (der Film ist wohlgemerkt von 1999!), sind sie dem Streifen voll auf den Leim gegangen und waren überzeugt davon, dass der Film eine reale Doku war. Zum Glück konnte ich sie vom Gegenteil beweisen und weitere Therapiesitzungen unterbinden 😉

  2. Friederike says:

    Och in der Schule haben wir auch Hangover geguckt,
    Aber auch „Wie ein einziger Tag“ „Hexen Hexen“ (bei beidem vorher das Buch gelesen)
    „Der Untergang“ „Herr der Fliegen“ „300“ „Momo“ „Die unendliche Geschichte“
    „Wolke 9“ (Nicht zu empfehlen, genauso wenig wie 300)
    „Vincent will Meer“ „Jackass 1 und 2“ (3D gab es da noch nicht)
    Was man sich auch mal angucken kann, ist vielleicht „Don Camillo und Pepone“
    „Die Wilden Hühner“

    • Friederike says:

      Vielleicht auch Unterrichtsbezogen die Mythbusters

    • Filme wie „300“ oder „Jackass“ werde ich sicher nie zeigen. Allein von Rechts wegen: „Oh, die Idee uns vom Dach zu werfen haben wir vom Herrn Klinge. In seinem Unterricht haben wir…“
      Abgesehen davon… hach.. ich bin einfach altmodisch.

      • Friederike says:

        hab ja auch nicht gesagt, das du das sollst. 😉
        Obwohl, danach errechnen, mit wie viel KM/h Johnny Knoxville mit dem Jetsky über den Zaun geflogen ist, und wie hoch er dabei gestiegen ist, wäre doch mal eine Meisterleistung. Oder wie viel Kraft die High Five Hand hat.
        Aber zu empfehlen ist das natürlich nicht.

  3. Till says:

    In Englisch? Blackadder, 3. Staffel. „Die Vögel“ oder andere Hitchcock-Filme werden m.E. ein Desaster, die wirken heute lächerlich.

  4. KC says:

    Also ganz schlecht ankommen tun bei Schülern Filme mit (pädagogischem) Anspruch oder die, die sich auf die gerade gelesenen Werke beziehen, die außer der Lehrkraft wirklich niemand mochte (und dann am besten noch in Originalsprache ohne Untertitel) : Wer also möchte, dass die Schüler einen hassen, kann es ja gern mal mit diesem psychedelisch gedrehten 1984 auf Englisch versuchen oder einer Aufzeichnung aus dem ZDF Theaterkanal (4:3 Format selbstverständlich mit den Streifen vom Videorecorder) von Woyzeck oder so.
    Was sicherlich gehen dürfte, sind Filme im Stile von Feuerzangenbowle oder die alten Kästner-Verfilmungen bzw. (die ja mittlerweile von einer Schülergeneration davor geschauten) Neuverfilmungen

    • Himmel!
      Wir mussten damals Effie Briest gucken – 140 Minuten gefilmte Bewegungslosigkeit. Bezeichnend, dass unsere Deutschlehrerin nicht mitgeguckt hat, sondern uns im dunklen Raum mit diesem „Kunstwerk“ zurückließ. Entsetzlich!

      • KC says:

        Goethes Wahlverwandschaften im Rosamunde-Pilcher-Style hatten auch was!

        • Friederike says:

          Wir mussten „Jugend ohne Gott“ erst lesen und dann den Film gucken. Das Buch war schon Bockmist, aber der Film war noch Schlimmer.

          Vielleicht die Welle, aber wenn die original Verfilmung

          • Anne says:

            O ja, Literaturverfilmungen, ein weites Feld… Werden, wenn überhaupt, grundsätzlich erst nach der Klausur zum Buch geguckt, sonst liest man Erstaunliches (Josef K. durch Handgranate in die Luft gesprengt)
            Empfehlen kann ich „The Jack Bull“ – verlegt Michael Kohlhaas nach Wyoming, als der Westen noch wild war und ist auch ohne Buchkenntnis spannend.

  5. annkristin says:

    Also ich selbst hatte jetzt die letzten Tage wirklich Mühe nicht einzuschlafen. Selbst Gespräche mit Lehrern fand ich bei Zeiten interessanter. Die Idee finde ich klasse und es sollte mehr solcher Lehrer geben!

  6. Marina says:

    Als Abiturientin kann ich sagen: es gibt Filme, die man ab 16 Jahren gucken sollte, wie zB „Kriegerin“, wo es um eine Neonazi Frau geht, die einem ausländischen Jungen hilft und ihr Leben hinterfragt..

    Ansonsten auch gerne Dokus – wir haben uns stundenlang in Physik mit Quaks&Co und „Der Stoff aus dem der Kosmos ist“ geschaut – Physik aus einer anderen Perspektive, nämlich mit anschaulichen Versuchen, statt 2D Skizzen an der Tafel.

    Aber ich finde Dystopien auch wichtig – sowas wie „Idiocracy“ oder „Surrogates – Mein zweites Ich“ ooooder „Minority Report“ ..
    wenn deine Schüler aber etwas über das Leben lernen sollen, auch in schwierigen Situationen nicht das Lachen zu verlieren, ist bestimmt auch „Heute bin ich blond“ gut..

    Ich für mich habe durch diese Filme gelernt, zu versuchen auch noch mit 43 Jahren die Magie es Lebens zu spüren – sich über Sonnenstrahlen und einen Regenbogen zu freuen, das Leben zwar Ernst nehmen, aber dennoch genug Spielraum für Freiheit und LEBEN lassen.

    PS: Ich kann mich leider kaum noch an die Filme der 5. – 8. Klasse erinnern, nur so viel: sie waren alle anstrengend und nicht unterhaltsam. Und auch DAS müssen Schüler lernen. Außerdem sollte Kultur vermittelt werden, wie zB mit Dick und Doof o.ä.

    LG, Marina

  7. Jürgen says:

    Alte Filme kommen gut an und man kann dann gleich darüber Unterricht machen. Was ist anders als an heutigen Filmen. Die schauspielerische Leistung. Warum sind heute Filme so anders…….

  8. MM says:

    Definitiv Stan&Olli-Filme!

    Die Langfilme sind für die Kids meistens etwas zu langatmig, aber die richtig guten Kurzfilme (Brats, Music Box, alles mit Massenschlägereien… ;-)) kommen auch heute noch gut an. Und wenn man die im Original mit Untertiteln guckt, kann man das ganze noch als runde Englischstunde verbuchen. 🙂

  9. Anne says:

    In meinen Musikunterricht mogele ich öfters schwarz-weiße Filmklassiker wie Casablanca (der Lieder-Kampf, und überhaupt: Spiel es, Sam!) oder Miss Marple (Fuge in „Mörder Ahoi“). Bin jedes Mal erstaunt, wie wenige das kennen und wie gut es ankommt. Liegt es an der ruhigeren Erzählweise?
    Eine Klasse fragt mich immer wieder nach Fritz Langs „M – eine Stadt sucht einen Mörder“, ‚der war so toll!‘
    Bevor Wagner erschallt darf Indiana Jones 3 Leitmotivtechnik zeigen. Den kennen zwar die meisten, aber bewusst auf die Musik gehört hat kaum einer.
    Nur Glotzen zum Zeitvertreib können sie daheim…

  10. Marchantia says:

    Auch wichtig: lass dir die Filme nicht von den Schülern verderben. „Die Vögel“ müsste man z.B. vorbereiten: wodurch entsteht Bedrohung? Was macht Angst? Wie inszeniert man Bedrohung? Schock vs. Spannung usw.
    Wenn du das nicht machst, dann ist die Gefahr groß, dass die Schüler die Filme nur oberflächlich schauen, Splatter erwarten, nur Piepmätze bekommen und entsprechend reagieren..

    Filme, Gedichte etc., die ich selbst sehr mag, bringe ich darum nur sehr vorsichtig, wenn überhaupt, im Unterricht unter.

  11. LadySolana says:

    Was spricht gegen „Patch Adams“?
    Ein lustiger Film mit doch genügend Tiefe.
    Vielleicht sind sogar die meisten Robin Williams Filme sogar alt genug um nicht von den Kids gekannt zu sein (?) Komischer Satz, aber Sinn kommt rüber^^

  12. Sächsin says:

    Nur ganz kurz … meine Tochter geht in die 5. Klasse und wir haben uns zu Hause „Die Vögel“ angeschaut. Eigentlich … denn meiner Tochter war es zu gruselig. Sie hat die verstörende Wirkung nicht vertragen.
    Von wegen lächerlich … !
    An unserer Schule gibt es die vorletzte Woche einen fächerverbindenden Unterricht. In der 5. Klasse zur Antike. Das lief toll!!! 🙂
    Und die letzte Woche ist durchgeplant. Büchertausch, Kinotag, Wandertag, Schulfest, Zeugnisausgabe.
    Ich bin soooo ferienreif!
    Liebe Grüße aus Dresden

  13. Jo says:

    Ich könnte mir vorstellen, dass 5.-Klässler noch viel offener sind für die alten Schinken, weil die vielleicht noch nicht so „verdorben“ sind vom Neuzeitkino und Sprüch wie „Waaaas, älter als 2005? Dann ist er langweilig!“ eher die Ausnahme sind.
    „Die Brücke nach Therabitia“ ist ganz schön, aber nicht unbedingt die leichteste Kost; hat aber gute Aussagen.
    Robin Williams hat einige sehr anrührende Filme gemacht (Good Will Hunting, der wo er Arzt in ner Psychiatrie ist und die Leute sich nicht regen, u.a.), das wäre halt was mit Anspruch.
    Selbst gesehen haben wir damals „Die Bombe tickt“ (Geschichte, Neonazis, 90er Jahre) „Im Westen nichts Neues“ (auch heute noch recht verstörend), „Amadeus“ und „Farinelli“ (nicht zu empfehlen, zu kulturlastig 😀 ), Asterix-Zeichentrick, „Forrest Gump“ (hat aber mindestens 2-3 Schulstunden gedauert) und noch sicher andere, die mir jetzt nicht einfallen.
    Einen möchte ich aber gesondert nennen, da er mich nachhaltig beeindruckt hat – vielleicht, weil er heute so aktuell ist wie vor 15 Jahren: „Gattaca“. Haben wir in der 11. oder 12. in Religion gesehen, aber den kann man (zumindest Älteren) ruhig vielen zumuten. http://de.wikipedia.org/wiki/Gattaca
    Mich erschreckt heute wie schnell die Realität diesen Film einzuholen droht – das ist aber natürlich eine Perspektive, die die Kinder nicht haben werden.
    Ansonsten halt bei den Temperaturen „Eis am Stiel“ 1-35 gucken 😀

    • Jo says:

      Äh, Good Will Hunting ODER dieser Film mit den Geisteskranken – Good Will Hunting selbst spielt ja in nem ganz anderen Milieu

      • Jo says:

        Wo ist die Editierfunktion?….
        Also, Geisteskrank ist nicht ganz richtig, aber egal, der Film ist toll. „Zeit des Erwachens“ heißt er. Und IMMER geht (mMn) natürlich „Club der toten Dichter“!

        • Miriam says:

          Club der toten Dichter haben wir damals in Englisch geguckt – fand den Film absolut genial.
          Gattaca haben wir auch geschaut – zwei Mal sogar – ich kann ihn immer noch nicht leiden, obwohl die Thematik sehr interessant ist.

          Vll was lustiges mit Adam Sandler 🙂 Oder „Oben“, den schau ich immernoch gern

          lg 🙂

  14. Andreas says:

    Ich empfehle den Einsatz von „The Big Bang Theory“ zum Einsatz bei älteren Schülern. Die Folgen sind relativ kurz (um die 20 Minuten) und bieten gerade physikalisch häufig sehr viel. Die frühen Folgen können da wahre Goldgruben sein und zu vielen Physikthemen als Aufhänger dienen. Wenn man eine Folge mal an einer passenden Stelle für 10 Minuten unterbricht, um über die Physik zu sprechen, nimmt einem das der Großteil der Schüler nicht übel.

  15. Andreas says:

    Es gibt ne ganze Menge Filme die zum nachdenken anregen oder gesellschaftskritisch und trotzdem unterhaltsam sind:
    Matrix
    13th Floor
    Gattacca
    Die Insel
    Green Mile
    Club der toten Dichter
    Schindlers Liste
    Die Welle (kenne nur den alten)
    Thank you for smoking
    Full metal jacket
    Fight Club
    Sieben
    American Psycho
    K-Pax
    Butterfly Effect
    Inception

    …nicht alle für die Klassen 5 und 6 geeignet 😉
    Und bis auf wenige Ausnahmen auch alle älter als deine Schüler.

  16. Nicole says:

    Ich habe aus aktuellem Anlass auch noch zwei Filmtipps: „The way way back“ (vorgestern im Kino gesehen, kommt aber vielleicht vor den nächsten Sommerferien auf DVD?) und „Little miss sunshine“. Ich würde sagen, ungefähr ab 6. Klasse geeignet. „ET“ – ich habs mit 10 Jahren geliiiebt – ist bei den Schülern von heute voll durchgefallen 🙁 Ansonsten sehen meine 6.Klässler sehr gerne Filme aus der „WasistWas“-Reihe (mit Beobachtungsaufträgen).

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