Der Nikolaus war da…

„Papa? Es gibt keinen Weihnachtsmann!!“
„Bitte was?“ Ich schaue, möglichst neutral, auf. „Wer sagt denn so etwas?“
„Die Frau Pallhuber. Heute in der 6. Stunde.“
Sie hält kurz inne. „Weißt du, einmal hätte ich gerne noch mit dem Weihnachtsmann Weihnachten gefeiert. So wie früher.“

Früher.

Vor drei Jahren noch hat meine Tochter extra ihr Zimmer aufgeräumt, die Stiefel geputzt und ihm ein Bild gemalt. Mit viel Liebe und Sorgfalt. Das Bild hat sie dann auf die Stiefel gelegt, bevor sie ins Bett musste.

Am nächsten Morgen ertönte aufgeregtes Rufen aus dem Kinderzimmer. “Papa! Papa!” (Natürlich ruft sie mich als erstes..) “Der Nikolaus war da! Und er hat mein Bild mitgenommen!”

Carolina jubelte laut und brabbelt weiter, während ich mich ganz schlecht fühle. Denn der ‘Nikolaus’ hat das Bild im Kamin entsorgt – schließlich darf sie es ja nie wieder finden…

“Ist das nicht toll, Papa?”

“Hm..?”

“Na, dass er mein Bild mitgenommen hat!”

“Erm… ja! Sehr!”
Wann habe ich mich zuletzt so schlecht gefühlt?

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7 Responses to Der Nikolaus war da…

  1. Carsten says:

    In spätestens 5Jahren musst du den Blog hier dicht machen, oder zumindest alle Einträge, die Carolina betreffen entfernen, sonst gehts bei euch drunter und drüber.
    „Papa! Papa“
    „Ja Carolina“
    „Ich weiß ja jetzt das es den Nikolaus nicht gibt, aber ich hab da doch mal son schönes Bild gemalt. wo is das?“
    „Boa also das weiß ich nicht mehr, das…“
    „… ich weiß genau was du gemacht hast!!!!“
    … … …
    ^^ ich bin mal gespannt

  2. Winni says:

    Wie wärs mit Sammeln? Ich habe alle, wirklich alle Bilder die meine Kinder jemals gemalt haben aufgehoben, selbst jene die sie wegschmeißen wollten. Verbrennen kann ja nur zu einem schlechten Gewissen führen. 😉

    • Jan says:

      Ich weiß nicht. Ich bin nicht so der Sammler. Ein paar Dinge behalte ich, ein paar scanne ich ein – aber das meiste will doch eh keiner mehr sehen. Genauso wie die 100.000 Digitalphotos, oder?

  3. sdinkel says:

    Haha das ist gut.
    Ein Fünftklässler war neulich ganz traurig als ich seine liebevoll erledigte Strafarbeit als Schmierzettel verwendet habe.
    „Wer hat da was drauf geschrieben?“
    Wobei das noch gnädig war. Die landen normal recht schnell im Müll.

  4. Pingback: Nikolaus. « …ein Halbtagsblog…

  5. Fredi Ann says:

    bei mir gibt es seit dem 4. Lebensjahr kein Nikolaus mehr. (Weihnachtsmann gab es nie, weil das Christkind die Geschenke gebracht hat. oder eher meine Eltern. Es stand nie aus der Frage, dass sie die Geschenke gebracht haben.[Es kann aber auch sein, dass das Christkind das gleiche Geschenkpapier benutzt hat wie meine Eltern :D] ) Als ich vier war kam der Nikolaus das erste und letzte mal zu mir. Als ich ihn erblickt habe, da bin ich aus dem Wohnzimmer abgehauen, in mein Zimmer, und habe mich im Schank versteckt. (Ich nahm auch reiß aus, wenn ich einen Clown erblickte. ich mag die aber immer noch nicht, die sind gruselig) Meine Eltern mussten mir also wirklich versichern, dass es keinen Nikolaus mehr gibt. das der schon laaaange tot ist.

  6. Oh, das ist bitter – ein schlechtes Gewissen am Nikolausmorgen. Herr Klinge, das haben Sie eigentlich gar nicht verdient. Wobei ich genau verstehe, was Sie meinen – Kinder sind unheimlich produktiv, und spätestens nach drei Jahren künstlerischer Tätigkeit muss man für die ganzen Masken aus Papptellern, Bildern und Wichteln aus Herbstblättern, Origami Kunstwerke, Schiffe aus Quarkbechern und Lumpenkasper eine eigene Wohnung anmieten, weil man den Kram sonst einfach nicht mehr gestapelt bekommt.
    Sehen Sie es mal von der anderen Seite: Der Nikolaus hat mit Sicherheit himmlische Helferlein. Die können einfach nicht überall auf der Welt innerhalb einer Nacht Stiefelchen befüllen, Wunschzettel und Bilder einsammeln, Hundekuchen verstecken dann auch noch unsichtbar wieder verschwinden. Sie haben geholfen, das Bild in den Äther zu schicken, so dass die weihnachtlichen Mächte es wenigstens auf ganz geheimnisvolle Weise bewundern konnten. In manchen Ländern verbrennt man seine Wünsche und lässt den Rauch zu den Göttern aufsteigen, so dass die Wünsche erhört und erfüllt werden können.

    Gruß von einer Mama, die auch schon so manches Bild unzeremoniell entsorgte, die Wunschzettel durch den Kamin jagt und im Arbeitszimmer einen eigenen Schrank für Kinderkunstwerke hat 🙂

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