Menschenraub & Wirtschaftskriminalität

Also manche Dinge sind einerseits so skurril, dass ich ehrlich nicht weiß, ob ich sie euch erzählen kann – andererseits aber sooo skurril, dass ich sie unbedingt erzählen muss. (Noch merkwürdiger als der FKK-Erlass? Ja!)

Neben Familie, Unterrichtsvorbereitung, Umzug, kleinem Hund und dem Alltag werden wir nämlich verklagt. Also vielmehr: Meine Frau wird verklagt.

Wegen Menschenraubs. Und Wirtschaftskriminalität.
Ich bin tatsächlich mit einer potentiellen Schwerstkriminellen verheiratet.

(Also, wer jetzt nicht auf “weiter lesen” klickt… Zwinkerndes Smiley)

IMAG0614Die Hintergrundgeschichte ist irrelevant und (traurigerweise) beliebig austauschbar. Der Begriff “Frauenhaus” erzählt vermutlich genug, ohne dass die Details wirklich interessieren. Meine Gemeinde hat einer Frau geholfen, auf eigenen Beinen zu stehen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und aus dem alten, kaputten auszubrechen. Zurück bleibt eine traurige Existenz, die sich – in diesem Fall – tief in selbstgebastelten Verschwörungstheorien verlaufen hat. Alle paar Wochen bekommen wir einen (in eine alte Schreibmaschine gehackten) Brief mit wilden Anschuldigungen, verrückten Theorien und (tatsächlich witzigen) Spitznamen vor die Türe gelegt: Unsere Gemeinde sei ein Verbund aus Wirtschaftskriminellen, wir seien verantwortlich für den Untergang der eigenen Firma vor dreißig Jahren; jene Frau sei von uns mit Psychopharmaka und Medikamenten unter unsere Kontrolle gestellt worden und vor der sonntäglichen “Prophetenjodelei” habe er mit dem “Jordanplanscher” Hinz und dem “Trommelprofessor” Kunz gesprochen und dieses und jenes in Erfahrung gebracht und wenn das “Baptistenloch” Siegen nicht von korrupten Polizisten und “Richtersäuen” wimmeln würde, dann wären wir längst aufgeflogen.

IMAG0615Vor einigen Wochen wartete der Mann nach der “Prophetenjodelei” (was ein großartiges Wort!) vor unserer Kirche auf seine Schwester, die sich kaum heraustraute. Geschäftig lief er auf und ab und ich kam mit ihm lose ins Gespräch, während er wartete. Ob er nicht einfach nach Hause gehen könne. Ob wir erneut die Polizei holen müssten.
Aber vergebens.
Man kann sich als vernünftig denkender Mensch kaum vorstellen, wie sehr jemand sich so in seine Vorstellungen verstrickt (“Ich frage mich, welche kriminellen Machenschaften Ihrer Gemeinde zugrunde liegen, dass Sie sich so ein Haus bauen können.”) und im Nachhinein schäme ich mich etwas, dass ich ihn auf die Schippe nahm (“Wir handeln mit Kuscheltieren auf dem Schwarzmarkt. Aber das Geschäft läuft nicht mehr so wie früher…”). Mit Vernunft geht es nicht.

Briefe mit der Schreibmaschine. Ein psychisch offenkundig kranker Mann. Verschwörungstheorien. Juristische Prozesse.
Mit seinen zahlreichen Klagen, Einsprüchen und verlorenen Prozessen wird der mittellose Mann den Staat schon abertausende von Euro gekostet haben und macht munter weiter.

Ich dachte immer, so etwas sieht man nur im Film. Aber aufregend ist wohl überall.

Naja, bald ziehen wir weg – und dann ist der Fußweg zu weit, um die Briefe vor die Tür zu legen. 😉
(Aber falls ihr nichts mehr von mir hört…. :-O)

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5 Responses to Menschenraub & Wirtschaftskriminalität

  1. Andreas says:

    Ein neuer Ort mit neuen Menschen … oder doch nicht? Ein Fall für Fermi … wie groß ist die statistische Wahrscheinlichkeit, dass im neuen Heim wieder ein solcher Typ lebt. ^^

    Im Ernst …wünsche euch viel Kraft und Durchhaltevermögen bis der Spuk vorbei ist!

  2. Nicole says:

    Toll, mit welchem Humor du das nimmst, genau richtig! Wenn man sich für andere einsetzt, kann man schnell zur Zielscheibe werden, da braucht man stabile Nerven und Freunde \ Familie. Hut ab vor deiner Frau!

  3. Coreli says:

    Es hört sich sehr stark nach dem an, was mir Freunde und Bekannte über deren schizophrene Familienangehörige erzählen. Und was das Ganze für mich noch mehr „spooky“ macht ist, zu wissen, dass Medikamente existieren, die denn Mann fix in einen Zustand bringen könnten, dass er diese Briefe genauso lächerlich findet wie ihr und sich nicht erklären kann, das jemals geschrieben zu haben.

    LG
    Coreli

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