“Dienstliche Beurteilung”

“Dienstliche Beurteilung”

Zu Beginn einer Lehrerkarriere wird man von der Schulleitung auf Tauglichkeit überprüft. “Revision” nennt sich das. Ähnlich wie ein Unterrichtsbesuch bei den Referendaren setzt sich mein Schulleiter in meinen Unterricht und verfasst eine “Dienstliche Beurteilung” über das, was ich da so tue.

Bei mir steht das Dienstag an.

Ich wurde von meinem Schulleiter darauf hingewiesen, keine Showstunde zu machen, sondern ganz normalen Unterricht. Aber natürlich überlegt man sich Stundeninhalt und –verlauf sehr genau und da ich meinen eigenen Unterricht oft genug ganz wunderbar finde (oft genug aber auch nicht), freue ich mich auch sehr auf Dienstag.

Es geht los mit Mathematik in meiner eigenen Klasse. Es geht gerade um Zuordnungen. Dreisatz und so. Wir beginnen Dienstag mit einer Lerntheke. Das sind immer schöne Stunden, weil die Schüleraktivität extrem hoch ist und ich gar nicht so sehr im Vordergrund stehe. Im Idealfall schaue ich 90% der Zeit nur zu und gebe höchstens hier und da mal Hilfestellung. Wenn man als Lehrer quasi überflüssig ist, dann ist das immer schön anzusehen.

Physik wird aufregender. Es geht um Kräfte und wir legen direkt mit einem spannenden Experiment los:
Ein Schüler (mit bekanntem Gewicht) sitzt auf einem reißfesten Seil, das (in bester Tauzieh-Manier) links und rechts von den Schülern angezogen wird. Anhand des Winkels, in dem das Seil durchhängt, kann man herausfinden, mit welcher Kraft die Schüler gezogen haben. (Eine ähnliche Situation findet man bei Lampen vor, die mittig über einer Straße hängen und rechts und links an den Häuserfassaden befestigt sind).

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Physik mit dem eigenen Körper finde ich immer spannender, als Physik aus dem Physikschrank. In jedem Fall wird es lustig und laut und es wird viel gelacht.

Daran anschließend ein kleiner Versuchsaufbau mit meinem Physikbären Bruno.
In einer (ethisch fragwürdigen) Apparatur werden links wie rechts zwei Gewichte an seinen Tatzen befestigt:

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Alternativ dazu, wird eine Tatze an der Wand festgebunden:

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Entscheidende Frage: Was quält Bruno mehr? (Lösung für Interessierte)

Der – für mich – besondere Punkt ist nicht das Experiment zur Herleitung der Newtonschen Axiome, sondern die Verwendung eines Kuscheltieres im Versuch. Bruno ist für die dämlichen Fragen im Unterricht verantwortlich und sorgt auch dafür, dass die Schüler emotional an das Experiment gebunden sind. Es geht halt nicht nur um “olle Fadenpendel” aus dem Schrank, sondern um den armen Bruno, den wir schon vom Dach geworfen und unter Strom gesetzt haben. Das macht so ein Experiment spannend. (Mehr dazu hier.)

Insgesamt werden es zwei bunte, aufregende Stunden, auf die ich mich sehr freue.

Wer sich ausführlicher zum Thema “Dienstliche Beurteilung” informieren möchte, dem empfehle ich einen Artikel des Kollegen Tresselt, der sehr detailliert darüber schreibt. Ich formuliere jetzt weiter am Stundenentwurf.

6 Replies to ““Dienstliche Beurteilung””

  1. Das heißt, du wirst an einem Tag, der dir vorgegeben wird, abgeprüft? Sauber… Bei uns stehen drei Einzelbesuche über einen Beurteilungszeitraum von ein paar Jahren an. Welche Variante jetzt „verträglicher“ ist?

    1. Man wird (in NRW?) zweimal beurteilt, jeweils in beiden Fächern. Einmal ganz zu Beginn seines Dienstes und einmal nach drei Jahren.
      Anschließend wird man für würdig befunden oder muss zurück in die Universität (obwohl ich dann vielleicht lieber Journalist würde) 😀

  2. Hallo, ich bin durch den Blog hier auf die Kuscheltieridee und Martin Kramers Bücher aufmerksam geworden. Bin davon ebenfalls begeistert 🙂
    Die Erprobung steht aber noch aus. Womöglich als erstes mit genau dem hier vorgestellten Beispiel, nur …
    Das Experiment verdeutlicht doch eher das Kräftegleichgewicht, als irgendein Newtonsches Axiom?! Im Gegenteil, das Experiment als Prototyp für actio gegengleich reactio dürfte die Fehlvorstellungen eher noch befeuern. So zumindest mein Eindruck.
    Ich verwende es zum Glück erstmal nur als Übung zum Pfeile zeichnen und mit dem Kraftbegriff hantieren.

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