Enid Blyton–Relikt vergangener Zeiten.

Enid Blyton–Relikt vergangener Zeiten.

Nachdem wir die SAMS Bücher durchgelesen haben, versuche ich Carolina für Enid Blyton zu begeistern. Was habe ich ihre Bücher als Kind verschlungen. Fünf Freunde. Geheimnis um. Rätsel um. Die Schwarze Sieben. Sogar Hanni und Nanni habe ich gelesen.
Und immer ging es um kluge Kinder, die Verbrechen lösen und Geheimnissen auf die Spur kommen. Enid Blyton war für mich damals, was Rosamunde Pilcher für Kollegin Eva heute ist: Bewährtes, immer wiederkommendes Rezept. Familie sozusagen.

Doch ich komme aus einer Zeit, da es keine Political Correctness gab. Die Playmobil-Bauarbeiter kamen noch mit einer Kiste Bier daher und bei Knight Rider hatten alle Bösen grundsätzlich einen Schnauzbart. Besonders frei von Gut und Böse waren Kinderbücher: Es gab Negerkönige und Zigeuner. George von den 5 Freunden war eigentlich ein Mädchen, wollte aber ein Junge sein – und zwar nicht, weil sie eine Identitätskrise durchlebte und über ihr Geschlecht uneins war, sondern weil Jungs cooler, stärker und mutiger waren.

Carolina hingegen ist mit Klassenrat und Streitschlichtern groß geworden. Mit den “Geheimnis um”-Büchern wird sie nicht so recht warm. Das einer der Jungen treffend “Dicki” genannt wird, findet sie gemein. Das die anderen Jungen (Rolf und Flipp) herablassend sind, ziemlich unsympathisch. Und das die Mädchen (Betti und Gina) sich nichts trauen und nur blöde Fragen stellen, findet sie blöd. Dazu kommt die alte Sprache.

“Wir müssen Indizien suchen.”

Sie blickt auf.
”In Dizien? Wo liegt das denn?”

Hach… Enid Blyton… ich glaube, deine Zeit ist gekommen. 🙁

10 Replies to “Enid Blyton–Relikt vergangener Zeiten.”

  1. Ist ja witzig, dass du über Enid Blyton redest. Ich habe jüngst von meiner Schwester ihre Hanni-und-Nanni-Hörspiele vererbt bekommen, mit denen ich groß geworden bin. Aus heutiger Sicht sind diese Hörspiele aus den frühen 70ern echt zum Fürchten. Die Plots sind streckenweise so ausgetreten und vorhersehrbar. Viele Charaktere einfach klischeebeladen. Teilweise muss ich beim Hören lauthals lachen, weil vieles einfach so platt ist. Und dazwischen drin diese unsägliche Beat-Musik… Es klingt ja selbst für mich wie ein Relikt aus alter Zeit. Wie wird da die Generation nach mir drüber denken?

    1. Bei den Hanni und Nanni-Hörspielen fand ich immer schwierig die Personen „auseinander“zuhören, weil Europa da nicht so ein ganz so gutes Händchen bei der Auswahl der Sprecherinnen hatte. Die Stimmen gingen bei mir nicht mit dem Bild zusammen, was ich mir in den Büchern gemacht hatte (Hilda hab ich zB immer für eine krasse Fehlbesetzung gehalten, die Stimme ist viel zu tief und behäbig, um „meine“ Hilda zu sein), außerdem fand ich die Plotkürzungen einfach nur ätzend.

  2. Die fünf Freunde, Geheimnis um…, Insel der Abenteuer udn Hanni un Nanni.
    Die habe ich auch gerne gelesen (wobei Hanni und Nanni nicht so richtig mein Fall waren).
    Bei den Geheimnisbüchern haben Victor und ich uns oft über den Unterschied von damals zu heute unterhalten. Das war für uns beide immer sehr interessant.
    Die „Abenteuer“-Reihe wurde neu übersetzt und ist dabei moderner, aber nicht schlechter geworden.
    Das könnte nochmal ein Ansatzpunkt sein, um Enid auch ins 21. Jahrhundert zu retten.
    🙂

  3. Als Pferdefan war für mich „Blitz der schwarze Hengst“ und die nachfolgenden Bände natürlich total toll. 30 Jahre später sind sie bzw. das darin enthaltenden Menschen/Frauenbild eher zum Gruseln …

  4. Bei mir wirds noch schlimmer: Pucki, meine Lieblingsreihe schlechthin. Tolles, selbstständiges, verrücktes Mädchen, das als Erwachsene durch den richtigen Mann zum „Mütterchen“ mutiert.

  5. Ich liebe die Hanni und Nanni-Bücher! Jedes einzelne habe ich gelesen und hatte dabei immer viel Spaß. So im Nachhinein betrachtet, ist die Handlug wirklich oft vorhersehbar und klischeehaft. Möchte die angenehmen Stunden, die ich beim Lesen verbrachte, aber nicht missen.

  6. Hanni und Nanni gab es bei mir zuhause nicht. Eines meiner Lieblingsbücher war dafür die rote Zora von Kurt Held – das haben alle Mädchen meiner Klasse damals geliebt. In meiner Erinnerung war das spannend und traurig und fremd genug, um ein Klassiker zu sein. Rückmeldung von Schülern heute, die es sich wegen des Kinofilm gewünscht hatten: „Mann ist das langweilig geschrieben! Hab ich wieder weggelegt – war eh zu dick.“

  7. Dass deine Tochter ausgerechnet über die Indizien stolpert, ist aber, glaube ich, so gewollt. In dem Band, wo sie das erste Mal auftauchen, kriegt Betti das auch nicht sofort auf die Kette.
    Ich muss aber sagen, dass mit der „alten“ Sprache halte ich für kein Hindernis, sondern eher für eine Erfahrung, die Kinder machen sollten. Ich habe seinerzeit unmittelbar nachdem ich lesen gelernt habe, die alten Enid Blytons von meinen Eltern im Schrank gefunden und die immer heimlich gelesen. Und ja, ich hatte anfangs als Leseanfänger wirklich erhebliche Schwierigkeiten mit der Sprache und ich bin frustriert weinend über den Büchern zusammengesunken. Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen und kann nun stolz von mir behaupten, dass ich das gesamte Oeuvre von Blyton (bzw. ihrer Ghostwriter) gelesen habe. Ich fand die (weiblichen) Charaktere teilweise auch schon grenzwertig dumm, aber ich dachte immer, dass man gut daran lernen konnte, wie man (als Mädchen) nicht wahrgenommen werden möchte.
    Eine Reihe, die ich immer besonders gern mochte, war „Dolly“: Mir gefiel, dass Dolly nicht so naseweis war wie Hanni und Nanni, aber auch nicht so himmelschreiend dumm wie manche andere Mädchen-Figur. Außerdem fand ich ganz gut, dass Dolly trotz der Tatsache, dass sie irgendwie ihr Herz am rechten Fleck hatte, doch immer wieder über ihren Charakterfehler, ihren Jähzorn, gestolpert ist. Aus der Sicht als angehende Lehrerin war auch noch ganz witzig, dass innerhalb dieser Buchreihe immer wieder thematisiert wurde, was Schule eigentlich leisten soll und das war da wirklich immer wundervoll auf den Punkt gebracht.

    Wichtig ist für mich, dass Kinder- und Jugendbücher tatsächliche und (und für beide Geschlechter) erstrebenswerte Ideale vertreten und nicht wie zB diese Freche Mädchen-Freche Bücher-Reihe, die schon zu meiner Schulzeit überhand nahm, gerade den Lebensbereich von Mädchen auf das reduzieren, was im Dr. Sommer-Teil der Bravo verhandelt wird, und einem vorgegaukelt wird, man müsse als Mädchen sich 24h am Tag damit beschäftigen, welcher Kerl gerade ein Auge auf einen geworfen hat und wenn nicht, wie man ihn dazu kriegt.

  8. Ich LIEBE Enid Blyton immer noch und unsere Kinder hören die CDs rauf und runter… Mit Playmobil wird das ganze nachgespielt und mittlerweile ist beim kleinen Mädchen (naja, sooo klein mit 6 auch nicht ;-)) auch Hanni und Nanni angesagt…
    Die Bücherserien stehen im Regal und das ein oder andere wurde vom „Großen“ (10) schon gelesen…

    Irgendwie immer noch besser als diese neuartigen Bücher mit Magie und völlig versauter fehlender Familienstruktur und so… kann es gerade nicht besser auf den Punkt bringen mit Krank und Kopfweh 😉
    LG

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