Schülerarbeit: Ein Dialog.

Schülerarbeit: Ein Dialog.

Hr. Klinge: “Hallo Ramona.”

Fr. Stock: “Hallo Jan-Martin. Hast du schon von Emil und Laurin gehört?

Hr. Klinge: “Dass die zwei wieder im B-Trakt waren? Ja, das habe ich. Herr Müller war ziemlich wütend darüber.”

Fr. Stock: “Kann ich verstehen. Ich weiß auch nicht, wie wir sie daran hindern können.”

Hr. Klinge: “Ja, das Abschreiben lassen bringt wohl nicht viel!”

Fr. Stock: “Vielleicht sollten wir sie mal einen Dialog darüber schreiben lassen, was wir über das Thema denken.”

Hr. Klinge: “Ach was, das bringt doch nichts. Wir sollten sie die ganzen Minuten die sie in den Pausen im B-Trakt waren, nachsitzen lassen.”

Fr. Stock: “Aber die armen Kinder. Sie sind doch noch so jung.”

Hr. Klinge: “Die ‘armen Kinder’? Also die sind alles andere als ‘arm’! Wir behandeln sie viel zu weich!”

Fr. Stock: “Ich lasse nicht zu, dass sie so hart behandelt werden und dann auch noch von uns Lehrern.”

Hr. Klinge: “Lehrer müssen hart durchgreifen!”

Fr. Stock: “Wir sollten es erst mal auf die weiche Art versuchen.”

Herr Klinge: “Aber dadurch lernen sie doch nix. Sie müssen lernen, dass auf jedes Handeln Konsequenzen folgen!”

Frau Stock: “Nein!”

Herr Klinge: “Aber…”

Frau Stock:Keine Widerrede.”

Ende.


Offene Fragen, die mir bleiben:

  • Woher kommt dieses verzerrte Bild von meiner Kollegin und mir? Good cop, bad cop? (Ich bin gar nicht so! Wirklich nicht!)
  • Wie kommt es, dass ich der aggressiv, vorlaute Typ bin, am Ende aber nichts zu melden habe? (Und warum erinnert mich das an meine Ehe?)
  • Wie kann ich die Schüler endlich rauswerfen? 😀

(Ja, es ist der gleiche Schüler, der schon diesen Tagebucheintrag geschrieben hat.)

4 Replies to “Schülerarbeit: Ein Dialog.”

  1. Wie ich letztens auf einer inspirierenden (GEW-) Fortbildung gelernt habe: Man muss die Kraft der Gruppendynamik für sich nutzen.

    Im Fall einer funktionierenden Klasse ist die Reaktion der Mitschüler ein viel größerer Faktor als eine Strafarbeit oder das (abermalige) laute Ansprechen. Auch das Nachsitzen und Anrufe bei den Eltern nutzen sich rasch ab. Die Logik ist bestechend, wenn man an Streitschlichter, Jugendgerichte o.ä. denkt. Die Zuneigung oder Abneigung gleichaltriger Jugendlicher ist ein hartes Schwert; jeder will beliebt sein. Insofern sollte die Gruppe das unter sich regeln.

    Meine Klasse ist in diesem Schuljahr in ein neues Gebäude umgezogen. Der Weg und die engen Gänge machen es erforderlich, die Klasse abzuholen und gemeinsam in die Räume zu gehen. Um nicht jeden Tag das Schreien und Herumspringen ertragen zu müssen, lasse ich die gesamte Klasse auch bei Fehlverhalten nur einzelner Schüler den gesamten Weg (3 Stockwerke + langer Weg) so oft hin- und her laufen, bis auch der letzte Schüler keine Lust mehr auf Kritik und Genörgel der Mitschüler hat.

    Mittlerweile klappt das ganz gut und die Schüler weisen ermahnen sich gegenseitig, dass sie keine Lust auf zusätzliches Treppensteigen haben. Entsprechend hat mich zumindest hier dieser Ansatz überzeugt. Mal sehen, in welchen Bereichen das noch fruchten kann. Die Lehre ist für mich, dass ich mich zurücknehmen muss. Es geht nicht um die Stärke der Intervention, sondern um die Frage, ob dies überhaupt der richtige Ansatz ist.

    1. Bei uns liegt die Herausforderung in der starken Klassengemeinschaft: die machen alle Unsinn, nicht nur drei, vier oder fünf.

      Abgesehen davon sehe ich das Ganze eher augenzwinkernd: wenn das unsere größten Probleme sind, dann geht es uns richtig gut. Diese Pausen-Geschichte geht mehr in die Richtung fröhliches gegenseitiges Necken, als wirklicher Ärger. Das wissen auch alle unausgesprochen.

  2. Über die zweite Frage musste ich herzlich lachen. Da setzt sich die weiche Lehrerin konsequent durch
    Wirklich schön geschrieben. Ich hoffe die Klasse liest den Blog und kann sich daran erfreuen.
    Woher so ein Schüler Bild kommt, darüber kann man sich oft wirklich nur wundern 😀

  3. Schöne Idee, ich hoffe, ich denke daran, wenn ich in eine solche Situation kommen sollte. Bisher kenne ich Lehrer nur als objekte von Personenbeschreibungen, aber das hier ist viel lustiger.

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