Willkommen! (Teil 2)

Willkommen! (Teil 2)

Zunächst einmal vielen Dank für die guten Gedanken und Links! Das finde ich ausgesprochen hilfreich!

Ich muss schon sagen: DAS bedeutet also Heterogenität! In der Willkommensklasse befinden sich Schüler zwischen 12 und 17 und eine Mutter, die gerne am Deutschunterricht teilnehmen möchte. Die Schüler sprechen Rumänisch, Italienisch und ein wenig Englisch oder sie sprechen Arabisch, also nur Arabisch. Da kommt dann nämlich noch das Problem der Schrift dazu.

Die Schulleitung (besonders unsere Abteilungsleiterin Mittelstufe) hat das so organisiert, dass die Schüler im Vormittagsbetrieb Deutsch lernen und im Nachmittagsbetrieb Klassen zugewiesen sind, sodass sie in diesen ganz normalen Lerngruppen Fuß fassen können, um so besser ins alltägliche Leben der Schule integriert werden zu können.

Zwei Jungen aus der Gruppen lernen besonders schnell Deutsch und begreifen auch schnell, aber ein Junge zum Beispiel ist nicht so schnell, kann nur arabisch und dann weiß ich nicht recht: Liegt es an der Sprache oder ist er auch nicht so pfiffig? Schwierig schwierig…
Ich habe mir Atlanten gegriffen und wir haben zunächst einmal „Wo kommst du her?“, „Ich komme aus…“ gemacht. Dann haben wird in stumme Karten Ländernamen auf Deutsch eingetragen und uns auch mal die Europakarte genauer vorgenommen. Wenn mir ein Junge dann auf Deutsch sagt „Ich bin zu Fuß aus Syrien gekommen. Ich komme aus Aleppo.“ (und anbei: er ist ohne seine Eltern hier), dann schnürt es mir die Kehle zu.
In der zweiten Stunde habe ich „Mensch ärgere dich nicht“ ausgepackt, von dem ich naiverweise angenommen hatte, es sei bekannt. Fehlanzeige. Aber die Regeln haben die Jugendlichen schnell verstanden und dann „Du bist dran“, die Zahlen und „So ein Mist!/ So eine Sch…!“ gelernt. Es wurde gewürfelt, gezählt und das war dann wirklich schön.

Ich vermute, dass die Fittesten in Riesensprüngen Fortschritte machen werden, aber ich schätze mal, dass es bei einigen auch schwierig wird. Und von Schulabschlüssen reden wir dann mal in einem Jahr…

7 Replies to “Willkommen! (Teil 2)”

  1. Hi,
    VKL-Klassen zu unterrichten ist zwar anstrengend aber auch sehr schön, denn die meisten wollen lernen. Es ist jetzt mein zweites Jahr VKL und auch ich habe bemerkt, dass die Lernfortschritte extrem unterschiedlich sind. Bei einigen meiner Schüler vermutlich, dass sie Analphabeten sind (alle Altersstufe 10 oder älter) und dann natürlich noch einmal länger brauchen. Achte mal darauf (Wir haben ihnen dann die Arbeitsbücher der ersten Klasse gegeben, sodass sie ein bisschen selbstständig arbeiten können). Zweiter Tipp: Lass alle Schüler von denen du denkst, sie brauchen länger als die anderen sonderpädagogisch überprüfen, dann hast du gewissheit und du kannst das Material der Schulen bekommen. Dritter Tipp: Alles in Bildern und Symbolen kennzeichenen (Schrieben, malen, …) Denn wir haben ungefähr 5 Lerngruppen in einer Klasse, bei einer Lehrerin und die schon ein bisschen Deutsch können müssen in der Lage sein, selbstständig arbeiten zu können. Dritter Tipp: Bastelsachen bereit legen, unsere haben teilweise seit Jahren kein schönes Papier mehr in den Händen gehabt und nach 5 Stunden Deutsch, brauchen sie etwas wo sie nicht mehr „denken“ müssen. Eigentlich ist das gerade mehr ein Erzählen geworden, wie es bei uns läuft. Wenn du an einem Austausch interessiert bist, schreib mir einfach eine Mail 🙂

  2. Seit kurzem unterrichte ich in eine DaZ Klasse. Mein größtes Problem ist für Disziplin zu sorgen. Hat vielleicht jemand Tips was ich tun kann. Ich will nur so viel verraten, die Kinder und Jugendliche haben viel erlebt aber das sie sich manchmal erlauben geht gar nicht,z.B“ du Frau mir nicht sagen was ich tun soll“ o ä. Danke in voraus

    1. Gerade die Disziplin ist das Hauptproblem der ganzen Nummer: Ohne soziales Umfeld verfangen die üblichen Erziehungsmaßnahmen (Gespräch mit den Eltern etc.) nicht. Das Resultat ist zuweilen IKEA-Smalland Betreuung. Gefühlt sind die Mädchen leichter zu handeln, als die Jungs.
      Problematisch, dass sie dann oft (trotz fehlender Bildung und Sprachkenntnisse) alle Zahnarzt werden wollen..

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