Erfolg in der Schule

Erfolg in der Schule

Ich arbeite an einer Gesamtschule.
Das bedeutet, zu uns kommen Schüler mit gymnasialer Grundschulempfehlung und genauso solche mit einer für die Hauptschule. In den ersten zwei Schuljahren lernen alle Kinder gemeinsam, ab der 7. Klasse wird dann in e- und g-Kurse differenziert: Je nach Notenbild kommt man in Mathematik, Englisch, Deutsch und Chemie in den Grund- oder den Erweiterungskurs.

Ab der Klasse 9 gibt es bei uns eine weitere Differenzierung: Der Klassenverbund wird für die Hauptfächer aufgelöst. Schüler, die nur in den Erweiterungskursen sitzen, werden in sogenannte Flügel-E-Kurse gesetzt. Wer einen oder mehrere Grundkurse hat, besucht die mittleren Erweiterungskurse (die Bezeichnung “Flügel” bzw. “Mitte” rührt von der Darstellung des Stundenverteilungsplans). Stundenplantechnisch ist das extrem kompliziert (und an dieser Stelle uninteressant) – entscheidend ist: Aus meinem fröhlichen Erweiterungskurs der Klasse 8 von letztem Jahr ist ein sehr großer Flügelkurs in diesem geworden. 28 Kinder mit viel Potential und – was mir noch wichtiger ist – Lust auf Schule.

ErfolgDas Unterrichten in diesem Kurs ist mir ein ganz besonderes Vergnügen.
Ich glaube, dass ein guter Lehrer seinen Schülern immer ein klein wenig mehr abverlangt, als sie zu schaffen imstande sind – so dass sie sich strecken, sich anstrengen müssen. Dieser Gruppe von hochgradig gutgelaunten, motivierten jungen Menschen mit Ehrgeiz und Lust und Freude verlange ich viel ab. Sie ächzen und stöhnen – aber ich sehe in ihren Gesichtern auch den Stolz über gelöste Aufgaben und die Begeisterung, wenn sie mathematische Zusammenhänge verstehen. Diesem Kurs kann ich einiges zumuten und ich genieße es, ihnen beim denken und grübeln und lernen zuzusehen.

Als ich heute den Klassenraum betrete, warte ich auf Ruhe und klappe derweil die Tafel auf. Sofort erhebt sich lautstarker Protest. “Die Tafel..?!” “Och nöö, Herr Klinge!” “Lassen Sie uns doch einfach arbeiten!”
Innerlich tanze ich vor Freude.
Obwohl die Hälfte des Kurses Schüler sind, die erst seit dem Sommer mit meiner offenen Unterrichtsmethode umgehen müssen, haben sie das eigenständige Arbeiten komplett verinnerlicht: Sie brauchen mich nicht mehr. Ja, mehr noch: Ich störe sie beim Lernen.

Auch wenn sie es noch nicht erahnen können, weiß ich, dass diesen Schülern das eigenständige Arbeiten in der Oberstufe, im Studium oder dem Beruf leicht fallen wird.

Und das macht mich wiederum sehr, sehr stolz.

3 Replies to “Erfolg in der Schule”

  1. „Ich glaube, dass ein guter Lehrer seinen Schülern immer ein klein wenig mehr abverlangt, als sie zu schaffen imstande sind – so dass sie sich strecken, sich anstrengen müssen“

    könnte ein sehr gutes Leitmotiv für jeden anfangenden Lehrer sein!

  2. Dieses Kurssystem klingt sehr interessant und so könnte ich mir persönlich auch eine Gesamtschule vorstellen. Die bei uns umgesetzte Variante „alle einfach in eine Klasse stecken“ halte ich nicht für zielführend.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: