BiZ

Ich weiß nicht, wie das Schulleben an anderen Schulformen und in anderen Bundesländern aussieht – aber das Leben an meiner jetzigen Gesamtschule ist nicht mit meinem eigenen Schulleben an einem altsprachlichen Gymnasium zu vergleichen.

Ich erinnere mich an keine Form der Beratung – bei uns machten eigentlich alle Abitur und danach hieß es „Tschö“. Wer was danach gemacht hat – war für meine Lehrer völlig irrelevant.

An meiner Gesamtschule ist die Berufsberatung ganz eng mit dem Schulleben verzahnt. Zu Beginn des Jahres hatten wir eine Potenzialanalyse, bei der die Stärken und Interessen der Kinder herausgearbeitet wurden. Im Februar folgten die 3-Tages-Praktika, an denen man jeweils einen Tag lang in drei unterschiedliche Berufe reinschnuppern durfte. Anfang der 9 wird meine Klasse für zwei Wochen in ein Praktikum entschwinden und Mitte der 9 dann noch einmal für eine Woche. Außerdem bietet das Arbeitsamt bei uns eine konkrete Berufseinstiegsbegleitung für Schüler an, bei denen ein unsicherer Abschluss und fehlende Perspektive schon zu erahnen ist.

Office Lens 20160622-110017_1Heute waren wir im Arbeitsamt (es ist gut, solche Orte früh kennengelernt zu haben – das senkt die Hürde, sie später aufzusuchen) zu einer Berufsberatung – Thema: „Was kommt nach der Schule?“

Unser Berufsberater erklärte anhand von einfachen Schaubildern die Schulkarriere. Wann kommt man in die Oberstufe, wann sollte man sich eher anderweitig orientieren? Ab wann schreibt man eigentlich Bewerbungen? Wie viele Bewerbungen muss man schreiben? Wie läuft eine Berufswahl ab?

Insgesamt ein überaus sinnvoller Termin der einigen Schülern sicher weiterhilft – wenn ihnen das auch jetzt noch nicht bewusst ist.

Im Augenblick übersteigt die Zahl der Sondertermine die Routine bei weitem. Gut, das bald Ferien sind – die echten Herausforderungen kommen aber noch.

Tagged . Bookmark the permalink.

5 Responses to BiZ

  1. Ganz so extrem war es bei uns auf dem Gymnasium zwar nicht, aber so eine Art „Berufswahlplan“ – angefangen bei einem Besuch im BiZ und zwei Hochschulinformationstagen über einen (freiwilligen) Studienfeldtest und eine (freiwillige) Berufsberatung bis hin zu einem Bewerbungstraining, einem zweiwöchigen Betriebspraktikum und zahlreichen Verweisen zu weiteren Informationsveranstaltungen – durften wir auch durchlaufen.
    Vielleicht wurde früher einfach mehr darauf vertraut, dass die Eltern die Kinder gut ins Berufsleben führen?

    • Ah! Aber Danke für den Hinweis.
      Als Gesamtschule haben wir natürlich auch andere Schülergruppen. Der ein oder andere wäre sonst hoffnungslos verloren und letztlich ist es ja begrüßenswert, dass sich das Arbeitsamt früh um solche Leute kümmert und nicht erst, nachdem sie fünf Jahre ziellos umhergestolpert sind.

  2. Frau Henner says:

    Lieber Jan,
    auch ich habe am Gymnasium das BIZ (Studientag in der Oberstufe) von innen gesehen und Praktika machen müssen (neunte Klasse), mehr Verzahnung war damals auch nicht relevant, weil wir tatsächlich alle das allgemeinbildende Abitur anstrebten. Deshalb war das damals auch für die Lehrer nicht wichtig, denn wir sollten ja alle allgemein gebildet werden. Mit dem Abitur konnte man alles studieren und auch jede Ausbildung machen. Was für manche zählte, war der Schnitt, die meisten hatten freie Wahl, aber auch schon das Alter, wo sie eben selbst entscheiden mussten. Die Berufswahl war eher eine Qual der Wahl.
    Heute ist das anders. Es gehen mehr Kinder aufs Gymnasium, viele davon können auf keinerlei Unterstützung oder Anregung aus dem Elternhaus zählen, deshalb ist die Berufsorientierung inzwischen auch am Gymnasium stark verankert mit mehreren Praktika, Berufstagen, das Arbeitsamt kommt ins Haus, ebenso wie potentiell ausbildende Institutionen. Fast ist das ein bisschen viel, weil wir Lehrer es so empfinden, dass das eigentliche Ziel – die Allgemeinbildung – dadurch konterkariert wird. Wir wollen eben keine wirtschaftshörigen Eleven ausbilden, sondern kritische junge Menschen heranziehen. Die Berufsorientierung steht manchmal dagegen mit ihrer Vehemenz. Es ist also ein zweischneidiges Schwert, aber hey – das Gymnasium macht trotzdem mit, was Berufsorientierung anbelangt.
    lg Lilo

  3. Daniel says:

    Ich glaube, seit deiner eigenen Schulzeit hat sich an allen Schulformen viel getan. Potenzialanalyse, Praktika, intensive Berufsberatung, Fahrten zu Hochschultagen und noch viel mehr machen heute alle.

    Beispiel: http://www.gymnasium-essen-werden.de/berufsorientierung.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.