Vom Selbstdarsteller zum Monopoly-Mann

Vom Selbstdarsteller zum Monopoly-Mann

Neulich ein spannendes Gespräch mit meiner Co geführt, die über meinen Artikel “Ich entscheide” kritisch die Miene verzog. “Deine Artikel klingen manchmal”, meinte sie, “als wärest du mega streng und strukturiert und so ein Herrscher-Lehrer von altem Schlage – dabei stimmt das ja gar nicht.”
”Ich pointiere”
, rechtfertige ich mich lahm, weiß aber insgeheim, dass sie recht hat. Tagelang habe ich nach einer passenden Antwort gesucht – die mir mein fantastischer Mathematikkurs heute endlich geliefert hat.

20160309_075337Seit jeher unterrichte ich im Hemd (psychologisch womöglich eine Loslösung meiner verlotterten Studentenzeit). Vor zwei Jahren ist eine Weste als modisches Accessoire dazugekommen.
Wenn meine Schüler mich darauf ansprechen, erkläre ich, mit den Jahren immer wunderlicher werden zu wollen. Im kommenden Jahr würde eine güldene Taschenuhr dazukommen. Im Jahr darauf ein Monokel. Dann ein Frack. Und zu guter Letzt ein Zylinder und ein Spazierstock mit dem ich ordentlich auf die Tische der Kinder hauen kann.
Weil aber jede Veränderung nur ganz langsam geschehe, würde sie von niemandem registriert. Alle würden nur wissen, “der Klinge sei irgendwie wunderlich”, aber niemand werde das an irgendwas festmachen können.

Diese absurde Geschichte zieht sich seit Ewigkeiten wie ein roter Faden durch meinen Unterricht. Immer wieder wird der Quatsch erwähnt oder ich werde gefragt, wann denn endlich die Taschenuhr käme (tatsächlich habe ich sie heute bestellt). Weil mein großartiger Mathematikkurs in diesem Jahr seinen Schulabschluss feiert, nagelten sie mich darauf fest, bei der Zeugnisübergabe doch bitte in genau jener Montur zu erscheinen: Frack, Zylinder, Monokel.

Und unter einer Bedingung habe ich mich schließlich darauf eingelassen: Wenn ihre Eltern fragen sollten, wer denn dieses wunderliche Monopoly-Männchen vorne sei, dann sollten sie ganz erstaunt tun, als wäre es das Alltäglichste auf der Welt. Die Nummer zog schon mit den Horror-Puppen.

Die Wahrheit ist also: Ich wäre gern ein Lehrer von altem Schlage. Von ganz alte Schlage. Aber in Wirklichkeit bin ich nicht viel mehr, als der Klassenclown und diene dem Amüsement meiner Schüler. Viel schlimmer als die Wikinger-Nummer kann es aber auch nicht werden und zumindest werden sie sich in vielen Jahren noch an mich erinnern.

3 Replies to “Vom Selbstdarsteller zum Monopoly-Mann”

  1. Lieber Herr Klinge,

    ich hätte meinen beiden Kindern so einen Lehrer wie Sie gewünscht.

    Hirn, Herz und Humor – ein Genuß!

    Bleiben Sie, wie Sie sind und verändern Sie sich, wie Sie wollen – es dürfte im Ergebnis großartig werden!

    Einen herzlichen Gruß aus Berlin

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