3D-Drucker

Die Firma Fischertechnik hat mich vor einigen Wochen gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ihren neuen 3D-Drucker auszuprobieren. („Wuhuuuu!“) Eine Gegenleistung sei nicht zu erbringen obwohl man sich über Feedback freuen würde – ansonsten wünsche man mir viel Spaß damit.

Man.. Ein echter 3D-Drucker. Science-Fiction in meinem Wohnzimmer!
Mit einem 3D-Drucker werden in Greys Anatomy künstliche Organe und in Star Trek der Heisenberg-Kompensator gedruckt. Ich bin sozusagen Dr. Bailey und Chief O’Brien, gefangen im Körper eines Mathematik-Lehrers.

Erster Unterschied zwischen dem Fischertechnik-Modell und einem aus dem MediaMarkt: Dieser Drucker besteht aus knapp 900 Teilen und muss erst zusammengebaut werden.

Hui! Aber ließe sich Chief O’Brien davon abbringen? Pah!

Mit einem geduldigen Kollegen habe ich mir eine Vormittag Zeit genommen und zusammen haben wir den Drucker aufgebaut. (Um euch daran teilhabenzulassen und weil ich diese Funktion schon immer mal ausprobieren wollte, haben wir das Ganze in einem Zeitraffervideo festgehalten.)

Wirklich abgefahren: Wir beide fühlten uns plötzlich wieder wie 12jährige unterm Tannenbaum mit dem neuen LEGO-Kasten. Ein wirklich skurriles Gefühl, dass uns beide über Stunden beglückte.

Ich kann nur empfehlen, den Aufbau zu zweit oder dritt durchzuführen – es geht wesentlich leichter von der Hand, man macht weniger Fehler und es ist wirklich ein großer Spaß.

Hatte ich zunächst die Befürchtung, ein Drucker Marke „Eigenbau“ würde wohl nicht sehr stabil sein, muss ich meine Einschätzung revidieren: Insbesondere beim Zerlegen und neu Zusammenstecken der Teile wird klar, dass Fischertechnik hier kein Billigplastik verkauft. Uns ist keine einzige Plastiknase oder -öse abgebrochen und besonders die typischen Sollbruchstellen von Plastikspielzeug haben hier einiges gehalten (und wir zwei Spezialisten mussten mehr als einmal Teile wieder auseinander- und neu zusammenbauen). Der fertige Drucker ist tatsächlich sehr stabil und die Homepage von Fischertechnik lädt augenzwinkernd dazu ein, sich Ersatzteile für den Drucker zu drucken. Einen besonderen Pluspunkt gibt es, weil man die Aufkleber nahtlos wieder entfernen und dann richtigherum neu aufkleben kann. Ich schäme mich – aber danke, Fischertechnik: Das habt ihr sehr gut gemacht *g*.

Weil sowohl mein Kollege als auch ich selbst Mathematiklehrer sind, haben wir den Drucker prompt falsch aufgebaut und Y- und Z-Achse vertauscht. In der Mathematik ist die Y-Achse stets oben-unten – beim Drucker ist damit die Z-Achse gemeint. Ich gebe es nicht gerne zu, aber an dieser Stelle habe ich eine Weile gehangen. Chief O’Brien lässt grüßen.

Technisch ganz clever gelöst: In dem Drucker sind Taster eingebaut. Senkt sich der Druckkopf irgendwann auf die Platte unten, löst der Taster einen Notstopp aus, damit sich der Drucker nicht selbst aus den Angeln hebt (genau das geschieht, wenn man die Achsen vertauscht – ich Depp…).

Der Drucker wird via USB angeschlossen, Fischertechnik liefert die passende Software (auf CD – wer hat heute noch ein CD-Laufwerk? (Okay: Vermutlich jeder Schulrechner!)) mit. Sehr geil (und eine große Befürchtung meinerseits): Fischertechnik liefert eigentlich nur den Druckertreiber und keine Modellierungssoftware.

Das hätte nämlich bedeutet, nur mit der speziellen CD kann man Modelle für den Drucker erstellen und das wäre z.B. für den Schulbetrieb blöd gewesen. So aber kann man mit jeder beliebigen 3D-Modellierungssoftware arbeiten – die Software von Fischertechnik schluckt eine Menge1.

Direkt ausprobiert mit dem Schullogo:

Erstellt habe ich die Buchstaben mit Microsofts kostenlosem 3D-Builder – der Druck ging anstandslos.

In den nächsten Wochen werde ich mit dem Drucker weiter experimentieren – welche Formen sind geeignet, was kann man damit alles erstellen?

Außerdem – und das ist der aufregende Punkt – will ich mir Gedanken machen, wie man den Drucker in der Schule sinnvoll nutzen kann. Das Fach Technik ist dafür pradestiniert! Ein weiteres Workbook zum Thema 3d-Druck? Ein Exkurs mit den Kunstkollegen? Ich bin offen für Ideen und hoffe, ihr inspiriert mich. In den nächsten Wochen wird ordentlich gespielt und ausprobiert. Ideen habe ich schon einige2.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, Fischertechnik für die freundliche Spende und ein Disclaimer: Fischertechnik hat keinen redaktionellen Einfluss auf den Artikel genommen oder mich in irgendeiner Weise beeinflusst. Nachdem ich meinen Spieltrieb befriedigt habe, werde ich den 3D-Drucker als Spende an meine Schule weiterreichen.


1: Für die Experten: Die Druckersoftware öffnet Dateitypen mit der Endung: .gcode; *.gco; *.g; *.nc; *.stl; *.STL; *.amf; *.AMF; *.obj; *.OBJ; *.3ds; *.3DS; *.ast

2: Aus dem Kinect-Sensor einer XBox kann man mit ganz wenig Einsatz einen Körperscanner basteln. Mit einigen Kollegen (die ungefähr so vertrauenswürdig sind, wie ich selbst) planen wir, unsere Körper einzuscannen und mit dem 3D-Drucker dann kleine Actionfiguren von uns selbst auszudrucken. Mit denen könnten wir dann während langweiliger Lehrerkonferenzen hinten spielen und kämpfen.

Tagged , , , . Bookmark the permalink.

8 Responses to 3D-Drucker

  1. Stephan Goeldi says:

    Coole Sache! Bin gespannt auf deine Erfahrungen. Wir haben zwei Makerbot an usnerer Schule. Um Teile zu konstruieren, verwende ich jeweils
    BlockCAD, das direkt im Browser läuft und einfach gespeichert werden kann:
    https://blockscad.einsteinsworkshop.com

  2. Decker says:

    Klingt ja wirklich spannend.Ist für die Schüler bestimmt interessant. Vor allem aus .3ds Schnittstelle heraus. z.B. von http://www.c4d-treff.de. Hier gibt es fertige Dateien auch zur freien Nutzung. Könnte man mal testen.

  3. Dominik says:

    Cool gemacht!
    Leider ist der Drucker Sehr teuer.

  4. Wetter says:

    Vielleicht gründet sich bei euch eine kleine Schülerfirma die gedruckte Erzeugnisse verkauft.

    Wir als Berufskolleg hätten auch gerne einen 🙂

  5. Pingback: Hybris oder: Projekte mit dem 3D-Drucker

  6. Horst says:

    Hört sich echt spaßig an. Wer steckt denn nicht auch als Erwachsener noch gerne Legomodelle zusammen.
    Ich würde die Schüler als Team verschiedene Komponenten erstellen lassen, die man dann zusammenstecken muss. Fördert dann sicherlich das Teamwor, die Komunikation und das technische Geschick der Schüler.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.