Neue Projekte: Lerntheke OER 2.0

Die Weihnachtsferien sind fast rum – und im kreativen Teil meines Hirns rotiert es gewaltig: Ich habe wieder Lust auf Unterricht. Die vergangenen Tage haben mir mehr als gut getan und ich fühle mich wunderbar erholt. Freitag treffe ich mich mit ein paar Kollegen um zu schaffen – das wird fantastisch!

Erstes größeres Projekt: Schon seit langem plane ich, meine Lerntheken zu überarbeiten und im Sinne OER komplett frei zu veröffentlichen. Zwischendurch ist mir das mit einem Beispiel schon gelungen, das dann sogar in verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Aber: Lehren und Lernen ist ein Prozess. Meine Materialien verändern sich immer wieder, alte Fehler werden ausgemerzt und neue eingebaut.

Seit vielen Jahren arbeite ich jetzt mit dem Material, habe Erfahrungen gesammelt und eine Menge Schüler-Interviews geführt. Was gefällt? Was ist blöd?
Relativ einhellig haben mir Klassen gespiegelt, dass sie für das “dröge” Design der Karten dankbar seien. Keine überflüssigen Bilder, keine ablenkenden Muster. “Herr Klinge, jeder Smiley wäre zuviel!”, sagte eine Schülerin wörtlich.

Also alles so lassen?

Hm. Ein Blick in die Zukunft verrät mir, dass zukünftige Jahrgänge mit Handy & Tablet vor mir sitzen werden. Noch mehr, als sie es jetzt schon tun. Wenn ich also alle Lerntheken neu überarbeite, sollte ich das nicht außer acht lassen. Was aber wäre der Mehrwert einer “digitalen Lerntheke”?

Bei der Konzeption stehen außerdem Aufwand & Nutzen in einem entscheidenden Verhältnis: Kein Lehrer erstellt zwei verschiedene Lernstationen – einmal fürs Papier der Gegenwart und einmal fürs iPad der Zukunft. Wenn ich also neu gestalte, wie schaffe ich es, beiden Welten gerecht zu werden?

Und zu guter Letzt: Wie soll ich digitalen Mehrwert auf die Geräte der Schüler bringen? Meine letzte Programmierung war ein Fragengenerator in qBasic vor zwanzig Jahren – unnötig zu erwähnen, dass das Programm nie funktioniert hat. Und was läuft auf Android- und Apple-Geräten und zukünftigen Windows-Notebooks gleichermaßen?

Nun, ich habe eine Lösung gefunden.

So könnten die Karten zukünftig aussehen:

Realisiert wird das Ganze mit Microsofts PowerPoint, was verschiedene Vorteile hat:

  • PowerPoint beherrscht im Grunde jeder. Die im Video gezeigten Tricks sind Taschenspielertricks – für jeden innerhalb von zehn Minuten zu lernen.
  • PowerPoint lässt sich kostenlos auf jedem Endgerät abspielen, egal ob Linux, Apple, Android oder Windows
  • der digitale Mehrwert wären auf Knopfdruck einblendbare Hilfetexte oder gestufte Tipps; möglich sind auch direkte Links zu weiterführenden Youtube-Videos, erstellten Umfragen oder Geogebra-Applets
  • die von mir erstellte PowerPoint-Datei lässt sich direkt als .pdf abspeichern und ausdrucken – das Ergebnis ist eine völlig normale Lerntheke wie bisher auch, es ist kein Aufwand nötig, um zweigleisig zu fahren. So kann die gleiche Datei in normalen Klassen wie auch in Tablet-Klassen eingesetzt werden

An meiner Schule ist es durch zwei verschiedene Standorte so, dass in den Klassen 5-7 ein Handyverbot gilt. Hier drucke ich die Lerntheke also ganz normal aus. Arbeiten die Kinder am Küchentisch, können sie mit der digitalen Variante lernen und den Mehrwert nutzen. Ab der Klasse 8 sitzt etwa ein Viertel der Schüler mit Smartphone/Tablet in meinem Unterricht –  sie werden zukünftig von den digitalen Spielereien profitieren.

Weiterführende Links

Demo einer weiteren Lerntheke 2.0

Ein How-To-Video: Wie man interaktive Knöpfe in PowerPoint einbindet um die gezeigten Animationen zu realisieren (Schritt-für-Schritt)

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25 Responses to Neue Projekte: Lerntheke OER 2.0

  1. Elke Noah says:

    Hallo Jan-Martin! Mal wieder ein dickes Dankeschön für´s Teilen deiner wertvollen Ideen!!! Bin immer wieder begeistert, weil man deine Anleitungen so schnell praktisch umsetzen kann. Danke für die Motivation!!!
    Beste Grüße aus Magdeburg. Elke

  2. Ina says:

    Ja wahnsinn – gleich bin ich motiviert das auszuprobieren. Vielen Dank.

  3. Oliver says:

    …was für ein Aufwand! So toll die Idee. Viele Grüsse aus dem verschneiten Allgäu

  4. Birgit says:

    Lerntheke und digital-Nutzung ist beides mein Ding.

    Aber ich mahne mal wieder, dass es nicht betriebssystem-unabhängig ist!
    Ich als Linux-Nutzer habe nun mal kein Powerpoint und kann damit nichts erstellen.
    Ja, ich kenne deine Argumente pro Powerpoint … ist auch okay. 😉
    Trotzdem wären betriebssystem-unabhängige Lösung optimal … auch wenn das Lesen der ppt-Dateien auch auf Androiden geht.

    Ich hätte aber noch ein paar praktische Fragen:
    – woher haben die Schüler die Datei? Von deiner Homepage? Wenn ein Kollege deine Dateien anpassen will müsste er sich dann wohl eine eigene Stelle suchen, wo er es ablegt.
    – Gehen die Schüler die Karten dann Seite für Seite durch?

    Vielleicht noch ein paar Ideen, da ich mir eine digitale Lösung schon seit einiger Zeit durch den Kopf gehen lasse:
    – man könnte Links auf kurze Erklär-Videos einfügen.
    – man könnte Links auf GeoGebra-Dateien einfügen (auf Papier mit QR, auf Tablet natürlich mit Klick) um dort
    — Demonstrationen zu haben (interaktive Tafelbilder sozusagen)
    — interaktive Quizze anzubieten.
    – und natürlich andere interaktive Quizze von LearningApps z.B.

    • Ob und wie du es erstellst, sei ja ganz dir überlassen. Du kannst die Datei auch mit Libre-Office öffnen und editieren. Davon ab: Ich zwinge ja niemanden, mein Material zu nutzen.
      Wenn Profis Bilder mit Photoshop bearbeiten und dann freigeben, kannst du doch als gimp-Nutzer trotzdem damit glücklich werden, oder?

      – woher haben die Schüler die Datei? Von deiner Homepage? Wenn ein Kollege deine Dateien anpassen will müsste er sich dann wohl eine eigene Stelle suchen, wo er es ablegt.
      – Gehen die Schüler die Karten dann Seite für Seite durch?

      a) meine Schüler ja. Ich kann ja schlecht die Anlaufstelle für Lehrer aus ganz Deutschland sein 😉 Wie betreffende Kollegen ihre Sachen verteilen (Cloud, Mail etc.) kann ja jeder selbst entscheiden.
      b) Ja – bis zu der Station, die sie machen wollen/können. Lief bisher genauso – da waren es nur pdf-Dokumente.

      Danke für deine zusätzlichen Ideen 🙂

      • Birgit says:

        Wegen der Reihenfolge:
        … das könnte natürlich den Nachteil haben, dass alle vorne anfangen und so womöglich die Experten weniger verteilt sind.

        Was die Material-Art betrifft: Ich bin ja so ein unverbesserlicher Idealist und versuche es immer gleich so zu machen, dass es nicht nur für mich passt sondern auch andere es optimal mitnutzen könnten. Meine schlimmste Schwäche!

        Was mir noch eingefallen ist. Im Prinzip geht die digitale Variante der Lerntheke in Richtung der Lernpfade, wie es sie im ZUM-Wiki bei Mathe-digital gibt. Wäre für dich vielleicht auch eine Quelle für interessante Links und interaktiven Quizzen.
        Die Frage ist, ob so etwas deine Schüler mehr ablenkt, als einfache, unverzierte und statische Karten.

    • lutz_ says:

      Ich mag das „dröge“ Design der Karten sehr gerne. Denn es sorgt dafür, dass sich die Schüler auf das Wesentliche konzentrieren:

      Das Erledigen der Aufgaben.

      Je mehr Buttons, Links zu Videos, QR-Codes, etc. auf den interaktiven Karten hinterlegt sind, desto größer ist das Ablenkungspotenzial für die Schüler.

      Ich bin der Meinung, dass in diesem Falle weniger mehr ist.

      Außerdem bieten die laminierten Karten den großen Vorteil, dass sich die Schüler während der Stunde im Klassenzimmer bewegen und beim Aussuchen mal ein kurzes Schwätzchen halten können. Nach meiner bisherigen Erfahrung finden Sie dann auch schnell wieder zum konzentrierten Arbeiten zurück.

      Die oben gezeigten eingeblendeten Hilfetexte und Übersetzungen für Nicht-Muttersprachler halte ich für sinnvoll (weil sie gegenüber der bisherigen Papiervariante keinen „Mehrwert“ für die Schüler haben). Darüber hinaus würde ich weitere interaktiven Elementen äußerst sparsam verwenden.

  5. Vroni says:

    Hallo,
    das war mal wieder ein Volltreffer – genau in die Richtung hatte ich auch schon mal überlegt, bin aber noch nicht dazugekommen. Vielen, vielen Dank!
    Ich habe dann gleich mal rumprobiert – da mein Rechner auch unter Linux läuft unter LibreOffice. @Birgit: mit LibreOffice geht das im Prinzip genauso (Objekt erstellen -> Benutzerdefinierte Animation -> Animationspfade -> Rechts-klick auf das Objekt im Animationsrahmen -> Effektoptionen -> Anzeigedauer -> „Effekt starten beim Klicken auf“). Nur leider funktioniert das dann jeweils nur einmal pro Folie. Keine Ahnung warum.
    @Jan-Martin musstest du da bei Powerpoint irgendwas einstellen, damit ein Hilfe o.ä. auch mehrfach hin und wieder weg geklickt werden kann, oder ging das automatisch? Dein ansonsten tolles Video ging darauf nicht ein, daher vermute ich, dass es bei PP die automatische Einstellung ist.

  6. Birgit says:

    Ich mache derzeit eine Art Lerntheke als Wiederholung für den Einstieg in die Prozentrechnung in Writer.
    Es fehlt noch etwas und vermutlich muss ich kopieren, um es zu vervollständigen, weil mir die Zeit nicht reicht. Ich bin am überlegen, das dann auch als Lernpfad in einem der ZUM-Wikis zu erstellen. Mit entsprechenden Einblendungsmöglichkeiten von Hilfe oder so.
    Spätestens in den Osterferien könnte ich fertig werden.

  7. Vroni says:

    Hallo Birgit, Fremdverknüpfungen gehen in LO als Folgeverknüpfungen – wenn du also Hilfe 1 hast einfliegen lassen, kannst du definieren, dass was zusätzlich erscheint, wenn man in den Hilfetext klickt. Und man kann es dann z.B. auch so einstellen, dass es wieder verschwindet, wenn man auf das „Zusätzliche“ klickt. Trotzdem ist es in Powerpoint noch etwas komfortabler. Dass die Knöpfe in LibreOffice nicht mehrfach funktionieren ärgert mich mehr.

    Das zentrale Problem ist halt, dass wir uns alle so viel Arbeit machen, und da es schon eh viel Arbeit ist, hat man nicht immer die Energie, v.a. die Grafiken wirklich sauber so zu erstellen, dass man es rechtlich unbedenklich weitergeben kann… Dazu hat Jan-Martin (und viele andere) ja auch schon geschrieben und eine brauchbare Lösung ist leider nicht in Sicht.

    • Birgit says:

      Ah, okay, danke …

      Was die Grafiken betrifft, so bin ich recht geschickt. Beim Austausch von Material bin ich gerne bereit etwas zu erstellen, denn das kriege ich meist fix hin und eine solche Konzentration-Übung ist für mich Kopf- und Finger-Yoga 😉

      Meine wertigeren Zeichnungen veröffentliche ich meist bei Openclipart.org https://openclipart.org/user-cliparts/B.Lachner

  8. Jens Lindström says:

    Hey Jan-Martin,

    das sieht echt klasse aus.
    Ich arbeite derzeit auch in einer Tablet-Klasse und denke genau andersherum.
    Ich vermute, dass die Zukunft darin liegen wird, dass die Schüler ihre Aufzeichnungen digital erstellen werden. Also genau andersherum:
    Die Mitschriften erfolgen auf dem Tablet, das Arbeitsmaterial wird weiterhin analog sein.
    Gerade mit Blick auf das EIS-Prinzip halte ich das Gefühl, ein Kärtchen in der Hand zu haben, das man abarbeitet und wieder bei Seite legen kann, für unersetzlich. Folien, die man am Bildschirm durchklicken kann, können, so glaube ich, nicht dieses gute Gefühl ersetzen, die Karte nach getaner Arbeit wieder wegzupacken. Und das ist natürlich bei der Arbeit mit geometrischen Körper, Holzwürfeln, Strohhalmen vom Termbaukasten, etc… nochmal eine ganz andere Nummer.

    Den tatsächlichen Vorteil von Tablets sehe ich dann eher im bewegten Bild, wodurch z.B. Schrägbilder plötzlich lebendig und verständlich werden.

    Hast du eine Idee, wann du weitere Lerntheken veröffentlichen wirst? Deine Pythagoras-Theke sieht echt klasse aus!

    Gruß,
    Jens

    • Den von dir geschrieben Fall kann ich mir plastisch in ganz ferner Zukunft vorstellen – wenn alle Schüler Surface-Rechner oder Galaxy Note-Tablets haben. Aber das wird sicher noch laaaaaaange dauern. Und EIS-plastisches Material gibt es bei mir ja trotzdem: Auf der Karte steht dann „Hole dir XY von vorne.“

      Ich arbeite gerade genau jene Lerntheken um, die ich auch konkret unterrichte. Hoffe in den nächsten zwei Wochen Pythagoras und Potenzrechnung auf 2.0 zu bringen. Und dann – mit jeder Einheit weiter. 🙂

      • Birgit says:

        In diese Richtung zielte letztens auch meine Frage mit der Reihenfolge. Einfach zu hintereinander durchgehen ist irgendwie … naja, weiß nicht … so linear.

        Wenn man Bewegung reinbringen will könnte man ja vorne (also beim Lehrer) ein Plakat aushängen und nach bearbeiteter Seite kommen die Schüler nach vorne und trägt ein, wie es geklappt hat (Smilies verschiedener Art z.B.). Als Lehrer kann man da eventuell nachfragen, man sieht das was passiert und bekommt einen Überblick, wie es voran geht bzw. wer hinterherhängt. Die Schüler bewegen sich etwas, können ihre Geschwindigkeit mit den anderen vergleichen und so weiter.

  9. Klirrtext says:

    Hi,
    ich wollte keinen uralten Post schänden, deswegen schreibe ich die Frage hier herein:
    Wie hast du damals das Design der Steampunk-Lerntheke gemacht? Gibt es dafür eine Vorlage (habe nichts gefunden…)?
    Danke im voraus

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