Chronik: ein 1500-€i, Rückblick & Ausblick

Chronik: ein 1500-€i, Rückblick & Ausblick

Eine wesentliche Daseinsberechtigung zieht dieses Blog mittlerweile aus seiner Bedeutung als Chronist. Ich weiß, dass einzelne Schüler zuweilen in alten Artikeln stöbern und sich daran erfreuen und erst neulich fragte mich eine Schülerin, wie mein Ausflug nach Tübingen gewesen sei – ihre Eltern hätten meinen Blog lesen und würden zuweilen nachfragen, ob dieser oder jener Sachverhalt tatsächlich so abgelaufen sei.

Entsprechend:
imageMein Hühnerhaus ist fertig und inzwischen bewohnt. Über ein Jahr habe ich daran gebaut und geflucht. Und ohne meinen wunderbaren Schwiegervater wäre es auch heute noch nicht fertig. Ich habe stets die (dämlichen) Ideen und er setzt sie dann um. Fünf Hennen und ein Hahn sind eingezogen, von meiner ältesten Tochter allesamt mit Namen und Charaktereigenschaften versehen. Während Carolina mir erklärt, “Sweetheart” wäre doch etwas schüchtern wohingegen “Hildegard” ein echter Draufgänger sei – aber kein Vergleich zu “Kimberly” – komme ich mir vor wie bei Beverly Hills 90210. Ich höre gar nicht richtig zu, aber meine wunderbare Älteste erklärt mir detailliert, woran man die eine Henne von der anderen unterscheiden kann.
Extrem spannend, wie sich das weiter entwickelt. Nachdem ich selbst im Alter von 16 seinerzeit unsere Hühner schlachten musste durfte, bin ich Vegetarier. Und auch Carolina belastet das dräuende Unheil. Sie ist sichtlich ungehalten und möchte lieber einen Hühner-Seniorenhof aufmachen. Diese Einsicht finde ich ganz wichtig – es kann ja nicht immer nur die Gesichter-Mortadella sein.
Weil die Hühner noch ganz jung sind, haben sie erst ein einziges Ei gelegt: Ein fünfzehnhundert-€i. Denn soviel hat mich das verdammte Haus und die Umzäunung insgesamt gekostet. Ich traue mich nicht, das Ei zu essen – was, wenn es nicht nach soviel Geld schmeckt? Oh weh – welche Enttäuschung! Dann lasse ich es lieber vermodern und phantasiere mir den Rest meines Lebens zusammen, wie bezaubernd es geschmeckt hätte!

Heute dann Elternsprechtag.
In meiner 9. Klasse (schon?!) kommen nur noch vereinzelte Eltern. Ich habe sie alle auf den späten Nachmittag geschoben und den frühen Nachmittag eine andere Kollegin begleitet, die Termine am Fließband zu bewältigen hatte. Sprechtage sind wirklich anstrengend, aber Sprechtage allein zu bewältigen sind wirklich, wirklich anstrengend.
Rückblickend habe ich den Tag sehr genossen. Im Laufe der Jahre ist eine große Vertrautheit zwischen mit und den vielen Eltern entstanden. Ich werde stets ganz fröhlich begrüßt, man erfreut sich an der gegenseitigen Verbundenheit und schmunzelt über manche Anekdoten der Kinder. Auch wenn die direkte Arbeit mit den Eltern nur einen kleinen Bruchteil meines Berufs ausmacht, hat mir das heute sehr, sehr gut getan. Zu spüren, mit wie viel Freude in die Gespräche mit meiner Co und mir gegangen wurde, ist unbeschreiblich.
Wenn ich in anderthalb Jahren wieder runter in die 5 gehe, dann hoffe ich, wieder auf so großartige Eltern zu treffen. Eltern, die nicht alles abnicken was ich sage und auch weder mich noch die Schule immer super finden – aber die ganz tief verstanden haben, dass wir das Allerbeste für die Kinder im Sinn haben und uns großes Vertrauen schenken.

Außerdem heute: Die neuen Referendare.
Habe sie nur einmal von ferne gesehen, freue mich aber jetzt schon auf die Zusammenarbeit. Morgen werden sie offiziell vorgestellt. Die nächsten Tage werden so lala. Morgen den ganzen Tag Studientag zum Thema “Sprachsensibler Unterricht”. Ich lasse mich gerne positiv überraschen. Übermorgen dann eine weitere Fortbildung, zu der ich als Mathematik-Fachschaftsvorsitzender muss: Eine Fortbildung zur Vergleichsarbeit in Klasse 8. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Donnerstag dann normaler Unterricht, bevor ich Freitag und Samstag in Köln auf dem OERCamp bin. Insgesamt für meinen Geschmack zu viel Drumdrum und zu wenig Unterricht – aber das muss vielleicht auch mal sein.

4 Replies to “Chronik: ein 1500-€i, Rückblick & Ausblick”

  1. Das Problem des Erstgelegten gleicht dem Problem des Erstgeborenen: es wird zu sehr verhätschelt.
    Ich als Erstgeborener empfehle eine gesunde Erdung. Also das Ei bunt anmalen und im Garten vergraben, das gibt im nächsten Jahr einen tollen Osterbaum und alle sind glücklich.
    Aber was ist „sprachsensibler Unterricht“?Muss da neben dem Hebelgesetz auch auf das Hebelinnengesetz hingewiesen werden? Dürfen falsche Ergebnisse nur „alternative“ Ergebnisse genannt werden? Ist Orange the new Black?
    Ich glaub, ich würde heutzutage durchfallen.

    1. Sprachsensibler Unterricht bedeutet, dass man erkennt, dass Sprache auch im Fachunterricht essentiell für den Lernerfolg ist. Wenn die SuS nicht sprachlich verstehen was man lehrt, wie sollen sie es dann lernen können? Eine Tatsache, die unter Aspekten wie Integration, DAZ und Flüchtlingsklassen erheblich an Bedeutung gewonnen hat.
      Nettes Gedankenexperiment: Versuch doch mal den Aufbau von einem einfachen Stromkreis mit Schalter in deiner besten Fremdsprache zu beschreiben.

      Dir, Jan-Martin wünsche ich viele neue Erkenntnisse und trotz wenig Unterrichtszeit eine schöne Woche. 🙂

      1. Ach sooooo, also einfach einen Schritt zur Seite und in die Schuhe des Rezipienten treten. Das ist natürlich wichtig und gar nicht spottwürdig. Und schwer, weil man ja selber gern zum Fachidiotentum tendiert.
        Muss ich auch dauernd: komplexe Tools useradäquat beschreiben. Und zwar für solchene und solchene User. Und für Honks. Oder auf der Autobahn oder am Baggersee per Telefon mit den Augen des Gesprächpartners ein Problem an dessen Bildschirm analysieren und lösen. Doppelblindtelefonschach.
        Einen Stromkreis könnte ich gar nicht beschreiben. Der kommt bei uns aus der Steckdose und fertich.

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