Zweiter Schultag: Frederik Vahle

Zweiter Schultag: Frederik Vahle

Der Elternpflegschaftsabend war kurz, produktiv und überaus lustig. Hauptthema war die anstehende Abschlussfahrt meiner 10. Klasse. Um die Problematik aus Lehrersicht zu verdeutlichen, habe ich an ein Ereignis aus unserer Region erinnert: Bei einem Tagesausflug haben sich Schüler auf der Rückbank des Busses derart betrunken, dass noch auf Hinreise dein Notarzt angefordert werden musste. Selbiger wurde mit einem Rettungshubschrauber eingeflogen, für den die Autobahn kurzzeitig gesperrt wurde. Für Schüler wie für Lehrer eine ätzende Situation. Um das ganze zu illustrieren, habe ich an dem Abend die zugehörige Google-Suche an die Wand projiziert:

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Um der Sache etwas die Schärfe zu nehmen, habe ich die anwesenden Eltern darauf hingewiesen, dass wir beizeiten auch über den 4. Treffer der Google-Suche sprechen würden [gerne nochmal auf den Screenshot gucken, ich warte so lange]. Der Abend war gut und die Eltern (ich liebe sie!) konnten unsere Sorgen und Bedenken vollkommen teilen. Das erleichtert und die Vorfreude auf die kommende Woche steigt so langsam.

Außerdem erwähnenswert: Heute ist in der 8. Stunde Physik ein Schüler eingeschlafen. Ich weiß natürlich, dass mein Unterricht langweilig ist – aber schon am ersten Tag?? Schon von Anfang an sank Erols Kopf nach und nach immer tiefer. Zwischendurch stellte er noch eine Frage die nichts mit dem Unterricht zu tun hatte (wohl um zu zeigen, dass er mitdachte), aber dann versank er wieder in einen leichten Dämmerzustand. Nach der halben Schulstunde – Erol war gerade in sanftes Dösen übergegangen – sprach ich immer monotoner und leiser und flüsterte der Klasse schließlich zu, dass wir von nun an bitte… nur… noch…. flüstern…. dürften…, um… Erol… nicht… zu… wecken.
Der ärmste war einfach noch im Ferienmodus und braucht wohl noch ein paar Tage, um wieder einen Schulrhythmus zu bekommen. Nebenher schaltete ich an meinem Handy Frederik Vahles “Schlaflied für Anne” an. Das sorgte für großes (aber weitestgehend lautloses!) Gelächter.

Die anderen kicherten weiter  grinsend in sich hinein und die Stunde schritt voran. Zumindest der Rest der Klasse war wieder wach! Irgendwann schrak auch Erol zusammen, richtete sich auf und brauchte einige Momente, um sich zu orientieren. “Guten Morgen”, rief ich und strahlte ihn an. Böse bin ich ihm nicht – dazu war es zu witzig für alle anderen.

Wie wunderbar – habe ich auch das auf meiner Liste abgehakt: Ich habe eine so langweilige Stunde gehalten, dass meine Schüler wahrhaftig einschlafen. Und das schon an Tag 2! Man mag sich gar nicht ausmalen, wie der Rest des Schuljahres wird…!?

Hinweis: Dieser Eintrag entsteht auch, um dem zuweilen vorgebrachten Vorwurf entgegenzuwirken, in sozialen Netzwerken/Blogs/der Öffentlichkeit würden die Sozialen Netzwerker/Blogger/Selbstdarsteller sich immer nur von ihrer besten Seite zeigen.

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