Lesetipp: “Wer bin ich”

Lesetipp: “Wer bin ich”

Auf der Rückfahrt von unserer Klassenfahrt gerieten wir mehr als einmal in zähfließenden Verkehr.

Während sich einige Schüler erschöpft in ihren Sitzen wälzten und sich erkennbar nach ihren weichen Betten sehnten, waren andere so energiegeladen wie am ersten Tag. Ohne falsche Hemmungen quetschten sie sich vorne zwischen uns Lehrer und teilten Erinnerungen, Anekdoten und (schlechte) Witze mit uns. Insbesondere Jens verkündete nicht ohne Stolz, dass sein Geburtstag auch der Tag der schlechten Wortspiele sei. Unter Lachtränen und Schnappatmung erinnerte er an seine erste Begegnung mit meiner Co: Auf einem Wandertag habe er ihr minutiös anderthalb Stunden lang die Handlung des Films “Lone Ranger” nacherzählt. Gute Stimmung allenthalben – aber auch eine Erfahrung, die meine Co nicht wiederholen wollte.

41sWJluXuBLZum Glück hatte ich das Buch “Wer bin ich?” von Rolf Dobelli dabei. Dieses Buch versteht sich in der Tradition des bekannten Fragebogens, den einst Max Frisch entwarf: Es besteht aus einer Ansammlung zahlreicher, thematisch gruppierter Fragen.

Aus ihnen entspann sich irgendwann eine kurzweilige Diskussionsrunde. “Unter welchen Umständen wären Sie bereit, Ihr Glück zu verkaufen?” ist ein gutes Beispiel für jene Art offener Fragen, die zu einer spannenden Gesprächen führen kann. Oft gelang es, von einem sehr witzigen Ausgang zu einer ernsteren Position zu gelangen – konkretes Beispiel:

Was sind Sie öfter?
a) Der falsche Mann am falschen Ort?
b) Der falsche Mann zur falschen Zeit?
c) Der falsche Mann.

(Klar, dass ich das Jens fragte!) Die implizierte Selbstreflektion der Fragen setzt nun ein gewisses Alter voraus: Mit einer 5. Klasse kann man so etwas sicher weniger gut besprechen, als mit einem Oberstufenkurs.

Viele, auch sehr persönliche Fragen, beschäftigen mich intensiv – mir fehlen nur der passende Gesprächspartner und der gute Rotwein, um mich damit auseinanderzusetzen.

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