Nähe & Distanz zu Schülern

Vor einigen Tagen beschrieb Arne Ulbricht in der SPIEGEL-Online Sparte, er entspräche in seinem Berufsbild dem Kumpeltyp und würde zuweilen mit der fehlenden Distanz zu den Schülern kämpfen. 

Als Schüler lag ich einer Englisch-Referendarin zu Füßen. Alle Jungs taten das. 

Die Frage von Nähe und Distanz zu den Schülern – im Beamtendeutsch „Schutzbefohlenen“ – ist von immenser Bedeutung: 

Im Unterschied zu einem Hochschulstudium oder einer Berufsausbildung ist „Erziehung“ nämlich durch das Schulgesetz vorgegebene Aufgabe der Lehrer. Wir können uns nicht auf das “Lehren” beschränken.

Obwohl ich sehr viel Spaß in und an meinem Beruf habe und durch SocialMedia sicher leicht zu greifen bin, betrachte ich mich selbst nicht als Kumpel meiner Schüler.
Aber zum Ende eines Schuljahres verbringt man dann doch bei Projekten, Festen und Exkursionen viel Zeit außerhalb des eigentlichen Unterrichts mit den Kindern. In anderthalb Wochen fahre ich mit einer Abschlussklasse zum Länderspiel und schon während der Vorbereitung rutscht dem ein oder anderen Schüler versehentlich ein „Du“ raus. Nicht aus mangelndem Respekt. Nicht wegen unklarer Rollenverteilung. Sondern aus wachsender Vertrautheit.

Diese Nähe empfinde ich als sehr Zwiespältig.

Ich schätze das entgegengebrachte  Vertrauen. Ich mag, wenn Schüler mich mögen und vermutlich kann ich sie besser motivieren, wenn das Unterrichtsklima positiv ist.
Auf der anderen Seite denke ich, dass ein großer Teil der Schülerin-und-Lehrer-brennen-durch-Storys ihren Anfang in fehlender Distanz gefunden haben. Jede zweite Seifenoper behandelt die verbotene Liebe zwischen einem Lehrer und einer Schülerin.

Ich beneide den Kumpeltyp Ulbricht um seine Sorglosigkeit und Freude am Beruf. Aber mir wäre die Gefahr zu hoch, dass einzelne Schüler am Ende nicht mehr damit zurecht kämen, dass ich sie benote und damit Ausbildungschancen vergebe oder verbaue.

Hätte die genannte Englisch Referendarin uns seinerzeit auch nur einmal zugezwinkert oder einen Hauch Nähe gezeigt, hätte es bei uns kein Halten mehr gegeben. 

Ich bin dankbar, dass sie uns auf Abstand hielt.

Apps für (bzw. gegen) den Unterricht (Folge 16)

Screenshot_2015-05-25-17-43-28Chain Reaction

Mein Bruder hat mich für ein simples Spiel begeistert, das ich in einer Vertretungs-Randstunde meiner Klasse zeigte – und seitdem verbreitet es sich wie ein Lauffeuer durch die ganze Schule.

Das Spielprinzip ist nur umständlich zu beschreiben, aber sehr einfach zu spielen: Jeder Spieler (1-8) setzt bunte Kugeln auf das Spielfeld. Hat man genug Kugeln seiner Farbe auf einem Haufen versammelt, kommt es zu einer Kettenreaktion (-> Chain Reaction): Der Haufen spaltet sich und sendet Farbkugeln in alle benachbarten Felder, die daraufhin übernommen werden.
(Für Physiker: ähnlich einem alpha-Zerfall mit je vier freiwerdenden Neutronen, die die benachbarten Atome anregen)
In der Ecke reichen schon 2 Kugeln zum Spalten, am Rand 3 und in einem mittleren Feld benötigt man 4.

Das Besondere ist, dass der Ausgang eines Zuges durchaus berechenbar, aber wegen Denkfaulheit scheinbar zufallsbasiert ist. Durch die zunehmenden Kettenreaktionen wechselt das Spielfeld häufig von fast-ganz-blau über jetzt-fast-komplett-lila zu oh-nein-nur-noch-zwei-Felder-grün. Wer gewinnt ist kaum vorherzusehen und nicht selten siegt jemand, der nur noch ein einziges kümmerliches Feld seiner Farbe besitzt.

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Der Spielspaß ist relativ hoch.
Die Android-Version ist kostenlos und nervt nicht durch eingeblendete Banner. Bis zu 8 Spieler machen einfach Spaß.

Vielleicht etwas für die letzten Stunden vor den Ferien.

 


Zuweilen werden hier Android- und iPhone-Apps vorgestellt, die sich im Unterricht sinnvoll einsetzen lassen. Einen Überblick aller bereits besprochenen Programme findest du hier.

Fehlt noch etwas? Weitere Vorschläge einsenden.

Tag der Abrechnung

Vor ein paar Jahren hing am Schwarzen Brett im Lehrerzimmer ein Brief, den die damalige Kultusministerin, deren Namen ich vergessen habe (und das ist kein Spruch :)  ), an alle Gesamtschulen in NRW verschickt hatte. Die Katze war aus dem Sack: Gesamtschüler machen durchschnittlich ein um 0,3  schlechteres Abitur als ihre Kollegen am Gymnasium. Deswegen sollten alle Gesamtschullehrer verstärkt zu Fortbildungen geschickt werden.
Dahinter steckt der Gedanke, dass wir als Lehrer immer hinten raus bekommen, was wir vorne reinstecken.

Stimmt das?
Janövielleicht.

Einerseits kursiert die Geschichte, dass der erfolgreichste Lehrer in Schweden (oder so) die schlechteste Klasse zur zweitbesten gemacht hat. Und einer meiner Kollegen (fragt Jan, wer das war) hat es geschafft, durch unermüdlichen Einsatz von Lerntheken in Mathematik mit Abstand die besten Ergebnisse in Vera 8 einzufahren.

Andererseits kann man aus Stroh eben doch kein Gold spinnen. Oder doch? Was soll ich in der Oberstufe tun, wenn die Leutchen sich weigern einzusteigen, mitzudenken, Hausaufgaben zu machen und zu üben? Jaja blabla, mit der Note abstrafen, aber schaut selber nach: Hausaufgaben zählen nicht zu Sonstigen Mitarbeit   –> Hausaufgaben ergänzen die schulische Arbeit und können dazu dienen, das im Unterricht Erarbeitete einzuprägen, einzuüben und anzuwenden. Hausaufgaben werden deshalb in der Regel nicht zensiert, sollten jedoch unter pädagogischen Aspekten Anerkennung finden (BASS 12-31 Nr. 1 und Nr. 4). Was tue ich, wenn bei den Schülern zu Hause einfach keine Verhätnisse herrschen, in denen man lernen kann? Wenn es keinen Schreibtisch gibt und alle anderen Familienmitglieder vor diversen PCs, Handys oder Fernsehern sitzen? Was tun, wenn 2 – 5 durchgeknallte, unerzogene Kinder so viel Aufmerksamkeit einfordern, dass man den Laden im Prinzip dicht machen könnte?

Das ist die Gretchenfrage für Lehrer: Die einen machen jeden Tag frontalen Schulbuchunterricht, die anderen schneiden bunte Gruppenkarten aus und bestreuen diese mit Glitzer, bevor sie diese laminieren und in Herzform schneiden, alles in der Hoffnung, es würde die Schüler zur Arbeit anregen.
Die Hattie-Studie sagt grob gesprochen, es käme auf den Lehrer an.

Was glauben wir? Geben uns Vera-Prüfungen, ZAPs, Standardsicherungen am Ende der Einführungsphase (11) und das Abitur ein Antwort auf die Frage, ob wir´s bringen?

Schule wie zu Großvaters Zeiten.

Aus Gründen unterrichte ich bis zum Sommer einmal wöchentlich einen Mittelstufen-Mathematik-Kurs mit knapp 50 Schülern.
Für mich (und die Kinder) ist das durchaus herausfordernd – läuft bisher aber völlig problemlos. Jeder bemüht sich, seinen eigenen Rede-Drang für 45 Minuten herunterzufahren, um den Lärmpegel erträglich zu halten.
Spannend finde ich die Vorstellung, dass solche Klassengrößen Anfang des letzten Jahrhunderts durchaus üblich waren, in China üblich ist.

Interessant dabei die öffentliche Diskussion, ob sich die Klassengröße auf die Leistung der Schüler auswirkt. Lehrer sagen ja, Studien behaupten (belegen?) das Gegenteil.

Die Lehrarbeit lebe ich oft genug als Beziehungsarbeit: Ich kommuniziere mit Schülern, klopfe Sprüche, spiele mit Antworten und weiß, wie ich einzelnen Schüler begegnen muss. Hier frage ich, wie es dem Pflegepferd geht, dort nach dem Wochenende.
In einem Kurs mit 50 Leuten fällt dieser Faktor völlig weg. Ich konzentriere mich ausschließlich auf das Lehren, für individuelle Hilfestellungen (man könnte auch sagen: Rücksichtnahme auf den Einzelnen) gibt es keinen Platz mehr. Diese eine Stunde in der Woche erinnert eher an die Vorlesung an der Universität als an Schulunterricht.

Für eine Stunde in der Woche ist das ein Erlebnis und schon okay – aber so richtig Spaß macht das niemandem. Denn letztlich geht es in der Schule ja nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch um Erziehung und Mensch-Werdung.

Alles eine Frage des Blickwinkels.

IMAG0500Mein Bruder und ich arbeiten im Garten. Das Pool-Projekt läuft ganz gut, aber es gibt Schwierigkeiten. Die zwei Schaufeln bspw. sind unterschiedlich das nervt uns ganz gewaltig. Mit der einen kann man schlechter schippen, schlechter drauftreten und der Winkel ist auch kacke.

“Das ist eine Fehlkonstruktion”, schimpfen wir einhellig.

Später kommt mein Schwiegervater dazu. Ein richtiger Handwerker. Während er gräbt und schaufelt, nutzt er er die beschissene Schaufel. Nur richtig. Sie ist super.

Mein Bruder flucht. “Oh man… Die Schaufel ist völlig okay. Wir sind die Fehlkonstruktion hier.”

Dürfen Lehrer im Sommer in der Schule kurze Hosen tragen?

Neulich sitze ich mit Jan auf der Fensterbank im Lehrerzimmer und ich sage:“Guck dir mal den Andreas an, wie der wieder rumläuft!“ Jan darauf:“Der könnte wegen mir im Handtuch bekleidet unterrichten – ich finde den einfach nur genial und er macht vermutlich grandiosen Unterricht.“

Verläuft zwischen uns der Graben, der die Lehrergenerationen trennt? Immerhin bin ich gute 12 Jahre älter und bin weder tätowiert noch gepierct und trage meine Haare nicht zu Rastalocken gedreht. Ich bin der Meinung, dass ich als Lehrer durchaus eine Vorbildfunktion habe – und die gilt irgendwie auch in Hinblick auf das äußere Erscheinungsbild. Dabei meine ich jetzt nicht, dass man im Kostüm oder Anzug rumlaufen muss (wobei es Schulen geben soll, an denen das durchaus Standard ist), aber es ist doch schon gut, wenn die Bluse gebügelt ist und die Schuhe sauber sind. Mir ist auch klar, dass die Welt bunt ist und einen eigenen Stil zu haben, gilt als erstrebenswert. Dennoch finde ich es schwierig, wenn Lehrer im Sommer in kurzen Hosen rumlaufen oder mit Wollmütze im Lehrerzimmer sitzen.

Ich bin eine Old-School-Ignorantin: Die Kleidung sollte sauber und ordentlich sein, und der Tatsache Rechnung tragen, dass wir Kinder nach einigen Jahren in die Welt entlassen, und da sollten diese dann nicht im Büro oder im Betrieb in kurzen Hosen oder mit Wollmütze auftauchen.

Wie seht ihr das?

Osterferien 2015: Baby, Schule, Pool, BVB

Endlich Ferien. Ferien, die ich sehr herbeigesehnt habe und nun auch schamlos genieße.

IMG_20150401_161129 1Einiges an Zeit widme ich der Kombination Hund & Baby. Kleine Kinder greifen immer nach den spannenden Dingen – und bei einem Tier sind das stets die Augen: Aber Bailey lässt alles geduldig über sich ergehen. Jedes Grapschen und Ziehen und Zerren. Ich vergesse nie, dass ein Hund ein Raubtier bleibt – aber dieser scheint mit dem kleinen Mensch prima klarzukommen.

Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag 8 Klassenarbeiten zu korrigieren und halte das (bisher) auch durch. Ich müsste auch noch jede Menge Unterricht vorbereiten – aber dazu habe ich aktuell keine Lust.
Ich gewöhne mich langsam an den Abschied von meiner 10. Klasse. Die letzte Arbeit wurde geschrieben, jetzt stehen nur noch die ZAP und das Länderspiel an. Ich bin nicht nur aus Verbundenheit auf die Ergebnisse gespannt, sondern auch aus lerndidaktischer Perspektive: Diese Klasse hat seit Klasse 7 praktisch ausschließlich mit Lerntheken gearbeitet. Das Mathematik-Buch haben wir nicht ein einziges Mal genutzt. Um sicherzustellen, dass ich nicht meine eigene Suppe auf Kosten der Schüler koche, schreiben wir im Jahrgang sehr ähnliche Klassenarbeiten. Mein Kurs schneidet dabei nicht signifikant besser oder schlechter ab. Also alles im gründen Bereich…!?
Ich werde die Lebensläufe auch die nächsten drei Jahre verfolgen um zu schauen, wie meine Schüler in der Oberstufe zurechtkommen: Haben sie “eigenverantwortliches Lernen” gelernt? Haben sie begriffen, dass ihr Lernerfolg maßgeblich von der eigenen Anstrengung und nicht von der Lehrperson abhängt? Oder werden sie am Bruch “offene Arbeitsform” vs. “frontale Abiturvorbereitung” scheitern? Auch hier bin ich gespannt.

IMAG0292 (Medium)Überdies verbringe ich viel Zeit im Garten.
Unsere Vorbesitzer haben uns einen heruntergekommenen Swimming Pool hinterlassen, der in den nächsten Wochen von mir generalüberholt wird.
Aktuell wird Schubkarre um Schubkarre Erde, Steine und Dreck abgehoben und weggebracht. Ziel wird eine Terrasse außen mit einem Pavillon sein, dazu muss das Becken gereinigt und repariert werden. Wenn es am Ende schön wird, schreibe ich vielleicht nochmal was zum Bau. Wenn es hässlich wird, frage ich die Chemiekollegen nach Sprengstoff (und würde auch darüber schreiben).

Zwei Highlights stehen in den Ferien noch an: Durch glückliche Umstände fahre ich nicht nur Samstagabend zum Spiel des BVB gegen die Münchener Batzis (je nach Spielverlauf korrigiere ich dann nächste Woche großzügiger oder schlechtgelaunter), sondern auch nach Gladbach zum Spiel der falschen Borussia gegen die richtige.
Aufregend wird Samstagabend: Als letzter großer Lothar Matthäus-Fan Deutschlands hoffe ich, die Expertenrunde im Anschluss auf dem Stadionrasen zu stören und den Loddar zu drücken.

Zeitumstellung

Meine Frau und ich fragen uns jedes Mal, ob unsere Smartphones die Zeitumstellung automatisiert übernehmen oder ob wir nachhelfen müssen (sie machen es automatisch).

Die Uhren in unseren Autos verändern sich jedoch nicht.
Während Angela in ihrem Auto konsequent die Sommerzeit eingestellt lässt, bemühe ich mich um Aktualität: Leider habe ich dann aber meist Besseres zu tun, so dass ich oft erst nach einem Quartal dazu komme, die Uhr in meinem Auto einzustellen. So entsteht immer völliges Chaos und die Uhren sind uns letztlich gar nicht hilfreich: Wir wissen nie ob und welche Uhr gerade richtig oder falsch geht, schon umgestellt wurde oder nicht.

Die todsichere Abivorbereitung

Was Sie noch nie über Gesamtschulen wissen wollten, ich Ihnen aber aufdrängen werde: An Gesamtschulen unterrichtet nur etwa ein Drittel der Lehrer auch in der Oberstufe, die anderen sind in der Regel Realschullehrer oder (auch das gibt es, wie und warum weiß ich nicht) Grundschullehrer. Die Folge davon ist, dass diejenigen mit Sek-II-Fakultas immer und andauernd Abiturprüfungen abnehmen. An unserer Schule haben wir in der Oberstufe mehr als 200 Schüler, in jedem Jahrgang gibt es einen Deutschleistungskurs und 3 Deutschgrundkurse. Wir sind 6 Kollegen verteilt auf 12 Kurse – jeder hat zwei Oberstufenkurse. Nach dem Abitur ist vor dem Abitur.

Ich frage mich so gut wie jedes Jahr auf´s Neue, wie die perfekte Abivorbereitung aussieht. In diesem Jahr habe ich mal wieder die todsichere Methode gefunden und alle Schüler werden mich preisen und Einsen schreiben: Die Kinder lernen endlich zu tun, was man ihnen sagt, d.h.  die Aufgabenstellung sorgfältig zu lesen und dieser zu folgen. Mehr baucht es im Prinzip gar nicht.

Ich setze jetzt mal voraus, dass der Stoff sitzt, zumindest die Wikipediaseiten zu den Lektüren gelesen wurden (machen wir uns nichts vor….welche 18-Jährigen lesen „Tauben im Gras“?) und man schreiben kann.
Dann passiert in der Abiturprüfung Folgendes: Die Schüler bekommen in Deutsch 3 Vorschläge:
1. : Gedichtvergleich – weg damit.
2.: Herder – weg damit.
3: Irgendwas, was ich vom Namen her kenne, das nehme ich.
Und dann schreiben die Prüflinge eifrig drauf los. Das ist der Weg zur 4- oder 5.

Im letzten Jahr in Deutsch hatte ich mit den Schülern „Kabale und Liebe“ anhand eines Textes von Safranski wiederholt. Unser Pech: Safranski kam auch in der Prüfung dran und fast alle Kinder stürzten sich drauf, weil das der vermeintlich sichere Weg war. Geschissen: 8-10 Operatoren machten es ihnen so gut wie unmöglich, die Klausur so zu schreiben, dass alle Anforderungen zufriedenstellend bearbeitet werden konnten. Oder Abitur in Geschichte 2013: Ein Text von Papen. Die meisten Kinder handelten gemäß dem Motto „Hitler geht immer“ und merkten nicht, dass der Text es durchaus in sich hatte.

Auf Lücke lernen geht nicht. Selbst wenn das Lieblingsthema kommt, muss man immer auf die Anzahl der Operatoren achten, die Länge und Komplexität des Textes beachten und danach entscheiden.

Die sichere Methoden? Alle Abitrainer aus dem Fenster werfen und sich alte Abiturklausuren auf den Seiten des Ministeriums besorgen. Anhand derer und der Lösungen üben, eine stimmige Gliederung gemäß den Operatoren zu verfassen und diese in der Klausur abarbeiten. Dann ist weniger auch mehr.
Ach, ich sehe meine Schüler schon mit glänzenden Augen und geröteten Köpfen die Abiaufgaben lösen und Einsen schreiben. Was werden wir jubeln! Todsicher!

Wie ein Opa im Handyladen…

Ich bin im Fahrradgeschäft um mein Fahrrad aus dem Internetz justieren zu lassen: Die Bremsen sind oll.

Als die Verkäufer mein Rad sehen, verziehen sie das Gesicht. Lang und ausführlich erklären sie mir, weshalb mein Fahrrad Murks ist. Die Bremsen können nichts taugen und lassen sich bei so einem Baumarkt-Fahrrad auch nicht ersetzen. Die Gabel sei schlecht und das Fahrrad sei überdies auch viel zu klein für mich.

In allem haben sie recht.

Aber ich fühle mich, wie ein Opa im Handyladen: Ich bin mit meinem alten Nokia 3300 zufrieden und möchte bitte nur einen neuen Akku, während die Verkäufer versuchen, mir ein neues iPhone 6 anzudrehen.
Ja, das kann viel mehr. Ja, dass ist hübscher und schneller und toller.

Aber ich möchte nur telefonieren hin und wieder ein paar Kilometer Fahrrad fahren. Ich brauche kein 900 Euro Rad. Ich bin zufrieden. Eigentlich wollte ich nur (“..aber die Gabel!”) ein bisschen (“…viel zu klein!”) fahren und hätte gerne die (“da passen gar keine anderen drauf!”) die Bremsen eingestellt.

Naja.. zumindest bin ich Senioren gegenüber jetzt vorsichtiger Zwinkerndes Smiley

Die Dorfschullehrerin

Kennt ihr das, dass der obere Rücken- und Nackenbereich völlig verspannt ist?

Ich geh also zur Massagepraxis in Eiserfeld (das Dorf, in dem auch unsere Gesamtschule liegt). Und als ich da so halb nackt auf dem Bauch (Gottseidank!) auf der Massagepritsche liege, kommt der Physiotherapeut mit einem fröhlichen „Guten Morgen, wen haben wir denn da?“ herein. Es liest ab „Eva Tellmann. Ah! Ich war bei Ihnen an der Schule!“

Scheiße. Ich verdrehe mich, um den jungen Mann anzuschauen, ohne mich gänzlich zu entblößen. Zum Glück war er nicht MEIN Schüler! Aber ich kann mich gut erinnern, dass ich Klassenlehrerin in seiner Parallelklasse war. Dem ehemaligen Schüler ist das alles gar nicht unangenehm und er plaudert freundlich drauflos über alte Lehrer und gemeinsame Bekannte.  Wunderbarerweise hat er wirklich heilende Hände und versteht sein Handwerk.

Deswegen merke man sich: Seid nett zu den Kindern in der Schule, denn sie werden eure Gynäkologen, Feuerwehrleute, KFZ-Mechaniker und Bestattungsunternehmer.

“Wie aus dem Gesicht geschnitten”

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“Deine Tochter sieht dir so ähnlich”, sagen die Leute ständig. “Besonders die Augen”, sagen sie.

Manchmal zu mir.

Manchmal zu meiner Frau.

Ich sehe das nicht. Für mich sehen Babys alle gleich aus.

Ein weiteres Halbjahr ist rum. Die Tage sind gerade ganz wunderbar aber ich stelle verärgert fest, dass mein Blog mir zu “berufsorientiert” geworden ist. Das nervt mich etwas, weil mein Leben nicht nur aus Schule besteht.

Notiz an mich selbst:
In Zukunft wieder mehr Blödsinniges aus dem Alltag, wie die Geschichte, als wir die Milchzähne vom Hund in Carolinas Milchzahndose gelegt und ihr erzählt haben, sie hätte als Baby solche Reißzähne gehabt.

Einige Projekte für 2015

20141228_121347Die Ferien sind fast rum und dieses kleine Blog geht in sein sechstes Jahr – unglaublich, wie die Zeit vergeht.

Die Ferien habe ich sehr genossen und auch zwei Wochen lang nicht das Bedürfnis verspürt zu bloggen oder für die Schule zu arbeiten. Bailey hat das erste Mal in ihrem Leben Schnee gesehen – und lieben gelernt. Weihnachten war irgendwie zwischen “abgeklärt für die Große” und “noch nicht magisch für die Kleine”. Das wird in den nächsten Jahren sicher anders. Silvester ist nicht so meins: ich komme aus einer Ärztefamilie, da wurden Neujahr immer die ‘abgerissene-Finger’-Geschichten erzählt und so richtig Lust auf Böllern hat dann niemand.
Erst in den letzten Tagen habe ich mich wieder an den Schreibtisch gesetzt und noch korrigiert und etwas Unterricht vorbereitet.

Große Bauchschmerzen bereitet mir dabei der Technikkurs meiner eigene Klasse: In der 7.2 steht das Thema “Energie” auf dem Lehrplan – aber damit werde ich nicht so richtig warm.
Ich möchte keinen zweiten Physik-Unterricht machen und nach und nach Elektrizitätsenergie, Wärmeenergie, mechanische Energie etc. abarbeiten. Jede Stunde mit einem Experiment und einer Folgerung. Der Vorteil daran wären vier Stunden Physik pro Woche – aber unter “Technikunterricht” verstehe ich eigentlich etwas anderes. Gerade das bauen und “werken” macht vielen Kindern Spaß. Die Papierbrücken haben für große Begeisterung gesorgt. Darüber hinaus darf ich meine zwei Schülerinnen mit Glasknochen nicht vergessen – viele Arbeiten sind für sie sehr mühsam.
Wenn ihr da Ideen und Vorschläge habt, freue ich mich sehr.

Überdies stehen in diesem Jahr noch ein paar weitere Projekte an.

  • mit meinem WP1-Kurs “Arbeitslehre Technik” (=Werken) in der 8 stecke ich mitten in einem Elektronik-Jahr. In den vergangenen Monaten habe ich diesen Kurs mithilfe eines selbsterstellten Workbooks strukturiert. Das hat prima geklappt und ich möchte das Heft gerne bis zum Sommer fertigstellen.
  • im nächsten Schuljahr möchte ich mit eben diesem Kurs eine komplette Produktfertigung (angelehnt an das 15-Euro-Mikroskop) mit der 16-Schritte-Methode (mehr dazu beizeiten) durchführen. Das wird jedenfalls großartig!
  • in diesem Jahr führe ich eine Mathematik-10 zum Abschluss. Damit schließen sich so langsam die letzten Lücken: Bald habe ich jedes Thema einmal gemacht und auch zu jedem dieser Themen eine Lerntheke erstellt. Bald kann ich mich daran machen, Fehler auszubessern, Fotos durch freie Bilder zu ersetzen und die Lerntheken Stück für Stück zum öffentlichen Download komplett freizugeben. (Das wird aber sicher noch etwas dauern.)
  • Wirklich unzufrieden bin ich mit meinem Physikunterricht. Sicher, er funktioniert und es sind auch ein paar Highlights drin (über die ich auch schon geschrieben habe) – aber insgesamt bin ich unzufrieden. Ich brauche noch etwas Zeit, um herauszufinden, woran genau es liegt – aber das darf muss besser werden.
  • Ab Sommer wird außerdem unsere Schule um einen weiteren Zug erweitert. Über diesen Umzug werde ich sicher auch das ein oder andere Mal schreiben.

Auch privat wird das Jahr aufregend: Unsere Vorbesitzer haben den Pool im Garten in einem restaurierungsbedürftigen Zustand hinterlassen – wir müssen erst mal entscheiden, ob wir ihn abreißen oder instandsetzen wollen. In jedem Fall  kommt noch Arbeit auf mich zu. Außerdem kommt Lina in eine weiterführende Schule und Amélie lernt krabbeln; letzteres wird in Kombination mit dem Hund noch spannend.

Euch jedenfalls einen guten Start ins neue Jahr und vielen Dank fürs Lesen! :-)