Grillen mit den Eltern

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Zum Ausklang des Schuljahres haben wir mit unseren Schülern und ihren Eltern zusammen gegrillt.
Es war ein nettes Beisammensein mit lustigen Gesprächen; die Kinder sind allesamt nach wenigen Minuten zwischen den Büschen und Bäumen verschwunden – empfinde ich immer als gutes Zeichen.

Morgen gibt es noch Zeugnisse. Außerdem haben sich die Schüler gewünscht, die “schriftliche Feedbackrunde” (unbedingt lesen!) zu wiederholen. Damit werden alle Kinder mit einem schönen, zweiten Zeugnis in die Ferien entlassen. Das wird gut.

App: “König der Mathematik”

2014-06-25 13.35.48Von einem Kollegen wurde ich freundlicherweise auf eine App hingewiesen, die er im Unterricht eingeführt hätte: “König der Mathematik”.

Es handelt sich dabei um eine Kopfrechen-App. Zehn Fragen, die in möglichst kurzer Zeit beantwortet werden müssen. Besonders eklig: Oben läuft ein Countdown hektisch runter und vermittelt einem das Gefühl, zu langsam zu sein.

Ich habe die App heute direkt in meiner 7 ausprobiert. Allein oder im Team sollten sie versuchen, möglichst viele Punkte zu sammeln und hatten wirklich Spaß dabei.
Gut genug, um eine Vertretungsstunde zu überbrücken, zumal die Android-Version komplett kostenlos ist. Spielerisch werden alle Formen des Rechnens wiederholt bis hin zu einem wirklich heftigen Schwierigkeitsgrad.
Wie immer sieht die iOS-Version hübscher aus, dafür ist sie auch deutlich teurer, in der free-Version sind nur die ersten drei Level verfügbar. Die Android-Version ist komplett kostenlos, die “pro”-Variante gibt etwas mehr Zeit. Es gibt übrigens auch ein “König der Mathematik Junior”, welches ich an meiner Tochter mal ausprobieren werde.
Passt ganz gut in die Rubrik “Spiele im Unterricht” und “Darf man Handys im Unterricht benutzen?” “Soll man Handys in der Schule verbieten” etc. Ist ja nicht immer Teufelszeug.

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Außerdem war ich gestern noch auf der Abschlussfeier meiner ersten eigenen Klasse aus dem Referendariat. Jener Klasse, die mir seinerzeit einen BVB-Toaster zum Abschied schenkte.
Ein wundervoller, würdevoller Abend und ich musste mir tatsächlich die ein oder andere Träne verkneifen, als ich sah, was aus manchen Schülern geworden ist. Vor allem aus denen, die einen schweren Weg zu gehen hatten. Großartig!

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Erste Hilfe

2014-06-12 14.37.37Nach einem Unfall samt gebrochenem Arm an unserer Schule sprachen mich zwei Schülerinnen an, ob wir als Klasse nicht mal einen 1. Hilfe Kurs machen könnten.
Sie, die Schüler, hätten gar nicht gewusst, wie man in der Situation richtig hätte reagieren können und sie fänden das wichtig, dass wir (gerade wir!) als Inklusionsklasse ein bisschen mehr Ahnung hätten.

Gesagt. Getan.

Freundlicherweise opferte ein ausgebildeter Kollege heute zwei Stunden seiner Zeit, um meiner Klasse eine Einführung in die 1. Hilfe zu bieten. Geübt wurde immer wieder und von jedem die stabile Seitenlage, das Unterschieben einer Decke und die Wundversorgung. Ausgelassen wurde (zum Bedauern der Jungs Zwinkerndes Smiley) die Wiederbelebung. Fröhlicher Abschluss war das Klassenfoto, auf dem alle Schüler in Verbände und Pflaster eingepackt in die Kamera winken.

2014-06-12 11.14.22-5Tatsächlich machen wir Lehrer (und Inklusionshelfer) uns im Bezug auf die Klassenfahrt intensiv Gedanken. Natürlich sind wir geschult. Und natürlich können wir eintreffende Ärzte im Notfall instruieren – gerade im Bezug auf meine Schüler mit Glasknochen. Und trotzdem ist es schön zu wissen, dass nun alle meine Schüler die Grundlagen der ersten Hilfe verinnerlicht haben. Solche Dinge stehen natürlich nicht im Lehrplan. Genau wie das Wechseln der Winterreifen sind sie nicht prüfungsrelevant und werden niemals im Abitur verlangt. Aber immer wieder muss Schule auch ein Ort sein, der mit dem echten Leben verknüpft ist.

Es ist ein Stück “erwachsenwerden”, auf dem wir Lehrer unsere Schüler begleiten dürfen, an dessen Ende das steht, was Frau Henner so treffend als “Tränenreichen Abschied” bezeichnet hat.

‘Cybermobbing-Tage’ oder: ‘Vertrauen vs. Kontrolle’

2014-06-05 10.10.21Die letzten drei Tage waren an meiner Schule Cybermobbing-Projekttage. Die werden jedes Jahr für die sechsten Klassen durchgeführt. Dieses Mal gab es unter anderem ein Theaterstück (ich liebe Theater und freue mich, dass wir in den letzten Wochen gleich zweimal ein Stück ansehen durften), eine Polizistin war im Unterricht und es gab allerhand sonderpädagogische Einzelprojekte.

Den Schülern haben die Tage Spaß gemacht und sicher auch zu der ein oder anderen Erkenntnis geführt. Besonders zwei Punkte sind bei mir hängengeblieben: Zum einen gab es einen kleinen Fragebogen, bei dem die Schüler ankreuzen konnten, wie wohl sie sich in der Klasse fühlten, wie sehr sie die Klasse als “Team” empfänden und wie sehr man sich gegenseitig helfen würde und überdies wurde direkt gefragt, wer glaube, dass es in “eurer Klasse Mobbing gibt”.
Nach drei intensiven Projekttagen gingen sofort alle Hände hoch: Klar gibt es bei uns Mobbing! Eine Auswertung der Fragebögen brachte dann zustande, dass sich drei Viertel der Klasse immer oder sehr oft wohl fühlten. Die gleiche Menge empfindet die Klasse als immer oder sehr oft als gutes Team; ganz vereinzelt kreuzte jemand an, er würde sich nur manchmal wohl fühlen.
Ja, es gibt Mobbing. Ja, alle fühlen sich wohl. Ja, wir sind ein gutes Team.

Ein schönes Beispiel dafür, wie Umfragen ein beliebiges Ergebnis zutage bringen können. Klar sehen die Kinder überall Mobbing, wenn sie darauf gepolt werden. Und natürlich fühlen sich die meisten wohl, lege ich da schließlich einen Schwerpunkt meiner Arbeit drauf. Und fraglos gibt es einzelne, denen die Schule weniger Spaß macht – allein schon, weil sie sich in Mathematik oder Englisch oder Deutsch schwerer tun, als die anderen.

Der zweite Punkt, der mich irritierte, war der Besuch der Polizei. In intensiven, guten Gesprächen erzählten die Kinder freimütig, welche Horror-Kettenbriefe sie bei whatsapp bekämen und weiterleiteten und die Polizistin klärte auf, welche Konsequenzen dieses und jenes hätte.
Unzufrieden bin ich mit dem Gesprächsverlauf. Die Polizistin bat uns nämlich (“dies ist dann Aufgabe der Pädagogen”), den Eltern zu empfehlen, die Handys ihrer Kinder zu durchsuchen. Regelmäßig.

Das sehe ich anders.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass sich zweifellos auf den meisten Handys aller Schüler pornografische Bilder, Gewaltvideos und/oder anderes kritische Material befindet. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Aus Sicht der Polizistin sollten die Eltern die Geräte konfiszieren und durchsuchen, um die Kinder zu schützen.
Das halte ich für kurzsichtig.
Die Kinder sind klug genug, um Chatverläufe augenblicklich zu löschen – überdies kennen sie Möglichkeiten, Daten vor ihren Eltern zu verstecken (z.B. in der Dropbox). Es entstünde ein “Wettrüsten” zwischen Eltern und Kindern, bei dem die Eltern nur verlieren können. Die einzig sinnvolle Möglichkeit ist, den Schülern beizubringen, mit den Medien umzugehen und das Wissen, dass sie sich immer an ihre Eltern oder Lehrer wenden können.
Ich will nicht jeden Mist kontrollieren, den irgendwer auf dem Handy hat – aber jeder Schüler muss wissen, dass er, wenn es Ärger gibt, sich sofort an mich wenden kann. Egal ob es um Mobbing, Gewalt, Pornografie oder Kettenbriefe geht.

Es geht um Vertrauen.

Gehe ich grundsätzlich davon aus, dass jeder Bundesbürger Schüler vom Innenministerium Lehrer überwacht werden muss, oder stehe ich bereit, wenn man mich braucht?

Da bin ich wohl anderer Meinung als die Politik Polizei.

Günther Jauch.

Diesen Sonntag darf ich tatsächlich nach Berlin in die Talkshow von Günther Jauch reisen, um ein, zwei Gedanken zum Thema “Inklusion” zu verlieren.

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Obwohl das Thema ein Ernstes ist, bedeutet diese Erfahrung für mich vor allem Aufregung und viel Spaß. Meine Kollegen gaben mir ein abstruses Codewort mit, dass ich sagen solle, um sie zu grüßen. Meine Frau kam auf die gleiche Idee (aber mit anderem Codewort). Meine Schüler ebenfalls.
Um mich abzulenken, reise ich schon Samstag nach Berlin – vielleicht komme ich noch in den Genuss des DFB-Pokalfinales. Je nachdem, wer gewinnt, werde ich dann Sonntagabend fröhlich oder missmutig in der Runde sitzen.
Tatsächlich werden die bestehenden Probleme um und mit Inklusion sicher nicht in dieser Talkshow gelöst. Ich denke, es geht vor allem darum, sich Gedanken zu machen. Zu sprechen. Zu denken. Immer wieder zu prüfen, was das Beste für die Kinder ist. Und dabei den ein oder anderen Zuschauer mitzunehmen.

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, wird meine Position diesbezüglich erahnen: Mit einer Klasse haben wir mit dem DFB zusammengearbeitet, mit einer anderen für ARTE in einer Doku mitgewirkt und mit noch anderen ein riesiges Modell unserer Schule gebaut, dabei immer wieder neue Lernformen und Methoden ausprobiert und hier vorgestellt, Filme in meinen Physikunterricht eingebunden, meinen Schülern in flüssigen Stickstoff getauchte Marshmallows zu essen gegeben und immer wieder schreibe ich über meine Inklusionsklasse und meine Erfahrungen damit. Als Lehrer darf man sich ausprobieren, darf wagen, experimentieren, forschen, spielen, entdecken, lernen1.
Ich blende die Schwierigkeiten gewiss nicht aus. Ich weiß, dass Inklusion an vielen Schulen katastrophal umgesetzt wird. Es ist ein schwieriger, langer Weg voller Fehler und Tragödien – aber auch mit viel guten Entwicklungen.

Ich liebe diesen Beruf. (Sagte ich das bereits?)

Am Telefon wies man mich übrigens ausdrücklich darauf hin, nichts Kleinkariertes zu tragen. Auch wenn das einen fernsehtechnischen Hintergrund hat: Alle Welt scheint zu glauben, wie Lehrer würden stets karierte Jackets mit Flicken auf den Ärmeln tragen.  Ich versicherte jedenfalls, mich angemessen zu kleiden. Ob mir das gelungen ist, dürft ihr selbst beurteilen. Zwinkerndes Smiley

1: Insbesondere die mitlesenden Lehramtsstudenten: Es ist großartig! Großartig!

Fast Ferien. Fast.

IMG_20140410_073818Fast Ferien.
Heute haben die Abiturienten ihren letzten Schultag gefeiert. Morgen ist dann letzter Schultag vor den Osterferien. Dieses Wochenende steht nochmal Hausumbau an, bevor wir nächste Woche umziehen und renovieren.

Vorher darf ich aber noch ins ARD Morgenmagazin. Man möchte mich morgen gerne über Facebookfreundschaften zwischen Schülern und Lehrern interviewen. Auf der FB-Seite des Morgenmagazins wird schon darauf hingewiesen – wenn ich auch denke, dass der Begriff “befreundet sein” hier etwas überstrapaziert ist.
Ich selbst nutze Facebook als Telefonbuchersatz; hin und wieder schreiben mich (ehemalige) Schüler und Eltern an und fragen nach Informationen wie Schulende, Arbeitsblättern oder Buszeiten. Nichts Bedeutsames – aber allemal schneller via Facebook-Mail erledigt, als dass man versucht, mich in der Pause im Lehrerzimmer telefonisch zu erreichen. Freundschaftsanfragen gehen nie von mir aus und niemals hat irgendein Schüler einen Nachteil, nur weil er nicht bei FB angemeldet ist. Passend dazu auch die Frage, ob Lehrer Quizduell-Freundschaften mit Schülern eingehen dürfen.
Heute Nacht habe ich geträumt, während des Interviews würden Zuschauer anrufen können und mein Chef wäre am Apparat: “JAN! ICH DACHTE DU SEIEST KRAAAANK!”

Oh man. Fast Ferien.

Fast.

Neandertaler im Unterricht

2013-12-04 12.48.03Gerade steht der Aufklärungsunterricht an. Sex und so.
Die Kinder mögen es, dem ein oder anderen “hängen die Penisse zum Hals raus”. Zu Beginn der Einheit habe ich die Klasse in heterogenen Gruppen sinnvolle Regeln erstellen lassen. “Wir lachen miteinander und nicht übereinander.” “Was in der Klasse besprochen wird, bleibt in der Klasse.” “Keine blöden Kommentare.” Anschließend habe ich die Schüler nach Geschlechtern getrennt und ihnen aufgetragen, auf große Plakate einen Jungen und ein Mädchen zu skizzieren und die – aus ihrer Sicht – wichtigsten Regeln in die Figuren reinzuschreiben.

Ein Chaos brach aus.

Zumindest bei einem Geschlecht.

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