Große Familie

20141025_132016_AndroidDas Wochenende waren wir auf einem runden Geburtstag von Freunden aus alten Tübinger Zeiten eingeladen. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, eine alte Villa in Frankreich für diese Party zu mieten und haufenweise Familie und Freunde gerufen.
Für uns war es die erste größere Fahrt mit dem Baby – das, ganz Gemeindekind – zwei Tage lang von Arm zu Arm gereicht wurde und meist selig schlief. Carolina – im gleichen Haushalt aufgewachsen – kannte zwar niemanden, aber sprang sofort mit den anderen Kindern umher, fuhr ins örtliche Schwimmbad und begegnete uns erst abends wieder, wenn sie todmüde ins Bett fiel. Es wurden Geschichten und Anekdoten erzählt, Lieder gesungen und eine bunte Weinverkostung (bei der jeder Gast seinen Lieblingswein & eine Geschichte mitbrachte) genossen. Essen. Trinken. Lachen. Freuen. Spazierengehen. Zuhören. Aufmuntern. Freuen. Genießen.

Ein großartiges Wochenende.

Es tut mir immer leid, wenn ich höre oder lese, welche ätzendes Bild Menschen von Kirche haben. Als überflüssige Institution. Als seelenloses Konstrukt. Denn für mich ist es das nicht.

Obwohl wir Tübingen vor sechs Jahren verlassen haben, fühlte sich das Wochenende eher wie ein Familientreffen, als eine Geburtstagsparty an. Ein, nur schwer in Worte zu fassendes, Gemeinschaftsgefühl herrschte die Tage über – obwohl sich viele Gäste gar nicht oder nur flüchtig kannten.

Vielleicht lag das daran, dass der Geburtstag nur vordergründig Anlass der Feier war und im Mittelpunkt stand. Für mich bedeuten solche Feste vor allem, dass man das Leben feiert. Ein Blick auf mein neugeborenes Baby erinnert mich daran, wie zerbrechlich dieses Leben ist und wir alle wissen, wie schnell alles in Scherben vor uns liegen kann.

Ein Wochenende mit Freunden und Musik und Wein.

Feiert, Freunde, feiert das Leben.

#23: Was sollen all diese Menschen?

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Willkommen zurück zu unserer Reihe. Heute wollen wir versuchen, dem absolut schnarchnasigsten Teil der Bibel einen Sinn zu entnehmen: den Ahnentafeln.
Ich meine, wenn es einen Teil gäbe, den nun wirklich niemand vermissen würde, dann diese endlose Aneinanderreihung von Namen. (Ich gebe zu, das scheint echt ein öder Teil heute zu werden – aber ich verspreche: In diesen Chroniken steckt Hoffnung und Wertschätzung und Liebe und.. aber ich greife vor.) Fangen wir mit dem Matthäus-Evangelium an. Der Autor beginnt mit der Behauptung, dies sei die Abstammung von Jesus, dem Sohn Davids und listet eine ganze Menge Leute auf (und auch ein paar Frauen, was ziemlich untypisch für jene Zeit war) (übrigens beinhalten die Frauen, die Matthäus erwähnt ihrerseits tausend Geschichten) und beendet diese Reihe mit Jesus.

Jesus, der Sohn von David.

Das ist (ein bisschen) spannend, denn David hat den mathematischen Wert 14.

Klar?

Nein?

Okay, dann ein bisschen Hintergrund (der Hintergrund ist das eigentlich Spannende, nicht wahr? Wenn man mehr weiß. Wenn man nicht nur eine Frau in einem Bus sieht, die nicht aufsteht.) Continue reading

#20 Das Wort Gottes 1

Bevor wir beginnen: Ein paar Worte über ‘Worte’.

Bild2Während meines Referendariats durfte ich mir von vielen (sehr guten) Kollegen Ideen und Anregungen holen. Wie alle von uns, wurden wir von Zeit zu Zeit geprüft und diesen “Unterrichtsbesuchen” ging eine Menge Zeit und Arbeit voraus.
Ich wusste, dass mir Unterrichten liegt – aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich jeden Satz vorher zurechtlegen wollen. Ich “schwimme” gerne mit meinen Schülern, reagiere spontan auf Äußerungen und mag das Neue – auch auf die Gefahr hin, dass manches manchmal krumm wird.
Nach jedem Unterrichtsbesuch sitzt man in einer Runde zusammen und erhält Feedback. Was lief gut, was lief schlecht. Meist nette und hilfsbereite Kommentare von Seiten der anderen Referendare – was man eben sagt, wenn man weiß, dass die andere Person einen demnächst selbst bewertet. Höflich eben.

Und dann saß mein Seminarleiter vor mir und war an der Reihe. Und wisst ihr, was er sagte?

Herr Klinge, Sie könnten viel besser sein. Continue reading

Nachwuchs

2014-09-27 13.48.45Seit gestern bin ich stolzer Vater zweier Töchter und der festen Überzeugung, das “Hebamme” zu den furchtbarsten Berufen der Welt gehört.

Entsetzlich!

(Als ich den Hebammen dies sagte, lachten sie entspannt und erwiderten, aus ihrer Perspektive sei “Lehrer” einer der furchtbarsten Berufe der Welt.)
Ein neues Leben beginnt und ich freue mich unbändig auf die Zeit. Und weil ich als Vater auch ein alter Geschichtenerzähler bin, wird es Zeit, mal wieder eine hervorzukramenSmile.

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#19 Musik

Vor einigen Tagen wurde meine Tochter beim Wocheneinkauf zur Umkehr aufgerufen, um nicht in der Hölle zu enden. Vor dem Supermarkt stand ein sehr überzeugter Herr auf einer kleinen Bühne und spielte mit Puppen die Jesus-Geschichte nach. Vor ihm saßen staunende Grundschulkinder auf einer flauschigen Decke und darum herum standen (mehr oder weniger) interessiert dreinblickende Erwachsene und lauschten. Begriffe wie “Sünde” und “Vergebung” und “Umkehr” und “unfehlbar” drangen dumpf in meinen Kopf.

Eine unsanfte Erinnerung daran, dass das Siegerland die NRW-Version des amerikanischen Bible Belts ist.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich zusammennehmen müssen, wenn vor ihnen jemand eine BILD-Zeitung kauft. Oder kleine Kinder anpredigt.

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