#36 Mein Problem mit der Bibel

Ich habe ein Problem mit der Bibel. Und kein kleines. Ich bin nämlich gebürtiger Ägypter. Ich bin gemütlicher Babylonier. Ich bin ein Römer in seiner Villa. Und das wird zu einem Problem. Denn ich versuche der Bibel offen zu begegnen, ihre Worte wirken zu lassen – aber ich bin kein hebräischer Sklave, der unter der ägyptischen Sklaverei leidet. Ich bin kein nach Babylon verschleppter Jude. Und ich bin kein Hebräer des ersten Jahrhunderts, der unter der römischen Knechtschaft leidet. Ich … weiterlesen

Feedback zur Potentialanalyse (II)

Nach der Potentialanalyse gestern stand heute das verdiente Frühstück für meine 8er auf dem Plan. Bei Brötchen und Kakao haben wir den Tag gestern Revue passieren lassen.Die Mitarbeiter der Agentur gestern versicherten mir, die Schüler wären zu ganz großen Teilen sehr zufrieden, das habe das Feedback ergeben. Mit dem Feedback ist das aber immer so eine Sache. Frage ich meine Schüler, wie sie meinen Unterricht finden, dann werden die meisten sagen “Großartig, Herr Klinge. Gerne bitte mehr davon.” (Stellt euch … weiterlesen

Ein “Brigitte-Test” für meine 8er. (I)

Im Rahmen eines Pilotprojekts nehmen alle Schüler der Jahrgangsstufe 8 im Kreis Siegen an einer Potentialanalyse teil. Das ist sozusagen ein Brigitte-Test, bei dem man die Fähigkeiten und Interessen der Schüler analysiert. Weil das ganze auf viel positives Feedback gestoßen ist, müssen das ab kommendem Jahr alle Schüler NRWs machen. Einen ganzen Haufen Achtklässler einen ganzen Tag lang triezen testen – welch schöner Lehrertraum. Veranstaltet wird diese Analyse nicht von der Brigitte, sondern von verschiedenen privaten Anbietern, als Schule dürfen … weiterlesen

Neuer Anlauf: Übersetzer gesucht.

Ich arbeite daran, meine Lerntheken nun nach und nach als #OER-Material online zu stellen. Ich erhebe kein Copyright darauf, verzichte auf Namensnennung oder sonst irgend etwas, was Lehrer im Grunde nur nervt. In diesem Zusammenhang ersetze ich alle Bilder und Zeichnungen durch eigene Fotos und Skizzen. Meine eigenen Schüler stellen sich dabei bereitwillig als Mathematik-Modelle zur Verfügung – was zu einem absurden Gedanken führt: Wir sind hier im Süden von Siegen ein Dorf. Viele Eltern unserer heutigen Schüler waren selbst … weiterlesen

Eltern im Kindergarten.

Kollegin Henner erzählt in ihrem Blog von einem Elternabend im Kindergarten, bei dem die Eltern eingeladen gezwungen wurden, bis in den späten Abend hinein selbst zu erleben, wie sich Kindergarten anfühlt. Sie durften mussten nähen und basteln und allerlei.Es ehrt die KindergärtnerInnen, dass sie Einblick in ihre Arbeitswelt geben wollen – es gibt eben doch einen Unterschied zwischen dem IKEA-Smaland und einem richtigen Kindergarten. Aber – bei allem Respekt vor der Arbeit – ich hätte den Zirkus gewiss nicht mitgemacht, … weiterlesen

„Eine Lobby bekommt ihr Schulfach“

..titelt SPIEGEL ONLINE und darum muss ich diesen Artikel überarbeiten und nochmal nach vorne holen. Meinen großartigen 10ern habe ich aufgetragen, sich die neue Lerntheke herunterzuladen und eigenständig damit zu arbeiten. Schließlich naht die Abschlussprüfung. Und die Zeit.. die Zeit! Als Vorbereitung auf die Oberstufe würden sie das auch alleine hinbekommen. Und weil sie so toll sind und so, habe ich totales Vertrauen. Natürlich wusste ich, dass sich nicht alle daran halten würden. Höchstens die Hälfte. Vielleicht ein Drittel. Wenn es … weiterlesen

Bitte um Hilfe :-)

Wie in vielen Gemeinden und Orten sind auch in Siegen viele Flüchtlinge und viele Flüchtlingskinder untergebracht. Viele dieser Kinder sind an den Haupt- und Realschulen der Stadt Siegen untergebracht, nach Auskunft des Schulamtes sind diese Schulen jetzt jedoch weitgehend voll und so steht im Raum, auch an unserer Schule eine Auffangklasse zu bilden. so wurde heute eine auch bei uns eine Auffangklasse gebildet. Im Zentrum der Arbeit wird sicher der “Deutsch als Fremdsprache”-Unterricht stehen, aber ich möchte versuchen, einen kleinen … weiterlesen

#36: Sabbat.

Als das Volk Israel vor vielen, vielen Jahren aus Ägypten floh und das Gelobte Land erreichte, führte Gott die Sabbat-Gesetze ein. Diese Gesetze gab es nicht etwa deshalb, um Sonntags bzw. Samstags in den Gottesdienst zu gehen. Vielmehr sollten sie sicherstellen, dass das Volk der Hebräer sich nicht wieder einer ausbeuterischen Wirtschaft zuwenden würde, wie jener, aus der sie gerade errettet worden waren. Die Sabbat-Gesetze waren “eine Art göttliches Kontrollsystem für Israels Wirtschaft, damit niemand zu reich oder zu arm … weiterlesen

Action mit Glasknochen; Fazit; schöne Ferien!

Ein weiteres Schuljahr ist vorüber und ich möchte mich zuvorderst ganz herzlich bei euch fürs Mitlesen und Mitfiebern und besonders eure Ideen und Ratschläge bedanken. Immer dann, wenn ich ernsthaft mit dem Gedanken spiele, hier den Stecker zu ziehen, schreibt mir einer von euch einen netten Kommentar und vertreibt meinen Verdruss. Die Woche begann mit unserem traditionellen Jungs-Mädchen-Tag – oder wie es heute heißen müsste: Gender-Tag. Insgeheim denke ich, dass man locker mehrere Masterarbeiten über die Auswirkungen gendergetrennten Unterrichts bei … weiterlesen

#33: Paulus und das Ende der Welt

Es gibt da diesen Jünger namens Paulus, der einen großen Teil des Neuen Testaments verfasst hat. Ein faszinierender Mensch. Ununterbrochen reist er durch die antike Welt, lebt zwischen Juden und Griechen und Römern und findet immer wieder neue, frische Wege über die Auferstehung Jesu zu sprechen. Eine Menge Leute wollen ihn umbringen, er wird zusammengeschlagen, erleidet Schiffbruch und hungert und hört doch nie auf über das neue Leben zu sprechen. Den achten Tag.

Nähe & Distanz zu Schülern

Vor einigen Tagen beschrieb Arne Ulbricht in der SPIEGEL-Online Sparte, er entspräche in seinem Berufsbild dem Kumpeltyp und würde zuweilen mit der fehlenden Distanz zu den Schülern kämpfen.  Als Schüler lag ich einer Englisch-Referendarin zu Füßen. Alle Jungs taten das.  Die Frage von Nähe und Distanz zu den Schülern – im Beamtendeutsch „Schutzbefohlenen“ – ist von immenser Bedeutung:  Im Unterschied zu einem Hochschulstudium oder einer Berufsausbildung ist „Erziehung“ nämlich durch das Schulgesetz vorgegebene Aufgabe der Lehrer. Wir können uns nicht … weiterlesen

Schrittzähler

Die (technikaffinen) Menschen des beginnenden 21. Jahrhunderts sind oft nebenbei mir Schrittzählern ausgestattet (worden): Mein Smartphone (HTC One M8) hat einen eingebauten Schrittzähler der Firma „fitbit“, der mit dem zusätzlich softwareseitig installierten „google fit“ um meine Gunst konkurriert. Außerdem zählt auch meine Armbanduhr (Moto 360) meine tägliche Schrittzahl. Hintergedanke dieser Implementation war sicher, die Menschen dieses Zeitalters zu mehr Bewegung zu animieren und ich fühle mich auch sehr animiert. Vergleiche ich die Ergebnisse der drei Schrittzähler, muss ich jedoch eingestehen, … weiterlesen

Kinderstube

Demnächst feiert meine Schule 25jähriges Jubiläum. Neben allerlei Brimborium werden meine Co und einige Mädchen der Klasse ein Kinderschminken anbieten und brauchten Freiwillige zum Üben und ausprobieren. Und da war er wieder: Einer jener Momente, von denen ich bedaure, das die Eltern nicht teilhaben können. Die ganze Mittagspause über ließen sich die Jungs der Klasse Bärte und Muster, Spinnen und Tattoos aufmalen. Geduldig ertrugen sie Blumen, falsche Augenbrauen und Katzengesichter. Diese Klasse ist zu einer Art Familie zusammengewachsen, in der … weiterlesen

Siebtklässler und Auschwitz

[Ein Gastbeitrag meiner Co-Klassenlehrerin, Ramona Stock.] Im Deutschunterricht der Klasse 7 werden an unserer Schule häufig Bücher gelesen, die die NS-Zeit thematisieren. Die Sekundärliteratur schlägt derartige Bücher aufgrund der mangelnden „psychologischen Reife und Empfänglichkeit für das Thema Holocaust“ der jüngeren Schüler meistens erst ab der 9., frühestens der 8. Klasse vor. Auch ich war äußerst skeptisch: Ist die unfassbare Grausamkeit der nationalsozialistischen Effizienz und Menschenverachtung nicht zu viel für die noch kindlichen Gemüter unserer Siebtklässler? Und was ist mit unseren … weiterlesen

Gnade vor Recht…?!

Vor einigen Jahren gab es da in meiner Stufe diesen Jungen: In der Grundschule als Klassenkasper stets im Mittelpunkt. Alle paar Monate Elterngespräche wegen Raufereien, ungebührlichen Betragens und vergessener Hausaufgaben. Eine Karriere, die sich nahtlos an der weiterführenden Schule fortsetzte: Marginale Fremdsprachenkenntnisse in Kombination mit einer Sauklaue und praktizierter Faulheit. Viele flotte Sprüche statt gemachter Hausaufgaben. Bestimmt ein netter Kerl und – typischer Lehrerspruch – mit “so viel Potenzial!” Obwohl ich meine Behauptung nie belegen könnte, bin ich mir sicher, … weiterlesen

Kultur in der Schule

Wir haben eine wirklich gute, mit verschiedenen Preisen gekrönte Theatergruppe in der Schule und erst im Alter beginne ich den Wert von Kultur wertzuschätzen.(Als Schüler habe ich – meinem Alter entsprechend – renitent gegen alles, was mit Bildung zu tun hatte, protestiert.) Bisher war meine Klasse stets ein- bis zweimal pro Schuljahr im Theater. Wir haben vorher und nachher darüber gesprochen: Wie man sich dort verhält. Was der Unterschied zum Kino ist. Den Wert von Kultur in unserer Gesellschaft (vielleicht … weiterlesen