Elternabend für die neuen 5er

Wenn man so junger Lehrer ist wie ich, macht man alles vieles zum ersten Mal. Nächstes Jahr bekomme ich meine erste 5 und ich bin mindestens so aufgeregt und fröhlich, wie die Schüler.

Vorgestern war Elternabend, bei dem allerlei Informatives weitergegeben wurde. (Auch für mich Zwinkerndes Smiley)

Am Anfang einige Schüler, die allerlei Kunststücke vorführten. Jonglieren. Tanzen. Jonglieren und tanzen gleichzeitig.

Anschließend eine Präsentation der “Top-10-Elternfragen”.

  • “Mein Kind war nach der Grundschule spätestens um zwei zu Hause. Wie soll es da mit Ganztag klarkommen?”
  • “Die Schule ist ja rieeesig. Wie sollen sich die Kleinen denn hier zurechtfinden?”
  • “Bis jetzt hatten die Schüler eine Klassenlehrerin, aber jetzt sind da ganz viele Lehrer! Wie sollen die Kindes damit zurechtkommen?”
  • “Wie teuer ist das Mittagessen in der Schule?”
  • “Was bedeuten die ganzen Abkürzungen? MuKu? DuG? NW? WP1?”
  • “Wie kommen die Kinder mit dem Bus zur Schule?”

 

Danach die Vorstellung der neuen Klassenlehrer (IIICCCHHH Party-Smiley) und dann der allgemeine Infoteil über Bücher etc.

Wirklich skurril ist: Ich kann mich noch an meine eigene “Einschulung” in der 5. Klasse erinnern. Wie ich aufgeregt in der Aula saß und versucht habe, mir die Gesichter zu merken. Und natürlich weiß ich noch, wie man sich als ‘Eltern’ bei so einem Info-Abend fühlt.
Aber… vorne zu stehen. Und zu wissen, da kommt ein ganz grandioser Jahrgang mit viel Spaß auf mich zu, ist einfach.. Wow!

Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Dieser Beruf ist sooo geil! Smiley

Bildungspanik – Ein Kommentar

Der folgende Kommentar bezieht sich auf den Artikel “Disziplinlose Schüler überfordern deutsche Lehrer” von welt.de.

Es ist mal wieder soweit – eine Studie macht uns mal wieder klar, wie entsetzlich die Jugend und überfordert die Lehrer dieses Landes sind. Die Studie mit dem Titel „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik: Eine Studie zum Prestige des Lehrerberufs und zur Situation an den Schulen in Deutschland“, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland durchgeführt hat, erzählt uns das. ‘Die Welt’ liefert uns entsetzliche Bilder zur Fragestellung: “Gab es in Ihrem Berufsleben schon einmal Situationen, in denen Sie die Belastungen, die Ihr Beruf mit sich bringt, nahezu unerträglich gefunden haben, oder war es noch nie so schlimm?”

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Als Mathematiker machen mich Statistiken ja regelmäßig wütend neugierig. (Kurzer Zwischengedanke: Wenn die oben genannte Frage Ärzten gestellt würde, wie würden die ihre Arbeitsbedingungen beschreiben? Und Polizisten? Oder Bäcker unter dem Druck der Billig-Bäckereiketten?). Es ist doch völlig klar, dass man durch die Art der Frage bestimmte Ergebnisse forcieren kann. “Haben Sie mehr Angst vor Islamistischem Terror oder Arbeitslosigkeit?”

Es bringt natürlich nicht so viele Leser, aber in der Studie stehen noch andere, durchaus interessante Zahlen: Bei 70% aller Lehrern überwiegt die Freude im Beruf.

70%. Sonne

Deutlich frustriert sind überhaupt nur 4% der Befragten. Das ist ja nicht soviel, oder?
Auch hier gilt – diese Werte sind gar nichts wert, wenn man sie nicht vergleichen kann. Ist der Prozentsatz der frustrierten Polizisten geringer? Oder der Krankenschwestern? Ich wage es zu bezweifeln. (Kurzer Gedanke: Ein erhöhtes Suizidrisiko weisen Berufe wie Mediziner (besonders Zahnärzte), Manager, Metzger, Dachdecker, Maler und Land- und Forstwirte auf. Lehrer eher nicht.)

Als wirklich ärgerlich empfinde ich überdies die Verklärung der Vergangenheit:

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Ohne jede Frage stehen wir als Lehrer vor neuen Herausforderungen in Bezug auf Disziplin und Motivation der Schüler. Aber ich kenne eine ganze Menge sensationeller Geschichten “von früher”, die heute völlig undenkbar wären. Und zwar nicht nur von Schülern – auch von Lehrern. Früher war immer alles besser und einfacher. Aber das gilt doch für jede Berufsgruppe, oder nicht? Sehr beeindruckend fand ich den Kommentar von Christoph Biermann im Spiegel über den “modernen Fußball”:

“Bei meinem zweiten Besuch im Stadion in der Castroper Straße in Bochum sah ich, wie ein paar Bochumer einen Düsseldorfer über die Ränge jagten. Als er stürzte sprangen sie auf ihm herum als sei er ein Trampolin.
[…]
Auch wurden Geschmacklosigkeiten gesungen: “Gib Gas, gib Gas, wenn Hitler mit den Schalkern in die Gaskammer rast.” Oder: “Schlagt die Kölner tot!” Das war nicht nur Maulheldentum. Im Oktober 1982 wurde der 16-jährige Glaserlehrling Adrian Maleika, ein Fan von Werder Bremen, auf dem Weg ins Hamburger Volksparkstadion von einem Stein tödlich am Kopf getroffen.”

Nicht alles war früher besser.

Und ja, auch die Arbeit mit den Eltern ist sicher schwieriger geworden. Positiv könnte man formulieren, dass viele Eltern selbstbewusster sind als früher, sie mischen sich mehr ein. Natürlich ist es leichter, wenn ich als Lehrer einfach mit der “Fünf” drohen kann, um mir als “Autoritätsperson” jede überengagierte Mutter vom Leib zu halten – und es soll mir keiner erzählen, dass dies “früher” nicht geschehen sei.

Ja, dieser Beruf ist anstrengend. Mindestens so anstrengend wie besserwissende engagierte Väter und dreißig Fünftklässler sind aber die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben. Das sind Dinge, die nicht nur keinen Spaß machen, sondern z.T. völlig überflüssig sind und Zeit und Energie kosten. Beispiel gefällig? Die Kollegen in Sachsen sollen eine Liste erstellen, welche Dokumente sie wann wie oft an wen kopiert haben (Und wenn da irgendwann steht: “Mein Kampf”, Seite 48-52, 30x kopiert” , wird dann der Verfassungsschutz aktiv?). Ja, auch damit verbringen Lehrer ihre Nachmittage. Und mit dem Zählen von Fehlstunden. Und..und..und..

Schade, dass sich die Studie nicht auch damit befasst hat.

Die gesamte Studie findet man übrigens hier. (Und an dieser Stelle ein freundlicher Gruß an die Journalisten der ‘Welt’ – es wäre wirklich toll, wenn man sich nicht umständlich und mühsam und zeitaufwändig (trotz meines Halbtagsjobs…) solche Studien selbst ergooglen müsste. Ein Link tut nicht weh Smiley.

Facebook & Lehrer (SPIEGEL Online)

Okay, ich sollte jetzt etwas Bedachtes und Ruhiges schreiben. Etwas, das Würde ausstrahlt und Gelassenheit.

Aber…

Sch***e, ist das geil! Ich bin im SPIEGEL. Smiley mit geöffnetem Mund
In einem Artikel darüber, wie unterschiedlich Lehrer und Schüler mit Facebook umgehen, durfte ich ein kurzes Statement abgeben. Freunde, jetzt kann ich beruhigt sterben.

Ich überlege, ob ich noch einen dezenten Hinweis in meine Bewerbungsmappe lege. Denn morgen habe ich die Möglichkeit, in meiner neuen Schule zu hospitieren.

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Ab bald wird wieder ordentlich gebloggt. Aber heute… wuhuuuu Smiley

Prüfungstag.

Heute muss darf ich durch mein zweites Staatsexamen.

Vielleicht ein guter Moment, mich daran zu erinnern, dass unser Wert nicht davon abhängt, wie hart wir arbeiten oder wie viel wir erwirtschaftet haben oder was andere von uns denken.

Ein guter Freund erinnert mich immer wieder daran, dass wir menschliche Wesen und nicht menschliche Maschinen sind.

Take this lollipop…

Seit einigen Tagen gibt es ein unheimlich gutes verstörendes krasses Facebook-Horror-Video, durch dass ich auf einen Artikel bei SPIEGEL-Online gekommen bin.

Wenn man auf der Seite www.takethislollipop.com auf den Button “Connect with Facebook” klickt und der Seite Zugriff auf den eigenen Facebook-Account gestattet, wird ein Video gezeigt, in dem der eigene Account kunstvoll eingebunden ist.

Ein Horror Video.

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Natürlich habe ich das ausprobiert.

Und es ist… erschreckend. Sensationell. Verstörend. Ich kann es jedem Neugierigen nur empfehlen. Ganz besonders allen mitlesenden (angehenden) Lehrern. Anschließend kann man in den Facebook-Einstellungen den Zugriff für “takethislollipop” ja wieder sperren.

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Beruhigt hat mich indes, dass die Verknüpfung mit meinem Account vor allem viele leere Bilder ergeben hat (s.Screenshot). Meistens ist nur ein weißer Bildschirm zu sehen – meine Privatssphäre-Einstellungen scheinen zu funktionieren.

Indes…

Das ist nur ein schwacher Trost.
Denn das Video trägt sicher nicht dazu bei, mein Vertrauen Online-Präsenzen zu bestärken. Egal ob es sich um meinen Account bei Facebook, Amazon oder google+ handelt.

Wer kein Facebook-Profil hat oder sein eigenes Gesicht lieber nicht mit einem Horrorfilm verknüpft sehen möchte, der kann sich das Video hier mit James Lawsons Facebookprofil verknüpft ansehen:

 

Wirklich schwierig interessant ist für mich nun folgende Frage: Im Hinblick auf den Erziehungsauftrag der Schule (und ein bisschen muss ich an “DEN SCHULMETZGER VON RATEKAU” denken) – könnte man so ein Video in einer höheren Klasse einsetzen?
Verknüpft mit dem Profil des Lehrers. Oder gar… einem freiwilligen (vorher abgesprochenen?) Schüler? Darf Schule verstören? Erschrecken? Aufwecken?
Und an die Eltern: Stellt euch vor, eure Kinder würden dies im Unterricht zu Gesicht bekommen und auswerten. Wie würdet ihr das empfinden?

Da würde ich gerne zum Nachdenken anregen.

(und anschließend können wir uns weiter über den Schultrojaner aufregen!)

Zahlenspielerei, oder: Was kostet ein schlechter Lehrer?

In Zeiten von Burnout und Wirtschaftskrise, von Rettungsschirmen und der Festellung durch Hans-Werner Sinn, viele Berufe sollten geringer bezahlt werden, weil sie zu wenig erwirtschaften, ist in mir die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von uns Lehrern aufgekommen.

Welchen Nutzen bringe ich diesem Land, respektive: welchen Schaden richte ich eigentlich an?

Dazu eine kleine Rechnung (aber keine Sorge, es wird nicht schwer):

Das Bruttoinlandsprodukt (also der Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres hergestellt wurden) von Deutschland beträgt etwa 2500 Milliarden Euro.
Bei rund 80 Millionen Einwohnern erwirtschaftet also jeder Deutsche jedes Jahr durchschnittlich  31.000 Euro.

In einer langen Lehrerkarriere werde ich etwa 1000 Schülern begegnen, dass heißt: 1000 Menschen, die später jeder durchschnittlich 31.000 Euro pro Jahr erwirtschaften. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Schüler 50 Jahre im Beruf steht kann man also vereinfacht sagen:

Alle Schüler die ich unterrichten werde, erwirtschaften in ihrem Leben rund 1,5 Milliarden Euro.

Wenn ich ein guter Lehrer bin. Wenn meine Schüler den Durchschnitt erreichen.

Ein richtig guter Lehrer – und ich meine: Ein richtig guter, inspirierender Lehrer, der wird in seiner langen Karriere vielen Schülern begegnen. Sie inspirieren. Anfeuern. Motivierern. Ein richtig guter Lehrer dürfte dafür sorgen, dass ‘seine’ Schüler über diesem Durchschnitt liegen. Eine richtig gute Schule dürfte sogar weit über dieser Zahl liegen.

Und ein ‘schlechter’ Lehrer? Und eine ‘schlechte’ Schule? …!

Natürlich sind das alles Zahlenspielereien. Gerundet und vereinfacht.
Aber vielleicht müssen wir uns als Lehrer manchmal darüber klar werden, welches Ausmaß unser Beruf annehmen kann. Und sollte das für die Politik nicht ein Anreiz sein, besonders viel Geld in gute Lehrer und gute Schulen zu stecken? Ich wüßte nicht, wo die Rendite besser ist Smiley mit geöffnetem Mund.

Wozu braucht man das eigentlich?

Im Sommer veröffentlichte die ZEIT einen Artikel mit dem Titel “Das will ich nicht wissen”.

Überfrachtete Lehrpläne, überforderte Kinder: Kann man das Gros des Schulstoffs streichen? Hirnforscher und Psychologen plädieren für eine nachhaltige Bildung.

Darin stehen ein paar interessante Dinge und ein paar Aspekte denen ich zustimme und einige, die ich kritischer sehe. Es wird für eine Reduzierung des Stoffinhaltes plädiert und eine Veränderung der Klassenarbeiten, die häufiger die ganze Breite des Faches abfragen sollten und nicht nur den Stoff der letzten drei Wochen. Das klingt vernünftig und gibt mir zu denken, ob ich meine Klassenarbeiten zukünftig nicht noch breiter aufstelle. Mit einem Punkt jedoch kann ich mich nicht so recht anfreunden:

Beispiel Mathematik: Die große Mehrheit der Erwachsenen mit Abitur kann davon berichten, irgendwann um die achte Klasse herum den Anschluss an das Fach verloren zu haben. Danach wird kein neues Wissen mehr angesammelt, stattdessen wird es mit großem Aufwand in Klassenarbeiten simuliert.

Dies trifft ja nicht nur die Mathematik, sondern jedes Fach, oder? (Wir mussten in Erdkunde mal zwei Dutzend russische Städte, Flüsse und Gebirge auswendig lernen. Wie viele kenne ich noch? …Nur die, die in der ChampionsLeague auftreten – Pech für die Flüsse…)
Aber im Fach Mathematik, das besonders abstrakt scheint, ist die Frage durchaus angebracht – auch unabhängig von Lehrplänen und Klassenarbeiten:

Wozu braucht man eigentlich Mathematik?

Ich halte die Frage (auch) deshalb so wichtig, weil ich mir unklar bin, wie viele Mathematiklehrer sie ehrlich beantworten könnten. Wozu brauchen Schüler eine Kurvendiskussion? Den Logarithmus? Quadratische Ergänzung?
Und ich stimme jedem Schüler zu, der mir ins Gesicht sagt: “Das brauche in ich meinem ganzen Leben nicht mehr!” Ja, stimmt. Und trotzdem halte ich die Mathematik für das (vielleicht) wichtigste Fach in der Schule überhaupt. Außerdem möchte ich einwerfen, dass, wenn man nicht gerade Telefonjoker bei Wer wird Millionär ist, auch die russischen Flüsse eher überflüssig sind.
Die Mathematik aber zwingt die Schüler zum Nachdenken. Und zwar kontinuierlich. Man sitzt vor einem Problem und muss es lösen. Dieses “Problemlösen” ist als Kompetenz in keinem anderen Fach (wenn überhaupt) so stark ausgeprägt. Selbstveständlich sind die Probleme sowohl künstlich als auch abstrakt: “Wie lauten die Nullstellen dieser Funktion?”
Aber es zwingt die Schülerinnen und Schüler zum Denken: Wie kann ich dieses Problem lösen?
In den anderen Fächern geht es zumeist ums Sprechen oder Auswendiglernen von Fakten und Daten. Gemessen an der Lösung einer quadratischen Gleichung ist das Lernen von Städten eine Aufgabe, die auch eine fünfjährige lösen kann – echtes Denken ist hier nicht erforderlich.

Und ich behaupte: “Ein Schüler, der durch das Fach Mathematik gelernt hat, Problemstellungen zu erkennen, zu analysieren und zu lösen, der wird auch im Alltag leichter mit Problemen fertig.” Ein Schüler, der es gewohnt ist, komplexe Aufgabenstellungen in Einzelteile zu zerlegen, der wird auch damit klarkommen, wenn er in Hamburg steht und nach München muss und Deutsche Bahn verkündet, keine Passagiere über 1,50m zu befördern.

Deswegen halte ich, spitz formuliert, Mathematik für das großartigste und wichtigste Fach von allen. Ja, liebe Schüler, ihr dürft nach dem Schulabschluss gerne alles vergessen. Ihr braucht keine Logarithmen, keine Exponentialfunktionen und keine imaginären Zahlen mehr. Aber behaltet das Denken bei. Das Analysieren. Denn das lernt ihr vor allem in der Mathematik.

 

 

 


Um nicht missverstanden zu werden: Ich sehe durchaus die Daseinsberechtigung der anderen Fächer. Ich hatte Deutsch-LK und erinnere mich immer wieder gerne an den Minnesang. Insbesondere die Kürzung von Fächern wie Musik, Kunst, etc. sehe ich mit Besorgnis. Aber ich wollte einfach mal ein Plädoyer für meine Mathematik halten Smiley.