Vera & Graphen gehen

IMAG0217Die Vera 8-Prüfung liegt hinter meiner achten Klasse und ich bin mit dem Abschneiden zufrieden. Die diesjährige Mathematik-Vergleichsarbeit war gut zu bewältigen und hatte eigentlich keine blöden Aufgaben. Obwohl man über die Aussage solcher Diagnose-Tests streiten kann, empfinde ich sie als positiv: Die Schüler, die über ein breites Fachwissen verfügen und über die Jahre gelernt haben, selbstständig Probleme zu lösen und zu denken, kamen ziemlich gut klar. Jene, die eher der Strategie des Bulimie-Lernens folgen (vor der Arbeit alles in sich hineinstopfen und dann auskotzen) hatten größere Schwierigkeiten. Letztlich bestätigt das Ergebnis aber die Beobachtung, die ich im Schulalltag mache. Unter den Schülern herrscht weitgehend Zufriedenheit – die überwiegende Mehrheit hatte den Eindruck, gut klargekommen zu sein.

IMAG0218Die Doppelstunde heute morgen (mit dem gleichen Kurs) habe ich mit der Einführung in die linearen Funktionen verbracht. Dazu wurden zwei Mannschaften gebildet. Einer zog eine Karte (s.Bild) mit einem abgebildeten Graphen und musste diesen ablaufen. Der Rest der Klasse musste dann herausfinden, wie der passende Graph aussieht.
Das verläuft eigentlich immer lustig und am Ende gab es ein Unentschieden zwischen den AtomAmeisen (abgekürzt AA) und den Piesel-Piranha (abgekürzt Pipi). Schöne Aspekte sind der Transfer von Alltagsbeobachtungen in die mathematische Sprache und überhaupt, dass man sich mal bewegt. (Sinnvolles) Spielen im Unterricht ist sowieso immer gut.

Die Karten zum Spiel “Graphen gehen” gibt es übrigens hier zum Download.

Fortbildung: Erstellung von Unterrichtsmaterialien

LehrerfortbildungVor kurzem erhielt ich die Einladung zu einer Fortbildung Ende April. Es geht um die Erstellung von Material für das Fach NW (“Naturwissenschaft”). Solche Einladungen sind nichts besonderes – jeder Lehrer und jede Schule erhält Dutzende davon im Jahr. Diese Fortbildungen sind manchmal cool und manchmal… nunja, auf andere Lehrertypen zugeschnitten.

Da ich (wie üblich) von meinem eigenen Unterricht ganz begeistert bin, habe ich bei dieser Fortbildung gedacht, wie großartig mein selbst erstelltes NW-Workbook dazu passt. Also schrieb ich den Kollegen eine E-Mail, entschuldigte mich für die dreiste Einmischung – und hängte die Workbooks an.

Einige E-Mails später wurde ich herzlich eingeladen, doch bitteschön selbst an der Fortbildung teilzunehmen und – wenn möglich – auch ein bisschen was dazu zu erzählen. Also freue ich mich auf die Gelegenheit, im April etwas beisteuern zu können. Das wird bestimmt cool (und wenn nicht, dann ist es halt auf andere Lehrertypen zugeschnitten Zwinkerndes Smiley). Die Anmeldung erfolgt online hier – evtl. treffe ich ja den ein oder anderen Leser dieses Blogs dort.

Apropos großartiger Unterricht:
Eine liebe Kollegin kam letzte Woche auf mich zu, drückte ihren Unmut über ihre (und meine) Phantasielosigkeit im Unterricht aus und begann aus dem Stehgreif, eine Geometriemappe für das neue Thema “Dreieckskonstruktion” zu erstellen. Inhaltlich entspricht sie in großen Teilen der zugehörigen Lerntheke – der Aufbau ist allerdings geführter mit sehr viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung (ich bin nicht so der große Hefte-Einsammler, da passt mir das hier ganz gut).

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Interessierten Kollegen schicke ich die Mappe gerne zu – sie ist aber auch an üblicher Stelle zu finden. Diesmal auch als veränderbare .pptx-Datei, damit ihr sie… öhm… “auf euren Lehrertypus anpassen” könnt. (Falls ihr das Workbook nicht cool findet, wie es ist..!?)

“Dienstliche Beurteilung”

Zu Beginn einer Lehrerkarriere wird man von der Schulleitung auf Tauglichkeit überprüft. “Revision” nennt sich das. Ähnlich wie ein Unterrichtsbesuch bei den Referendaren setzt sich mein Schulleiter in meinen Unterricht und verfasst eine “Dienstliche Beurteilung” über das, was ich da so tue.

Bei mir steht das Dienstag an.

Ich wurde von meinem Schulleiter darauf hingewiesen, keine Showstunde zu machen, sondern ganz normalen Unterricht. Aber natürlich überlegt man sich Stundeninhalt und –verlauf sehr genau und da ich meinen eigenen Unterricht oft genug ganz wunderbar finde (oft genug aber auch nicht), freue ich mich auch sehr auf Dienstag.

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Respekt vs. Affentanz in der Schule

Vor einigen Monaten erzählte eine Kollegin halb scherzhaft, sie habe mal ein Lied über die binomischen Formeln [ (a+b)² = a²+2*a*b+b² ]   mit ihren Schülern eingeübt. Und nach einmal vorsingen hatte ich die Melodie in meinem (von Unsinn zugemüllten) Kopf – und da ging sie auch nie wieder raus.
Vor zwei Wochen dann wagte ich in meiner 10 ein amüsantes Experiment: Ich erzählte ihnen von einem alten Wikingerlied, mit welchem man jene binomischen Formeln lernen könne. Man habe auf einem alten Schiff die Formeln und zugehörigen Noten eingeritzt in die Planken gefunden.

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Passend dazu: Meine Bartmütze mit gestrickten Hörnern und langem, rotem Wikinger-Rauschebart.

Ich sang.

Oder vielmehr: Ich krächzte. Denn ich bin kaum in der Lage, einen Ton zu halten. Aber für die Schüler war es ein großer Spaß.
Zweimal vorgesungen, dann konnten es alle.

Später in der Woche erzählten einzelne Schüler, sie hätten das Lied ihren Eltern vorgesungen und nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Die Formeln würden jedenfalls sitzen. Noch eine Woche später sangen wir das Lied zweistimmig im Kanon.

Solche Aktionen sind stets ein Tanz auf der Messerklinge: Ich mache mich vor meinen Schülern ein Stück weit zum Clown; es wird gelacht und gejohlt und auch wenn sie sich in zehn Jahren kaum mehr an den Inhalt erinnern: Der singende Wikinger-Lehrer bleibt haften.
Spannend ist für mich, dass die Klasse nicht den Respekt vor mir als Lehrer verloren hat. Weder muss ich mich mit lustigen Aktionen bei den Schülern anbiedern, noch gewinnen sie den Eindruck, die Schüler-Lehrer-Distanz würde fallen.
Statt dessen quengeln mich meine 8er an, sie wollten das Lied bitteschön auch lernen.

Solche Spökes-Aktionen kann man nicht mit jeder Klasse machen. Denn es geht auch um gegenseitiges Vertrauen: Ich muss darauf setzen, dass keiner meine Schüler den Auftritt filmt und online stellt. Ich muss darauf vertrauen, dass sie die Aktion als Witz verstehen, aber nicht vom eigentlichen Ziel des Unterrichts abgekommen.

Solche Stunden sehen wirklich großartig aus – weil sie locker erscheinen und gute Laune hinterlassen. Aber dahinter steckt enorm viel Arbeit mit den Schülern und ich habe innerlich Blut und Wasser geschwitzt, als ich da stand und vor dreißig Schülern zu singen begann.

Aber hinterher weiß ich: Es lohnt sich.

Mathestunde (Gedicht)

Ich weiß nicht: Gehört das in die Rubrik “Feedback zu Ihrem Unterricht, Herr Klinge”?

 

2013-12-20 08.23.16In der Mathestunde müssen wir alle sitzen

die Sonne scheint, die Schüler schwitzen.

Das Thema hat kaum einer verstanden,

der Lehrer schreit “Ihr werdet auf der Straße landen!”

In der letzten Reihe sind alle am pennen,

die vorne müssen die Zähler nennen.

Die Schüler müssen büffeln,

man riecht, wie sie nach Schweiß schon müffeln.

Langeweile verbreitet sich im Raum,

das Thema interessiert uns alle kaum.

Der Lehrer merkt, die Klasse schwätzt,

“Oh warum wurde die Prügelstrafe abgesetzt?”

Nach dem Klingeln machen wir alle Pause,

doch können wir noch lange nicht nach Hause.

Ja, so ist sie unsere Runde,

in der schönen Mathestunde!