Geklaute Bilder?

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Vergangene Woche wiesen mich mehrere Schüler unabhängig voneinander darauf hin, dass einige Bilder meines Blogs auf anderen Webseiten auftauchten. Genauer: meine “Schule im Schaubild”-Grafiken.

Interessant finde ich, dass die Schüler durchaus ein Bewusstsein für Copyright haben. Ihnen ist aufgefallen, dass die Bilder eigentlich mir “gehören” und sie wiesen mich darauf hin. Danke! Gerne. Immer!

Ich sprach mit einem Kurs über die mir nun offenstehenden Möglichkeiten und erklärte den Hintergrund der Creative Common Lizenz. Alle meine erstellen Inhalte dürfen unter bestimmten Bedingungen weitergegeben werden.

Den ganzen Nachmittag habe ich (weiterlesen …)

Schneeballschlacht (aus päd. Gründen)

IMAG0114Als Lehrer Mensch stehe ich regelmäßig vor einem Dilemma: Schneeballschlachten sind an der Schule verboten. Wie ich finde: Leider.
Denn natürlich sind Schneebälle gefährlich. Und vom Boden aufgekratzter Schnee ist nicht selten mit Steinen versehen und wird bei einigen Rabauken zu Eisbällen. Alle Winter wieder geht so etwas wortwörtlich ins Auge.

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Klassenfahrt mit Hindernissen 2

Mein Handy vibriert unangenehm laut in der Stille meines Zimmers. Tamara will wissen, wie meine Nacht war. Und, ich schreibe es den unergründlichen Wundern des Katholizismus zu, in dem 1,60m langen Bett habe ich ganz wunderprächtig geschlafen.
Die 5er haben sich ebenfalls tadellos verhalten, berichtet sie. Ab 21 Uhr hatten wir sie in die Zimmer verbannt – ab 22 Uhr galt Nachtruhe. Und ausnahmslos wurde sich daran gehalten. Perfekt.

Auf dem Weg zu meiner Klasse begegne ich gutgelaunt Schwester Maria. Mit unergründlichem Blick starrt sie zuerst mein Nerd-T-Shirt an (darauf ist heute e in ‘Adrenalin’-Molekül), dann mich. Himmel, denke ich, die Morgenandacht…
“Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen”, sagt sie. Eingeschüchtert nicke ich wortlos. “Das Frauenzimmer, welches Sie heute morgen angerufen hat…”, fährt sie fort und mein Herz setzt aus. Ich erwarte Ärger, doch Schwester Maria deutet mit dem Finger auf mein T-Shirt: “Da hätte ich auch Adrenalin im Blut…”
Sie grinst verschmitzt und ich mache, dass ich davon komme.

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“Facebookseiten von Schulen verbieten”

Als meine Tochter eingeschult wurde, hat niemand um Erlaubnis gefragt, das Gruppenbild auf die Homepage zu stellen, das wurde einfach gemacht. Und ich vermute, es hat sich hinterher auch niemand beschwert. Umgekehrt – wenn man erst um Erlaubnis fragt – finden sich immer zwei Leute, die sich weigern. Aber das ist bei jedem Tagesausflug, jeder Klassenfahrt und überhaupt bei jeder Umfrage gleich. Es gibt immer zwei oder drei, die dagegen sind. Gegen Facebook, gegen Internet, gegen alles. (weiterlesen …)

Noch mehr Zombies auf meinem Blog

Ich lese gerade “Feed” von Mira Grant.
Die Handlung spielt im Jahr 2040. Die Welt ist von einer Seuche befallen, die die Toten untot wieder auferstehen lässt. Die Menschheit lebt in Angst – es gibt keine großen Versammlungen mehr, jeder bleibt soweit es möglich ist, zu Hause. In dieser Zeit haben Internet-Blogs eine viel größere Glaubwürdigkeit, als die traditionellen Medien, so dass die Hauptfiguren der Buches (Shaun und Georgia Mason) entsprechend Blogger sind.

Die Autorin vermischt geschickt (pseudo-)dokumentarische Blogartikel mit der Handlung des Buches. In dessen Zentrum stehen denn auch weniger die Untoten, als vielmehr die Lebenden: Wie sich die Menschen damit arrangiert haben. Interessant (zumindest für mich) ist es allemal, Blogger im Fokus eines Buches zu sehen und immer wieder zu denken ‘ah… kenne ich’. Werbung aussortieren. Anfragen abschmettern. Gastartikel aufnehmen. Gastartikel schreiben.

imageLetzte Woche erhielt ich dann eine neue Art Anfrage: Eine Firma wolle gerne Gastartikel zu einem bestimmten Thema  auf meinem Blog veröffentlichen und würde mich dafür auch bezahlen. Hui, dachte ich, jetzt geht’s aber los.
Anfragen zum Linktausch o.ä. kommen relativ häufig vor. Eine Firma (ich muss gestehen, ich weiß nicht mehr, welche) hat mir vor einiger Zeit ungefragt eine Mag-Lite Taschenlampe zugeschickt, in der Hoffnung, sie könnten hier werben.
Aber Geld?
Ich bin neugierig geworden und habe nachgefragt. Wie viel ist Werbung auf einem kleinen Blog wohl wert?
Vor allem aber warf diese Situation noch weitere Fragen auf: Darf ich als Beamter eigentlich einen Nebenverdienst haben? Bringt mich mein Blog jetzt ins Gefängnis? Was, wenn mir jemand einen Teppich anböte? Könnte ich dann in die FDP eintreten? Und nicht zuletzt: Muss der Artikel “Als Lehrer schnell reich werden in drei Schritten” jetzt umgeschrieben werden?

Ob Eitelkeit oder nicht – es ist immer auch spannend, welche Auswirkungen das Schreiben eines Blogs so nach sich zieht. Und das sind, nach nun bald drei Jahren, durchaus einige.

Zunächst: Die genannte Firma bot mir auf Nachfrage eine langfristige Zusammenarbeit an, also mehrere Artikel pro Monat ‘für mich’ zu schreiben. Es würde sich also um eine Nebentätigkeit meinerseits handeln. Nebentätigkeiten von Beamten sind durch das Beamtengesetz, ab § 64 geregelt. Dort ist die Genehmigungspflicht beschrieben und es sind auch sogenannte “Versagensgründe” aufgeführt, also Gründe, warum man mir eine Nebeneinkunft verbietet. Und da Werbung mich in meiner “Unparteiligkeit” beeinflusst [§64, (2) 2.], vermute ich, ein regelmäßiges Einkommen würde abgewiesen. Aber genau weiß ich das nicht.

Schwieriger ist die Sache mit der Taschenlampe. Denn Geschenke, die mich “materiell besser stehen” darf ich als Beamter nicht annehmen – Stichwort: Bestechung. Das regelt eine Verwaltungsvorschrift des Bundes. Dort steht, Geschenke bis 25 € dürfen angenommen werden, es besteht jedoch eine Anzeigepflicht gegenüber dem Dienstherrn. Schwierig. Die Lampe hat ja nichts mit meinem Beruf zu tun. Tatsächlich weiß ich nicht mal mehr, wer sie mir zugeschickt hat. Wäre ich verpflichtet gewesen, sie zurückzuschicken? Auf wessen Kosten? Hätte ich sie dem Land NRW zuschicken müssen? Man stelle sich nur mal vor, man hätte mir statt der Taschenlampe einen Teppich geschenkt – wenn ich den an die Landesregierung weiterschicke.. ;-) .
Um mein Gewissen zu beruhigen, habe ich mir folgende Regel auferlegt:

Das Bestechungsgeld
Die Taschenlampe wird nicht benutzt, bis zu dem Tag,
da sich die Toten wieder erheben um die Lebenden zu fressen.

Was uns schlussendlich zurück zum Buch “Feed” führt: Werde ich nun ein Zombieblogger? Erliege ich der Versuchung des Geldes und benenne meinen Blog in HalbneunLive-Gewinnspiel-Blog um?

Es bleibt spannend Smiley mit geöffnetem Mund

(Ach ja… für die Neugierigen: pro veröfffentlichtem Gastartikel hätte man mir 25 € gezahlt. Drei wären nur für den Juni drin gewesen, inkl. Aussicht auf längerfristige Zusammenarbeit.)

Ein Verbotskatalog für Lehrer.

Datei:Vienna-convention-sign-B2a.svgDer Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig handelt gegenwärtig mit vielen wichtigen Leuten einen Verhaltenskodex aus, der unter anderem festlegt, dass Lehrer und Erzieher

  • bei gemeinsamen Übernachtungen die Räume der Minderjährigen erst nach Anklopfen betreten dürfen
  • die Kinder nicht im eigenen PKW nach Hause fahren dürfen
  • Facebook-Kontakte zwischen Lehrern und Schülern verbietet.
  • und die Anwesenheit in Dusch- und Waschräumen generell untersagt [Link]

Sexueller Missbrauch ist ein ernstes Thema und ich kann nachvollziehen, dass das Erstellen von Verbotskatalogen nach einem richtigen Schritt klingt, mit dem man Kinder schützt. Ich behaupte jedoch, dass ein solcher Katalog den Kindern – zumindest in der Schule – eher schadet, als nützt und vielleicht kann der ein odere andere Lehrer meine SIchtweise bestätigen (oder widerlegen).

Ich möchte mich gar nicht mit den harmloseren Dingen wie “erst nach Klopfen die Räume betreten” oder “Kinder ohne Körperkontakt wecken” auseinandersetzen. Kein Lehrer mit halbwegs gesundem Menschenverstand wird ein Zimmer mit SchülerInnen betreten, ohne vorher zu klopfen.
Was die verbotenen Facebook-Kontate angeht: Sollte man vielleicht Christian von Boetticher (“Es war schlichtweg Liebe.”) von der CDU mal befragen und evtl. Politikern den Kontakt mit dem Volk verbieten…!? Im Ernst – das ist doch Unsinn. Wie schon an mehreren Stellen ausgeführt, nutzen viele Lehrer Facebook als reines Werkzeug.

Spannend – und auf den ersten Blick harmlos – ist die Forderung, Lehrer dürften “Dusch- und Waschräume nicht mehr betreten”. Denn obwohl dieser Grundsatz erstmal vernünftig klingt, wäre er im Alltag eine Katastrophe!Übersetzt heißt heißt das nämlich, Rörig fordert Aufsichts-freie Räume.

Mal Schritt für Schritt gedacht.
Erstens: Wie oft habe ich es erlebt, dass mein Sportlehrer in die Duschen gekommen ist? Nie. Nicht ein einziges Mal. Habe ich an meinen Schulen je gehört, dass dies der Fall gewesen ist? Auch nie. Im Normallfall passiert so etwas auch nicht. Das weiß jeder Sportlehrer selbst.
Zweitens: Jeder kennt die Stellen auf dem Schulhof, die relativ uneinsichtig sind. Die Aufsicht kann hier nur schwer oder gar nicht reingucken. An diesen Stellen findet man zum einen die Raucher, zum anderen die Schläger. Wird irgendwer verhauen oder beklaut, dann in diesen dunklen Ecken, wo es keine Aufsicht gibt.

Wenn nun Lehrern offiziell verboten würde, die Duschen zu betreten, hätte man eine solche aufsichtsfreie Zone geschaffen. Was immer dort passiert – der Lehrer darf dort nicht rein.
Kerngedanke der “Aufsicht” in der Schule ist nämlich nicht die totale Kontrolle wie im Gefängnis. “Aufsicht” bedeutet, die Kinder müssen sich “beaufsichtigt fühlen”. Sie müssen also das Gefühl haben, dass ein Lehrer jeden Moment dazukommen kann. Auch in der Dusche kann Johannes dem Wilhelm nicht eine zimmern, weil der Lehrer jederzeit das Recht hat, dazwischenzufahren.

Solche Verbotskataloge nützen gar nichts. Ganz im Gegenteil, sie richten nur Schaden an. Was wir brauchen, ist mehr Transparenz und nicht mehr Verbote.

Mein erster Dienstunfall.

Was wie der Beginn eines Aufsatzes (“Mein schönstes Ferienerlebnis”) klingt, ist mir heute tatsächlich passiert: Mein erster Dienstunfall.

imageUnd wie das so ist, steht man beim ersten Mal erstmal etwas ratlos da. Die Schüler schauen. Man selbst schaut. Und Tropfen für Tropfen rinnt das Leben das Blut aus meiner Hand.

Ich komme vom Land. Zu uns kam einmal im Jahr der Tierarzt und der hat in einem Rutsch Tiere und Kinder gleichermaßen Zähne gezogen, geimpft oder Wurmkuren verabreicht. Und ich entstamme einer stolzen Medizinerfamilie. Das man als normaler Mensch zum Arzt gehen kann, ist weder mir noch meinen Geschwistern bekannt. Ein ziemlich tiefer Schnitt offenbahrt mir einen Blick in das Innere meiner Hand. Wo aber hin damit?

Zunächst einmal im Sekretariat einen “Dienstunfall” melden. Aha. Dann ein Formular ausfüllen. “So schlimm ist es doch nicht, oder?”, frage ich interessiert.
“Falls es aber schlimmer wird, sich entzündet oder so, muss man dokumentieren, wo es herkommt.”, erläutert mir die Sekretärin geduldig. Zwei Kollegen mit medizinischer Ausbildung begutachten den Schaden. “Zwischen den Fingern… Das ist ne saublöde Stelle”, meint der eine. “Ich würde das nähen lassen”, kommentiert der andere. Meine irritierten Blicke deuten sie richtig. “Von einem Arzt” insistieren sie, als ich Frau Müller vom Hauswirtschaftskurs heranwinke.
Geduldig schreiben sie mir eine Adresse auf. Ein notdürftiges Pflaster hält die Wunde zusammen.

In der Praxis werde ich fröhlich empfangen. “Wie ist das denn passiert?”
Ich überlege, rücke dann aber mit der Wahrheit heraus. “Ich bin an der Tafel hängen geblieben.”

Betretenes Schweigen.

Man schaut mich an, wie meine Frau mich ansieht, wenn ich etwas wirklich Dummes gesagt habe. “Naja” beginne ich zu stottern, “…unter der Tafel ist doch so ein Kreideablage-Blech und da bin ich an der Ecke… Können wir im Bericht vielleicht schreiben, ich sei gestürzt, damit es nicht ganz so dämlich klingt?”

“Aber es ist dämlich”, sagt denkt der Arzt. Er begutachtet die Wunde und stimmt meinen Kollegen zu – das sollte genäht werden. Diesmal leider nicht mit der bunten-Blumen-Vollnarkose von vor drei Jahren. Freundlicherweise werden von der OP Fotos gemacht. “Für den Biologie- oder Hauswirtschaftsunterricht”, erkläre ich.
Im Anschluss ein Gespräch darüber, ob und wie lange ich mich krankschreiben lassen möchte. Schließlich sei ich die nächsten Tage durchaus eingeschränkt. Ich muss kurz an Gerhard Schröders Kommentar über die “faulen Säcke” denken und antworte: “Bis zu meinem 65. Lebensjahr, bitte.”

Das ist leider nicht möglich.
”Na, dann kann ich auch morgen wieder arbeiten gehen”, erwidere ich fröhlich und fahre heim.

Das Beste an der ganzen Geschichte ist aber mein T-Shirt. Es ist heute angekommen Smiley mit geöffnetem Mund

 2012-05-08 13.28.01

Zuckerbrot und Peitsche

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Wie für jede spezielle Berufsgruppe haben sich verschiedene Verlage auch auf uns Lehrer spezialisiert. Eine Vielzahl von Magazinen und Zeitschriften buhlt um unsere Aufmerksamkeit und nicht wenige bekommen wir als Werbeexemplar gratis auf den Tisch.

Einige sind ganz spannend, andere auch – aber auf andere Art.

Anfang der Woche lag die Zeitschrift “Forum Schule” auf meinem Platz mit dem großen Aufmacher “Zuckerbrot und Peitsche? – Sinnvolle Sanktionen in der Schule”.
Natürlich sind “Strafen” in der Schule ein ebenso heißes Thema, wie zum Beispiel Schläge in der Erziehung. Aber es ist auch etwas, dass uns Lehrer sofort anspricht. Als wir als Referendare angefangen haben, war die Frage nach dem Umgang mit Störungen die drängendste Frage eines jeden von uns. Klar: Der “neue Lehrer” muss erstmal getestet werden – was geht bei dem, was nicht?

Besonders interessant in der Zeitschrift ist meines Erachtens das Interview “Stärken statt Strafen” mit Walter Spiess. Er plädiert dafür, “…auf Strafen komplett zu verzichten. Lehrer könnten es schaffen, Schülern Respekt und Disziplin beizubringen, ohne sie zu Sündenböcken zu machen.” (S.11)
Interessantes Statement. Spiess verdeutlicht, wie er zum Beispiel über Gespräche Zugang zu gewaltbereiten Schülern suchen würde, um ihnen deutlich zu machen, wo ihr Fehlverhalten lag.

Hmm.

Irritierend finde ich hier, dass Professor Spiess kein Lehrer ist, sondern eben Professor. Und aus dem Hörsaal heraus scheint es mir leichter, pädagogische Grundsätze zu formulieren und Dogmen aufzustellen. Aber mit der Praxis hat das manchmal nichts zu tun.

Ich selbst betrachte Strafen auch nicht als rein negativ.
Natürlich wird bei mir kein Schüler vor den anderen gedemütigt oder muss hundertmal irgendeinen Quatsch an die Tafel schreiben. Aber immer wieder kommt es vor, dass einzelne Schüler “austesten”, wo meine Grenzen liegen. Einige wenige überschreiten sie und an dieser Stelle bin ich nicht der Typ Lehrer für aufklärende “Gespräche”. In den vergangenen zwei Jahren habe ich drei oder vier Schüler eine Stunde lang nachmittags nachsitzen versäumten Stoff nacharbeiten lassen und vielleicht vier weitere mit Aufsätzen über sinnvollen Umgang miteinander ‘bestraft’ (hier ein Beispiel). Fast ausnahmslos lag der Ursprung des Ärgers in Vertretungsstunden – also im Umgang mit Schülern, die mich aus dem regulären Unterricht nicht kennen und wo die größten Chaoten der Schule motiviert sind, meine Grenzen auszutesten.
Was haben die nun aus ihren Strafen gelernt?
In erster Linie, dass sie mir respektvoll begegnen müssen, denn sonst tut es weh. Sie – und vor allem alle anderen Mitschüler – wissen, dass ich klare Grenzen habe und durchaus bereit bin, mich jedem Ärger zu stellen.
Dadurch habe ich insgesamt so gut wie keine Disziplinschwierigkeiten. Weder in meinem Unterricht, noch außerhalb. Denn jeder weiß um die Konsequenzen.  Und das bringt mich dazu, einen sehr lockeren Unterrichtstil zu pflegen mit einem sehr großen Anteil an Freiarbeit. Die Schüler genießen nun, da meine Rolle als Lehrer nicht untergraben wird, große Freiheiten.

Was mich zurück zu dem Interview führt.

“Stärken statt Strafen”.
Ich würde behaupten: Durch Strafen kann ich Stärken.
Indem ich den Chaoten klare Grenzen aufzeige und ihnen u.U. durch schmerzhafte Lektionen (“Nacharbeit, Aufsatz, Hofdienst, …”) beibringe, sich mir und anderen gegenüber respektvoll zu verhalten, lernen sie Sozialverhalten. Im Lehrerjargon heißt das: Stärkung der Sozialkompetenz.
”Zuckerbrot und Peitsche” ist eine (niedrige) Form der Kommunikation miteinander und ich bin der Meinung, dass es Schüler und Situationen gibt, die man nur auf dieser Ebene erreichen bzw. lösen kann. Sobald ein gewisses Niveau an Verstand, Verhalten und Respekt vorhanden ist, braucht man meines Erachtens keine Strafen mehr – aber dieses Niveau findet sich vor allem im Hörsaal. Meistens in der Schule. Nicht immer in Vertretungsstunden in der Mittelstufe.

Oder nicht?

Lehrermobbing und Mathematik.

Gleich zu Beginn: Mobbing ist ein ernstes Thema. Ich reagiere empfindlich auf Ausgrenzung einzelner Schüler und lege in meinen Klassen sehr großen Wert auf ein vernünftiges Miteinander.

Auch mir begegnet zuweilen Mobbing in Facebook (Schüler vs. Schüler) und selbstverständlich hat so etwas immer Konsequenzen.

Aber.

imageSeit gestern lechzt der “Norton Online Family Report 2011” nach Aufmerksamkeit. Es geht um Cyberbaiting. Ein typischer Fall wäre ein Lehrer, der zu einer unbedachten Äußerung oder einem Wutausbruch provoziert wird und sich anschließend – durch einen Schüler gefilmt – bei Youtube wiederfindet.

Dramatisch ist das angeblich deswegen, weil knapp ein Fünftel der Pädagogen in Deutschland mit dieser Form des Online-Mobbings bereits Erfahrung gemacht hat oder einen Betroffenen kennt.”

Das sind so Aussagen, da werde ich als Mathematiker wahnsinnig. Ein Fünftel. Oha!
Als ziemlich junger Lehrer kenne ich aus dem Stegreif rund 100 Lehrer, bei älteren Kollegen sind das sicher noch mehr, aber lassen wir mal die 100 Lehrerfreunde stehen. In der Studie wurden 2379 Lehrer befragt. Ein Fünftel von denen (also 500) kennen jemanden, der “Erfahrung” (Welcher Art Erfahrung???) damit gemacht hat.

Diese 500 Lehrer kennen nach meiner Annahme insgesamt (Überschneidungen in den Freunden grob eingerechnet) etwa 30.000 unterschiedliche Kollegen.

imageUnd von diesen zigtausend Kollegen haben etwa fünfhundert schonmal “Erfahrungen” damit gemacht. Das ist dann etwa 1%.

Klingt jetzt nicht mehr so spektakulär.

Noch “besser” gefällt mir die Warnung vor Facebook: Zwei Drittel aller Lehrer sehen sich “Risiken ausgesetzt”, wenn sie über Facebook mit Schülern befreundet sind.

Bei allem Respekt.
Niemand zwingt mich, mit Schülern befreundet zu sein. Habe ich da keine Lust drauf, lasse ich es halt sein.
Und natürlich ist das “riskant”. Wann immer ich jemandem einen Einblick in mein Privatleben gebe, ist das riskant. Die Frage ist doch eher, ob ich der Typ Lehrer bin, der Beruf und Privates komplett trennt. Oder bin ich jemand, der den Schülern eher mal einen Schwank aus seinem Leben erzählt.

So eine Aussage ist in meinen Augen völliger Quark. Denn ja, es ist riskant. Und trotzdem bin ich mit zahlreichen Schülern befreundet. Es gibt nämlich auch eine ganze Menge Vorteile, mit seinen Schülern unkompliziert kommunizieren zu können.

Aber damit kann man schlecht Schlagzeile machen, gell?

Filme im Unterricht zeigen?

Filme und Fernsehaufzeichnungen sind zuweilen eine gute Alternative, um komplexe Sachverhalte im Physikunterricht anschaulich darzustellen. Quarks & Co hat ein paar sehr schöne (wenn auch durch Hintergrundmusik und Schnitt ziemlich subjektive und direktive) Episoden zu verschiedenen Themen. Ebenso diverse KiKa-Sendungen (z.B. zum Flaschenzug) oder die MythBusters.

Und nicht zuletzt bin ich ein Fan der Seite CISCI.net. Dort werden Sequenzen aus Hollywood-Filmen auf ihren physikalischen Inhalt hin überprüft und so aufbereitet, dass man dies im Schulunterricht gut einbeziehen kann.

Kurzes Beispiel:
Bruce Willis fällt in Stirb Langsam einen Fahrstuhlschacht hinunter, schafft es aber nach endlosen Sekunden, sich mit den Fingerspitzen an einem Absatz festzukrallen. Frage: Ist das möglich? Welche Kraft wirkt auf die Fingerspitzen? Womit ist das vergleichbar? (Antwort hier.)
Alternativen, die ich im Unterricht schon ausprobiert habe: In “Kevin – Allein zu Haus” fällt dem Einbrecher Marv ein Bügeleisen auf den Kopf. Wie lang ist es unterwegs? Ist das realistisch? Kann ein Schädel so eine Belastung aushalten?

Ich mag den Einbezug von Filmen in den Unterricht.
Denn im klassischen Physikunterricht versuchen wir den Schülern fremde Begriffe (“Potentielle Energie”) zu erklären und nutzen dafür meist fremde Gegenstände, die man nur in Physikschränken findet. Vermutlich wird fast jeder meiner Leser mir in Erinnerung an die eigene Schulzeit zustimmen.
Nicht nur, dass die Schülerinnen und Schüler unsicher in Bezug auf “Potentialtöpfe”, “kinetische Energie” und “negative Beschleunigung” sind, der Einbezug fremder und oft komplizierter Apparate erschwert den Zugang meines Erachtens noch.
Im Hollywood-Film dagegen werden Alltagsgegenstände genutzt. Dort fliegen Bügeleisen und Autos durch die Luft. Impulserhaltung kann ich anhand Arnold Schwarzeneggers Science-Fiction-Waffen verdeutlichen. Den Schülern machen diese Specials – soweit ich das beurteilen kann – eine Menge Spaß (nunja.. “Spaß”. Wieviel “Spaß” kann man im Physikunterricht haben? Zwinkerndes Smiley).

Mein Problem ist nur: Darf ich das überhaupt?
Das ich die guten alten Schulfernsehen-Sendungen zeigen darf, mag ja noch angehen, Fernsehaufzeichnungen sind womöglich Grauzone, aber Hollywood-Movies? Eraser? Stirb Langsam? Fluch der Karibik?

Verbindliche Informationen gibt das Bundesjustizministerium auf seiner Homepage. Dort gibt es ganz unten den Absatz Dürfen Lehrerinnen/Lehrer private DVDs, Filme und CDs im Unterricht zeigen?
Kurz gesagt: Ich darf1.
Und etwas länger: “Es kommt darauf an, ob es sich dabei um eine öffentliche Wiedergabe handelt. […] Nach der Kommentarliteratur sind Wiedergaben im Schulunterricht innerhalb des engen Klassenverbandes fast immer nicht öffentlich.”

Enger Klassenverband. Naja, wenn die ganze Schule an meinem Physikunterricht teilnehmen möchte, dann melde ich mich nochmal.
Hätten wir das auch geklärt.

1: Huaaaaa. Ohne Gewähr. Das Urheberrecht ändert sich schneller, als die Bundesligisten ihre Trainer. Was heute noch richtig ist, gilt morgen schon nicht mehr.