Inklusion im Hühnerkäfig

Über den Lehrerfreund wurde ich auf eine ganz spannende Dokumentation des WDR aufmerksam gemacht: Ein Kamerateam hat die “Offene Schule Köln” ein Jahr lang besucht und den Werdegang der Schule gezeichnet. Hier der Link zum Videobericht (45 Minuten).  Man kann den engagierten Eltern und Lehrern gar nicht genug Hochachtung für ihre Leistung entgegenbringen.
Die Einbindung von Menschen mit verschiedenen Behinderungen und Lernstörungen in den normalen Schulalltag ist eine ganz gewaltige Herausforderung, die diese Schule anscheinend sehr gut meistert. Die Lehrer arbeiten sehr differenziert und ganz viel mit offenen Unterrichtsformen – mehr noch als ich das mit meinen Lerntheken schaffe. Ein wichtiger Faktor wird in dem Bericht angesprochen: Inklusion zum Nulltarif gibt es nicht.

Zwei Bilder können das verdeutlichen. Zunächst eines aus der Dokumentation.

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Inklusion & Alltagsprobleme

UnbenanntInzwischen hat das zweites Schuljahr für meine Klasse, in der auch zwei Mädchen mit Glasknochen sind, begonnen. Das erste verlief unproblematisch und der Alltag war geprägt von unkomplizierten, praktischen Lösungen.

Inklusion nennt sich die Einbindung von Menschen mit Behinderungen in den normalen Schulalltag, die in Deutschland in den nächsten Jahren mehr und mehr umgesetzt wird und ich habe an vielen Stellen von den Erlebnissen und Bereicherungen der Inklusion erzählt.

Aber – und auch darin sehe ich eine Gewisse “journalistische” Pflicht – es gehört auch dazu, von den Schwierigkeiten und Herausforderungen zu berichten. Diese entstammen natürlich meinen Erfahrungen, sind aber größtenteils auch auf andere Inklusionsfälle übertragbar. Heute also einige Worte zu ein paar Alltagsproblemen, die sich mit der Inklusion einstellen.

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Notensoftware für Android

imageEinige KollegInnen fragten mich vor den Ferien, wie ich das mit den Noten machen würde: Als Nerd hätte ich da doch bestimmt irgendwas cooles zur Hand.

Klar!

Ich kenne ganz unterschiedliche Varianten: Die meisten Lehrer nutzen das rote Notenbüchlein oder Varianten davon. Einige wenige nutzen ausgebuffte Excel-Tabellen mit komplexen Berechnungen zu Noten, Fehlstunden und prognostizierter Fehlstundenzahl für die nächsten Monate. Beides habe ich ausprobiert – bin aber nicht so richtig warm damit geworden.

Eine Notensoftware muss für mich vor allem leicht verständlich sein.
Unsere Waschmaschine z.B. ist sicher einfacher zu bedienen, als unser MediaCenter – aber ich verstehe sie nicht. Und darum drücke ich mich um die Bedienung, wo es nur geht (zur Freude meiner Frau, die unser MediaCenter nicht versteht..). Die meisten Notenprogramme sind bei mir nach wenigen Minuten wieder runtergeflogen, weil ich sie schlicht nicht verstanden habe. Und, ja: Ich bin zu faul, um die Anleitung zu lesen und außerdem extrem ungeduldig. Was ich nicht nach fünf zwei Minuten verstehe, finde ich blöd.

Die Software, die ich nun seit anderthalb Jahren benutze ist AndroClass von Apenschi.
Rezensionen sind jedoch so eine Sache, nicht wahr?

Erst neulich las ich den “Testbericht” eines Autors – offenkundig iPhone-Fan – über ein neues Handy. Als Nachteil führte er – für ein Windows Phone – das Betriebssystem “Windows” an. Himmel, dachte ich, dann soll er kein Windows Phone testen, wenn er das per se schlecht findet.
Erfahrungsberichte sind stets durch die subjektive Brille des Betrachters gefärbt und so ist es wichtig zu wissen, aus welcher Perspektive ich AndroClass beurteile.

Mathematik & SI-Störungen

2013-03-12 08.43.16Seit knapp einem Jahr unterrichte ich zwei Kinder mit der Glasknochenkrankheit und mit Erlaubnis der Eltern darf ich immer wieder darüber berichten.
An diese Aufgabe bin ich – ebenso wie die meisten Kollegen – recht blauäugig herangegangen, mit wenig mehr als einer gesunden Portion Menschenverstand, vermischt mit naivem Optimismus. Ich möchte heute auch weniger über die Herausforderungen des schulischen Alltags für Kinder mit Glasknochen beschreiben – das habe ich an anderer Stelle mehrfach getan – sondern einen (von einem Laien verfassten) Überblick über die mathematische Fähigkeit bestimmter Kinder in Kombination mit körperlicher Beeinträchtigung ermöglichen.

Warum?
Weil durch die zunehmende Inklusion an Schulen in den kommenden Jahren immer mehr Kinder mit einer SI-Störung im Mathematikunterricht sitzen werden.

Und?
Weil es im Internet (soweit das Google reicht) nur wenig Informationen darüber gibt und nicht jeder Kollege Zeit und Lust hat, Fachliteratur zu wälzen oder sich einzuarbeiten.

Und dich qualifiziert…?!
Gar nichts. Aber für eine Einführung sollte es reichen. Und alles, was im Internet steht, ist wahr – das hat schon Abraham Lincoln gesagt.

Geklaute Bilder?

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Vergangene Woche wiesen mich mehrere Schüler unabhängig voneinander darauf hin, dass einige Bilder meines Blogs auf anderen Webseiten auftauchten. Genauer: meine “Schule im Schaubild”-Grafiken.

Interessant finde ich, dass die Schüler durchaus ein Bewusstsein für Copyright haben. Ihnen ist aufgefallen, dass die Bilder eigentlich mir “gehören” und sie wiesen mich darauf hin. Danke! Gerne. Immer!

Ich sprach mit einem Kurs über die mir nun offenstehenden Möglichkeiten und erklärte den Hintergrund der Creative Common Lizenz. Alle meine erstellen Inhalte dürfen unter bestimmten Bedingungen weitergegeben werden.

Den ganzen Nachmittag habe ich weiterlesen

Schneeballschlacht (aus päd. Gründen)

IMAG0114Als Lehrer Mensch stehe ich regelmäßig vor einem Dilemma: Schneeballschlachten sind an der Schule verboten. Wie ich finde: Leider.
Denn natürlich sind Schneebälle gefährlich. Und vom Boden aufgekratzter Schnee ist nicht selten mit Steinen versehen und wird bei einigen Rabauken zu Eisbällen. Alle Winter wieder geht so etwas wortwörtlich ins Auge.

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Klassenfahrt mit Hindernissen 2

Mein Handy vibriert unangenehm laut in der Stille meines Zimmers. Tamara will wissen, wie meine Nacht war. Und, ich schreibe es den unergründlichen Wundern des Katholizismus zu, in dem 1,60m langen Bett habe ich ganz wunderprächtig geschlafen.
Die 5er haben sich ebenfalls tadellos verhalten, berichtet sie. Ab 21 Uhr hatten wir sie in die Zimmer verbannt – ab 22 Uhr galt Nachtruhe. Und ausnahmslos wurde sich daran gehalten. Perfekt.

Auf dem Weg zu meiner Klasse begegne ich gutgelaunt Schwester Maria. Mit unergründlichem Blick starrt sie zuerst mein Nerd-T-Shirt an (darauf ist heute e in ‘Adrenalin’-Molekül), dann mich. Himmel, denke ich, die Morgenandacht…
“Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen”, sagt sie. Eingeschüchtert nicke ich wortlos. “Das Frauenzimmer, welches Sie heute morgen angerufen hat…”, fährt sie fort und mein Herz setzt aus. Ich erwarte Ärger, doch Schwester Maria deutet mit dem Finger auf mein T-Shirt: “Da hätte ich auch Adrenalin im Blut…”
Sie grinst verschmitzt und ich mache, dass ich davon komme.

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“Facebookseiten von Schulen verbieten”

Als meine Tochter eingeschult wurde, hat niemand um Erlaubnis gefragt, das Gruppenbild auf die Homepage zu stellen, das wurde einfach gemacht. Und ich vermute, es hat sich hinterher auch niemand beschwert. Umgekehrt – wenn man erst um Erlaubnis fragt – finden sich immer zwei Leute, die sich weigern. Aber das ist bei jedem Tagesausflug, jeder Klassenfahrt und überhaupt bei jeder Umfrage gleich. Es gibt immer zwei oder drei, die dagegen sind. Gegen Facebook, gegen Internet, gegen alles. weiterlesen

Noch mehr Zombies auf meinem Blog

Ich lese gerade “Feed” von Mira Grant.
Die Handlung spielt im Jahr 2040. Die Welt ist von einer Seuche befallen, die die Toten untot wieder auferstehen lässt. Die Menschheit lebt in Angst – es gibt keine großen Versammlungen mehr, jeder bleibt soweit es möglich ist, zu Hause. In dieser Zeit haben Internet-Blogs eine viel größere Glaubwürdigkeit, als die traditionellen Medien, so dass die Hauptfiguren der Buches (Shaun und Georgia Mason) entsprechend Blogger sind.

Die Autorin vermischt geschickt (pseudo-)dokumentarische Blogartikel mit der Handlung des Buches. In dessen Zentrum stehen denn auch weniger die Untoten, als vielmehr die Lebenden: Wie sich die Menschen damit arrangiert haben. Interessant (zumindest für mich) ist es allemal, Blogger im Fokus eines Buches zu sehen und immer wieder zu denken ‘ah… kenne ich’. Werbung aussortieren. Anfragen abschmettern. Gastartikel aufnehmen. Gastartikel schreiben.

imageLetzte Woche erhielt ich dann eine neue Art Anfrage: Eine Firma wolle gerne Gastartikel zu einem bestimmten Thema  auf meinem Blog veröffentlichen und würde mich dafür auch bezahlen. Hui, dachte ich, jetzt geht’s aber los.
Anfragen zum Linktausch o.ä. kommen relativ häufig vor. Eine Firma (ich muss gestehen, ich weiß nicht mehr, welche) hat mir vor einiger Zeit ungefragt eine Mag-Lite Taschenlampe zugeschickt, in der Hoffnung, sie könnten hier werben.
Aber Geld?
Ich bin neugierig geworden und habe nachgefragt. Wie viel ist Werbung auf einem kleinen Blog wohl wert?
Vor allem aber warf diese Situation noch weitere Fragen auf: Darf ich als Beamter eigentlich einen Nebenverdienst haben? Bringt mich mein Blog jetzt ins Gefängnis? Was, wenn mir jemand einen Teppich anböte? Könnte ich dann in die FDP eintreten? Und nicht zuletzt: Muss der Artikel “Als Lehrer schnell reich werden in drei Schritten” jetzt umgeschrieben werden?

Ob Eitelkeit oder nicht – es ist immer auch spannend, welche Auswirkungen das Schreiben eines Blogs so nach sich zieht. Und das sind, nach nun bald drei Jahren, durchaus einige.

Zunächst: Die genannte Firma bot mir auf Nachfrage eine langfristige Zusammenarbeit an, also mehrere Artikel pro Monat ‘für mich’ zu schreiben. Es würde sich also um eine Nebentätigkeit meinerseits handeln. Nebentätigkeiten von Beamten sind durch das Beamtengesetz, ab § 64 geregelt. Dort ist die Genehmigungspflicht beschrieben und es sind auch sogenannte “Versagensgründe” aufgeführt, also Gründe, warum man mir eine Nebeneinkunft verbietet. Und da Werbung mich in meiner “Unparteiligkeit” beeinflusst [§64, (2) 2.], vermute ich, ein regelmäßiges Einkommen würde abgewiesen. Aber genau weiß ich das nicht.

Schwieriger ist die Sache mit der Taschenlampe. Denn Geschenke, die mich “materiell besser stehen” darf ich als Beamter nicht annehmen – Stichwort: Bestechung. Das regelt eine Verwaltungsvorschrift des Bundes. Dort steht, Geschenke bis 25 € dürfen angenommen werden, es besteht jedoch eine Anzeigepflicht gegenüber dem Dienstherrn. Schwierig. Die Lampe hat ja nichts mit meinem Beruf zu tun. Tatsächlich weiß ich nicht mal mehr, wer sie mir zugeschickt hat. Wäre ich verpflichtet gewesen, sie zurückzuschicken? Auf wessen Kosten? Hätte ich sie dem Land NRW zuschicken müssen? Man stelle sich nur mal vor, man hätte mir statt der Taschenlampe einen Teppich geschenkt – wenn ich den an die Landesregierung weiterschicke.. ;-).
Um mein Gewissen zu beruhigen, habe ich mir folgende Regel auferlegt:

Das Bestechungsgeld
Die Taschenlampe wird nicht benutzt, bis zu dem Tag,
da sich die Toten wieder erheben um die Lebenden zu fressen.

Was uns schlussendlich zurück zum Buch “Feed” führt: Werde ich nun ein Zombieblogger? Erliege ich der Versuchung des Geldes und benenne meinen Blog in HalbneunLive-Gewinnspiel-Blog um?

Es bleibt spannend Smiley mit geöffnetem Mund

(Ach ja… für die Neugierigen: pro veröfffentlichtem Gastartikel hätte man mir 25 € gezahlt. Drei wären nur für den Juni drin gewesen, inkl. Aussicht auf längerfristige Zusammenarbeit.)

Ein Verbotskatalog für Lehrer.

Datei:Vienna-convention-sign-B2a.svgDer Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig handelt gegenwärtig mit vielen wichtigen Leuten einen Verhaltenskodex aus, der unter anderem festlegt, dass Lehrer und Erzieher

  • bei gemeinsamen Übernachtungen die Räume der Minderjährigen erst nach Anklopfen betreten dürfen
  • die Kinder nicht im eigenen PKW nach Hause fahren dürfen
  • Facebook-Kontakte zwischen Lehrern und Schülern verbietet.
  • und die Anwesenheit in Dusch- und Waschräumen generell untersagt [Link]

Sexueller Missbrauch ist ein ernstes Thema und ich kann nachvollziehen, dass das Erstellen von Verbotskatalogen nach einem richtigen Schritt klingt, mit dem man Kinder schützt. Ich behaupte jedoch, dass ein solcher Katalog den Kindern – zumindest in der Schule – eher schadet, als nützt und vielleicht kann der ein odere andere Lehrer meine SIchtweise bestätigen (oder widerlegen).

Ich möchte mich gar nicht mit den harmloseren Dingen wie “erst nach Klopfen die Räume betreten” oder “Kinder ohne Körperkontakt wecken” auseinandersetzen. Kein Lehrer mit halbwegs gesundem Menschenverstand wird ein Zimmer mit SchülerInnen betreten, ohne vorher zu klopfen.
Was die verbotenen Facebook-Kontate angeht: Sollte man vielleicht Christian von Boetticher (“Es war schlichtweg Liebe.”) von der CDU mal befragen und evtl. Politikern den Kontakt mit dem Volk verbieten…!? Im Ernst – das ist doch Unsinn. Wie schon an mehreren Stellen ausgeführt, nutzen viele Lehrer Facebook als reines Werkzeug.

Spannend – und auf den ersten Blick harmlos – ist die Forderung, Lehrer dürften “Dusch- und Waschräume nicht mehr betreten”. Denn obwohl dieser Grundsatz erstmal vernünftig klingt, wäre er im Alltag eine Katastrophe!Übersetzt heißt heißt das nämlich, Rörig fordert Aufsichts-freie Räume.

Mal Schritt für Schritt gedacht.
Erstens: Wie oft habe ich es erlebt, dass mein Sportlehrer in die Duschen gekommen ist? Nie. Nicht ein einziges Mal. Habe ich an meinen Schulen je gehört, dass dies der Fall gewesen ist? Auch nie. Im Normallfall passiert so etwas auch nicht. Das weiß jeder Sportlehrer selbst.
Zweitens: Jeder kennt die Stellen auf dem Schulhof, die relativ uneinsichtig sind. Die Aufsicht kann hier nur schwer oder gar nicht reingucken. An diesen Stellen findet man zum einen die Raucher, zum anderen die Schläger. Wird irgendwer verhauen oder beklaut, dann in diesen dunklen Ecken, wo es keine Aufsicht gibt.

Wenn nun Lehrern offiziell verboten würde, die Duschen zu betreten, hätte man eine solche aufsichtsfreie Zone geschaffen. Was immer dort passiert – der Lehrer darf dort nicht rein.
Kerngedanke der “Aufsicht” in der Schule ist nämlich nicht die totale Kontrolle wie im Gefängnis. “Aufsicht” bedeutet, die Kinder müssen sich “beaufsichtigt fühlen”. Sie müssen also das Gefühl haben, dass ein Lehrer jeden Moment dazukommen kann. Auch in der Dusche kann Johannes dem Wilhelm nicht eine zimmern, weil der Lehrer jederzeit das Recht hat, dazwischenzufahren.

Solche Verbotskataloge nützen gar nichts. Ganz im Gegenteil, sie richten nur Schaden an. Was wir brauchen, ist mehr Transparenz und nicht mehr Verbote.