Der strengste Lehrer der Schule.

Einer meiner Jungs muss zur Strafe bei mir nachsitzen². Während ich in einer parallelen fünften Klasse eine Vertretungsstunde gebe, schreibt er brav Vokabeln aus dem Englischbuch ab. An den Rabauken meiner Klasse schätze ich sehr, dass sie stets für den Unsinn geradestehen, den sie so aushecken.
In der Vertretungsstunde spielen wir eine Black Story (eine Rätselgeschichte) durch – allerdings etwas verschärft: Wenn sie weniger als 50 Fragen brauchen, um auf die Lösung zu kommen, fege ich ihre Klasse. Wenn sie das aber nicht schaffen, müssen sie die meine fegen.

Irgendwann meldet sich eine Schülerin. “Herr Klinge, ich habe etwas Angst vor Ihnen!” Eine zweite meldet sich. “Ja, Herr Klinge, ich auch!”

Das Eselspiel

Man kann Menschen ja in zwei Gruppen einteilen: Solche, die gerne Gesellschaftsspiele spielen und solche, die das nicht nur nicht tun, sondern die solche Spiele hassen. Ich gehöre zu letzteren. Monopoly oder Risiko sind für mich eine Qual. Auch wenn meine Tochter mit mir spielen will, tue ich das nur äußerst ungern.

Trotzdem halte ich meine Augen stets offen, weil es eine besondere Kategorie Spiele gibt, für die ich mich – sozusagen berufsbedingt – interessiere: Spiele, die man auf Klassenfahrten spielen kann. Und ein solches habe ich gefunden!

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Aufwindturbine

Ich bin ein Freund von abenteuerlichen, möglichst absurden Geschichten.

Das mag mit meiner Vergangenheit als Rollenspieler zusammenhängen – ich bin einfach ein Freund davon, Schülern eher mal einen Bären aufzubinden, als sofort mit der Wahrheit herauszurücken. So auch, als ich mit meinem tibetischen Gedankenrad in der Fünf ankam.

“Lerntheke spielen”

Wann immer ich etwas zur Ruhe komme, wird mein Geist kreativ. Ich suche mir Projekte, auf die ich mich stürzen und in denen ich mich austoben kann. Früher sind das Hörspiele gewesen, die ich mit Freunden zusammen produziert habe. Inzwischen liegt der Fokus mehr auf Schule und Unterricht. Aber ich will am Anfang beginnen.

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Mathe-Quartett zum Download

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Ein weiterer Beitrag zu Spielen im Unterricht. Heute ein Mathematik-Quartett zum Download. Dabei werden die “4 Gesichter einer Zahl” eingeübt und wiederholt. 12 verschiedene Brüche à 4 Darstellungsformen. Verbesserungswürdig ist evtl. die Möglichkeit, dass nicht immer der gekürzte Bruch angegeben wurde – aber meine Schüler spielen das sehr gerne. Mit dabei sind die “Rückseiten” der Karten, damit sie nicht durchscheinen. Ich habe sie ausgedruckt, ausgeschnitten und dann laminiert – funktioniert wunderbar.

Die klassischen Quartettregeln findet man hier.

2012-08-10 19.35.59Mathematik-Quartett als PDF (klick) oder editierbare PowerPoint 2010-Datei (Klick) in der Version 1.0 zum Download.

Vertretungsstunden

Ich habe die Möglichkeit, in verschiedenen Klassen Vertretungsstunden zu geben. Je nach Klasse und Fach bemühe ich mich meistens, die Zeit sinnvoll, d.h. arbeitsintensiv zu nutzen.

Je nach Klasse verläuft das unterschiedlich: Einige Klassen kämpfen in erster Linie mit der Disziplin – lockere Spiele wie sie jeder aus der eigenen Schulvergangenheit kennt sind hier schlichtweg nicht möglich. Andere Klassen hängen dem Schulstoff hinterher und müssen dürfen arbeiten. Und gerade wir Lehramtsanwärter haben oft mit Disziplin zu kämpfen – insbesondere die Rabauken wollen natürlich austesten, was sie bei uns dürfen und was nicht. Ich lasse also grundsätzlich arbeiten – im äußersten Fall dürfen die Schüler in Stillarbeit ihre Hausaufgaben machen. Mehr ist bei mir nicht drin. Meistens.

Vor knapp vier Wochen habe ich nun eine 6. Klasse regulär in Mathematik übernehmen dürfen und richtig hart mit denen gearbeitet. Und ich meine richtig hart! In knapp drei Wochen haben wir zwei “schriftliche Übungen” (oder “Tests”) geschrieben, die einige sogar freiwillig (!) Freitags in der 7. Stunde wiederholt haben, um sich zu verbessern. Eine Menge Hausaufgaben und viele Übungen, dazu neue Methoden und ein neuer Lehrer. Ich bin wirklich stolz auf sie! Nun hatte ich zuletzt auch außerhalb des normalen Unterrichts zwei Vertretungsstunden in jener Klasse.

Statt wie üblich Stillarbeit zu machen, wollte ich ein Experiment wagen: Die Klasse hatte sich redlich verdient, auch mal auszuspannen und ihre harte Arbeit der vergangenen Stunden wollte ich honorieren.

Also brachte ich meinen TabletPC mit, einen Beamer und ein Computerspiel: Crayon Physics deluxe (das Video zeigt, worum es geht).

Im Grunde eine undankbare Situation: Über zwanzig Schüler und nur ein Computer sind suboptimal. Ein Experiment halt.

Und genauso habe ich es auch angekündigt – als Experiment. Wenn es Streitereien gäbe, es zu laut würde oder sonstige Probleme, würde ich abbrechen. Und los gings…

Ich habe einen ganzen Haufen schwieriger, mathematischer Aufgaben an die Tafel geschrieben und wann immer ein Tischpaar eine der Rechnungen gelöst hat, durften sie zu zweit an den PC. Alle anderen haben weitergerechnet und via Beamer zugeguckt.

Und es lief grandios! So gut, dass ich das ganze eine Woche später in einer zweiten Vertretungsstunde nochmal wiederholt habe. Das Spiel an sich ist einfach, ungewohnt und verblüffend. Ich habe für die gleichen Level schon die unterschiedlichsten Lösungen gesehen. Für die Kinder ist es eine gute Möglichkeit, ihre “social skills” zu trainieren – die Gefahr ungeduldig oder pampig zu werden, wenn andere dran sind, ist hier sehr groß.

Inzwischen erwäge ich bei jeder Vertretungsstunde, dieses Spiel rauszuholen, bin aber sehr vorsichtig. Das kann nur gutgehen, wenn die Klasse äußerst diszipliniert miteinander umgeht und da habe ich bei anderen Klassen (die ich auch nicht so oft sehe) noch einen weiten Weg vor mir.

Aber für Lehrer mit TabletPC und mit tollen Klassen kann ich diese Art der Vertretungsstunde nur empfehlen! Das hat einfach Spaß gemacht.