Workbook “Elektronik”

imageNur noch wenige Tage Ferien, bis es wieder losgeht. Neben all dem renovieren und umbauen habe ich mir Gedanken über meinen WP-Technik-Kurs gemacht.
Nach dem Bau des großen Schulmodells im vergangenen Jahr (hier ein Video davon) mit einfachen elektrischen Schaltungen steht in diesem Jahr etwas mehr Elektrik auf dem Plan.

Ich habe einige Tage darüber gegrübelt, welche Methode hier sinnvoll wäre.
Normalerweise arbeite ich intensiv mit Lerntheken und Stationen. Sie ermöglichen ein differenziertes Arbeiten, d.h. ich kann die sehr guten Schüler genauso beschäftigen, wie die schwachen. Im Technikunterricht ist das ungleich schwieriger – ich kann das Material nicht in 25facher Ausfertigung bereitstellen, um jedem gerecht zu werden. Denn anders als in Mathematik kann man sich nicht direkt auf die komplizierten Schaltungen (= hohen Stationsnummern) stürzen, sondern fängt immer am Anfang an.

Im vergangenen Jahr habe ich überaus positive Erfahrung mit meinem NW-Workbook gemacht. Das Heft wird inzwischen von vielen Kollegen in ihren Klassen genutzt und beständig verbessert. Entsprechend versuche ich das dieses Jahr auch im Technikunterricht.

Ein Workbook bietet mir die Möglichkeit, alle Schüler mit Sachtexten, Schaltskizzen und Aufgaben zu versorgen und gleichzeitig komplexere Aufgaben so einzubauen, dass nur die “Nerds” sich damit beschäftigen dürfen müssen (“Wie funktioniert ein Transistor auf atomarer Ebene?”).
Abgesehen davon erschaffe ich gerne Unterrichtsmaterialien. Ein kurzer Überblick:

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Das Heft wird in den nächsten Monaten anwachsen, bisher sind erst mal nur die Grundlagen eingebaut. Dinge wie Lichtschranken, Radios und Alarmanlagen kommen später. Realisiert wird alles mit billigem OPITEC-Material. Das kann man auch mal gut im Klassensatz bestellen.

Interessierte Kollegen lade ich wie immer ein, das Workbook zu durchwühlen, zu kritisieren und für eigenen Unterricht zu benutzen – es findet sich an der üblichen Stelle bzw. schreibt eine Anfrage als Kommentar.

Politik & Ukraine & Blogs & Pressefreiheit & …

Während so manche Kollegin nun erst in die Ferien startet, komme ich so langsam wieder in Arbeitslaune. Dabei waren die vergangenen Wochen ganz spannend und ich möchte euch gerne auf eine kleine, politische Reise mitnehmen.
Angefangen hat alles mit dem Cover des 31. SPIEGEL-Magazines von Ende Juli. Da ich den SPIEGEL nicht abonniert habe, wurde mir erst später klar, dass auf dem Cover die Opfer des über der Ukraine abgeschossenen Passagierflugzeuges MH17 abgebildet sind.
Ich finde Opfergalerien ekelhaft. Das ist auch etwas, das ich eigentlich nur von der BILD-Zeitung kenne. Trotzdem – und dass muss ich zu meiner Schande gestehen – habe ich mir keine weiteren Gedanken über das Cover gemacht.

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OneNote (vs. Evernote) (mobile)

Nach wie vor verwalte ich meine Unterrichtsvorbereitung mit OneNote. Es ist und bleibt die eierlegende Wollmilchsau unter den Computerprogrammen und weder Evernote noch (beliebige Alternative einfügen) vermag mich davon abbringen.

Die Synchronisation ausgewählter Notizbücher mit meinem Tablet verläuft problemlos, obwohl die mobile App von OneNote mit dem Wort “rudimentär” allenfalls höflich beschrieben ist.
Seit kurzem bin ich in der Beta-Tester-Gruppe für die Android-App von OneNote und darf zukünftige Features schon jetzt ausprobieren. Und tatsächlich gibt es neues:

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App: “König der Mathematik”

2014-06-25 13.35.48Von einem Kollegen wurde ich freundlicherweise auf eine App hingewiesen, die er im Unterricht eingeführt hätte: “König der Mathematik”.

Es handelt sich dabei um eine Kopfrechen-App. Zehn Fragen, die in möglichst kurzer Zeit beantwortet werden müssen. Besonders eklig: Oben läuft ein Countdown hektisch runter und vermittelt einem das Gefühl, zu langsam zu sein.

Ich habe die App heute direkt in meiner 7 ausprobiert. Allein oder im Team sollten sie versuchen, möglichst viele Punkte zu sammeln und hatten wirklich Spaß dabei.
Gut genug, um eine Vertretungsstunde zu überbrücken, zumal die Android-Version komplett kostenlos ist. Spielerisch werden alle Formen des Rechnens wiederholt bis hin zu einem wirklich heftigen Schwierigkeitsgrad.
Wie immer sieht die iOS-Version hübscher aus, dafür ist sie auch deutlich teurer, in der free-Version sind nur die ersten drei Level verfügbar. Die Android-Version ist komplett kostenlos, die “pro”-Variante gibt etwas mehr Zeit. Es gibt übrigens auch ein “König der Mathematik Junior”, welches ich an meiner Tochter mal ausprobieren werde.
Passt ganz gut in die Rubrik “Spiele im Unterricht” und “Darf man Handys im Unterricht benutzen?” “Soll man Handys in der Schule verbieten” etc. Ist ja nicht immer Teufelszeug.

2014-06-25 12.04.16

Außerdem war ich gestern noch auf der Abschlussfeier meiner ersten eigenen Klasse aus dem Referendariat. Jener Klasse, die mir seinerzeit einen BVB-Toaster zum Abschied schenkte.
Ein wundervoller, würdevoller Abend und ich musste mir tatsächlich die ein oder andere Träne verkneifen, als ich sah, was aus manchen Schülern geworden ist. Vor allem aus denen, die einen schweren Weg zu gehen hatten. Großartig!

König der Mathematik im Apple Store (free) (1,79€) (Junior free) (Junior 1,79€)
König der Mathematik im Android Store (free) (1,79€) (Junior free) (Junior 1,79€)

‘Cybermobbing-Tage’ oder: ‘Vertrauen vs. Kontrolle’

2014-06-05 10.10.21Die letzten drei Tage waren an meiner Schule Cybermobbing-Projekttage. Die werden jedes Jahr für die sechsten Klassen durchgeführt. Dieses Mal gab es unter anderem ein Theaterstück (ich liebe Theater und freue mich, dass wir in den letzten Wochen gleich zweimal ein Stück ansehen durften), eine Polizistin war im Unterricht und es gab allerhand sonderpädagogische Einzelprojekte.

Den Schülern haben die Tage Spaß gemacht und sicher auch zu der ein oder anderen Erkenntnis geführt. Besonders zwei Punkte sind bei mir hängengeblieben: Zum einen gab es einen kleinen Fragebogen, bei dem die Schüler ankreuzen konnten, wie wohl sie sich in der Klasse fühlten, wie sehr sie die Klasse als “Team” empfänden und wie sehr man sich gegenseitig helfen würde und überdies wurde direkt gefragt, wer glaube, dass es in “eurer Klasse Mobbing gibt”.
Nach drei intensiven Projekttagen gingen sofort alle Hände hoch: Klar gibt es bei uns Mobbing! Eine Auswertung der Fragebögen brachte dann zustande, dass sich drei Viertel der Klasse immer oder sehr oft wohl fühlten. Die gleiche Menge empfindet die Klasse als immer oder sehr oft als gutes Team; ganz vereinzelt kreuzte jemand an, er würde sich nur manchmal wohl fühlen.
Ja, es gibt Mobbing. Ja, alle fühlen sich wohl. Ja, wir sind ein gutes Team.

Ein schönes Beispiel dafür, wie Umfragen ein beliebiges Ergebnis zutage bringen können. Klar sehen die Kinder überall Mobbing, wenn sie darauf gepolt werden. Und natürlich fühlen sich die meisten wohl, lege ich da schließlich einen Schwerpunkt meiner Arbeit drauf. Und fraglos gibt es einzelne, denen die Schule weniger Spaß macht – allein schon, weil sie sich in Mathematik oder Englisch oder Deutsch schwerer tun, als die anderen.

Der zweite Punkt, der mich irritierte, war der Besuch der Polizei. In intensiven, guten Gesprächen erzählten die Kinder freimütig, welche Horror-Kettenbriefe sie bei whatsapp bekämen und weiterleiteten und die Polizistin klärte auf, welche Konsequenzen dieses und jenes hätte.
Unzufrieden bin ich mit dem Gesprächsverlauf. Die Polizistin bat uns nämlich (“dies ist dann Aufgabe der Pädagogen”), den Eltern zu empfehlen, die Handys ihrer Kinder zu durchsuchen. Regelmäßig.

Das sehe ich anders.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass sich zweifellos auf den meisten Handys aller Schüler pornografische Bilder, Gewaltvideos und/oder anderes kritische Material befindet. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Aus Sicht der Polizistin sollten die Eltern die Geräte konfiszieren und durchsuchen, um die Kinder zu schützen.
Das halte ich für kurzsichtig.
Die Kinder sind klug genug, um Chatverläufe augenblicklich zu löschen – überdies kennen sie Möglichkeiten, Daten vor ihren Eltern zu verstecken (z.B. in der Dropbox). Es entstünde ein “Wettrüsten” zwischen Eltern und Kindern, bei dem die Eltern nur verlieren können. Die einzig sinnvolle Möglichkeit ist, den Schülern beizubringen, mit den Medien umzugehen und das Wissen, dass sie sich immer an ihre Eltern oder Lehrer wenden können.
Ich will nicht jeden Mist kontrollieren, den irgendwer auf dem Handy hat – aber jeder Schüler muss wissen, dass er, wenn es Ärger gibt, sich sofort an mich wenden kann. Egal ob es um Mobbing, Gewalt, Pornografie oder Kettenbriefe geht.

Es geht um Vertrauen.

Gehe ich grundsätzlich davon aus, dass jeder Bundesbürger Schüler vom Innenministerium Lehrer überwacht werden muss, oder stehe ich bereit, wenn man mich braucht?

Da bin ich wohl anderer Meinung als die Politik Polizei.