Inklusion & Alltagsprobleme

UnbenanntInzwischen hat das zweites Schuljahr für meine Klasse, in der auch zwei Mädchen mit Glasknochen sind, begonnen. Das erste verlief unproblematisch und der Alltag war geprägt von unkomplizierten, praktischen Lösungen.

Inklusion nennt sich die Einbindung von Menschen mit Behinderungen in den normalen Schulalltag, die in Deutschland in den nächsten Jahren mehr und mehr umgesetzt wird und ich habe an vielen Stellen von den Erlebnissen und Bereicherungen der Inklusion erzählt.

Aber – und auch darin sehe ich eine Gewisse “journalistische” Pflicht – es gehört auch dazu, von den Schwierigkeiten und Herausforderungen zu berichten. Diese entstammen natürlich meinen Erfahrungen, sind aber größtenteils auch auf andere Inklusionsfälle übertragbar. Heute also einige Worte zu ein paar Alltagsproblemen, die sich mit der Inklusion einstellen.

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Odysseum, Bestechung & Brennball

ZOE_0008-55FF2CBD_6-31940754Donnerstag sind wir in Köln, im Odysseum gewesen. Solche Ausflüge sind auch mit Rollstuhl-Kindern eigentlich kein Problem, die Kombination mit den Glasknochen und 26 zu beaufsichtigenden weiteren Kindern macht die Sache aber etwas heikel.
Trotzdem ist natürlich alles gut gegangen.  Es zahlt sich aus, über Monate hinweg auf Disziplin und so Dinge wie Zweierreihen (“Wir sind doch nicht in der Grundschule, Herr Klinge!” – “Ist mir doch egal!”) zu achten. An den Bahnhöfen mussten einige Treppen überwunden werden – aber nichts, was man mit vier Erwachsenen nicht hinbekommt. Überraschend für mich: Die Bahn möchte, dass Schulklassen sich 14 Tage vorher anmelden, damit sie Zug und Zeit (!) zugewiesen bekommen. Habe ich nicht gewusst.

Das Odysseum ist eine Art Abenteuermuseum, bei dem die Kinder mit Scannern zwischen den Ausstellungsstücken herumlaufen, Aufgaben lösen und Punkte sammeln.

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Wandern und schauspielern (mit Glasknochen)

 

IMG-20130910-WA0000Noch zwei Tage, dann ist diese Kokolores-Woche rum.
Gestern sind wir den Grubenweg in Eiserfeld gewandert. Vor einigen Jahren hat ein Kollege mit dem Kurs “Gemeinnützig Handeln” an unserer Schule einen 8 Kilometer langen Pfad durch den Wald entlang vieler Bergbaugruben erschlossen und mit Infotafeln versehen. Herausfordernd war der Weg für meine Rollstuhlkinder und dieser Ausflug ist ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten, die das Thema Inklusion mit sich bringt: 

Grundsätzlich ist der Pfad in Rollstühlen unpassierbar. Punkt.

Als Lehrer stehe ich nun vor einem Problem: Der Bergbau gehört zur Tradition der Stadt Siegen und als solches ist so ein Ausflug im Sinne der Heimatkunde berechtigt. Wenn ich jetzt (überspitzt) sage: “Tut mir leid, können wir nicht machen und werden wir nie machen können, weil wegen den beiden!” – dann sind die anderen Schüler genervt und mit zunehmender Dauer werden Inklusionskinder zum Zentrum für Ärgernisse. “Nie können wir die lustigen Dinge machen!” Das wird in Zukunft mehr und mehr Kollegen betreffen. Und von den Schülern wird sich der Frust auf die Eltern übertragen – Inklusion ja bitte gerne, aber nicht neben meinem Wilhelm Maximilian!

Es ist für uns Lehrer sehr schwer die Balance zu finden, zwischen Projekten die alle machen wollen und Projekten, die alle machen können. Ich bewahre mir dabei eine gewisse Naivität, gepaart mit einem Schuss Sturheit:

Wir haben den Ausflug einfach gemacht. Mit Rollstühlen.

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Waschbär-Babys im Unterricht

2013-09-09 12.04.16Die ersten paar Tage sind rum und wie prognostiziert sind sie anstrengend. Nach sechs Wochen Ferien sind die Kinder allesamt noch im “was-kümmert-mich-die-Welt”-Modus und lassen es sich gut gehen. Weil diese Woche viele Kurse (und Kollegen) auf Klassenfahrt sind, gilt Klassenlehrerunterricht: Ich muss mir also selbst Programm überlegen.

Eigentlich bietet so eine Woche viele Möglichkeiten, tolle Projekte anzugehen oder spannende Dinge zu erleben – aber mich strengen diese Tage sehr an. Die Schüler müssen wieder ans Lernen gewöhnt werden und der ein oder andere kämpft noch mit Disziplinschwierigkeiten. Alles dauert ein wenig länger und ist auch ein wenig lauter, als ich es gewohnt bin – da ist so eine hallodri-Woche eher kontraproduktiv.

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Produkttester

2013-08-23 15.33.16Vor einigen Wochen wurden wir angefragt, ob wir nicht einen neuen experimentellen Taschenrechner testen wollten, der noch nicht auf dem Markt sei.
Das klang aufregend. In der Anfrage wurde versichert, es handle sich nicht um Werbung und wir sollten uns nicht bedrängt fühlen, irgend etwas Journalistisches zu verfassen – eine kleine Rückmeldung wäre aber nett.

Was hatten wir zu verlieren? (Darauf komme ich später nochmal zurück!)

Wir bekamen also mit der Post den HP Prime Graphing Calculator, laut Werbebroschüre ein “fleißiger Helfer für alle Schüler und Studenten, Lehrer und Technikbegeisterte”, voraussichtlich ab Ende September 2013 für lächerliche 159 €uro verfügbar.

Ein ganz schön beeindruckendes Gerät hielten wir da in der Hand. Von unseren Erfahrungen wollen wir – entsprechend unseren Anforderungen – zweigeteilt berichten: Ich habe mich auf den möglichen Einsatz in der Schule konzentriert – Nils hat den Taschenrechner mit in die Universität genommen und geschaut, ob er giftigen Dämpfen und ätzender Säure widersteht.

Hurra! Es geht wieder los!

In NRW geht diese Woche die Schule wieder los. Schon letzte Woche hatten wir zahlreiche Konferenzen – heute gab es dann den Stundenplan für uns Lehrer, morgen folgen weitere Konferenzen bevor es dann Mittwoch endlich wieder losgeht.

An einer großen Schule wie der unseren ist die Organisation eine wirkliche Herausforderung. Eine Folge davon ist, dass die erste volle Schulwoche bei uns immer die “Klassenfahrtswoche” ist – der ein oder andere mag sich an unsere Fahrt letztes Jahr erinnern (s. Klassenfahrt mit Hindernissen 1).
Dieses Jahr bleiben wir zu Hause – da aber ein großer Teil des Kollegiums fehlt, bricht der ganze Stundenplan zusammen und es findet viel Klassenlehrer-Unterricht statt. Mit meiner neuen Co habe ich mir ein hübsches Programm ausgedacht, von dem ich nächste Woche bestimmt berichten werde.

Egal: Endlich wieder Schule. Endlich wieder Bloggen.. und mit einem neuen Schule im Schaubild geht es dann auch ins Schuljahr 2013/14. Hurra! Smiley mit geöffnetem Mund

 

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Fremdenführer.

(c) by Gage SkidmoreIch stehe an einer Tankstelle in Berlin, als mich ein holländisches Pärchen anspricht. Er weist eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen Brent Spiner auf, bevor der als Commander Data bei Star Trek in Erscheinung trat, sie wirkt freundlich und spricht besser Deutsch.
Ob ich Richtung Süden führe, wollten sie wissen, und ob sie eine Strecke mitfahren dürften.

Kurz blicke ich in mein schmutziges Auto. Auf der Rückbank liegen ein paar Nägel und ein Schraubenzieher – Geschenke von Rabauki, die meine Tochter mitgebracht hat.
“Klar”, murmle ich und zu spät fällt mein Blick auf den blutbefleckten Zettel auf dem steht, dass Carolina sich beim Hausbau eine Schramme zugezogen habe.

Wir fahren los und unterhalten uns. Als er erzählt, dass er Artificial Intelligence studiert lache ich laut los täusche ich einen Hustenanfall vor, sie studiert Unterrichtsentwicklung. Es entwickelt sich ein kurzweiliges Gespräch, in dem ich erfahre, dass sie quer durch Deutschland reisen, hier und da und dort zelten und so ihre Ferien verbringen.

Irgendwann schläft das Gespräch ein und ich frage, ob es sie stört, wenn ich mein Hörbuch weiter hören würde. Nein, alles prima. Gewohnheitsmäßig – und wie immer ohne nachzudenken – schalte ich das Radio ein, und David Nathans Stimme begrüßt mich, um mir Stephen Kings “Wahn” vorzulesen.

“WIE HEISST DU, DU MISTSTÜCK? WIE HEISST DU, DU BILLIGE, MIT LUMPEN AUSGESTOPFTE NUTTE? SAG MIR DEINEN NAMEN, SONST BRINGE ICH DICH UM! SAG MIR DEINEN NAMEN, SONST BRINGE ICH DICH UM!”

“Erm.. da gehts um…”, versuche ich stotternd zu erklären. “..einen Mann, der wahnsinnig wird. Also nicht ich werde wahnsinnig, sondern er!”
Vermutlich haben sie keines meiner Worte verstanden, außer “wahnsinnig”. Und das zweimal.

Im Rückspiegel sehe ich, wie die Holländerin auf der Rückbank nervös auf den blutigen Zettel und die verbogenen Nägel guckt.

Und sie sieht, dass ich das sehe.

Danach wird nicht mehr viel gesprochen.

Eigentlich wollte ich Data um ein Foto fragen, aber sie sind dann Hals über Kopf ausgestiegen.

Ferien… ich sag euch, da überlebt erlebt man die verrücktesten Dinge. ;-)