#11: Wie kam sie zu uns?

Ein kurzes Zwischenfazit.

Über einen langen Zeitraum hinweg schrieben Menschen Dinge auf. Vieles von dem, was sie niederschrieben, waren mündlich überlieferte, seit einiger Zeit tradierte Geschichten. Was dann letztlich aufgeschrieben wurde, war buntgefächert: Von Lyrik und Gedichten über Ahnentafeln und Erzählungen hin zu den Evangelien und Texten über die Apokalypse und zahlreichen Briefen.

Die Menschen, die dies aufschrieben hatten Wertvorstellungen, Ansichten, Perspektiven und offensichtliche Punkte, die sie ansprechen wollten.
Wenn wir die kleinen Propheten (Hosea, Micha etc.) studieren, dann können wir die Geburt einer Art Sozialen Gerechtigkeitsempfindens mitverfolgen (man kann eine direkte Verbindung von der sozialen Empörung im Buch Amos bis hin zur Occuy Wall Street Bewegung ziehen).
Die Torah wurde im Exil zusammengestellt, wo die Geschichte über den Exodus und die Flucht aus der Sklaverei auf konkrete Resonanz stieß. Lukas schrieb seine Ansichten über Jesus auf, weil er seinen Lesern bestimmte Punkte nahebringen wollte. Der Apostel Paulus betrachtete Timotheus wie einen Sohn und wollte ihm ganz bestimmte Weisheiten und Ansichten darüber vermitteln, was es bedeutet, Jesus im Kleinasien des ersten Jahrhunderts nachzufolgen.

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#10: Die Macht eines Gedichts

Bis hierher haben wir uns ein paar Erzählungen aus der Bibel angesehen, den Kontext betrachtet und die Einbettung in die Geschichte und wie die Welt seinerzeit aussah und das viele dieser Geschichten nur oberflächlich betrachtet voneinander unabhängige Erzählungen sind.
Es gibt einen roten Faden.
Als nächstes dann wollen wir diesen roten Faden tiefer ergründen und schauen, wie er mit der menschlichen Entwicklung verwoben ist.

In einem Artikel erwähnte ich einmal, dass die Bibel mit einem Gedicht beginnen würde (der Artikel ist lang, aber lesenswert) (er ist wirklich sehr lang – aber auch wirklich lesenswert). Einige weitere Gedanken dazu. Continue reading

Fast Ferien. Fast.

IMG_20140410_073818Fast Ferien.
Heute haben die Abiturienten ihren letzten Schultag gefeiert. Morgen ist dann letzter Schultag vor den Osterferien. Dieses Wochenende steht nochmal Hausumbau an, bevor wir nächste Woche umziehen und renovieren.

Vorher darf ich aber noch ins ARD Morgenmagazin. Man möchte mich morgen gerne über Facebookfreundschaften zwischen Schülern und Lehrern interviewen. Auf der FB-Seite des Morgenmagazins wird schon darauf hingewiesen – wenn ich auch denke, dass der Begriff “befreundet sein” hier etwas überstrapaziert ist.
Ich selbst nutze Facebook als Telefonbuchersatz; hin und wieder schreiben mich (ehemalige) Schüler und Eltern an und fragen nach Informationen wie Schulende, Arbeitsblättern oder Buszeiten. Nichts Bedeutsames – aber allemal schneller via Facebook-Mail erledigt, als dass man versucht, mich in der Pause im Lehrerzimmer telefonisch zu erreichen. Freundschaftsanfragen gehen nie von mir aus und niemals hat irgendein Schüler einen Nachteil, nur weil er nicht bei FB angemeldet ist. Passend dazu auch die Frage, ob Lehrer Quizduell-Freundschaften mit Schülern eingehen dürfen.
Heute Nacht habe ich geträumt, während des Interviews würden Zuschauer anrufen können und mein Chef wäre am Apparat: “JAN! ICH DACHTE DU SEIEST KRAAAANK!”

Oh man. Fast Ferien.

Fast.

Was ich an “Schule” ändern würde, wenn…

Im Rahmen einer SPIEGEL ONLINE Kolumne wurde ich neulich gefragt, was ich an Schule ändern würde, wenn ich könnte. Heute, nach einem weiteren, langen Elternsprechtag ist mir völlig klar, dass ich nur eine einzige Antwort darauf geben kann.

Es gibt da diese Comic-Zeichnung, die zweimal die gleiche Szenerie zeigt: Eltern bekommen das Zeugnis ihres Kindes in die Hand gedrückt. Links im Bild, im Jahr 1975, schimpfen sie das Kind an und verlangen eine Erklärung; rechts im Bild – 2010 – fauchen sie den Lehrer an und verlangen eine Erklärung.

Vielleicht mehr als je zuvor gilt heute, dass wir Lehrer keine Chance bei der Erziehung und Bildung der Kinder haben, wenn die Eltern nicht hinter uns stehen. Und immer wieder bin ich dankbar dafür, dass ein ganz großer Teil von ihnen uns ihr Vertrauen ausspricht.
Ja, sie finden auch nicht immer alles toll – aber sie haben volles Vertrauen in uns und wir bräuchten nur einmal anrufen, wenn es Ärger gäbe, sie würden sich darum kümmern.

Egal welche Ausstattung eine Schule hat, welche Probleme im Stadtteil herrschen oder ob die Lehrer modernen oder klassischen Unterricht machen – die Zusammenarbeit mit den Eltern ist die absolute Basis. Wo das nicht funktioniert, steht am Ende oft genug eine Katastrophe.

Was ich ändern würde?
Ich wünschte, die Eltern in Deutschland hätten grundsätzlich wieder mehr Vertrauen in unsere Arbeit.