#21 Babys und Mathematik

Wir haben uns schon eine ganze Weile mit der Bibel befasst. Mit Fischen und Fluten, Vätern und Stämmen und Geschichten und Entwicklungen. Mit manchen Texten seid ihr womöglich einverstanden, andere wiederum schienen euch abstrus – aber das macht nichts. Wir sind ja hier, um uns Gedanken zu machen, vielleicht etwas neues zu lernen und dazu gehört sicher auch mancher Widerspruch.
Wir sprachen zuletzt darüber, wie viele Erfahrungen wir machen und daraus entstand die Frage…

Und was ist dann das besondere an der Bibel? Was macht sie so besonders, so einzigartig? (Warum ist sie überhaupt nötig?)

Gute Fragen.

Lasst uns mit etwas offensichtlichem Anfangen, damit wir einen gemeinsamen Nenner finden:

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Love it, change it or leave it!

Meine Freundin Heike saß neulich mit mir in einer Pizzaria. Bei einem Glas Wein erzählt sie, dass sie eine Fortbildung gemacht habe. Und seitdem glaube sie, dass der Spruch “Love it, change it or leave it” im Prinzip für alle Bereiche des Lebens gelte. Das Gute an dieser Art der Lebensführung sei, dass dann auch keiner mehr rummault, weil dann müsste er ja ändern, was ihn nervt. Und wenn er´s nicht ändert, dann muss er sich halt was anderes suchen: einen anderen Beruf, einen anderen Mann, einen anderen Chef. “Iskla”, sage ich.

Ja, ist klar? In der Zeit-online habe ich einen Kommentar gelesen, der in das selbe Horn stößt: http://www.zeit.de/kultur/2014-10/mely-kiyak-deutschstunde-papst
Der Papst hat wohl gesagt, eine Ehe sei Arbeit. Franziskus, dem ja wohl noch niemand unter die Bettdecke gepupst hat und der – so stell ich mir das vor – noch nie langweiligen Sex hatte, hat gut reden. Aber Franziskus ist bestimmt auch schon mal das Messer unter seiner Soutane aufgegangen, wenn sein Vorgesetzter ex cathedra Mist erzählt hat oder gemacht hat. Deswegen muss man seine Worte zur Ehe ja nicht direkt verwerfen, zumal er – und ich denke mal, das ist Konsens – ein Guter ist.

Wenn wir immer direkt gingen, wenn´s schwierig wird, dann gäbe es keine einzige lange Ehe und vermutlich nicht mal eine lebenslange Freundschaft. Dann müssten wir auch die Schule wechseln, wenn der Schulleiter nicht nach unserem Geschmack ist, und die Klassenleitung abgeben, wenn man merkt, dass die Kinder in die Pubertät kommen. Nein, ich liebe nicht alles immer in allen Bereichen meines Lebens, aber manche doofen Sachen kann man leider nicht ändern. Dann eben nicht. Dann doch eher wie Eva-Maria Zuhorst in “LIebe dich selbst…” schrieb, dass man sich selbst ändern müsse. Ihr zufolge ist jede Beziehung ein kybernetisches System. Ändere ich mich resp. meine Haltung, dann ändert sich auch mein Gegenüber. Also: change it. Aber das ist auch nur graue Theorie. Manche Sachen machen einen einfach krank, da kann man drehen und reden wie man will. Aber ich finde der Papst hat recht: Liebe ist auch eine Entscheidung. Und ich kenne keine lange Ehe , in der nicht auch mal 10 Jahre echt Scheiße waren.

P.S.: Sagte ich, dass ich geschieden bin?

Liebes Ministerium,

OneNote class notebooks

Microsoft hat sich in letzter Zeit bemüht, Schulen kostengünstiger mit Office auszustatten und in diesem Zusammenhang endlich OneNote die Bedeutung verliehen, die es verdient:

Mit “OneNote Class Notebook” kann man ein zentrales Klassenbuch erstellen, das in drei Bereiche unterteilt ist: Schüler-Notizbücher, eine klassengemeinsame Inhaltsbibliothek und ein Bereich für Zusammenarbeit kleinerer Schülergruppen. Das sind weit mehr Möglichkeiten, als ich sie mit meiner simplen Lehrer-zu-Lehrer-Kooperation nutze. Kostet aber auch weit mehr. So hübsch Microsofts Werbe-Video mit glücklichen Lehrern und begeisterten Kindern auch anmutet – weder haben meine Schüler genug Geld für Surface 3-Tablets, noch ich selbst.

Der Grundgedanke dahinter ist jener, der auch 4teachers.de antreibt: Zusammenarbeit.

Es braucht keine teuren Windows Tablets und auch keine Microsoft Office-Umgebung. Schulen müssten nicht mit der neuesten Hard- und Software ausgestattet sein, um die Lehrqualität entscheidend nach oben zu treiben:

Liebes Ministerium: Baut uns Lehrern doch einen Supermarkt. Einen bundesweiten Supermarkt der Ideen und Arbeitsblätter. Gerne auch einen leeren – wir füllen ihn dann selbst. Das kostet nicht viel, spart langfristig Milliarden (!) und macht uns zu glücklicheren, besseren Angestellten des Landes.

Wie wärs?

Alles wird gut!

Ich wohne am Dorf, und viele Kinder aus unserem Dorf und den Dörfern drumrum besuchen die Gesamtschule Eiserfeld. Deswegen kommt es zum 80er-Jahre “Hallo-Herr-Kaiser-Effekt”, wenn ich samstags in der Stadt einkaufen gehe oder wenn ich mich auf Dorffesten blicken lasse – wie gestern auf der Mudersbacher Kirmes. Man muss sich das so vorstellen: Ein großer Schotterplatz. Darauf werden jedes Jahr am ersten Oktoberwochenende 5 Karussells, ein großes Bierzelt und diverse Bierwagen, Los- und Pommesbuden hingestellt. Der Bürgermeister macht den Fassanstich und dann wird im Wesentlichen getrunken. Die Jugendlichen vertiefen ihre Alkoholsozialisation, die Alten spülen die Nieren.

Also gestern: Mudersbacher Kirmes und “Hallo-Frau-Tellmann”. Und auf einmal steht Max vor mir. Max war vor einigen Jahren in meiner Klasse und hat einen ziemlich bescheidenen Hauptschulabschluss gemacht. Nicht dass er dumm wäre – weit gefehlt. Max hat den ganzen Tag gezockt und in der Schule hat er nichts getan, außer zu essen und so sah er denn auch aus.  Totes Fleisch. Und am Dorf hört man ja auch wie der Lebensweg so weiter geht: erste Lehre (ich vermute, dass die Mutter die Bewerbung geschrieben hatte) – rausgeflogen. Zweite Lehre – rausgeflogen.
Und gestern steht er vor mir: erschlankt und sieht super aus. Er berichtet mir, dass er jetzt schon im zweiten Lehrjahr in einem rennomierten Unternehmen arbeite und dass er seinem Leben einen ganz neuen Dreh gegeben habe. Er hätte eingesehen, dass das so nicht weitergeht, hat abgenommen, treibt Sport, lernt fleißig in der Berufsschule, die Noten seien gut.
Ich freue mich wirklich und frage: Was ist passiert? Wie kommt es, dass er sich dann doch noch besonnen hat? “Nix”, sagt er.  Nur eines: Nach dem zweiten Rausschmiss habe seine Mutter geweint und da habe er sich überlegt, dass er nie wieder der Grund dafür sein wollte, dass seine Mutter traurig ist.

Komisch, oder? Da macht man und tut man als Lehrer und man könnte genauso gut mit einer Wand reden. Sehr frustrierend.
Das ist nicht das erste Mal, dass ich erlebt habe, dass Leute mit einer wirklich intensiven Pubertät dann doch auf die Füße fallen. Das passiert eigentlich oft, und man trifft die ehemaligen Schüler überall. Und wie schön und gut zu sehen, wie die Kinder ihren Platz im Leben finden. Gut, mag man einwenden, die im Dunkeln sieht man nicht. Klar. Aber wie toll das ist, dass Leute ihren Weg machen und dann doch noch ihre Möglichkeiten ausnutzen, die man nicht packen konnte. Deswegen  für alle Eltern  und Lehrer, die einfach nur verzweifeln möchten, weil das pubertäre Kind den Aufschlag nicht hört: Alles wird gut – fast immer.