Mathematik & SI-Störungen

2013-03-12 08.43.16Seit knapp einem Jahr unterrichte ich zwei Kinder mit der Glasknochenkrankheit und mit Erlaubnis der Eltern darf ich immer wieder darüber berichten.
An diese Aufgabe bin ich – ebenso wie die meisten Kollegen – recht blauäugig herangegangen, mit wenig mehr als einer gesunden Portion Menschenverstand, vermischt mit naivem Optimismus. Ich möchte heute auch weniger über die Herausforderungen des schulischen Alltags für Kinder mit Glasknochen beschreiben – das habe ich an anderer Stelle mehrfach getan – sondern einen (von einem Laien verfassten) Überblick über die mathematische Fähigkeit bestimmter Kinder in Kombination mit körperlicher Beeinträchtigung ermöglichen.

Warum?
Weil durch die zunehmende Inklusion an Schulen in den kommenden Jahren immer mehr Kinder mit einer SI-Störung im Mathematikunterricht sitzen werden.

Und?
Weil es im Internet (soweit das Google reicht) nur wenig Informationen darüber gibt und nicht jeder Kollege Zeit und Lust hat, Fachliteratur zu wälzen oder sich einzuarbeiten.

Und dich qualifiziert…?!
Gar nichts. Aber für eine Einführung sollte es reichen. Und alles, was im Internet steht, ist wahr – das hat schon Abraham Lincoln gesagt.

Geld für gute Noten?

2013-05-22 09.27.25Mit einem 6er-Technik-Kurs baue ich seit Wochen an einem knapp 2m² großen Modell der Gesamtschule Eiserfeld. Dieses Projekt wird uns noch einige Monate begleiten – nach dem Rohbau folgen Grundierung, Einsetzen von Fenstern, Verkabelung und Beleuchtung und Steuerung mittels verschiedener Sensoren. Auf dem Foto sieht man Turnhalle & Aula. Mit Genehmigung der Schüler darf ich auch das Video unten publizieren.

Dieses Projekt motiviert sie ganz ungemein. So sehr, dass sie sogar Mittagspausen opfern, um daran weiterzuwerken. Es gibt Spezialisten für die Architektur, solche für Landschaft und Unterbau (“Gips oder Tapetenkleister!”) und welche für die Details (“Da müssen kleine Fensterbänke hin!”).

Continue reading

Ich bin meine eigene Schwiegermutter.

Neulich ist meine Tochter allein in die Gemeinde gelaufen, weil sie unbedingt beim (Senioren-)-Tanzkreis mitmachen wollte. “Keine Sorge, Papa”, erklärte sie mir. “Ich gehe zu Fuß hin und zu Fuß wieder zurück. Du kannst also weiter mit deinem Handy spielen arbeiten.”

“Gut”, erklärte ich mich einverstanden und wies sie dann noch einmal auf die Gefahren der Straße etc. hin. “Sag der Mama, sie soll mir kurz schreiben, wenn du da bist!”

Sie versprach es. Und ging. Natürlich kam kein Anruf. Als ich bei meiner Frau nachfragte, erfuhr ich, dass sie gar nicht dort sei. Und während in meinem Kopf ein entsetzlicher Film ablief, klingelte das Telefon. “Papaaa”, keuchte Carolina, “ich habe ganz vergessen, anzurufen. Nicht dass du denkst, ich bin überfahren! Aber die Mama ist gar nicht da.”

imageJahrelang habe ich meine Schwiegermutter grinsend verulkt, wenn sie um einen Anruf nach langer Autofahrt bat. Oder wenn ich einfach nur nicht ans Telefon gegangen bin und sie sich entsetzliche Schreckensszenarien ausmalte.

Und heute?
Natürlich habe auch ich sofort das Schlimmste befürchtet. Der Film im Kopf rattert einfach durch und ich merke, ich bin wie meine eigene Schwiegermutter geworden. Loslassen ist nicht so einfach.

Sorry, Mama! Smiley

Felix Schaumburg über die Zukunft von Schule

Ich bin sehr daran interessiert, meinen Unterricht transparent zu gestalten und ständig zu verbessern. Zuweilen filme ich Experimente aus dem Physikunterricht, ich nutze die Handys der Schüler im Unterricht, alle meine Lerntheken finden sie hier zum Download und auf meinem Blog biete ich kleine Einblicke in meinen Schulalltag. In Kombination mit Microsofts OneNote lebe ich privat und beruflich komplett papierlos.
Wie diese Entwicklung weitergehen wird – für alle Lehrer – hat Felix Schaumburg in einem sehr besonnenen Interview ausgeführt. Eine ganz dringende Empfehlung. Für. Alle. Besonders aber für angehende Lehrer.

Ich überlege, das Interview mit meinen Schülern zu gucken und darüber zu sprechen. Wie wird sich Schule entwickeln? Wie muss sich Schule verändern? Welchen Stellenwert hat Schule eigentlich noch?

Unbedingt ansehen!

Röntgenbrille im Unterricht

imageWeil meine alte Brille mir unangenehme Kopfschmerzen verursachte, habe ich eine neue Brille bekommen – eine mit gelben Gläsern. Und bis auf Bono von U2 und Michael Fisher von Pocketnow.com gibt es wohl niemanden, der gelbe Gläser cool findet. Vielleicht noch Christian Spannagel, der sich als arbeitsloser Rocker oder langhaariger Bombenleger Professor für Mathematik gerade erst mit dem Thema “Erscheinungsbild eines Lehrers” auseinandergesetzt hat. Zum Leidwesen meiner Frau bereitet mir die Brille viel Freude und insbesondere meinem Kopf geht es deutlich besser.

Auch meine Schüler begegnen den gelben Gläsern mit Argwohn. “Herr Klinge…?”, fragt mich Lucia aus der Klasse 5. “Warum ist Ihre Brille so komisch?” Verschwörerisch blicke ich mich nach rechts und links um, bevor ich ihr und ihren Freundinnen zuraune: “Das ist eine Röntgenbrille! Damit kann ich direkt eure Knochen sehen!”
Continue reading

Ein physikalischer Orgasmus.

Manchmal ist Physik einfach schön. Im neuen Star Trek Film zum Beispiel ist die Einhaltung wahnsinnig vieler physikalischer Gesetze zu beobachten. Großartig! Eigentlich sollte ich mit meinem Physikkurs da rein. Aufgabenstellung: “Notiere, an welchen Stellen werden die Gesetze der Physik gebrochen?” Schöner aber die Sequenzen, in denen alles in Ordnung ist. Eine absolute Augenweide und die zahlreichen Insider sind sowieso großartig (allein die Erwähnung von “Sektion 31”… hach!)

Falls noch jemand reingeht: Kann es sein, dass im ersten Drittel des Films (im Appartement von Kirk?) eine Kleinsche Flasche auf einem Tisch im Vordergrund zu sehen ist? Wäre ein Oberbrüller für Physiker. Sicher bin ich mir aber nicht.

Nachdem ich heute dann über zwei weitere lustige Scherze im Fernsehen gestolpert bin, möchte ich euch unbedingt teilhaben lassen.

Zunächst eine Szene aus Big Bang Theory: Ungefähr so geht es uns Physikern manchmal:

Sheldon erklärt Schrödingers Katze.

 

Außerdem überaus lustig: Nachdem die Kleinsche Flasche schon in Futurama auftrat, hat nun der im Video gerade erwähnte Erwin Schrödingers höchstselbst seinen Auftritt bekommen:

 

Futurama und Schrödinger from hugo balder on Vimeo.

 

Physik. Das muss man einfach lustig finden 😉

Apps für den Unterricht (Folge 11)

  • Physik in der Schule (die eierlegende Wollmilchsau – Android)
    Eine großartige App, deren volles Potential ich noch gar nicht begriffen habe. Während man vor ein paar Jahren noch in den PC-Raum ging, um die Flash-Animation eines hüpfenden Balles zu zeigen (und bezeichnenderweise die Verlage in den Büchern heute CDs mit diesen Animationen zum installieren mitliefern…) hat diese Apps alle diese Animationen vereint. Und zwar.. wirklich alle. Einige kann man nur anschauen, bei anderen lässt sich etwas berechnen, wieder andere sind eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Berechnen der Normalkraft etc.etc.

Continue reading

Fett wie ein Turnschuh

Ich muss mehr Sport machen.
Dezember_93 027Diese Erkenntnis ist nicht neu – aber wie alle guten Ideen brauchte auch diese einige Zeit Jahre, um zu reifen und schlußendlich ausgesprochen zu werden. Gerne würde ich wieder Fußball im Verein spielen – meine vielen Jahre beim SV Hörn als Libero sind mir in guter Erinnerung geblieben; zumindest besser, als mein eines Jahr beim belgischen RUA Plombière, wo ich auf Grund der Sprachprobleme nur mühsam verstand, welche Position ich überhaupt spielen soll…
Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Trotz brasilianischen Bluts in der Familie bin ich einfach zu schlecht.

Für ein Fitnessstudio reicht meine Motivation nicht. Ganz abgesehen davon, dass mir die Zeit für Besuche dort fehlen, sehe ich gar nicht ein, mit Hin- und Rückfahrt und pipapo jedesmal zwei Stunden opfern zu müssen. Vom vielen Geld ganz zu schweigen. Bleiben noch Fitness-Apps oder Sein-lassen.

Anekdoten aus dem Unterricht #15

2013-04-29 11.31.44Während einer ruhigen Arbeitsphase in der 8. Stunde entsteht in einer Ecke meiner 5 plötzlich Getuschel. Carstens Radiergummi ist verschwunden und es entsteht Unruhe. “Wo ist mein Radiergummi?” “Keine Ahnung!” “Einer von euch hat ihn doch!” “Schau mal im Mülleimer, ganz unten!” … “Da ist er nicht.” “Dann ist er da hinten beim Sofa!”

Das geht minutenlang so. Irgendwann habe ich die Faxen dicke. Die ganzen Tipps zum Suchen kommen natürlich von Stefan, dem Klassenclown, der – wie sollte es anders sein – völlig unschuldig ist. Zornig breite ich vor meiner Klasse aus, wie sehr mich dieses Kindergarten-Theater nervt – wer auch immer diesen verdammten Radiergummi wo-auch-immer hingeworfen hat, er soll ihn augenblicklich zurückgeben.

Doch niemand regt sich.

Continue reading

Kindheitstrauma

Klasse 11, Physik.
Ein Schüler kommt niedergeschlagen auf mich zu. “Herr Klinge, Sie haben meine Kindheit zerstört!”

Irritiert hebe ich eine Augenbraue.

“Ich war in Stirb Langsam 5 im Kino… Aber das war nicht mehr dasselbe.” Er seufzt schwer.

Ich grinse innerlich. Großartig. Einfach großartig!

image

Schule im Schaubild.

Elternsprechtag (& Mathematik mit Glasknochen)

Donnerstag war Elternsprechtag. Bis Mittags haben wir regulär Unterricht und nachmittags bis abends dann im 10-Minuten-Takt Gespräche mit den Eltern. Für einige Kollegen bedeutet das, von morgens 8 bis abends 20 Uhr ununterbrochen zu reden, zuzuhören und im Gespräch zu sein.
Je nach Disziplin und Redebedarf werden die Takte mehr schlecht als recht eingehalten, es entstehen Schlangen und die Stimmung sinkt.

Aber genug des Lamentierens! Ich liebe Elternsprechtage! Wirklich wahr! Meine Klasse hat sich arg viel Mühe gemacht, unser Klassenzimmer aufzuräumen (und im Übereifer sogar den OHP völlig zerlegt und geputzt..), meine neue Co war gut gelaunt und so stand

Continue reading

Physik fürs Leben

2013-03-22 12.21.22Zwischen den Jahren rief mich meine Frau auf dem Handy an. Sie wäre irgendwo in der Wallachai über einen Nagel gefahren und stünde jetzt mit einem Platten auf einem Parkplatz. Ich solle mir bitte etwas einfallen lassen.

Von solchen Situationen ist man bin ich im ersten Moment überfordert. Ja, was macht man denn nun? Den ADAC rufen? Die Polizei? Meine Schwiegermutter?
Letzten Endes habe ich einen Sommerreifen eingepackt und mich auf den Weg gemacht. Auf dem Parkplatz den Reifen gewechselt und dann in die Werkstatt gefahren. Eigentlich gar nicht so schwer.

Aber wie alles im Leben, muss man es mal gemacht haben, um darüber Bescheid zu wissen. Also

Continue reading