Was ich an “Schule” ändern würde, wenn…

Im Rahmen einer SPIEGEL ONLINE Kolumne wurde ich neulich gefragt, was ich an Schule ändern würde, wenn ich könnte. Heute, nach einem weiteren, langen Elternsprechtag ist mir völlig klar, dass ich nur eine einzige Antwort darauf geben kann.

Es gibt da diese Comic-Zeichnung, die zweimal die gleiche Szenerie zeigt: Eltern bekommen das Zeugnis ihres Kindes in die Hand gedrückt. Links im Bild, im Jahr 1975, schimpfen sie das Kind an und verlangen eine Erklärung; rechts im Bild – 2010 – fauchen sie den Lehrer an und verlangen eine Erklärung.

Vielleicht mehr als je zuvor gilt heute, dass wir Lehrer keine Chance bei der Erziehung und Bildung der Kinder haben, wenn die Eltern nicht hinter uns stehen. Und immer wieder bin ich dankbar dafür, dass ein ganz großer Teil von ihnen uns ihr Vertrauen ausspricht.
Ja, sie finden auch nicht immer alles toll – aber sie haben volles Vertrauen in uns und wir bräuchten nur einmal anrufen, wenn es Ärger gäbe, sie würden sich darum kümmern.

Egal welche Ausstattung eine Schule hat, welche Probleme im Stadtteil herrschen oder ob die Lehrer modernen oder klassischen Unterricht machen – die Zusammenarbeit mit den Eltern ist die absolute Basis. Wo das nicht funktioniert, steht am Ende oft genug eine Katastrophe.

Was ich ändern würde?
Ich wünschte, die Eltern in Deutschland hätten grundsätzlich wieder mehr Vertrauen in unsere Arbeit.

#9: Adam & Eva

Adam und Eva

In einem Physikkurs spreche ich immer wieder über die Entstehung unseres Sonnensystems. Ich erzähle davon, dass die Sonne vor allem aus (den leichten und kleinen Atomen) Wasserstoff und Helium bestünde und dass alle schweren und großen Elemente um uns herum (wie Sauerstoff und Kohlenstoff und die Tafel vorne und die Kreide und meine Ohrläppchen und überhaupt alles) aus dem Inneren einer explodierten, alten Sonne entstammten. Eine Supernova sei so etwas wie ein Backofen für Elemente. Dort verbacken die leichten Elemente zu schweren.

Am Schluss solcher Stunden kommen zuweilen Schüler nach vorne, bedanken sich für die nette Geschichte und versichern mir, dass sie das nicht glauben würden. Es sei hübsch konstruiert und nett erzählt – aber doch ziemlich weit hergeholt.

Hm.

Aktuelle Umfragen aus den USA belegen, dass knapp die Hälfte der Bevölkerung davon ausgeht, dass die Erde nur wenige tausend Jahre alt ist. In Deutschland bezweifelt etwa ein Drittel die Evolutionstheorie.

Hmm.

Die Vorstellung, jemand nähme die Adam & Eva-Erzählung als Tatsachenbericht, schien mir lange Jahre völlig absurd. Bis jene Schüler vor mir standen und mir höflich mitteilten, dass ihr Physiklehrer gerade ihren Glauben mit Füßen trat.

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Menschenraub & Wirtschaftskriminalität

Also manche Dinge sind einerseits so skurril, dass ich ehrlich nicht weiß, ob ich sie euch erzählen kann – andererseits aber sooo skurril, dass ich sie unbedingt erzählen muss. (Noch merkwürdiger als der FKK-Erlass? Ja!)

Neben Familie, Unterrichtsvorbereitung, Umzug, kleinem Hund und dem Alltag werden wir nämlich verklagt. Also vielmehr: Meine Frau wird verklagt.

Wegen Menschenraubs. Und Wirtschaftskriminalität.
Ich bin tatsächlich mit einer potentiellen Schwerstkriminellen verheiratet.

(Also, wer jetzt nicht auf “weiter lesen” klickt… Zwinkerndes Smiley)

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Neandertaler im Unterricht

2013-12-04 12.48.03Gerade steht der Aufklärungsunterricht an. Sex und so.
Die Kinder mögen es, dem ein oder anderen “hängen die Penisse zum Hals raus”. Zu Beginn der Einheit habe ich die Klasse in heterogenen Gruppen sinnvolle Regeln erstellen lassen. “Wir lachen miteinander und nicht übereinander.” “Was in der Klasse besprochen wird, bleibt in der Klasse.” “Keine blöden Kommentare.” Anschließend habe ich die Schüler nach Geschlechtern getrennt und ihnen aufgetragen, auf große Plakate einen Jungen und ein Mädchen zu skizzieren und die – aus ihrer Sicht – wichtigsten Regeln in die Figuren reinzuschreiben.

Ein Chaos brach aus.

Zumindest bei einem Geschlecht.

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