Die “Siegener Zeitung” war da.

2013-03-12 08.43.16Heute war eine Redakteurin der Siegener Zeitung in meiner Inklusions-Klasse. Die Redakteurin stellte sich zunächst den vielen Fragen der Kinder und beantwortete sie geduldig. Bei “Wie viel Papier verbrauchen Sie pro Tag?” fiel mir spontan eine Fermi-Aufgabe dazu ein, die Frage “Lügt Ihre Zeitung auch manchmal?” wurde geschickt mit einer Anekdote umschifft und bis schließlich die Kinder interviewt wurden war schon die halbe Stunde vergangen.

Ob es etwas besonderes an dieser Klasse gäbe. Wie die Kinder das empfunden hätten, in einer Inklusionsklasse zu sein. Was der Schule noch fehle, um der Inklusion noch mehr gerecht zu werden. Auch ich wurde ein bisschen ausgefragt und musste mich zurückhalten, um nicht Quatsch zu erzählen. “Ja, seit das Wetter besser sei, würde ich die Schüler auch weniger schlagen.”

Der tatsächliche Hintergrund ist jedoch ein ernster. Von der Stadt aus haben meine Zwillinge nur die Erlaubnis, die Klassen 5 & 6 an unserer Schule zu besuchen. Wie es danach weitergeht… keine Ahnung. Ohne Aufzug kommen sie nicht in die Fachräume und oberen Etagen der Schule und die Stadt ist von den notwendigen Investitionen wenig begeistert. Die beiden nach zwei Jahren an eine andere Schule zu schicken, ist aber sicher auch nicht so elegant.

Der Husten des Ammon

Husten. Ab zur Apotheke meines Vertrauens. Wie immer ärgern freuen sich die netten Angestellten über ein aufgedrängtes, intensives Gespräch über die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneien und über den Sinn und Zweck von Vitaminpräparaten. Als die wahre Absicht meines Besuchs zum Vorschein kommt, mein Husten, beginnt ein erneutes Gespräch über das Mittel der Wahl. Mucosolvan®, Prospan®, Silomat®, Tonsipret®… Ich entscheide mich für eine Packung Salmiakpastillen für 0,70 € und verlasse die verärgerten glücklichen Apotheker. Doch warum Salmiakpastillen? Continue reading

Gespräch mit einem “Opfer” digitalen Unterrichts.

Vor einigen Wochen veröffentlichte ich an dieser Stelle ein Gespräch mit Felix Kayser, einem Befürworter digitaler Klassenzimmer. Auch wenn ich mit ihm in vielen Dingen nicht übereinstimme (und eher ein Gegner von technischem Schnick-Schnack im Unterricht bin), war es für mich durchaus spannend, mir seine Sicht der Dinge anzuhören.
Ende letzter Woche nun hatte ich die Gelegenheit, mich mit einem ehemaligen Schüler einer sog. "Laptopklasse" zu unterhalten. Dies war für mich vor allem deshalb spannend, weil jener Schüler aus seiner Erfahrung heraus einen besonderen Einblick in solche Projektklassen hat. Wiederum habe ich die Erlaubnis, das Gespräch hier zu veröffentlichen.

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Praktikanten

Mich begleiten gerade eine Handvoll Praktikanten durch den Tag. Sie interessieren sich besonders für meine Integrationsklasse und nehmen meinen offenen Lerntheken-Unterricht dankbar an, weil sie dann herumlaufen und selbst aktiv werden können.
Amüsant ist die Tatsache, dass ich einer Praktikantin zum zweiten Mal begegne: Zu Beginn meines Referendariats begleitete sie mich an meiner alten Schule und ich lies sie eine Stunde halten. Ich halte nichts davon, Unterricht nur zu beobachten. Man kann nur Lehrer werden, wenn man auch mal vor einer Klasse steht. Jene Praktikantin sagte mir nun, dass ihr das damals sehr gut getan hätte und ich ruhig wieder den ein oder anderen mal machen lassen solle.

Nachdem ich mit meiner 5 die Arbeit geschrieben hatte, bot sich die Einführungsstunde direkt an. “Liebe 5a”, erläuterte ich ihnen den Lehrerwechsel in der nächsten Stunde. “So und so wird es laufen, und ich werde dann nur hinten sitzen und zugucken.”

Irritiert meldet sich Florian aus der ersten Reihe. “Herr Klinge, das tun Sie doch sowieso immer..?!”

Ouzo auf dem Weisshorn

Der irische Physiker und Bergpionier John Tyndall unternahm im August 1861 eine wagemutige Reise. Nachdem er einige male davon gesprochen hatte das Weisshorn in den Walliser Alpen mit seinen 4505 m zu besteiegen, war es nun endlich soweit. Mit den beiden Bergführern Johann Benet und Ulrich Wenger von Randa machte er sich auf den Weg. Auf halber Strecke hielt Benet es für eine gute Idee eine kleine Pause einzulegen um einen Ouzo zu trinken. Natürlich war allen bewusst, dass der Alkohol die körperlichen Strapazen nicht leichter machen würde. Also schlug Tyndall vor, den Ouzo mit ein wenig Wasser zu verdünnen. Im Moment des Zusammentreffens von Ouzo und Wasser passierte etwas Unerwartetes. Der Ouzo trübte sich weiß. Tyndall war fasziniert von dem was er sah und nahm sich vor, nach der Besteigung dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Am 19. August 1861 schrieben die drei Geschichte und bestiegen das Weisshorn als erste.

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Jahresprojekte (2)

Ich erwähnte zu Beginn des Jahres, dass einige aufregende Projekte anstünden. Nun, nach einigen Wochen, möchte ich Rechenschaft ablegen berichten, wie es so läuft.

NW-Workbook

Zusammen mit einer großartigen Kollegin arbeite ich seit Dezember an einem Workbook für das Fach NW, welches bei uns in der Klasse 5 und 6 unterrichtet wird. Die Arbeit daran kommt sehr gut voran – ich freue mich schon sehr auf die Einheit. Nebenher erstelle ich ein zweites Heft für mein aktuelles Thema (“Die Sonne”).

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Das ganze muss aus Kostengründen so “grau” aussehen, weil jeder Schüler ein komplettes Heft erhält.

 

Physik 12.1

Nicht viel weiter bin ich mit meinen Planungen für das nächste Physikjahr.
Ich hatte erwogen, eine Lerntheke zu machen, die sich spielerisch in immer höheren Niveaus mit der E-Lehre auseinandersetzt. Eine Idee sind Karten, in denen die Schüler in die Rolle von Polizisten schlüpfen und Schaltpläne analysieren und z.B. Bomben entschärfen (“Die Spannung soll um 4 Volt abfallen – musst du dafür den blauen oder den roten Draht durchschneiden?”). Herausfordernd dabei der Gedanke, auch Gegenkarten zu entwerfen und als Terroristen Schurken jeweils immer komplexere Bomben Baupläne erstellen zu müssen.

Aber sicher gibt es dann Leute, die sich darüber echauffieren, ich würde sozusagen CounterStrike im Unterricht spielen.

Ich sprach mit den Schülern über die Problematik. Ihnen ist der Ärger völlig egal – sie hätten sehr viel Lust, Räuber und Gendarm zu spielen. Der spielerische Zugang dazu motiviert sie sehr. Meine Kollegen zeigten sich eher skeptisch. Auch sie sehen den positiven, motivierenden Ansatz, befürchten aber eine das nahe Ende meiner Lehrerkarriere. Zumindest haben sie schon angefangen, meinen Platz im Lehrerzimmer neu zu vergeben.

Wenn jemand einen alternativen Vorschlag hat oder eine Meinung dazu abgibt, wäre ich dankbar :-).

 

Modellbau

Außerdem baue ich ja gerade mit meinem 6er AT-Kurs an einem riesigen Modell unserer Schule. Das ist durchaus herausfordernd, weil unsere Schule aus vielen, unterschiedlichen Gebäuden besteht und außerdem an einem Hang steht, so dass die Vermessung sich als äußerst schwierig erwiesen hat. Aber es geht voran. Am Ende wird das Modell gute 2,40 Meter lang, also ordentlich.

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Licht, Nahrung und Lichtnahrung

Mal bewusst durch den Supermarkt gegangen? Die Musik wirkt entspannend, der Duft betörend, die teureren besseren Produkte stehen im Regal auf Augenhöhe (außer für Jan), die Angebotsschilder verführen zum Kauf von zehn Packungen Nudeln anstatt einer und die meisten Kinder verfallen in einen teils wahnsinnigen, durch bunte Bilder induzierten Zustand, der stetig mit intensivem Tränenfluss einhergeht. Trivialen Marketingtricks, wie diese sind vielen Menschen geläufig und man versucht, meist sehr ineffektiv dagegen anzukämpfen auf sie hereinzufallen. Doch der unsichtbarste aller Tricks ist gleichzeitig der sichtbarste. Das Licht. Continue reading