#13: Bewusstsein und Gewalttaten

Also: Lasst uns über Lot, Sodom, Jericho und jede andere gewalttätige Passage aus dem Alten Testament sprechen. Und aus dem Neuen Testament auch, wo wir schon dabei sind. Dabei wollen wir die (berühmt-berüchtigten) Anweisungen zum Steinigen ebenso wenig auslassen, wie diese merkwürdigen Verse aus dem Buch Numeri, wo geschrieben ist, dass eine Frau den Staub trinken soll, um zu erfahren, ob sie schwanger ist oder Abraham, der seinen Sohn als Opfer darbietet (weil man das eben so tat) und weil wir gerade dabei sind, setzen wir uns auch mit der Frage eines Lesers auseinander:

Befahl Gott den Israeliten wirklich jeden umzubringen, inklusive der Frauen und Kinder in diesen AT Geschichten? Haben die Propheten vielleicht etwas missverstanden? Haben sie eventuell einige ihrer eigenen Hoffnungen auf Gott projiziert? Oder haben die Mächtigen Gott einfach als Rechtfertigung gebraucht? Oder ist Gott letztlich vielleicht ein Psychopath, der später einen “Kommt zu Jesus”-Moment hatte?

Naja, dann passt auch noch:

Warum befielt Gott den Menschen alle Frauen und Kinder umzubringen? Warum sind diese Geschichten von irgendeiner Bedeutung?

Gute Fragen.

Viele Antworten.

Zunächst einmal: Wenn wir diese Geschichten in der Bibel lesen, dann sind das (vor allem anderen) Geschichten, die von Menschen erzählt wurden (es ist offensichtlich, aber ich werde es während der ganzen Serie immer wieder wiederholen).

Und Menschen waren (und sind) in verschiedenen Phasen eines Selbst-Bewusstseins (‘Selbst-Bewusstsein’ oder ‘Ich-Bewusstsein’ nicht im Sinne von “mutig”, sondern seiner selbst bewusst seiend; man könnte sich das vielleicht als eine Art Linse oder Filter vorstellen; die Art, wie man sich selbst und die Welt sieht).

Die Geschichten und Erzählungen der Bibel stammen zumeist aus einer Zeit, in der die Menschen in Sippen und Familien zusammenlebten – entsprechend war ihr Ich-Bewusstsein (Sippen existierten zum Selbstschutz; wenn man in einen Kampf mit einer anderen Sippe zog, dann war das unser Gott vs. deren Gott; wenn man gewann, dann tötete man alle um eine Rache zu verhindern – aber das hatten wir ja schon).

So sahen die Menschen die Welt.

So funktionierten die Dinge.

So verstanden sie ihr eigenes Leben.

Zweitens: Wie Menschen Ereignisse und Erfahrungen interpretieren, hängt (auch heute noch) stark von dem Ichbewusstsein ab, indem man sich befindet. (“Natürlich passiert mir das wieder – das Schicksal hat sich einfach gegen mich verschworen” oder dergleichen)

Wenn man diese Geschichten liest, dann erfährt man beim Lesen einen genauen Ausdruck davon, wie die Menschen seinerzeit die Welt und ihre Ereignisse verstanden.

Ist es überraschend, dass jemand, der in einer solchen Welt einen Kampf gewinnt, anschließend Gott dafür rühmt? So etwas tat man seinerzeit (und tut es noch heute).

Ist es wirklich überraschend, dass, nachdem man einen Krieg gewonnen hatte, anschließend jedes einzelne Mitglied der feindlichen Sippe umgebracht wurde, inklusive der Frauen und Kinder und hinterher sagte, Gott habe einem dies befohlen? So etwas taten die Menschen zu jener Zeit.

Wen verwundert es, wenn Lot sagt: “Vergewaltige nicht sie – nimm meine Töchter!” So etwas taten Menschen in solchen Situationen.

Drittens: Wir empfinden diese Geschichten als gewalttätig, abstoßend, primitiv und barbarisch…

…weil sie es sind.

Wenn man so etwas beim Lesen nicht schockierend und furchtbar und verwirrend findet, dann stimmt etwas nicht. Und Menschen, die diese Geschichten lesen und sagen ‘Nunja, so ist Gott eben’ haben eine sehr, sehr gefährliche Vorstellung von Gott.

Viertens: Nicht alle Geschichten der Bibel (wir konzentrieren uns hier auf die Torah) sind so.

Ist es primitiv und barbarisch, sich um die Witwen und Waisen zu kümmern (so wie es in Deuteronomium geschrieben steht)?

Ist es grausam und gewalttätig eine Ecke seines Feldes nicht abzuernten, damit die Armen etwas essen können (Levitikus)?

Ist es primitiv zu hören, dass Menschen aus der Sklaverei befreit werden sollen (Exodus)?

Nein, natürlich nicht.

Diese Ideen waren neu,
und sind in der Bibel zu finden.

Und wo wir gerade da sind: In Ezekiel 16 zitiert der Prophet Gott mit den Worten “Doch ich werde das Schicksal Sodoms zum Guten wenden…” Offensichtlich war das letzte Wort über Sodom nicht gesprochen.
(Mehr dazu später.)

Fünftens (und jetzt wird es spannend): In der Bibel finden wir vor allem Geschichten, die das vorherrschende Bewusstsein und Selbstverständnis der Menschen reflektiert und gleichzeitig (und manchmal mitten drin) finden wir radikal neue Ideen über Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Mitgefühl und Liebe.

Neue Ideen sitzen Seite an Seite mit alten Ideen. Heimtückische Gewalt ist direkt neben einem neuen Verständnis von Frieden und Gerechtigkeit zu finden. Ein wachsendes Ichbewusstsein entspringt aus dem alten Selbstverständnis. Kleine Ideen sprießen wie Samen hin zu einer neuen Vision, einer neuen Bewusstwerdung und neuen Möglichkeiten; Samen, die zu wachsen beginnen wie die Abraham Geschichte von einer Sippe, die alle anderen Sippen segnen soll…

Sechstens (und langsam kommen wir ins Rollen, nicht wahr?) und das ist die Wahrheit hinter der Wahrheit: Ein Selbstverständnis ändert sich nicht über Nacht.

Veränderungen brauchen eine Weile.

So war das schon immer.

Und so ist es immer noch. Auch mit uns.

Wetten?

Hatten wir je die Idee, uns gesünder zu ernähren?

Und wurden wir am nächsten Tag ein überzeugter Veganer?

Hatten wir je die Idee, mehr Sport zu treiben?

Und haben am nächsten Tag für einen Triathlon trainiert?

Hatten wir je die Überzeugung, wir sollten uns mehr für die Umwelt einsetzen?

Und haben wir dann unseren Kohlendioxidausstoß auf Null reduziert?

Wahrscheinlich nicht.

Wir haben eine großartige Idee. Eine Vision. Einen Blick von einem erweiterten, aufgeklärten, tieferen Selbstbild. Etwas, dass eine Zeit reifen muss.

Schritt. Für Schritt. Für Schritt.

Eine neue Veränderung. Gefolgt von einer weiteren. Gefolgt von einer weiteren.

Weil Veränderung seine Zeit braucht.

Und das führt mich zum siebten Punkt, dem Crescendo, dem Höhepunkt, dem Moment, an dem der Schlagzeuger immer schneller und lauter wird und dann plötzlich aussetzt:

Warum stellen wir Fragen über die Gewalt in der Bibel? Warum sind wir so irritiert? So abgestoßen?

Warum hält das viele Menschen davon ab, die Bibel zu lesen?

Weil es primitiv und barbarisch ist?

Ja.

Aber was in uns befähigt uns zu diesem Urteil?

Was in uns ist über die Gewalt so entsetzt? Woher kommt die Idee, dass da etwas falsch läuft?

Wir haben den Gedanken, dass es eine bessere, zivilisiertere Art gibt als das, weil unser Bewusstsein ein anderes ist. Ob es Liebe oder Frieden oder Gerechtigkeit oder Leidenschaft ist – da ist ein Filter, eine Linse, etwas in uns, dass uns sagt, dass das Töten von Menschen falsch ist und dass jedweder Gott, der solche Dinge befiehlt unter allen Umständen getilgt werden muss.

Wie kam es dazu?

Wie in aller Welt hat die Welt uns geschaffen?

Die Menschheit ist älter geworden, erwachsener, vernünftiger und in ihrem Bewusstsein gewachsen, seit diese alten Geschichten erzählt wurden.

(In bestimmten Formen. Dazu kommen wir später noch.)

Letztlich sind wir abgestoßen und angewidert, weil unser Ichbewusstsein auf einer anderen Stufe ist, als das der Menschen jener Zeit.

Wir sehen die Welt nicht mehr so.

Genozid ist falsch.

Vergewaltigung ist falsch.

Frauen und Kinder zu töten ist falsch.

Was mich zu einer weiteren Frage führt: Wie erklären wir, weshalb wir so kritisch auf diese Geschichten zurückblicken?

Was ist in uns geschehen, dass wir sie heute so anders lesen?

Entwickelt sich etwas in uns Menschen? Etwas, dass uns vorwärtstreibt?

Könnte dieses etwas ein jemand sein?

Unsere Fähigkeit, uns von diesen Geschichten abzuwenden ist ein Indiz dafür, dass unser Selbstbild sich verändert hat, gewachsen ist.

Das ist der Kern der Sache: Die Tatsache, dass etwas in uns von diesen Geschichten wirklich entsetzt ist, zeigt letztlich, dass wir uns weiterentwickeln. Das wir in der Lage sind, vorwärtszudenken und größer zu werden, unser Bewusstsein wachsen zu lassen.

Die zu Grunde liegende Abscheu vor den Geschichten des Alten Testaments kommen aus dem Glauben, dass wir aufgeklärter sind, als früher.

Und sind wir am Ziel angekommen?

Sind wir als Kultur, als Gesellschaft, als Menschheit schon am Ende angekommen?

Haben wir den Clou raus?

Gibt es Frieden auf Erden?

Nein.

Liegt noch ein weiter Weg vor uns?

Natürlich.

Aber allein die Tatsache, dass uns diese alten Geschichten verstören zeigt doch, dass die Menschheit sich weiterentwickelt. Vorwärtskommt. Wächst. Etwas arbeitet in uns.

Denn niemand hat es bisher geschafft.

Keine Stadt, kein Land, keine Familie, keine Institution, keine Firma. Wir alle brauchen Hilfe. Und wir alle haben noch einen langen Weg vor uns.

Wenn wir die Bibel als festgeschriebenen Bericht über Gottes Anweisungen lesen, Menschen umzubringen, dann wird sie nie Sinn ergeben.

Aber wenn wir sie als anbahnende Geschichte lesen, als Zeugnis eines wachsenden Bewusstseins darüber, wer Gott ist und wer wir sind und was es heißt, nach Gerechtigkeit und Liebe und Barmherzigkeit zu dürsten, dann werden wir erkennen, dass da etwas am Werk ist. Unter der Oberfläche. Etwas, dass Samen säht und uns langsam, aber unaufhörlich vorwärtstreibt und uns inspiriert und beruft und zieht und zerrt und verwandelt…

Wenn wir die Bibel als Bericht darüber lesen, wie die Menschheit erwacht, sich entwickelt und sich selbst bewusster wird, reifer wird (was Paulus Gebet im Brief an die Epheser entspricht), dann finden wir vielleicht die ein oder andere Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.

Inklusion und Inklusionskinder

“Darf Henri aufs Gymnasium?” titelt der SPIEGEL an dieser Stelle.
Die Eltern eines Jungen mit Down-Syndrom möchten ihren Jungen am Gymnasium anmelden, damit er in seinem gewohnten, sozialen Umfeld (=Freundeskreis) bleibt. Sie wissen, dass Henri nicht zielgleich unterrichtet werden kann, aber er “könnte die Klasse bereichern”. Eine Petition wurde von 20.000 Menschen unterzeichnet.
Das Gymnasium sperrt sich dagegen. Lehrer (und andere Eltern) fürchten, dass ein geistig behindertes Kind den Unterricht aufhält und in dem “intellektuellen Hochleistungsbetrieb” untergeht. Die betreffende Schule hat bisher eine Menge körperbehinderter Kinder zum Abitur gebracht, diese wurden allerdings allesamt zielgleich unterrichtet.

Zum Glück darf ich in einem meinem Blog schreiben, was ich will und muss mich vor niemandem rechtfertigen.

Punkt 1: Ich bin für die Inklusion.
Das Aussondern von behinderten Kindern, von Ausländerkindern, von Kindern mit emotionalem Förderbedarf oder sonstigen “Abweichungen” kann ich mit meinem (christlichen) Menschenbild nicht vereinbaren. Aber…

Punkt 2: Die Umsetzung der Inklusion ist deutlich schwieriger, als man sich das auf dem Papier so vorstellt und nicht jedes Kind ist an einer “normalen1” Schule am richtigen Ort.

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Datenverbrauch von SkyGo

Rechtzeitig zu unserem Umzug gibt es SkyGo kostenlos für alle Kunden dazu. Großartig für mich, denn in unserem neuen Heim gibt es (noch) keine Satellitenschüssel und dadurch kann ich die Bundesliga nur am Radio verfolgen. Spannend ist für mich vor allem die Frage gewesen, wie viel Traffic das Schauen eines (!) BVB-Spiels kostet. Die Antwort: 3,4 Gigabyte für die Samstagabend-Partie zwischen dem BVB und dem Plastikverein aus Leverkusen.

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Das ist abgefahren viel – sieht aber auch prima aus. Zwinkerndes Smiley

#12: Familie, Stammbäume und Gewalt

Der HERR sprach zu Abraham: Geh…
Da zog Abraham…

Genesis 12

Im antiken Nahen Osten definierte die Sippe, die Familie, die Blutsverwandtschaft die eigene Identität. Die Abstammung bedeutete alles. Und jeder gehörte zu einem solchen Stamm.

Wie jeder andere auch, war man verpflichtet, für das Wohl der Sippe zu arbeiten. Der Besitz wurde geteilt, es wurde gemeinsam gefochten und gemeinsam Allianzen geschlossen – alles um die Familie zu erhalten. Und tat man etwas Schlechtes, Beschämendes, dann hatte das direkte Auswirkungen auf den ganzen Stamm.

Was hat das mit Genesis 12 zu tun? Folgen wir der Geschichte, so lesen wir, dass Gott Abram zum Vater einer neuen Sippe ernannte (Abram nannte sich später um in Abraham und Vater Abraham hat viele Kinder und viele Kinder hat Vater Abraham. Ich bin eins davon und eins bist du…) (Verzeihung, ich konnte nicht widerstehen) (Für alle, die jetzt den Kopf schütteln – dies ist eine Zeile aus einem Lied, das man immer und immer wieder wiederholt und dabei immer schneller und schneller singt, bis man nicht mehr kann).

Und dann fügt Gott noch ein Versprechen hinzu:

…ich will dich segnen […] und du sollst ein Segen sein.

Sippen (in der hebräischen Schrift auch als Nationen bezeichnet) sorgten sich in jener Zeit ausschließlich um ihr eigenes Wohlergehen.
Die Sippe, die Abraham anführen sollte, wäre anders: Sie sollte existieren, um alle anderen zu segnen.

Das war seinerzeit eine ganz neue Idee.

Und als die Familie Abrahams mehr und mehr anwuchs und die Kinder älter wurden, teilten sie das Gefühl einer Berufung, diesen Anspruch, anders zu sein als die anderen und eine einzigartige Rolle im Geschehen der Welt zu spielen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Genesisgeschichte (also nur ein Kapitel bevor wir Abraham kennenlernen) die Menschheit sich mit dem Turmbau zu Babel selbst zu Göttern krönen wollte. Wenn also die gesamte Menschheit die Orientierung verloren hat, wie kann man das wieder hinbiegen? Man beginnt mit einer neuen Sippe, einem Stamm der gemeinsam mit Gott und nicht gegen ihn agiert.

Nun – ein paar mehr Details über Sippen.

Stämme hatten ihre eigenen Götter und Göttinnen, Kräfte denen sie folgten und die sie anbeteten und von denen sie annahmen, sie würden sie beschützen und leiten. Wenn man also in den Kampf gegen eine andere Sippe zog – normalerweise um Land oder Ressourcen oder Reichtum – dann kämpfte gleichsam der eine Gott gegen den anderen Gott (das ist übrigens auch der Subtext zu der David gegen Goliath Geschichte). Und wenn man gewann, dann brachte man alle um und nahm alles an sich. Oder man brachte nur die Männer um und nahm die Frauen mit sich. Und die Esel. Oder was immer man wollte. Die Beute. Dies waren die Spielregeln zu jener Zeit (und viel hat sich daran nicht geändert…) und so hielten es die Sippen seit vielen Generationen.

Brutal? Ja.

Gewalttätig? Ja.

Primitiv? Ja.

Barbarisch? Ja.

In der Sippe ging es nicht nur um die Blutsverwandtschaft und die eigenen Götter – es ging um Sicherheit. Die Welt war extrem gefährlich und ohne den Schutz des Stammes fand man sich leicht in Gefangenschaft oder schlimmerem wieder. Es ging nicht darum, ob man eher CDU oder lieber SPD wählt, es ging ums Überleben. Wenn wir im Alten Testament also Geschichten darüber lesen, dass sich so und so viele Männer versammelten und eine bestimmte Anzahl an Schwertern, Pferden oder Kamelen mit sich führten, dass sie ein Bündnis mit König Dingsbums oder Herrscher Soundso eingingen, dann war das kein Hobby. Es ging um Leben und Tod. Töten oder getötet werden. Und egal wie viele Kämpfe man gewonnen hatte – man war stets nur einen weiteren Kampf davon entfernt, umgebracht oder versklavt zu werden. Einen Kampf, der die gesamte eigene Sippe auslöschte und alles vernichtete, was einen ausmachte. (Dies ist auch der Grund, warum Gastfreundlichkeit so wichtig war – der kleinste Versprecher, der geringste Rempler konnte wer-weiß-was für einen gewalttätigen Stammeskonflikt auslösen. (Das ist übrigens der Subtext von der Sodom und Gomorra-Geschichte.))

Wenn wir uns ausmalen, die Sippe im nächsten Dorf hätte eine gewaltige Technologie erfunden – etwa Eisen oder Bronze – dann wüchse in uns die Gewissheit, dass wir beim nächsten Konflikt hoffnungslos unterlegen wären. Unser Leben steht auf dem Spiel (dies ist die Spannung zwischen den Philistern und den Söhnen Israels während der David und Goliath Geschichte).

In einer solchen Welt lesen wir die Geschichte von einem Mann, der als Vater einer neuen Nation, einer neuen Sippe bezeichnet wird. Einer Sippe, die nicht um sich selbst willen existiere, sondern für einen höheren Zweck: Nämlich, um die anderen zu segnen.

Es geht um die Geschichte Abrahams, also Israels.

Kann man jetzt erkennen, wie radikal dieser Ansatz war?

Es ist offensichtlich, dass eine solche Idee Zeit braucht, um angenommen zu werden (und man versteht, wieso Jesus das Volk immer wieder an seine ursprüngliche Berufung erinnert).

Können wir uns vorstellen, dass – egal was man uns darüber erzählte, wer wir sind und was unser Auftrag sei – wir würden die Welt durch eine bestimmte Brille betrachten.

Können wir uns vorstellen, wie einfach es war, in den Kampf zu ziehen, alle Feinde zu töten und hinterher den eigenen Gott zu ehren und Geschichten darüber zu erzählen, wie Gott erst den Auftrag gab, loszuziehen?

Wir sind immer noch ganz am Anfang.

Nächstes Mal: Bewusstsein und Gewalt.

Hundeerziehung ist wie…

2014-03-02 12.35.09

Zwischen Umzug und Umbau darf auch unser kleiner Hund nicht zu kurz kommen. Ich bin einigermaßen stolz auf die Erziehung, kann sie doch inzwischen neben den ganzen Basics auch so Kunststückchen wie “auf Kommando” pinkeln (das war wichtig, weil sie abends manchmal gar keine Lust hat, auf die Wiese zu laufen. Wenn sie mich nicht nachts wecken soll, muss sie also nochmal alles rauslassen, was die Blase hergibt – “mach Pippi” funktioniert wunderbar!).
Der laute Umbau im Haus hat zur wunderbaren Konsequenz, dass Bailey keine Angst vor lärmenden Maschinen hat, Rolltreppe fährt und sich überhaupt so problemlos einfügt, dass sie sich neben eine frisch gestrichene Wand schlafen gelegt hat und nun aussieht wie der gesprenkelte Nachthimmel (oder als würde sie verschimmeln). Auch schön: Neulich waren wir auf einem Geburtstag, bei dem fünf Kleinkinder ganz begeistert über den Hund hergefallen sind, die jede Streicheleinheit entspannt über sich ergehen lies.

Als Herausforderung erlebe ich die zahlreichen Informationen über Hundeerziehung, die von allen Seiten auf mich hereinprasseln: Bücher, andere Hundebesitzer, Internet.
Eine Faustformel besagt z.B., man solle maximal (Lebensmonat x 5 Minuten) mit einem Hund spazieren gehen. Das wären bei Bailey anfangs 15 Minuten gewesen. Mir ist auch klar, dass ein Welpe keine zwanzig Kilometer-Gewaltmärsche laufen soll – aber 15 Minuten? Ich stelle mir vor, wie die Wolfsmutter alle 15 Minuten dem ganzen Welpenrudel verkündet, niemand dürfe auch nur einen weiteren Schritt machen, wenn man nicht “wie Onkel Frank am Krückstock enden wolle” und dabei mit der Pfote auf einen alten, gebrechlichen Opa-Wolf in der Höhlenecke zeigt. Wir haben mit dem Hund von Anfang einstündige Spaziergänge gemacht – und es war eher der Hund, der “nochmal, nochmal!schrie bellte, als wir.
Nach wie vor erzählen mir andere Hundebesitzer, wie außergewöhnlich anstrengend ein Australian Shepherd doch sei und dass man ihn ja ständig auslasten müsse. Ich bin immer noch der Meinung, dass sich ein Hund ganz gut dem Leben um ihn herum anpassen kann und tendiere inzwischen dazu, die Frage nach der Rasse mit “das ist ein romulanischer Schlafhund” zu beantworten – die seien ganz ruhig und entspannt und überhaupt völlig anspruchslos.
Die vielen Diskussionen in Internetforen über die Qualität von Trockenfutter und ob man dem Hund nicht dieses oder jenes geben müsse, kann ich kaum ertragen (und lese sie deshalb auch nicht mehr). Meine früheren Hunde (Australian Shepherds) sind mit billigem Trockenfutter alt und glücklich geworden. Die sind auch nicht jedes Quartal zum Tierarzt gegangen (wie ich es schon gelesen habe), sondern in ihrem Leben vielleicht zweimal – als sie krank waren. Manchmal habe ich den Eindruck, wir vermenschlichen unsere Haustiere zu sehr (eine amüsante Statistik: 2010 gaben die Deutschen für Hundefutter  834 Mio. € aus – für Babynahrung 556 Mio. €.).

Ein einziges gutes Buch habe ich gefunden, in dem ich zwar nicht viel Neues erfahren, aber doch oft zustimmend genickt habe: “Jeder Hund kann gehorchen lernen” von Dirk Lenzen.
Ironischerweise klingt es wie “Jedes Kind kann schlafen lernen” oder “Jedes Kind kann regeln lernen” und ja: Kindererziehung ist wie Hundeerziehung: Viel Knuddeln, viel liebhaben – aber klare Grenzen und Konsequenzen. Das würde ich natürlich nie so formulieren.