Methoden-Mindmap

Diesen Freitag beende ich ein großes Projekt: Mit meinem Technikkurs habe ich – nach intensiver Beschäftigung mit der Elektronik – unterschiedliche Radios gebaut. Die Schüler hatten einen Bausatz als Vorlage und haben diesen völlig individuell modifiziert und erweitert.

Jetzt sitze ich an den Planungen für die nächsten Wochen und Monate. Zusätzlich zu sehr aufregenden Inhalten, die das Fach Technik bietet, gibt es hier eine Vielzahl von Methoden zu beachten, die alle ihre Vor- und Nachteile haben.
Ein Einblick in den “Werkzeugkoffer” eines Lehrers [klick zum Vergrößern]:

Arbeitsweisen & Methoden

Die Liste ist selbstredend nicht vollständig, bietet aber einen ganz guten Überblick. Die Unterscheidung in Sachkompetenz (es geht primär um das technische Objekt), Methodenkompetenz (der Arbeitsprozess steht im Vordergrund), Personalkompetenz (es geht primär um ein einzelnes Individuum) und Sozialkompetenz (im Vordergrund steht eine Gruppe von Individuen) ist dem Baden-Württembergischen Bildungsplan entlehnt.

Das nächste Unterrichtsthema nimmt so langsam Gestalt an und nun kann ein bisschen damit spielen, welche Schwerpunkte ich methodisch legen möchte.

Zauberkunststücke

Ich bin ein ganz veritabler Zauberer. Zumindest aus Sicht meiner einjährigen Tochter. Mit meinen magischen Kräften kann ich Dinge verschwinden lassen und aus ihren Ohren wieder hervorzaubern. Oder Dinge verschwinden lassen und aus ihrer Nase hervorzaubern. Oder Dinge verschwinden lassen und in den Ohren des Hundes wiederfinden. Oder anderen verblüffenden Orten.

Naja – ich verlange ja kein Geld für meine Vorstellung.

Amy hat das Prinzip inzwischen begriffen und beginnt nun selbst zu zaubern. Reverse-Engineering nennt man das vielleicht: Sie steckt sich Dinge in die Ohren und hofft, sie an anderen Orten wiederzufinden. Schnuller. Plastikfigürchen. Kekse. Auch dem Hund werden manchmal Dinge in die Ohren gestopft.

Wahres Glück ist, meine Tochter mit einem Schnuller im Ohr baumelnd zu sehen, während ihr der Stolz über die eigenen Fähigkeiten aus den Augen blitzt.

“Tja Papa, da schauste, wa? Einfach weggezaubert!”

Einatmen. Ausatmen.

Aus Gründen ist mir meine Lebenszeit überaus kostbar. Ich überlege stets sehr genau, wofür ich Zeit investiere und werde unleidig, wenn ich das Gefühl habe, Zeit zu vergeuden.

Heute morgen bin ich um 7 Uhr losgefahren, habe im Rahmen meiner Moderatorentätigkeit den Tag in Schwerte auf einem Treffen der KQ-Gruppe verbracht und war um Punkt 17 Uhr wieder daheim. Insgesamt 10 Stunden meiner Zeit.
Diese “Arbeitszeit” trägt man online in ein Formular ein, wo sie dann in “Fortbildungsstunden” umgerechnet werden.

Das sind für heute genau 4 Stunden und 34 Minuten. Diese viereinhalb Stunden werden mir bezahlt.
Natürlich ist für das Land klar, dass ich keine 10 Stunden gearbeitet habe. Zieht man Hin- und Rückfahrt und Mittagspause ab, wird das weniger. Aus dieser Perspektive völlig nachvollziehbar, dass sie nur die Arbeitszeit bezahlen wollen.
Für mich sind trotzdem zehn Stunden weg. Ein ganzer Tag.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich nur wenig Leute für eine Tätigkeit als Moderator interessieren. Es gehört ein Stück weit Idealismus und Lust am Gedankenaustausch dazu.

Ich bin immer noch nicht ganz sicher, ob diese Tätigkeit wirklich so mein Ding ist – bin ich doch zu direkt, kümmere mich zu wenig um irgendwelche “Das macht man aber so und so”-Geschichten.
An meiner Schule genieße ich völlige Narrenfreiheit. Ich darf mich kreativ austoben, Lebenszeit investieren.

Welche Dinge sind mir wichtig?

Wer darf da eigentlich alles Lehrer werden?

Eine Elitenauswahl vor dem Lehramtsstudium? Sollten nur die klügsten und besten Köpfe eines Jahrgangs in die Schulen dürfen? Welchen Anspruch stellen wir an unsere Lehrer?

Frau Tellmann und Herr Klinge diskutieren über die Qualität von Lehrern und Lehramtsstudenten.

Klinge: Ich ärgere mich. Alle paar Monate wieder facht eine Diskussion über die Qualität von deutschen Lehrern an. Zusammengefasst heißt es dann, jeder Trottel kann Lehrer werden, aber in Finnland dürfen das nur die besten der Besten.

Tellmann: Und?

Klinge: Ich gehörte nie zu den besten der Besten. Ich habe ein durchschnittliches Abitur gemacht, gefolgt von einem ausgedehnten Langzeit-Studium mit durchschnittlichem ersten Staatsexamen gefolgt von einem Referendariat mit dann exzellentem zweiten Staatsexamen. In Finnland wäre ich nie Lehrer geworden, dort wird sehr stark auf Noten geschaut.

Tellmann: Du bist doch ein Einzelfall. Aber an der Universität in Siegen sind alle möglichen Fächer mit einem NC belegt: Soziale Arbeit, Grundschullehramt, BWL usw. – Lehramt für die Sekundarstufen I und II nicht.
Meinem Vorurteil nach führt das dazu, dass die letzten Krücken Lehrer werden wollen. Falsch, sie wollen keine Lehrer werden, sie wollen studieren. Dann laufen schließlich Leute in der Schule auf, die keinen geraden Satz rausbringen oder eine gruselige Rechtschreibung haben.

Klinge: Auch solche Leute sind doch Einzelfälle.

Tellmann: Ja, aber dann ärgerst du dich mit einigen Referendaren herum, die den notwendigen Stoff nicht erarbeiten, nicht zuverlässig sind oder meinen, sie könnten Unterricht improvisieren.

Klinge: Ich kenne viele wahnsinnig großartige Lehrer, die in ihrem ersten Leben etwas anderes gemacht haben. Wir haben Kollegen, die Rettungssanitäter, Raumausstatter, Krankenpfleger oder Verfahrenstechniker waren, bevor sie Lehrer wurden. Manchmal scheint es mir, die Menschen mit ganz krummen Lebensläufen sind mit die großartigsten Lehrer.

Tellmann: Das meine ich nicht. Ich ärgere mich über Referendare, die den Beruf des Lehrers als Notlösung gewählt haben oder wegen der “vielen Ferien”. Das haben die dann 4 Jahre lang studiert und dann ist es zu spät zum Umsteuern.

Klinge: Also, dass Leute ihren Job nur nach Vorschrift und mit wenig Elan ausfüllen, hat man doch überall. Mein aktueller Schornsteinfeger ist zum Beispiel super lustig und nett – der davor war eine unsympathische Pfeife, der vor allem schnell eine Rechnung schreiben wollte.
Mich nervt die Verallgemeinerung, in Deutschland würden nur mittelmäßige Leute Lehrer werden und darum seien die Lehrer so schlecht.

Tellmann: Umgekehrt ist es wohl eher richtig: die Lehrer sind so mittelmäßig, dass die nicht in der Lage sind Kinder zu fordern und zu fördern, oder ihnen nicht helfen herauszufinden welcher Beruf gut zu ihnen passt.

Klinge: Ich bezweifle die Kausalität von Abiturdurchschnitt und Lehrerqualität. Ich selbst war der totale Chaot bis zur Oberstufe. Ich war faul und undiszipliniert. Wir sind frühmorgens durch gekippte Fenster heimlich in die Schule eingebrochen und haben uns in den Gängen versteckt. (Ich möchte mich an dieser Stelle vielleicht nochmal bei meinen Lehrern entschuldigen. “Hey KKG, war eine großartige Zeit! Tut mir leid, dass ich so ein Depp war.”)
Ich bin auch später ein mittelmäßiger Student gewesen. Der Punkt ist aber – ich habe heute ein ganz großes Herz für meine jetzigen Chaoten. Ich sehe mich selbst da wieder und ich glaube, dass macht mich zu einem besseren Lehrer.

Tellmann: Wir reden hier ja nicht von unserer Pubertät. Ich hatte in der 7. Klasse auch eine 5 in Latein und Englisch und bin sitzengeblieben. Ja, deswegen habe ich viel Verständnis für Schüler, die einen Durchhänger haben. Aber mir geht es in dieser Diskussion um eine Haltung zum Beruf: Wer Lehrer wird, muss Durchhaltevermögen und Engagement besitzen. Die Haltung “ich mach das jetzt mal, ich hab keinen anderen Studienplatz bekommen” ist da wirklich problematisch.

Klinge: Volle Zustimmung. Aber mit einem NC würde man viele richtig gute Leute aussieben. Mich zum Beispiel. Smiley mit geöffnetem Mund
Dem gegenüber stelle ich die typische Referendarin: Sehr gutes Abi gemacht, nie im Leben eine 5 geschrieben, in Windeseile studiert und mit 24 fertige Lehrerin – kaum älter als die Schüler. Und dann womöglich mit völligem Unverständnis, warum der Steffen in der Klasse 8 so aufmüpfig ist.
Ich denke manchmal, da fehlt noch etwas. Was Schiefes im Lebenslauf. Oh je..

Tellmann: Was?

Klinge: Das lesen jetzt haufenweise tolle, junge Kolleginnen und denken, ich fänd sie blöd. Dabei stimmt das gar nicht. Liebe Grüße, Luisa! Du bist super!

Tellmann: Vielleicht bist du einfach nur neidisch, weil sie schneller studiert haben, als du.

Klinge: 😉

Tellmann: Die Vorurteile kenne ich: Leute die nur “Lehramt” studiert haben, wissen nichts vom echten Leben. Schule-Uni-Schule. Blabla.
Ich habe schon in der 13 gewusst, dass ich Lehrerin werden will und das zu einer Zeit, als einem alle davon abgeraten haben, weil niemand eingestellt wurde. Aber für mich ist und bleibt das einfach mein Traumberuf und der Alltag mit Schülern gibt mir Recht. Und dann ärgere ich mich über Referendare/ Praktikanten, die eigentlich keine Lust dazu haben und im Unterricht dann unverschämt oder abwertend mit Schülern umgehen.

Klinge: Okay, dann formulieren wir es um. Stell dir vor, ein Abiturient sitzt vor dir und überlegt, Lehrer zu werden. “Worauf kommt es da an?”, fragt er dich und “Kann ich wohl Lehrer werden?” Was antwortest du?

Tellmann: Die ehrliche Antwort? Also: Vergiss es, wenn du verhaltensgestört bist. Vergiss es außerdem, wenn du keinen Humor hast und nicht gerne mit anderen Menschen zusammen bist. Und schließlich: Vergiss es, wenn du dich nicht in Themen/ Gegenstände vertiefen kannst. Du musst dir vieles schnell beibringen können. Außerdem finde ich Sprachfehler auch noch lästig bei Lehrern.
Wie lautet deine Antwort?

Klinge: Du willst Lehrer werden? Mach erst mal was anderes. Eine Ausbildung. Ein freiwilliges soziales Jahr. Danach schau weiter.

Tellmann: Springen wir etwas weiter in der Karriereleiter: Bei uns haben gerade viele neue Lehramtsanwärter angefangen. Der ein oder andere wird demnächst dich und mich begleiten. Was sind deine Anforderungen? Was willst du sehen?

Klinge: Ich mag Leute, die richtig Lust auf den Beruf haben und das auch ausstrahlen. Sie sollen die Initiative ergreifen und mir demonstrieren, dass sie neugierig sind und alles ausprobieren wollen.
Wenn ich den Eindruck habe, ich muss jemanden zum Arbeiten überreden, werde ich mürrisch. “Dienst nach Vorschrift” ist in dem Metier einfach ein No-Go. 

Tellmann: Ja, aber genau das habe ich schon erlebt.

Klinge: Und ein NC würde die Situation verbessern?

Tellmann: Dann hast vielleicht eher mal Leute dabei, die sich motivieren können, Sachen innerhalb der Frist zu erledigen, ordentlich und fleißig sind. Naja, so Tugenden besitzen, die in der Schule normalerweise mit einer 1 belohnt werden.

Klinge: Das möchte ich genauer wissen: Was macht für dich einen guten Lehrer aus?

Tellmann: Ein guter Lehrer muss wissen, dass er es mit jungen, verletzlichen Menschen zu tun hat, die es wert sind, dass die generelle Haltung ihnen gegenüber durch Respekt, wenn nicht sogar mitmenschliche Liebe gekennzeichnet ist. Diese sind es dann auch wert, dass er sich durchsetzt, sodass sie lernen, was er für lernenswert hält – und so schließlich Spaß am individuellen Lernen bekommen.

Und was denkst du? Vielleicht als schönes Schlusswort?

Klinge: Ein guter Lehrer liebt sein Fach aber noch mehr seine Schüler. Er fordert immer etwas mehr, als sie leisten können und kann auch mal Fünfe gerade sein lassen.