Ein Verbotskatalog für Lehrer.

Datei:Vienna-convention-sign-B2a.svgDer Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig handelt gegenwärtig mit vielen wichtigen Leuten einen Verhaltenskodex aus, der unter anderem festlegt, dass Lehrer und Erzieher

  • bei gemeinsamen Übernachtungen die Räume der Minderjährigen erst nach Anklopfen betreten dürfen
  • die Kinder nicht im eigenen PKW nach Hause fahren dürfen
  • Facebook-Kontakte zwischen Lehrern und Schülern verbietet.
  • und die Anwesenheit in Dusch- und Waschräumen generell untersagt [Link]

Sexueller Missbrauch ist ein ernstes Thema und ich kann nachvollziehen, dass das Erstellen von Verbotskatalogen nach einem richtigen Schritt klingt, mit dem man Kinder schützt. Ich behaupte jedoch, dass ein solcher Katalog den Kindern – zumindest in der Schule – eher schadet, als nützt und vielleicht kann der ein odere andere Lehrer meine SIchtweise bestätigen (oder widerlegen).

Ich möchte mich gar nicht mit den harmloseren Dingen wie “erst nach Klopfen die Räume betreten” oder “Kinder ohne Körperkontakt wecken” auseinandersetzen. Kein Lehrer mit halbwegs gesundem Menschenverstand wird ein Zimmer mit SchülerInnen betreten, ohne vorher zu klopfen.
Was die verbotenen Facebook-Kontate angeht: Sollte man vielleicht Christian von Boetticher (“Es war schlichtweg Liebe.”) von der CDU mal befragen und evtl. Politikern den Kontakt mit dem Volk verbieten…!? Im Ernst – das ist doch Unsinn. Wie schon an mehreren Stellen ausgeführt, nutzen viele Lehrer Facebook als reines Werkzeug.

Spannend – und auf den ersten Blick harmlos – ist die Forderung, Lehrer dürften “Dusch- und Waschräume nicht mehr betreten”. Denn obwohl dieser Grundsatz erstmal vernünftig klingt, wäre er im Alltag eine Katastrophe!Übersetzt heißt heißt das nämlich, Rörig fordert Aufsichts-freie Räume.

Mal Schritt für Schritt gedacht.
Erstens: Wie oft habe ich es erlebt, dass mein Sportlehrer in die Duschen gekommen ist? Nie. Nicht ein einziges Mal. Habe ich an meinen Schulen je gehört, dass dies der Fall gewesen ist? Auch nie. Im Normallfall passiert so etwas auch nicht. Das weiß jeder Sportlehrer selbst.
Zweitens: Jeder kennt die Stellen auf dem Schulhof, die relativ uneinsichtig sind. Die Aufsicht kann hier nur schwer oder gar nicht reingucken. An diesen Stellen findet man zum einen die Raucher, zum anderen die Schläger. Wird irgendwer verhauen oder beklaut, dann in diesen dunklen Ecken, wo es keine Aufsicht gibt.

Wenn nun Lehrern offiziell verboten würde, die Duschen zu betreten, hätte man eine solche aufsichtsfreie Zone geschaffen. Was immer dort passiert – der Lehrer darf dort nicht rein.
Kerngedanke der “Aufsicht” in der Schule ist nämlich nicht die totale Kontrolle wie im Gefängnis. “Aufsicht” bedeutet, die Kinder müssen sich “beaufsichtigt fühlen”. Sie müssen also das Gefühl haben, dass ein Lehrer jeden Moment dazukommen kann. Auch in der Dusche kann Johannes dem Wilhelm nicht eine zimmern, weil der Lehrer jederzeit das Recht hat, dazwischenzufahren.

Solche Verbotskataloge nützen gar nichts. Ganz im Gegenteil, sie richten nur Schaden an. Was wir brauchen, ist mehr Transparenz und nicht mehr Verbote.

Darf man als Lehrer auch Mensch sein?

Darf man als Lehrer auch Mensch sein?
Diese Frage stelle ich mir manchmal. Zum Beispiel wissen fast alle meine Schüler, dass ich Fan von Borussia Dortmund bin. Und schon fast traditionell trage ich nach dem Gewinn der Meisterschaft einige Tage das BVB-Trikot über unter meinem weißen Hemd. Das freut einige Schüler, andere regt es auf. Ganz sicher ist es eine kleine Ablenkung vom Unterricht.

Außerdem trage ich hin und wieder Nerd-Shirts, also T-Shirts mit abgedrehten Anspielungen, unverständlichen Scherzen und dergleichen. Mittwochs ist mein Nerd-Tag. Auch dies sorgt mancherorts für Freude, auf jeden Fall aber für leichtes (besorgtes?) Grübeln.

2012-04-23 15.13.34

In meinen klaren Momenten zwischendurch frage ich mich, welche Wirkung das auf die Schülerinnen und Schüler macht. Wenn ich an meine ehemaligen Lehrer denke, dann erinnere ich mich tatsächlich vor allem an jene Lehrer, mit denen ich irgendeine Geschichte verbinde. Mein Englisch-Lehrer in der Unterstufe zum Beispiel war Mönchengladbach-Fan, an seinen Namen kann ich mich dagegen nicht mehr erinnern.

Als negativ ist sicher zu nennen:

  • Diskussionen über das Pro und Contra von Borussia Dortmund bzw. dem Witz des T-Shirts
  • ganz allgemein eine Ablenkung vom Unterricht
  • …?

 

Positiv fiele mir ein:

  • die Schüler lernen mich als Menschen kennen, nicht als Roboter, der nur in der Schule lebt und arbeitet
  • eine Horizonterweiterung, wenn man plötzlich über den Doppler-Effekt oder Schrödingers Katze spricht
  • mehr BVB-Fans in der Welt: Denn was ich geil finde, müssen die Schüler natürlich auch geil finden 😀
  • …?

 

Wie handhabt ihr das? Dürfen alltägliche Spleens bei euch in den Unterricht? Oder anders: Empfindet ihr Lehrer als positiver, wenn sie sich mit ihren Hobbies zurückhalten?

 

[Das T-Shirt übrigens ist eine Anlehnung an die Serie “The Big Bang Theorie”, in der von den Hauptfiguren (genialen Physikern und Star-Trek-Fans) eine Abwandlung von Stein, Schere, Papier gespielt wird: ‘Stein, Schere, Papier, Echse, Spock’. Dabei gilt:
”Schere schneidet Papier, Papier bedeckt Stein, Stein zerquetscht Echse, Echse vergiftet Spock, Spock zertrümmert Schere, Schere köpft Echse, Echse frisst Papier, Papier widerlegt Spock, Spock verdampft Stein und wie gewöhnlich: Stein schleift Schere.”]

Mein erster Dienstunfall.

Was wie der Beginn eines Aufsatzes (“Mein schönstes Ferienerlebnis”) klingt, ist mir heute tatsächlich passiert: Mein erster Dienstunfall.

imageUnd wie das so ist, steht man beim ersten Mal erstmal etwas ratlos da. Die Schüler schauen. Man selbst schaut. Und Tropfen für Tropfen rinnt das Leben das Blut aus meiner Hand.

Ich komme vom Land. Zu uns kam einmal im Jahr der Tierarzt und der hat in einem Rutsch Tiere und Kinder gleichermaßen Zähne gezogen, geimpft oder Wurmkuren verabreicht. Und ich entstamme einer stolzen Medizinerfamilie. Das man als normaler Mensch zum Arzt gehen kann, ist weder mir noch meinen Geschwistern bekannt. Ein ziemlich tiefer Schnitt offenbahrt mir einen Blick in das Innere meiner Hand. Wo aber hin damit?

Zunächst einmal im Sekretariat einen “Dienstunfall” melden. Aha. Dann ein Formular ausfüllen. “So schlimm ist es doch nicht, oder?”, frage ich interessiert.
“Falls es aber schlimmer wird, sich entzündet oder so, muss man dokumentieren, wo es herkommt.”, erläutert mir die Sekretärin geduldig. Zwei Kollegen mit medizinischer Ausbildung begutachten den Schaden. “Zwischen den Fingern… Das ist ne saublöde Stelle”, meint der eine. “Ich würde das nähen lassen”, kommentiert der andere. Meine irritierten Blicke deuten sie richtig. “Von einem Arzt” insistieren sie, als ich Frau Müller vom Hauswirtschaftskurs heranwinke.
Geduldig schreiben sie mir eine Adresse auf. Ein notdürftiges Pflaster hält die Wunde zusammen.

In der Praxis werde ich fröhlich empfangen. “Wie ist das denn passiert?”
Ich überlege, rücke dann aber mit der Wahrheit heraus. “Ich bin an der Tafel hängen geblieben.”

Betretenes Schweigen.

Man schaut mich an, wie meine Frau mich ansieht, wenn ich etwas wirklich Dummes gesagt habe. “Naja” beginne ich zu stottern, “…unter der Tafel ist doch so ein Kreideablage-Blech und da bin ich an der Ecke… Können wir im Bericht vielleicht schreiben, ich sei gestürzt, damit es nicht ganz so dämlich klingt?”

“Aber es ist dämlich”, sagt denkt der Arzt. Er begutachtet die Wunde und stimmt meinen Kollegen zu – das sollte genäht werden. Diesmal leider nicht mit der bunten-Blumen-Vollnarkose von vor drei Jahren. Freundlicherweise werden von der OP Fotos gemacht. “Für den Biologie- oder Hauswirtschaftsunterricht”, erkläre ich.
Im Anschluss ein Gespräch darüber, ob und wie lange ich mich krankschreiben lassen möchte. Schließlich sei ich die nächsten Tage durchaus eingeschränkt. Ich muss kurz an Gerhard Schröders Kommentar über die “faulen Säcke” denken und antworte: “Bis zu meinem 65. Lebensjahr, bitte.”

Das ist leider nicht möglich.
”Na, dann kann ich auch morgen wieder arbeiten gehen”, erwidere ich fröhlich und fahre heim.

Das Beste an der ganzen Geschichte ist aber mein T-Shirt. Es ist heute angekommen Smiley mit geöffnetem Mund

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Tim und Struppi

Freitags ist bei uns zu Hause Kino-Tag.
Da gibt es Popcorn und Cola und irgendeinen spannenden Film. Neulich sahen Carolina und ich “Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn”. Ein spannender, schön animierter Film mit zahlreichen Schauplätzen. An einer Stelle jedoch bin ich aus der Geschichte gefallen.

In der MItte des Films – und ohne zuviel verraten zu wollen – erzählt Kapitän Haddock Tim von der Geschichte der Einhorn und berichtet von einem heißblütigen Kampf zwischen seinem Vorfahren und einem fremden Piratenkapitän. Ziel des Piraten war natürlich ein Goldschatz auf der Einhorn. Der Kampf wird sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt und schließlich findet der Pirat unter Deck den Schatz: Vom Bug bis zum Heck ist alles voller Goldmünzen und Schmuck und Kapitän Haddock raunt zu den Bildern geheimnisvoll, dass die Einhorn vier Zentner Gold geladen habe.

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Moment mal. Vier Zentner? Das sind zweihundert Kilogramm.

Auf den Bildern aber ist das Schiff so voll wie Dagobert Ducks Geldspeicher. Ich hatte mich schon auf einen tollen Blogeintrag gefreut – eine prima Umsetzung im Unterricht, bei der ich die Schüler mit der Dichte und Masse von Gold hantieren und rechnen müssten.
Aber schlußendlich hat mir eine Google-Bildersuche den Spaß verdorben – denn im Goldmuseum Jinguashi in Taipei (Taiwan) war (zumindest bis 2005) der größte Goldbarren der Welt ausgestellt. Immerhin 220 kg brachte er auf die Waage:

Irgendwie nicht so dolle… Smiley

Erziehung.

Freitags ist bei uns Kinotag.
Letzte Woche war eine Freundin von Carolina zu Besuch und die beiden erfreuten sich an Popcorn und einem 3D-Film. Ich fummelte oben an meinem Handy las oben ein erbauliches Buch.

Plötzlich stoppte der Film und ich höre die beiden leise murmelnd in den Flur gehen. Das Rascheln der Getränke-Folie. Oh man, dachte ich, jetzt ist es soweit. Sie nimmt sich heimlich Coca-Cola.
Sie weiß, dass ich es nicht erlaubt hätte, wenn sie gefragt hätten. Also fragen sie nicht und machen es heimlich. Wenn man als Elternteil mit seinen Kindern schimpft, dann ist das bis zu einem gewissen Alter meist in Unwissenheit begründet. Die Kinder wissen es nicht besser. Ob Kleidung zerschneiden oder Wände anmalen. Aber irgendwann kommt bewußtes, falsches Handeln dazu, nicht wahr?

Dieser Schritt tat mir innerlich weh. Ich will nicht, dass Carolina diesen Schritt geht und ich will nicht zu den Vätern gehören, die sich mit vorsätzlichem Fehlverhalten auseinandersetzen müssen. Zumindest wollte ich es nicht schlimmer machen, als es war und meiner Tochter den Nachmittag versauen. Ich würde abends dann in Ruhe erklären, wieso ihr Verhalten nicht okay gewesen sei.

Seufzend ging ich also runter. Und was hatten die Mädchen sich geholt?

Apfelsaftschorle.

Manchmal bin ich ein schlechter Vater.

Flaschenöffner-Physik

Mein 10er Physikkurs startet nun in relativ anstrengende Wochen – die Zentralen Abschlussprüfungen stehen an. Um ihren Lerneifer in dieser schweren Zeit zu unterstützen, fahre ich meinen Unterricht etwas zurück und lasse den Kurs die nächsten Stunden (d.h. Wochen) an einer Lerntheke alles Wichtige des Halbjahres noch einmal wiederholen bzw. anhand konkreter Rechenaufgaben Probleme mathematisch lösen.
Die letzte richtige Stunde beinhaltete das Hebelgesetz. Ich muss zugeben: Als wir in der Stunde davor die Energie des Asteroiden berechnet haben, der die Dinosaurier ausgerottet hat und dies mit der Energie der Atombombe von Hiroshima, dem Bügeleisen des Einbrechers Marv und Bruce Willis Fingern verglichen haben, war die Auf-merkamkeit größer. Zunächst.
Denn es gibt ein schönes “Hebelproblem”, dass mir leider nie in Schule oder Studium begegnete – das Flaschenöffner Problem: So ein Flaschenöffner kann nämlich auf zwei verschiedene Arten genutzt werden, um eine Flasche zu öffnen.

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Im linken Bild dient der Flaschenöffner als einseitiger Heben, im rechten als zweiseitiger Hebel um den Kronkorken zu öffnen. Welche Methode ist nun, physikalisch, effektiver?
Für meine Schüler, sonst am späten Nachmittag eher selten zu Diskussionen zu bewegen, entbrandete daran ein Streit. Und insbesondere war interessant zu beobachte, wie die Argumente auf dem Niveau von “der verhakt doch im Bild links viel besser” und “aber rechts kann ich die Flasche besser halten” starteten, um sich dann in Richtung 2012-04-18 14.47.34“echter Physik” zu entwickeln. Irgendwann fielen Begriffe wie “Länge des Hebelarms” und “Angelpunkt” und dann war es auch nicht mehr weit, bis zum Ziel.

Zum Schluss sollten die Schüler in kleinen Gruppen von jeweils einem Gerät (Bolzenschneider, Schere, Nussknacker, Nagelschere etc.) messen, welche Kraft am Ende tatsächlich wirkt. Im Grunde eine triviale Aufgabenstellung – aber die Klasse stand vor dem Problem, herauszufinden, wie viel Kraft sie in den Kraftarm stecken kann. Konkret: Wie viel Kraft kann ich mit meinem Zeigefinger ausüben? Mit welcher Kraft kann ich den Bolzenschneider zusammenpressen? Um das zu beantworten, sollten die Schülerinnen und Schüler sich Messmöglichkeiten überlegen – und am Schluss den anderen Gruppen ihr Ergebnis präsentieren.

Ich mag die ja, diese Klasse.

Monsterspiel.

Wenn ich an meine frühen Computerspielerfahrungen zurückdenke, dann sind mir vor allem jene Momente in Erinnerung geblieben, die ich mit meinen Geschwistern geteilt habe.
In einem der ersten RPGs überhaupt – dem legendären Dungeon Master – haben wir uns zu dritt Stunde um Stunde vor dem PC gegruselt und Mumien, Skelette und allerhand Pixelmonster getötet. Ein großer Spaß. Continue reading

Bildungspanik – Ein Kommentar

Der folgende Kommentar bezieht sich auf den Artikel “Disziplinlose Schüler überfordern deutsche Lehrer” von welt.de.

Es ist mal wieder soweit – eine Studie macht uns mal wieder klar, wie entsetzlich die Jugend und überfordert die Lehrer dieses Landes sind. Die Studie mit dem Titel „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik: Eine Studie zum Prestige des Lehrerberufs und zur Situation an den Schulen in Deutschland“, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland durchgeführt hat, erzählt uns das. ‘Die Welt’ liefert uns entsetzliche Bilder zur Fragestellung: “Gab es in Ihrem Berufsleben schon einmal Situationen, in denen Sie die Belastungen, die Ihr Beruf mit sich bringt, nahezu unerträglich gefunden haben, oder war es noch nie so schlimm?”

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Als Mathematiker machen mich Statistiken ja regelmäßig wütend neugierig. (Kurzer Zwischengedanke: Wenn die oben genannte Frage Ärzten gestellt würde, wie würden die ihre Arbeitsbedingungen beschreiben? Und Polizisten? Oder Bäcker unter dem Druck der Billig-Bäckereiketten?). Es ist doch völlig klar, dass man durch die Art der Frage bestimmte Ergebnisse forcieren kann. “Haben Sie mehr Angst vor Islamistischem Terror oder Arbeitslosigkeit?”

Es bringt natürlich nicht so viele Leser, aber in der Studie stehen noch andere, durchaus interessante Zahlen: Bei 70% aller Lehrern überwiegt die Freude im Beruf.

70%. Sonne

Deutlich frustriert sind überhaupt nur 4% der Befragten. Das ist ja nicht soviel, oder?
Auch hier gilt – diese Werte sind gar nichts wert, wenn man sie nicht vergleichen kann. Ist der Prozentsatz der frustrierten Polizisten geringer? Oder der Krankenschwestern? Ich wage es zu bezweifeln. (Kurzer Gedanke: Ein erhöhtes Suizidrisiko weisen Berufe wie Mediziner (besonders Zahnärzte), Manager, Metzger, Dachdecker, Maler und Land- und Forstwirte auf. Lehrer eher nicht.)

Als wirklich ärgerlich empfinde ich überdies die Verklärung der Vergangenheit:

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Ohne jede Frage stehen wir als Lehrer vor neuen Herausforderungen in Bezug auf Disziplin und Motivation der Schüler. Aber ich kenne eine ganze Menge sensationeller Geschichten “von früher”, die heute völlig undenkbar wären. Und zwar nicht nur von Schülern – auch von Lehrern. Früher war immer alles besser und einfacher. Aber das gilt doch für jede Berufsgruppe, oder nicht? Sehr beeindruckend fand ich den Kommentar von Christoph Biermann im Spiegel über den “modernen Fußball”:

“Bei meinem zweiten Besuch im Stadion in der Castroper Straße in Bochum sah ich, wie ein paar Bochumer einen Düsseldorfer über die Ränge jagten. Als er stürzte sprangen sie auf ihm herum als sei er ein Trampolin.
[…]
Auch wurden Geschmacklosigkeiten gesungen: “Gib Gas, gib Gas, wenn Hitler mit den Schalkern in die Gaskammer rast.” Oder: “Schlagt die Kölner tot!” Das war nicht nur Maulheldentum. Im Oktober 1982 wurde der 16-jährige Glaserlehrling Adrian Maleika, ein Fan von Werder Bremen, auf dem Weg ins Hamburger Volksparkstadion von einem Stein tödlich am Kopf getroffen.”

Nicht alles war früher besser.

Und ja, auch die Arbeit mit den Eltern ist sicher schwieriger geworden. Positiv könnte man formulieren, dass viele Eltern selbstbewusster sind als früher, sie mischen sich mehr ein. Natürlich ist es leichter, wenn ich als Lehrer einfach mit der “Fünf” drohen kann, um mir als “Autoritätsperson” jede überengagierte Mutter vom Leib zu halten – und es soll mir keiner erzählen, dass dies “früher” nicht geschehen sei.

Ja, dieser Beruf ist anstrengend. Mindestens so anstrengend wie besserwissende engagierte Väter und dreißig Fünftklässler sind aber die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben. Das sind Dinge, die nicht nur keinen Spaß machen, sondern z.T. völlig überflüssig sind und Zeit und Energie kosten. Beispiel gefällig? Die Kollegen in Sachsen sollen eine Liste erstellen, welche Dokumente sie wann wie oft an wen kopiert haben (Und wenn da irgendwann steht: “Mein Kampf”, Seite 48-52, 30x kopiert” , wird dann der Verfassungsschutz aktiv?). Ja, auch damit verbringen Lehrer ihre Nachmittage. Und mit dem Zählen von Fehlstunden. Und..und..und..

Schade, dass sich die Studie nicht auch damit befasst hat.

Die gesamte Studie findet man übrigens hier. (Und an dieser Stelle ein freundlicher Gruß an die Journalisten der ‘Welt’ – es wäre wirklich toll, wenn man sich nicht umständlich und mühsam und zeitaufwändig (trotz meines Halbtagsjobs…) solche Studien selbst ergooglen müsste. Ein Link tut nicht weh Smiley.

Apps für den Unterricht (Folge 10)

  • Go – Went – Gone (englische, unregelmäßige Verben – Windows Phone 7)
    Eine kostenlose App für Windows Phone 7, um unregelmäßige Verben zu üben. Unterschiedliche Modi, Statistiken und die Möglichkeit, die Ergebnisse via Facebook, Twitter oder E-Mail an Eltern/Lehrer zu senden runden das Prgramm ab 😉
    3 von 8

    [Marketplace-Link]
    Vielen Dank für den Hinweis!


Jeden Montag werden hier Android- und iPhone-Apps vorgestellt, die sich im Unterricht sinnvoll einsetzen lassen. Einen Überblick aller bereits besprochenen Programme findest du rechts unter “Schule”.

Fehlt noch etwas? Weitere Vorschläge einsenden.

Ironie.

2012-03-30 16.33.06

Kleine Kinder haben noch jenen staunenden Blick für die Welt, den unsereins spätestens mit dem Verfassen der ersten Steuerklärung verliert.

Carolina sammelt zum Beispiel gerne besonders schöne Steine. Oder Tannenzapfen. “Nur die schönsten.”

Natürlich.

Genervt entgegnete meine Frau Carolina neulich: “Eröffne noch ein Steine- und Zapfen-Museum.”
”Ja!”
, entgegnete Carolina. Und sammelt seitdem noch begeisterter.

Wir diskutieren noch über den Eintrittspreis. Aber ich halte mich da zurück.

Lehrer sein. Heute und morgen.

Ich liebe meinen Beruf.
Kinder und Jugendliche zu Erziehen, sie ein Stück weit mit dem nötigen Wissen auszustatten, um ihr Leben gestalten zu können ist großartig.

Meinen Berufsalltag als relativ junger Lehrer kann man grob in drei Bereiche einteilen:

  • Unterrichten (erziehen, erklären, unterrichten)
  • Vorbereiten (Lerntheken erstellen, Klassenarbeit korrigieren, …)
  • Organisieren (Listen ausfüllen, Fehlstunden eintragen, Statistiken erfassen)

 

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Da ich zur Zeit keine Sonderaufgaben habe (z.B. Mittelstufen-Koordination, Beratungslehrer, Ausbildungskoordinator o.ä.) bin ich mit dieser Verteilung sehr zufrieden. Es gibt sicher Zeiten, in denen die Vorbereitung mal mehr und mal weniger Zeit in Anspruch nimmt. Mehr Physikkurse bedeuten in der Regel mehr Vorbereitungszeit. (Früher, als man noch nichts hatte und Steine gegessen hat, da gab es an Schulen sogar Assistenten. Die haben die naturwissenschaftlichen Experimente auf- und wieder abgebaut und sich um die Sammlung gekümmert.)

Das Kultusministerium Thüringen ist nun mit einer Dienstanweisung (also ein verbindlicher Arbeitsauftrag) vorgeprescht, die mich ‘nachdenklich’ macht. Dort heißt es:

  • „Die Schulleiterin/der Schulleiter überprüft in regelmäßigen Abständen die Einhaltung der Bestimmungen des Gesamtvertrages an der Schule. Dazu ist von jeder Lehrkraft eine Übersicht zu führen, in der fortlaufend eingetragen wird, was, wann, aus welcher Quelle in welcher Anzahl kopiert wurde. Diese Übersichten sind von der Schulleitung regelmäßig zu prüfen.“ [Hervorhebung von mir]

Wenn wir unseren Blick nun auf jene Lehrer richten, die als “digital natives” den Großteil ihrer Unterrichtsvorbereitung am Computer machen, dann wird diese Dienstanweisung durchaus herausfordernd. Auf meinem Notebook befinden sich grob 30.000 Word-, PDF- und sonstige Dateien. Würde ich nun in eine Liste (!) eintragen, in der nachzuvollziehen ist, welche Datei woher stammt und wie oft ich sie an wen kopiert habe, dann würde mir das Land für die nächsten Monate eine ganze Menge Gehalt zahlen für eine Arbeit, die – ja, was eigentlich? – produziert?

Mein Alltag sähe so aus:

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Ganz zu schweigen von der Schulleitung (m)einer Gesamtschule: Bei knapp 100 Kollegen muss die sich regelmäßig durch diese Listen durcharbeiten und überprüfen, ob z.B. “97297_AB_EZ.doc” wirklich als freie Kopiervorlage von der Diskette aus “Physik im Unterricht 1987, Heft 12” stammt wie angegeben, oder nicht heimlich und illegal von einer geschützten CD herunterraubkopiert wurde und der Kollege womöglich als Lügner mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde zu rechnen hat.

Zukünftige Lehrer haben also die Wahl:

  1. als Lehrer aus einem Schulbuch eine Tabelle analog herauskopiere, diese dann ausschneiden und in ein Arbeitsblatt einkleben und für die Klasse nochmals analog kopieren (erlaubt).
  2. in der Schule die o.g. Tabelle auf meinem Computerarbeitsplatz einscannen und digital in ein Arbeitsblatt einbinden und dafür als Raubkopierer ins Gefängnis kommen können.
  3. keine Computer in der Schule mehr benutzen und nur noch heimlich (!) zu Hause vorbereiten.

 

Ich stelle mir das sehr schön vor: In zehn Jahren stehen Mitarbeiter der Verlage im Auftrag des Ministeriums (oder umgekehrt?) im Lehrerzimmer und patroullieren die Tische ab. Einzelne, verruchte Lehrer werden wie Dealer von den Kollegen geschätzt und gefürchtet, denn sie versorgen uns mit neuem, illegalem Stoff – den Arbeitsblättern.

Mitarbeiter: “Hey, SIE! Wo haben Sie dieses Arbeitsblatt her?!”
Ich (stottere): “Ich..? Was? Dieses.. erm…Gefunden!? Auf dem Schulhof? ”
Mitarbeiter: “Kommen Sie mal bitte mit!”
Und unter den mitleidsvollen Kollegen werde ich in die Dunkelkammer geschafft, wo ich – GuttenplagWiki-sei-Dank – binnen fünf Minuten als Plagiator und Raubkopierer entlarvt werde.
"Diese Textaufgabe haben Sie abgeschrieben! ABGESCHRIEBEN!!!”

Mal im Ernst.
Die Steuerzahler in Deutschland zahlen mir und tausenden anderen Lehrern ein gutes Gehalt, damit ich ihren Kindern das Bestmögliche mitgebe und sie auf Beruf und Leben vorbereite. Will den wirklich jemand ernsthaft, dass ich meine Zeit mit so einem Quatsch vergeude? Dann hätte ich auch Buchhalter werden können.

Warum nehmen wir uns eigentlich kein Beispiel an Polen?
Dort wurden gerade knapp 12 Millionen €uro in freie Bildungsmaterialien investiert. Ich prophezeie (und ich bin wahrlich ein begnadeter Prophet):

In zehn Jahren werden jene Lehrer, die auch polnisch sprechen, die beliebtesten sein Zwinkerndes Smiley.

Notizen auf dem HTC Flyer

2012-04-11_08-40-36Nachdem kubiwahn und auch Herr Rau in den vergangenen Tagen Pencasts (digitale Stifte) vorgestellt haben, ist gestern bei den xda-developers eine interessante App von Lenovos Thinkpad Tablet auf das HTC Flyer raubmordkopiert portiert worden: ‘Notes Mobile’.

Nachdem die Android OneNote App leider den Stift des Flyers nicht unterstützt und ich mit Evernote auf dem Tablet irgendwie nicht so richtig warm werde, ist dies vielleicht ein neuer, unkomplizierter Anlauf.

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Meine Bedürfnisse sind nämlich folgende: In den meisten Fällen missbrauche ich solche Software als Post-It-Zettel. Ich will nur schnell was aufschreiben und dafür soll es schnell und unkompliziert gehen.

Ähnlich wie bei Evernote kann man hier Bilder einfügen und die Ergebnisse lassen sich als .png Bilddateien exportieren. Dabei wirkt die Notes Mobile aufgeräumter als Evernote, wenn auch deutlich simpler.

Handgeschriebenes lässt sich in echten Text umwandeln (wenn das jemand möchte) und, für mich sehr praktisch, es gibt nicht nur eine Handflächenunterdrückung, sondern auch eine Handflächenunterdrückung für Linkshänder. Bei Evernote stört die aufgelegte Hand nämlich allzuoft das flüssige Schreiben. Das funktioniert hier wunderprächtig.

Das Programm lässt sich auf jedem gerooteten Flyer problemlos installieren: Einfach die Datei auf die Speicherkarte legen und via Recovery flashen. (Beim Flyer: Neustart mit gedrückter Power-Taste und Volume-Down).

Experiment: Airbag–>Handy–>Gesicht

 

Ich bin ja ein großer Anhänger von “Physik im Alltag”.

Im meinem 10er Kurs haben wir mit viel Freude ausgerechnet, welche Kraft das herabfallende Bügeleisen auf das Gesicht von Einbrecher Marv ausübt, als er in dem Film “Kevin – Allein zu Haus” selbiges abbekommt.
Oder wie viel Kraft in John McClanes Fingern steckt, wenn er einen Fahrstuhlschacht hinab fällt und sich nach einigen Metern Fall nur mit den Fingerspitzen an einem Absatz auffängt.

Vor einigen Wochen ist mir das eindrückliche Video der Polizei von Dallas begegnet (die meisten Leser fragen sich vermutlich , wo einem ein solches Video “begegnen” kann..). Ausgangspunkt des Videos ist, dass es oft zu leichten Auffahrunfällen kommt, weil die Fahrer simsen. Dabei explodiert der Airbag und schleudert das Handy ins Gesicht des Fahrers, was zu schweren Verletzungen führen kann. In dem Video kann man verfolgen, wie die Polizisten an einem Dummy nachstellen, was in der Realtität oft passiert.
Da ich Marv und John McClane schon im Unterricht verbraten habe, werde ich die folgende Aufgabe in meine nächste Mechanik-Lerntheke einbauen:

“Berechne die Kraft, mit der ein Handy, vom Airbag beschleunigt, einem Fahrer ins Gesicht schlägt.”

Folgende Überlegungen zum Lösen der Aufgabe habe ich mir gemacht. Über etwaige Korrekturen seitens “richtiger” Physiker wäre ich dankbar.

Ausgangspunkt ist die kinetische Energie (Bewegungsenergie), die das Handy durch den Airbag erhält. Es gilt:

E_{kin}=\frac{1}{2}\cdot m\cdot v^{2}

Außerdem ist die “Bremsenergie” wichtig, als diejenige, die das Gesicht dem Handy entgegensetzt. Diese ist das Produkt aus Kraft und Weg:

Bremsenergie = F\cdot s

Beide Energien kann man gleichsetzen, denn die gesamte kinetische Energie des Handys wird ja auf das Gesicht übertragen. Gesucht ist die Kraft F, die auf das Gesicht ausgeübt wird. Also:

F=\frac{m\cdot v^{2}}{2\cdot s}

imageBleiben verschiedene Variablen offen, die wir nun der Reihe nach füllen müssen dürfen:

  • Die Masse m des Handys würde ich grob mit 150g beziffern, also 0,15 kg.
  • Die Bremsstrecke s ist die Strecke, die zur Verfügung steht, bis das Handy nicht mehr weiterfliegt: Also unser Gesicht. Der menschliche Knochen kann maximal 15 Millimeter gebogen werden, bis er bricht, abhängig von Alter, Geschlecht etc.etc. Der Einfachheit nehmen wir also 0,015m als Bremsweg.
  • Bleibt noch die Geschwindigkeit v. Die kommt jetzt.
    Laut Wikipedia braucht ein Airbag etwa 50 Millisekunden, bis er voll aufgeblasen ist, also etwa 30cm zurückgelegt hat. Das ergibt dann

v=\frac{s}{t}=\frac{0,3m}{0,05s}=6\frac{m}{s}

In die Formel eingesetzt erhalten wir:

F=\frac{m\cdot v^{2}}{2\cdot s}=\frac{0,15kg\cdot (6\frac{m}{s})^{2}}{2\cdot 0,015m}=180N

180 Newton. Hm. Ist das viel? Oder wenig? Es entspricht einem Gewicht von 18 Kilogramm. Wenn die Ecke meines Smartphones mit dem Äquivalent von 18 Kilogramm auf meine Nase oder mein Auge schlägt, kann man sich die Folgen ausmalen.

Und zum Schluss? Schöne Ferien!