Happy Birthday, Universum!

IMG_20131110_180102Morgen wird meine kleine Tochter acht und darob haben wir den Tag heute besonders zelebriert. Alles wurde heute zum letzten Mal mit 7 gemacht: Zum letzten Mal etwas vorgelesen bekommen. Zum letzten Mal toben. Zum letzten Mal lachen, kreischen und gemeinsam singen. Zum letzten Mal mit 7 ins Bett gehen.

Durch die Medien, im Alltag Schule und auch im Umfeld begegne ich jedoch immer wieder Kindern, die nicht das Glück haben, das meine Tochter genießen darf. Und Eltern, die nicht das Glück haben, das ich genießen darf.
Und wenn ich sehe, wie an vielen Stellen Potential verschenkt wird, blutet mir das Herz. Kinder, die in ihrer Geschichte so gefangen sind, dass kaum eine Hoffnung auf irgendetwas besteht. Verhaltensweisen, die sich so stark eingeprägt haben, dass sie kaum zu lösen sind. Kinder, deren weiterer Lebenslauf stark vorgezeichnet ist.

Und umso mehr genieße ich die Nachmittage mit meiner Prinzessin.

Hin und wieder schlägt mir Amazon neue Bücher und Hörbücher vor: “speedlesen”, “besser arbeiten”, “effektiver denken”, “das volle Gehirnpotential ausnutzen”, “alles, was Sie wissen müssen”. Ich habe vor Jahren mal die CD “Bildung: Literatur – Alles was man wissen muss” von Schwanitz gehört und sie genossen. Ständig habe ich gedacht “Wow! Abgefahren. Wie spannend! Das muss ich mir merken!” Und das war es! Wirklich großartig. Aber heute weiß ich

nichts

         mehr.

Vor einigen Monaten stolperte ich über das Bild eines Leichenwagens, vollbepackt mit Kisten und Kartons, Surfbrett und Krimskrams. Und an der Seite standIMG_20131111_195014You can’t take it with you!1”. Ein beeindruckendes Bild. Im gleichen Zusammenhang las ich eine Rabbinische Weisheit (es ist eine Lehrerkrankheit, dass man Geschichten und Anekdoten sammelt, man möge es mir verziehen):

Jeder Mensch muss zwei Blätter Papier mit sich tragen und jeden Tag draufschauen. Auf dem einen steht: ‘Du bist nichts als Staub und Asche’, auf dem anderen: ‘Für dich wurde das Universum geschaffen.’

Dieses Universum feiert morgen seinen Geburtstag.
Mehr als je zuvor genieße ich die Zeit mit meiner Tochter. Es ist ein Segen des Lehrerberufs, dass man soviel Zeit für seine Kinder hat. Sie macht mir immer wieder klar, dass ich nicht mein volles Gehirnpotential ausnutzen, sondern ihr lieber Zeit schenken soll.

Zeit zum backen. Zum Fußballspielen. Zum Witze-erzählen. Zu “wer zuerst mit den Augen klimpert hat verloren”-Wettbewerben. Ich brauche gerade nicht mehr. Und ich habe ein paar Kinder vor Augen, denen ich wünsche, solch unbeschwerte Tage erleben zu dürfen. Ich denke, die meisten Lehrer haben das.

Als ich Carolina schließlich am Ende eines langen Tages vorschlug, sie müsse auch zum letzten Mal mit 7 in der Nase bohren, lachte sie frech, hob einen Zeigefinger lehrerhaft in die Luft und sagte: “In der Nase bohren.. und in den Mund stecken!”

Happy Birthday, Universum!

Kriminalfall #2

Frustriert sitze ich heute morgen in der Schule: Mein Blog ist schon wieder offline.
Seit der letzten Attacke habe ich alle meine Passworte durch kryptische Zahlen- und Zeichenfolgen ersetzt – mit der Folge, dass ich seitdem immer nachschlagen muss, was genau wo mein Zugangscode ist. Außerdem habe ich Filter installiert, die ein Einloggen in den Blog außerhalb von Deutschland unterbinden. Und auch wer dreimal hintereinander das falsche, ellenlange Passwort eingibt, muss sich zunächst eine neue ip suchen. Nach menschlichem Ermessen – zumindest aber nach Alltagsuser-Ermessen – habe ich alles getan, was in meiner Macht steht, um meine Homepage stabil zu halten.

Und trotzdem sitze ich frustriert da und vermute eine erneute Attacke aus dem Ostblock.

Hier und da ermuntern mich Schüler (Danke!) – ich solle meinen Blog nicht aufgeben. Das war sehr nett. Aber nach den vielen Stunden Arbeit letztes Mal, ist meine Motivation auf dem Boden. Ich werde das bloggen aufgeben. Ausführlich denke ich darüber nach, welches neue Hobby ich mir suchen könnte. Zumindest habe ich zukünftig wohl mehr Zeit, meinen Unterricht vorzubereiten – vorbei die Zeit der Schwellenpädagogik1.

“Herr Klinge”, unterbricht mich Yuri in meinem Tagtraum. Yuri ist ein stummer, blonder Junge, der erst seit kurzem in Deutschland ist. Ich weiß nicht, ob Juri in diesem Schuljahr überhaupt schon mal etwas gesagt hat. Mühsam konzentriere ich mich wieder auf den Unterricht. “Wenn Sie mir geben 5 Minuten an Computer, ich repariere Ihren Blog”.
Irritiert schaue ich ihn an, entsinne mich dann aber an meine Aufgabe. Wir sind hier in der Schule. Ich bin Lehrer. Und meine Aufgabe ist es – verdammt nochmal – Kinder zu beflügeln und etwas beizubringen.

“Los geht’s, Yuri!”, feuere ich ihn an und füge noch hinzu: “Und ihr andern, aufgepasst: Vielleicht lernt ihr noch was!”
Yuri setzt sich an den LehrerPC, über den Beamer schauen wir alle gebannt mit. Ob die NSA in diesem Moment auch zuschaut?

Zehn Minuten später steht mein Blog wieder. Yuri setzt sich wortlos auf seinen Platz und versinkt wieder in Schweigen. Ich traue mich nicht mal zu fragen, was eigentlich passiert ist, geschweige denn, wie er …das Dings… repariert hat.

Macht nichts.

Hurra! Ich habe meinen Blog wieder. Smiley mit geöffnetem Mund

 

 

1: ein müder Lehrerscherz: Als Schwellenpädagogik wird jene Pädagogik bezeichnet, die man sich beim Übertreten der Türschwelle ausdenkt. Fällt in die Gleiche Kategorie wie die Hammer-Pädagogik (“Was hammer letzte Stunde gemacht?”)

digitale Schulbücher

imageVielleicht ist es für viele schon ein alter Hut – ich kannte es bis eben noch nicht: Viele Schulbuchverlage beginnen gerade damit, ihre Schulbücher in Form von Apps anzubieten.
Klett tut dies – für unsere Mathematikbücher – gerade im Rahmen einer Testphase kostenlos. Grund genug, es einmal auszuprobieren.

Zunächst muss man auf der Homepage von Klett das Bundesland, die Schulform und das gewünschte Fach auswählen, anschließend auf “Digitale Schulbücher” klicken. Man wählt alles was man will aus (“ALLES!”) und legt es in dein Einkaufswagen. Es folgt eine Ansammlung von Registrierungen (bei Klett und anschließend bei digitale-schulbuecher.de). Vom Verlag erhalte ich augenblicklich eine E-Mail mit den Freischaltungscodes für die angeforderten Bücher. Es fehlt noch die ditigale-schulbuecher-App für meinen Tablet, Android-User schauen hier (PlayStore-Link) und iPad-User hier (iTunes-Store). Schnell installiert und angemeldet und…

Was soll ich sagen: Erster Eindruck: Sehr gut!

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Online-Lernen, Schulbücher & Katzenbilder

imageVor ein paar Tagen habe ich eine (erneute) Anfrage bekommen, mir doch einmal das Online-Lernportal examtime.de anzusehen und den Leuten Feedback bzw. Anregung zu geben. Das hat ja schon beim Taschenrechner von HP prima geklappt… :-)

Auf der Homepage steht das Ziel ausformuliert:

Unser Ziel ist einfach; wir wollen die Art wie du lernst verändern.

Das finde ich grundsätzlich erst einmal gut – und tatsächlich vereinen die Macher auf ihrer Homepage die Dinge, die auch ich als lern-effektiv empfinde: Mindmaps, Karteikarten, Quizze. Genau die Dinge, mit denen man sich tatsächlich einen guten Überblick verschaffen und dann Fakten oder Vokabeln gut lernen kann. Dazu kann man Lernpläne und Lerngruppen erstellen, es gibt Prüfungstipps und Erfolgsgeschichten von begeisterten Nutzern.

Alles super also? Eine Empfehlung von einem Lehrer-Blogger? Endlich ein positiver Produkttest?