#30 Wie sollen was tun? Mit unseren.. was!? (Teil 3)

Der Punkt, auf den wir in unserer kleinen Abraham-Reihe zusteuern ist sehr einfach – und gleichzeitig einer der Hauptgründe, weshalb sich so viele Menschen an der Bibel aufreiben.

Um ihn zu erreichen noch eine kleine Rückschau:

Der erste Teil der Bibel handelt von einer Sippe. Einer neuen Sippe, einer, mit der Berufung, die ganze Welt zu segnen. Abraham ist der Vater dieses Stammes und er ist aufgefordert, Gott zu vertrauen – inklusive der Prophezeiung, er als 99 Jahre alter Mann würde einen Sohn bekommen.

Abraham lacht übrigens darüber.

Gott bringt Leute in der Bibel zum Lachen (Wenn du den Begriff „Wort Gottes“ hörst, kommt dir „lachen“ bestimmt als erstes in den Sinn, oder? Vielleicht sollte es das.)

Dieser Geschichte folgend erleben wir, dass Sippen Bräuche, Initiationsriten und Rituale brauchen. Wege um zu entscheiden, wer es ernst meint, wer dabei ist und wer nicht, wer ein Teil dieser neuen Bewegung sein wollte und wer nicht.

Einer dieser Bräuche dieser umherwandernden Stammesangehörigen, tausende von Jahren in der Vergangenheit, war die Beschneidung. Als Zeichen, als Merkmal, als Demonstration der eigenen Identität.

Bis das nicht mehr galt.

Zu der Zeit, als die ersten Christen die Botschaft von Jesus verbreiteten, war die Frage der Beschneidung in den Augen vieler Zeitgenossen ganz zentral. Einige bestanden auf diesem jahrhundertealten Symbol der Zugehörigkeit, während andere – wie Paulus – das nicht taten.

Dieser Konflikt wird im Galaterbrief des Neuen Testaments beschrieben, in dem Paulus sich fürchterlich über die Beschneidungsanhänger aufregt (neudeutsch: einen ‚Rant‘ verfasst) und sogar behauptet, diese Leute seien verflucht und jeder, der ihnen Glauben schenken würde, sei verhext. An einem Punkt schreibt er sogar

Sollen doch jene Leute, die euch aufhetzen, ´so konsequent sein und` sich ´nicht nur beschneiden, sondern` auch gleich noch kastrieren lassen!
Galater 5, 12

Das griechische Wort für „kastrieren“ an dieser Stelle ist apokopto, was eigentlich „abschneiden“ bedeutet.

Sollen Sie sie sich doch abschneiden.

Nun, wie kann es sein, dass die Beschneidung – ein zentrales Element der Geschichte zu Beginn – schließlich zu einem Problem wurde?

Wie kann es sein, dass etwas, das von Gott augenscheinlich als gut und gewollt betrachtet wurde, von Paulus als ‚Fluch‘ bezeichnet wurde.

Wie wurde dieses Zeichen des Vertrauens in Gott zu etwas, dass Paulus sinngemäß als unchristlich bezeichnete?

Das eine war damals, das andere ist jetzt.

Die Bibel entfaltet eine Geschichte, wie eine Blume ihre Blütenblätter. Ein wachsendes Bewusstsein, ein größer werdendes Verständnis des Göttlichen und wir müssen es nach und nach mitverfolgen, um es zu verstehen.

Wenn wir aufwachsen, dann tun wir dies in Stufen.

Man denke an die Pubertät. Während wir sie durchliefen haben wir viel Merkwürdiges getan und noch mehr Merkwürdiges von uns gegeben. Über Jahre hinweg, nicht wahr?

Ist die Pubertät nun richtig oder falsch?

Das ist doch nicht die Frage.

Ein passenderes Wort wäre notwendig.

Die Pubertät ist ein notwendiger Schritt auf dem Weg des Aufwachsens. Sie bringt alle möglichen körperlichen und seelischen Veränderungen und Schwierigkeiten mit und doch – ohne sie blieben wir für immer Kinder. Wir wären nicht, wer wir heute sind.

Paulus spricht in ähnlicher Art über Abraham und die Entwicklung hin bis zu Jesus. Er schreibt, das wir nicht mehr länger das gleiche Gottesbild haben, das sie einst minderjährig waren und das Gesetz seine Schuldigkeit erfüllt habe, bis etwas Neues kam. Sie seien erwachsen geworden.

Das eine war damals, das andere ist jetzt.

Wenn die die Bibel lesen, dann müssen wir das als eine sich entwickelnde Geschichte verstehen, die ihre eigenen Wachstumsschübe und Entwicklungsstufen reflektiert.

Wenn wir zwei Verse aus verschiedenen Stellen der Bibel nebeneinander halten, dann scheinen sie oft sehr unterschiedliche Dinge auszusagen – aus dem Grund, weil sie sehr unterschiedliche Dinge aussagen.

Als Bibelkritik ist das gang und gäbe. Menschen zitieren einen Vers hier und vergleichen ihn mit einer Geschichte dort und erwähnen eine Passage aus einem früheren Teil oder eine Idee von weiter hinten als Beweis dafür, wie primitiv oder widersprüchlich die ganze Bibel ist.

Das ist eine naive Perspektive (egal, wie intelligent die Person sein mag).

Man muss die Bibel mit Verstand lesen. Man muss sich fragen, wo man in der Geschichte gerade ist. Man kann sie nicht als zweidimensionales Bild betrachten, bei dem man sich hier und da einen Aspekt herausgreift, sondern als eine Reflektion davon, wie Menschen die Welt zu verschiedenen Zeiten betrachtet haben.

Mir begegnen immer wieder Fragen, die mit..

Warum kann Gott nicht einfach…

gefolgt von etwas wie

alles Leid der Welt entfernen?

oder

den Himmel (oder was wir uns darunter vorstellen) für alle direkt real machen?

oder

den Baum aus dem Garten entfernen?

oder

eine Alternative zu der ganzen Jesus-Story erfinden?

Hinter diesen Fragen steckt die Annahme, dass die Bibel eine Version der Geschichte beschreibt, die leicht hätte verändert werden können, wenn Gott sich nur etwas anders (klüger?) verhalten hätte.

Aber das entspricht der Bibel gar nicht.

Wir haben einen hier Bericht über die Entwicklung der menschlichen Zivilisation und ihres Gottesbildes. Zu fragen, warum bestimmte Dinge nicht anders hätten laufen können ist zwecklos – und es entfernt uns von einem Verständnis dafür, wer wir heute sind.

Das hat entscheidende Auswirkungen darauf, wie wir von unserem Leben denken.
Glauben wir noch die gleichen Dinge, die wir vor zehn Jahren glaubten? Vertreten wir noch die gleichen Standpunkte? Haben wir das gleiche Welt- und Menschenbild wir zu der Zeit, als wir 15 waren?

Vermutlich nicht. Das war damals, das heute ist jetzt. Wir können nicht zurück gehen und diese Ansichten verändern. Unsere (Jugendsünden?) Handlungen entsprachen unserem Weltbild – heute sehen wir die Dinge anders.

Unsere Erfahrungen haben uns zu dem gemacht, wer wir heute sind. Es wäre falsch, deshalb verbittert zu sein.

Wir wachsen, weil sich unsere Eltern um uns gekümmert haben. Wir erfahren die Welt und handeln danach. Und wir reflektieren unser Verhalten und verändern es. Weitere Erfahrungen lassen uns wieder anders handeln.

Schritt für Schritt für Schritt.

Wachstum geschieht langsam.

Wenn Paulus mit den Menschen über die Beschneidung spricht, dann erklärt er etwas Bedeutsames zu der Zeit, etwas, was jenen Menschen als Symbol diente, als Versprechen darauf, was einst kommen mag.

Es war nicht falsch. Es war damals.

Aber damals ist nicht jetzt.

Wenn Menschen ein damals nehmen und versuchen, es zu einem heute zu machen, dann verfehlen sie den Punkt, sie arbeiten genau entgegen dem, wie ich die Bibel verstehe.

(Gibt es Dinge die damals wahr waren und es heute auch sind? Na klar.)

Diese Bibliothek erzählt von einem Gott der uns zu jedem Punkt unserer Entwicklung begegnet und der uns einlädt, ihm zu vertrauen und zu glauben, dass da noch mehr ist.
Das wir gerade erst am Anfang sind. Das alles gerade erst begonnen hat.

Weil damals war damals … aber jetzt ist jetzt.

#29 Wir sollen was tun? Mit unseren… was!? (Teil 2)

Abraham war neunundneunzig, als er beschnitten wurde.
Genesis 17

Wir sind noch nicht ganz fertig mit unserer kleinen Abraham-Reihe innerhalb unserer größeren Reise.

Heute geht es um Beschneidung.

(Komm schon… wir schreiben das Jahr 2015! Und du schreibst über Beschneidung..!?)

In dieser Geschichte über Gott und Abraham gibt es eine zweite, tiefere Ebene die uns etwas darüber erzählt, wie wir wachsen und werden – etwas, das enorme Auswirkungen auf unseren Alltag hat.

Zunächst ein paar Worte über „Beschneidung“: Wir haben auf unserer Reise immer wieder die Beobachtung gemacht, dass die frühen Teile der Bibel vom Entstehen einer neuen Sippe handeln. Einer Sippe, die von Abraham geführt wird und deren oberste Maxime es ist, der Welt Gottes Liebe nahezubringen.

Nun – wie gründet man eine Sippe?

Es gibt mehrere Möglichkeiten – die offensichtlichste ist: Man bekommt Kinder.

Und…?!

Man hat Sex.

…?!

Guter Einwand! Wir müssen daran denken, dass die Menschen der damaligen Welt nicht unser Verständnis von Biologie, von Zygoten und Eiern und all dem, besaßen. Damals beobachtete man schlicht, dass eine Frau nicht schwanger wurde, bis sie mit einem Mann zusammenlag. Augenscheinlich war der Mann derjenige, der das Leben/die Macht/die Zauberkraft in sich trug. Und um diese Kraft auf die Frau zu übertragen, benutzte er seinen…
Alle noch dabei?

Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch.

Gott zu Abraham, Genesis 17

Die Beschneidung war die Form, wie diese Menschen (okay.. Männer) ihre Zugehörigkeit zu diesem neuen Stamm bewiesen. Ein Kerl, der ohne Drogen oder Schmerztabletten einen Teil seines wichtigsten/verletzlichsten Körperteils abschnitt, war eine Art zu zeigen: „Ich bin dabei! Ich vertraue. Ich möchte meinen Teil zu dieser neuen Welt beitragen.“

Stellt euch Abraham vor, 99 Jahre alt, wie er in ein Handtuch beißt, während sein Nachbar Jürgen zu einem Stein greift und an die Arbeit geht… (Es ist ja nicht so, als ob sie damals schon scharfe Metallmesser oder ähnliches gehabt hätten.)

(Wenn sich der ein oder andere gerade fragt, warum irgendjemand klaren Verstandes so etwas tun sollte: Erinnert euch, dass Initiationsriten überall auf der Welt verbreitet sind, bei denen Menschen eine Form von Qual/Schmerz erleiden; ob das nun eine absurde Studentenverbindung, eine Sportmannschaft oder das interne Firmenwettrennen ist, wer mehr als 100 Stunden in der Woche arbeiten kann.)

Während die Geschichte in der Bibel voranschreitet, wird die Beschneidung zu mehr als einem Symbol. Sie teilt die Welt in diejenigen ein, die beschnitten sind und andere (Heiden und Ungläubige) die es nicht sind (vielleicht kennt jemand die Geschichte des Schäfers David, der von Goliaths Untaten hört und seine Männer fragt wer denn dieser unbeschnittene Philister sei).

Nun – ein schneller Vorlauf ins Neue Testament.
Der Apostel Paulus reist um die Welt, um den Menschen von Jesus zu erzählen, auch Abrahams Nachkommen kreuzen seinen Weg. Und was predigen sie anschließend den Menschen?

Sie sagen, dass – wenn man Jesus nachfolgen wolle – man beschnitten sein müsse. Das sei Teil des Deals. Dieses Zeichen gelte seit Anbeginn.

Stellt euch eine Gruppe von Griechen oder Römern vor, die nie zuvor von Abraham gehört haben, nie zuvor die Torah gelesen und keinen Schimmer haben, wer dieser Mose sein soll (“Spielt der nicht bei Gladbach in der Innenverteidigung?”). Sie hören nur von diesem Jesus und dass sie ihm folgen sollen und jetzt wird ihnen gesagt, dass sie überdies noch eine kleine Operation über sich ergehen lassen müssten.

Diese Griechen und Römer stehen da und sagen…

“Wir sollen was tun? Mit unseren…was!?”

Vera & Graphen gehen

IMAG0217Die Vera 8-Prüfung liegt hinter meiner achten Klasse und ich bin mit dem Abschneiden zufrieden. Die diesjährige Mathematik-Vergleichsarbeit war gut zu bewältigen und hatte eigentlich keine blöden Aufgaben. Obwohl man über die Aussage solcher Diagnose-Tests streiten kann, empfinde ich sie als positiv: Die Schüler, die über ein breites Fachwissen verfügen und über die Jahre gelernt haben, selbstständig Probleme zu lösen und zu denken, kamen ziemlich gut klar. Jene, die eher der Strategie des Bulimie-Lernens folgen (vor der Arbeit alles in sich hineinstopfen und dann auskotzen) hatten größere Schwierigkeiten. Letztlich bestätigt das Ergebnis aber die Beobachtung, die ich im Schulalltag mache. Unter den Schülern herrscht weitgehend Zufriedenheit – die überwiegende Mehrheit hatte den Eindruck, gut klargekommen zu sein.

IMAG0218Die Doppelstunde heute morgen (mit dem gleichen Kurs) habe ich mit der Einführung in die linearen Funktionen verbracht. Dazu wurden zwei Mannschaften gebildet. Einer zog eine Karte (s.Bild) mit einem abgebildeten Graphen und musste diesen ablaufen. Der Rest der Klasse musste dann herausfinden, wie der passende Graph aussieht.
Das verläuft eigentlich immer lustig und am Ende gab es ein Unentschieden zwischen den AtomAmeisen (abgekürzt AA) und den Piesel-Piranha (abgekürzt Pipi). Schöne Aspekte sind der Transfer von Alltagsbeobachtungen in die mathematische Sprache und überhaupt, dass man sich mal bewegt. (Sinnvolles) Spielen im Unterricht ist sowieso immer gut.

Die Karten zum Spiel “Graphen gehen” gibt es übrigens hier zum Download.

Lehrerwechsel vs. Kontinuität?

20140827_130625Im Sommer werde ich meine Klasse schon drei Jahre leiten. Dann ist Halbzeit. Ein guter Augenblick, sich Gedanken zu machen, ob ich die Klasse behalten oder abgeben möchte.
An meiner Schule werden stets zwei Klassenlehrer eingesetzt und nachdem meine erste Co mich wegen ihrer Familienplanung verlassen hat, habe ich mit ihrer Nachfolgerin genauso viel Freude im Alltag. Als wir uns über die Zukunft unserer Klasse unterhalten wird uns beiden schnell klar: Egal was und wie – aber wir bleiben zusammen.

Wir nehmen uns Zeit, viel Zeit, um uns Gedanken zu machen. Zwei Aspekte stehen zentral im Vordergrund:

  • Was ist gut für die Klasse? und
  • Was wollen wir eigentlich?

Familienleben.

IMAG0114_1Kritisch beäugt Oma die kleinen Babyfingerchen vom Amy. “Ihr müsst mal daran denken, der Kleinen die Hände zu waschen”, belehrt sie uns. “Nicht, dass die krank wird.”

“Keine Sorge”, murmelt Carolina wie beiläufig ins Wohnzimmer, “der Hund hat die vorhin ganz sauber geleckt.”

Sie sagt das in einem Tonfall, bei dem man nicht genau weiß, ob sie einen Witz gemacht hat.

DFB-Abenteuer Teil 2

ColorTouchVor knapp drei Jahren habe ich mich mit meiner 7. Klasse beim DFB als EM-Nachwuchsreporter beworben. Eigentlich sollte das Schreiben nur eine “Strafarbeit” für das ständige Fußball-Gequatsche der Schüler sein – am Ende nahm der DFB die Bewerbung jedoch an und so mussten meine Schüler Woche um Woche Berichte über die kommenden Gegner der Nationalmannschaft schreiben.

Später besuchte uns das offizielle DFB-Maskottchen und  an einem aufregenden Nachmittag wurde sogar ein Film über die Aktion gedreht, den man sich immer noch ansehen kann.

Heute, drei Jahre später, stehen die gleichen Schüler kurz vor ihrem Schulabschluss. Einige werden in die Oberstufe gehen, andere streben eine Ausbildung an.

In jedem Fall werden sich unsere Wege trennen.

Ein letztes großes Abenteuer werden wir aber noch gemeinsam erleben: Im Juni fahren wir zusammen nach Köln zu einem Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft. Für die Schüler (und für mich) wird das sicher eine aufregende Sache und ein würdiger Abschluss (werden die meisten wohl auch in zehn Jahren meinen Namen vergessen haben – solche Aktionen bleiben im Gedächtnis).

Der lustigste Punkt aber ist: Wenn man schon mit 30 Mann ins Stadion fährt, dann sollte man die Chance ergreifen und ordentlich auf sich aufmerksam machen. Also: Welches Spruchband sollen wir hochhalten? Welche Buchstaben auf die Stirn malen? In welcher Verkleidung auf den Rängen tanzen?

Uns ist jedes Mittel recht, um einen bunten Abend zu genießen 😀

Ich bitte um Vorschläge :-)

Kinderpsychologie

Die kleine Amy spuckt Milch.
”Lina, hol mir bitte ein ZEWA”, bitte ich meine Älteste, während ich mich um das Baby kümmere. Carolina braucht einige Augenblicke, bis sie die Papierrolle entdeckt und kommt dann seelenruhig zurückgeschlendert, während ihre Freundin meinem Treiben interessiert, aber untätig zuschaut.

Carolina hat genau ein Blatt der Rolle in der Hand.

“Carolina”, sage ich, lege die Stirn in genervte Falten und wische die Sauerei mühsam weg, “wenn ich sage ‘ein Zewa’ meine ich damit zwei oder drei Blätter!”

Statt dass sie zurück in die Küche eilt, schaut sie mir entspannt zu und erklärt ihrer Freundin: “Normalerweise nennt mein Papa mich Lina. Wenn er ‘Carolina’ sagt, dann ist er sauer. ”

Ich blicke auf. “Carolina Sophie!”

“Und so nennt er mich, wenn er stinksauer ist!”, kichert sie und läuft mit ihrer Freundin rasch davon.

Fortbildung: Erstellung von Unterrichtsmaterialien

LehrerfortbildungVor kurzem erhielt ich die Einladung zu einer Fortbildung Ende April. Es geht um die Erstellung von Material für das Fach NW (“Naturwissenschaft”). Solche Einladungen sind nichts besonderes – jeder Lehrer und jede Schule erhält Dutzende davon im Jahr. Diese Fortbildungen sind manchmal cool und manchmal… nunja, auf andere Lehrertypen zugeschnitten.

Da ich (wie üblich) von meinem eigenen Unterricht ganz begeistert bin, habe ich bei dieser Fortbildung gedacht, wie großartig mein selbst erstelltes NW-Workbook dazu passt. Also schrieb ich den Kollegen eine E-Mail, entschuldigte mich für die dreiste Einmischung – und hängte die Workbooks an.

Einige E-Mails später wurde ich herzlich eingeladen, doch bitteschön selbst an der Fortbildung teilzunehmen und – wenn möglich – auch ein bisschen was dazu zu erzählen. Also freue ich mich auf die Gelegenheit, im April etwas beisteuern zu können. Das wird bestimmt cool (und wenn nicht, dann ist es halt auf andere Lehrertypen zugeschnitten Zwinkerndes Smiley). Die Anmeldung erfolgt online hier – evtl. treffe ich ja den ein oder anderen Leser dieses Blogs dort.

Apropos großartiger Unterricht:
Eine liebe Kollegin kam letzte Woche auf mich zu, drückte ihren Unmut über ihre (und meine) Phantasielosigkeit im Unterricht aus und begann aus dem Stehgreif, eine Geometriemappe für das neue Thema “Dreieckskonstruktion” zu erstellen. Inhaltlich entspricht sie in großen Teilen der zugehörigen Lerntheke – der Aufbau ist allerdings geführter mit sehr viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung (ich bin nicht so der große Hefte-Einsammler, da passt mir das hier ganz gut).

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Interessierten Kollegen schicke ich die Mappe gerne zu – sie ist aber auch an üblicher Stelle zu finden. Diesmal auch als veränderbare .pptx-Datei, damit ihr sie… öhm… “auf euren Lehrertypus anpassen” könnt. (Falls ihr das Workbook nicht cool findet, wie es ist..!?)

Charakterschwäche

221131_276677482437751_1033654548_oEin Oberstufen-Schüler, den ich inzwischen nicht mehr unterrichte, begegnet mir auf dem Flur. Er ist Schalke-Fan und ich kann von weitem sein süffisantes Grinsen sehen.

Doch noch bevor er mir irgendeinen Spruch reindrücken kann, quatsche ich ihn zu. “Weißt du, Michel”, sage ich, “auf jemanden einzutreten, der schon am Boden liegt… Das sagt einiges über die Person aus. Über ihren Charakter.”

Ich blicke ihn mit enttäuschter Miene an – wie Lehrer oft schauen, wenn einer ihrer Zöglinge etwas richtig Dummes gesagt hat.

“Und wenn ich ehrlich bin, dann macht mich das wirklich betroffen. Ich hätte da einfach mehr von dir erwartet. Aber so.. ich bin ehrlich traurig darüber.”

Der Schüler nickt verstehend.
”Herr Klinge”, erwidert er freundlich, “ich trete nicht nur, ich spucke auch auf Leute, die am Boden liegen.”

Schalker. Muss ich mehr sagen…?!

Die Dorfschullehrerin

Kennt ihr das, dass der obere Rücken- und Nackenbereich völlig verspannt ist?

Ich geh also zur Massagepraxis in Eiserfeld (das Dorf, in dem auch unsere Gesamtschule liegt). Und als ich da so halb nackt auf dem Bauch (Gottseidank!) auf der Massagepritsche liege, kommt der Physiotherapeut mit einem fröhlichen „Guten Morgen, wen haben wir denn da?“ herein. Es liest ab „Eva Tellmann. Ah! Ich war bei Ihnen an der Schule!“

Scheiße. Ich verdrehe mich, um den jungen Mann anzuschauen, ohne mich gänzlich zu entblößen. Zum Glück war er nicht MEIN Schüler! Aber ich kann mich gut erinnern, dass ich Klassenlehrerin in seiner Parallelklasse war. Dem ehemaligen Schüler ist das alles gar nicht unangenehm und er plaudert freundlich drauflos über alte Lehrer und gemeinsame Bekannte.  Wunderbarerweise hat er wirklich heilende Hände und versteht sein Handwerk.

Deswegen merke man sich: Seid nett zu den Kindern in der Schule, denn sie werden eure Gynäkologen, Feuerwehrleute, KFZ-Mechaniker und Bestattungsunternehmer.

“Wie aus dem Gesicht geschnitten”

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“Deine Tochter sieht dir so ähnlich”, sagen die Leute ständig. “Besonders die Augen”, sagen sie.

Manchmal zu mir.

Manchmal zu meiner Frau.

Ich sehe das nicht. Für mich sehen Babys alle gleich aus.

Ein weiteres Halbjahr ist rum. Die Tage sind gerade ganz wunderbar aber ich stelle verärgert fest, dass mein Blog mir zu “berufsorientiert” geworden ist. Das nervt mich etwas, weil mein Leben nicht nur aus Schule besteht.

Notiz an mich selbst:
In Zukunft wieder mehr Blödsinniges aus dem Alltag, wie die Geschichte, als wir die Milchzähne vom Hund in Carolinas Milchzahndose gelegt und ihr erzählt haben, sie hätte als Baby solche Reißzähne gehabt.

#28 Wir sollen was tun? Mit was?

IMAG0030Ich bin selbst ganz aufgeregt über unserer Bibelreihe. Einige Texte liegen schon hinter uns, aber da ist noch mehr auf dem Weg. Am spannendsten finde ich die abstrusesten Texte – diejenigen, mit denen ich am wenigsten anfangen kann – und heute kommt wieder so einer: Wir wollen Gott heute in einem rauchenden Ofen suchen (ich meine – jeder kann Gott in einem brennenden Busch finden – aber ein oller Ofen? Kommt schon!).

Zunächst ein Vers aus der Bibel
dann eine Geschichte.

Hier ist der Vers:

Die Sonne war inzwischen untergegangen, und es war dunkel geworden. Da sah Abram einen rauchenden Ofen, und eine Feuerflamme fuhr zwischen den Fleischstücken hindurch.
(Genesis 15)

Und jetzt die Geschichte:

Notenschlüssel

IMAG0235_1Carolina ist in ihrem letzten Grundschuljahr.
Das Zeugnis, welches sie nächste Woche erhält ist (mehr oder weniger) entscheidend für den weiteren Verlauf ihrer Schulkarriere. Daher habe ich mir ihre Klassenarbeiten in den letzten Monaten etwas genauer angesehen und bin irritiert: Nicht, dass ihre Noten schlecht wären – aber oft reicht schon ein Fehler, um kein “sehr gut” mehr zu schaffen. Die Bewertung scheint mir auch an anderer Stelle oft hart.

Beim Schulentwicklungsgespräch frage ich die Klassenlehrerin nach dem Notenschlüssel der Schule. Ein solcher Schlüssel beschreibt, wie viel Prozent richtige Antworten welcher Note entspricht.

”Ab 98% gibt es ein ‘sehr gut’” erklärt mir die Kollegin. “Ab 88% ein ‘gut’, ab 75% eine ’Drei’ und für eine ‘Vier’ braucht man 50%.”

Eine Grundschulkollegin aus dem Bekanntenkreis bestätigt mir, dass sie ähnlich bewerten würde.
Ich bin erstaunt. Erst recht, wenn ich den Notenschlüssel mit dem meiner Schule vergleiche. Genau wie die Grundschule ist auch eine Gesamtschule eine Schule “für alle Kinder”. Anders als Hauptschule oder Gymnasium haben wir eine extrem unterschiedliche Schülerschaft. Unser Notenspiegel orientiert sich an den Vorgaben für die Zentralen Abschlussprüfungen bzw. für das Abitur in NRW. Alle Klassenarbeiten in allen Fächern werden bei uns nach dem gleichen Schlüssel bewertet:

100% – 87% Note 1
86% – 73% Note 2
72% – 59% Note 3
58% – 45% Note 4
44% – 18% Note 5
17% – 0% Note 6

Da ergibt sich ein anderes Bild.

Ich drücke meine Irritation im Gespräch auch aus. “Wenn ich erst ab 98% ein ‘sehr gut’ verteilen würde, dann wäre das für viele Kinder ein ziemlich trauriges Schulleben.” Die Grundschulkollegin stimmt mir zu, erwähnt aber auch, dass sie trotzdem von Seiten der Eltern oft unter Druck stünde, deutlich härter zu bewerten. “Manche haben Zweifel, wie die Kinder überhaupt das Gymnasium schaffen sollen, wenn sie von hier kommen.”

Platt gesagt: An der weiterführenden Schule wäre jede Arbeit meiner Tochter stets eine Note besser bewertet worden. Von einem bayrischen Gymnasium weiß ich, dass sie auch (mehr oder weniger) unseren Schlüssel benutzen. Ich will dabei die Grundschule gar nicht groß kritisieren: Die machen da eine ganz wunderbare Arbeit und Carolina freut sich jeden Tag auf die Schule.

Ich finde das Ganze eher schwer zu beurteilen – zunächst einmal, weil ich kein Grundschullehrer bin und überdies, weil mir die langjährige Erfahrung fehlt. Aber eliminiert man mit der Grundschulversion nicht de fakto die Note “sehr gut”? Ein Fehler im Diktat. Irgendwo einmal verrechnet. Führt das nicht womöglich dazu, dass die Eltern den Druck auf die Kinder erhöhen oder diese den Spaß an der Schule verlieren? Es ist ja auch nicht so, als wären die Noten bedeutungslos: Es geht um den weiteren Bildungsweg.

Wie seht ihr das?
Und wie sieht der Notenschlüssel bei euch an der Schule aus? (Und erwähnt dabei zur Orientierung bitte Schulform und Bundesland.) Ganz besonders interessieren mich die Erfahrungswerte von Grundschulkollegen.