Abschied von meinem Physikkurs

Zum Abschied von meinem (großartigen) 12er Physikkurs habe ich meinen Freund Nils gebeten, mit etwas flüssigem Stickstoff und einer Handvoll netter Experimente in meinem Unterricht aufzutauchen.

Besonders interessant: Man kann Marshmallows auf -190°C abkühlen und dann sofort essen. Anschließend kondensiert der Atem, was zu lustigen Effekten führt.

Notenverwaltung zum Halbjahr

Ich berichtete bereits über das von mir genutzte Notenverwaltungsprogramm auf meinem Android Tablet. Zum Sommer sind einige Kollegen mit auf den Zug aufgesprungen und nach wie vor zufriedene Benutzer. Das spricht zumindest dafür, dass das Programm mich nicht nur überzeugt, weil ich ein Nerd bin – sondern dass es wirklich etwas taugt.

Zum Halbjahr taucht jedoch ein Problem auf, über dessen Lösung ich mir Gedanken machen soll: Bis zum Halbjahr hat man einen ganzen Packen an Noten gesammelt, die nun überflüssig werden.

Während man die Klassenarbeitsergebnisse, Quartalsnoten und Halbjahresnoten womöglich behalten möchte, trifft dies auf die zahlreichen mündlichen Noten womöglich nicht zu.

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Wie kann man also nur bestimmte Notenkategorien löschen? (Also bspw. alle mündlichen Noten?) Ein kurzer (und wie immer freundlicher) Kontakt mit Andreas Schilling, dem Autoren der Software bestätigte mir, dass dieses Feature noch nicht vorhanden sei, aber in den kommenden Monaten nachgereicht würde.

Screenshot_2014-02-04-21-29-17Ich bin arg wenig motiviert, alle mündlichen Noten per Hand zu löschen, will sie andererseits aber auch nicht stehen lassen, weil das letztlich arg unübersichtlich wird.

Die Lösung ist so einfach wie praktikabel: Eine weitere Kategorie. Ich habe nun (selbsterklärend)

  • H1 mündlich
  • H2 mündlich
  • schriftlich
  • Selbsteinschätzung
  • Quartal 1
  • Halbjahreszeugnis
  • Quartal 3
  • Zeugnis.

Ich glaube, damit komme ich prima ein Jahr über die Runden, ohne irgendwann, irgendwas löschen zu müssen. H2 mündl. wird dann im zweiten Halbjahr gefüllt. Dann kann ich mit “Zeitraum abschließen” auch nichts falsch machen und versehentlich Noten löschen ;-).

Alltagsrassismus

Es klingelt.
Ein Vertreter für Markisen steht vor mir und strahlt mich freundlich an. Ob das Haus mir gehöre (nein) und ob die Vermieter womöglich Interesse an einer Markise haben könnten (ebenfalls nein). Wir plaudern ein bisschen über das Verhältnis Mieter-Vermieter und auch darüber, wie besorgniserregend wir es finden, dass die Immobilienfirma Deutsche Annington an die Börse will, was letztlich vor allem Profitmaximierung auf Kosten der Mieter bedeuten könnte.

Der Gespräch wird depressiver. German Angst kommt mir in den Sinn. Aber es wird noch schlimmer.

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Markt der Argumente

Diese Methode ist eine Variante des einfachen T-P-S.

Sie hat zum Ziel, Argumente zu sammeln und zu strukturieren. Sinnvoll ist diese Methode in Sprachen und in Geisteswissenschaften, und zwar eher nicht als Einstieg, sondern weiter hinten in der Reihe, wenn bereits Input erfolgt ist.

Wir haben ein Thema, das diskutiert werden soll, z.B. die Todesstrafe. Jede/r SchülerIn bekommt sechs kleine Zettel. Die SchülerInnen sollen sich drei Argumente überlegen und jedes Argument doppelt aufschreiben, sodass auf zwei Zetteln das Gleiche steht. Drei Zettel behalten die SchülerInnen. Diese bleiben auf dem Platz liegen. Dann sollen die SchülerInnen ihre doppelten Argumente mit anderen SchülerInnen tauschen. Dafür müssen sie in der Klasse rumlaufen und den Mitschülern ihre Argumente “andrehen”, denn es geht darum, “gute”, neue Argumente zu sammeln. Dazu gehört, dass man seine eigenen Argumente, auch die schwächeren, gut “verkauft” (erklärt). Nach etwa 10 Minuten sollten die SchülerInnen drei andere Argumente ertauscht haben; d.h. sie haben jetzt sechs: drei eigene + drei fremde.

Jetzt kommt die Partnerphase: Gemeinsam werden die Argumente gesichtet: doppelte werden rausgenommen, sinnlose auf Seite gelegt und die übrigen werden sortiert (meinetwegen nach pro und contra, nach der wissenschaftlichen Position o.ä.)
In der Gruppenphase wird über die Argumente gesprochen: Welche Argumente tauchten gehäuft auf? Welche Positionen waren neu? Nicht nachvollziehbar? Welches Argument hat man genommen, obwohl es bei näherer Betrachtung doch nicht so gut war? Was diese Methode bringt: Die SchülerInnen müssen Positionen/ Argumente sich zu eigen machen und diese vertreten. Sie müssen die Qualität von Agrumenten/ Positionen abwägen und schlechte ablehnen. Sie müssen diese in eine Struktur bringen.

Erfahrungen: Diese Methode funktioniert frühestens ab Klasse 9. In der Oberstufe ist das kein Problem mehr. Schwache SchülerInnen haben Probleme auch in der Partnerphase noch die Konzentration zu halten, und manchen fällt es schwer Argumente zu strukturieren.
Meine Erfahrungen beziehen sich auf den Gesellschftslehreunterricht und auf Deutsch in der Sek. II (Sprachwandel). In Geschichte wäre das gut denkbar bei historischen Kontroversen (Kriegsschuld, willige Helfer usw.) Viel Erfolg!

Hohe Ziele

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Während meine Tochter jeden Morgen in den Genuss eines Schulbrotes kommt, bin ich (ehrlich gesagt) zu faul, mir selbst eines zu machen. Und spätestens Donnerstags, nach 9 Stunden Unterricht, bereue ich das zutiefst.

Also beriet ich mich mit meinen Kollegen im Lehrerzimmer und habe letzte Woche einen dieser Obstkörbe über meinem Platz angebracht, die man normalerweise in der Küche hängen hat. Mein Plan ist war, dort immer ein paar Äpfel vorrätig zu haben – schließlich gilt: “An Apple a day, keeps the doctor away!” Und da der Obstkorb nicht nur mir allein dienen soll, sondern dem ganzen Tisch, war ich umso begeisterter.

Das war eine tolle Idee. Dachte ich.

Den während ich noch bewundernd vor meinem Platz stand – flog von hinten (von dem Tisch, an dem die Sportlehrer sitzen) die erste zusammengeknüllte Papierkugel zielsicher in den untersten Korb. Applaus und Freude im restlichen Kollegium – und bei mir eine Ahnung, dass das vielleicht doch keine so gute Idee war.

Eine Stunde später sind die Hängekörbe voller Papierkugeln und ich bin um zwei Erkenntnisse reicher:

  1. Ich gehe unglaublich gern in die Schule. Und das meine ich genau so.
  2. Ich muss schnell ein paar Äpfel besorgen, bevor sich die Kollegen an den erhöhten Mülleimer gewöhnen.

Mathestunde (Gedicht)

Ich weiß nicht: Gehört das in die Rubrik “Feedback zu Ihrem Unterricht, Herr Klinge”?

 

2013-12-20 08.23.16In der Mathestunde müssen wir alle sitzen

die Sonne scheint, die Schüler schwitzen.

Das Thema hat kaum einer verstanden,

der Lehrer schreit “Ihr werdet auf der Straße landen!”

In der letzten Reihe sind alle am pennen,

die vorne müssen die Zähler nennen.

Die Schüler müssen büffeln,

man riecht, wie sie nach Schweiß schon müffeln.

Langeweile verbreitet sich im Raum,

das Thema interessiert uns alle kaum.

Der Lehrer merkt, die Klasse schwätzt,

“Oh warum wurde die Prügelstrafe abgesetzt?”

Nach dem Klingeln machen wir alle Pause,

doch können wir noch lange nicht nach Hause.

Ja, so ist sie unsere Runde,

in der schönen Mathestunde!

Klingonisch im Abitur.

1524916_500757073363123_1322066422_nGelangweilt nehme ich meine Pausenaufsicht wahr, als drei Schüler entschlossenen Schrittes auf mich zukommen. Ein schelmisches Grinsen liegt auf ihren Gesichtern, als sie vor mir stehen.

“nuqneH, Herr Klinge”, grüßen sie mich fröhlich und ich ahne, dass dies ein ganz besonderes Gespräch wird. Ich werde nicht oft auf klingonisch gegrüßt.

“laH tlhIngan lo’ jIH je cha’DIch Hol, qaStaHvIS DuSaQ?” radebrecht einer von ihnen. Ich brauche einige Augenblicke und muss tief in meinem Gedächtnis kramen, Komposita zusammenfügen und einige Vokabeln erahnen. Ich ahne, dass sie nicht nur eine Frage stellen, sondern mich auch direkt prüfen wollen.

“Um ehrlich zu sein”, antworte ich, “habe ich noch nie darüber nachgedacht, ob man klingonisch als zweite Fremdsprache anerkennen lassen kann.”

Einen Moment herrscht Stille.

“Aber”, füge ich hinzu, “keine Frage ist so dämlich, dass ich ihr nicht nachgehen würde!”

FB-Freundschaft vs. Quizduell-Feindschaft

2014-01-18 12.37.58Die HandyApp Quizduell geistert gerade durch alle Medien – ein kurzlebiger Hype ist entstanden, der zweifellos bald vergangen ist. Wer nicht weiß, worum es geht: Beim Quizduell treten zwei (einander unbekannte) Spieler in verschiedenen Kategorien an und müssen Fragen beantworten. Wer mehr weiß, hat gewonnen und bekommt Punkte. Man kann auch gegen Freunde antreten.

Ein lustiger Zeitvertreib mit teils abstrusen Fragen.

Nachdem ich mich einige Male mit meiner Frau und auch irgendwelchen Unbekannten duelliert habe, postete ich augenzwinkernd einen Kommentar bei Facebook, dass ich neue Herausforderer suchen würde.

Etwas, dass ich besser nicht getan hätte. weiterlesen

Hospitation.

Als Lehrer ist man nicht nur für die Bildung und Erziehung der Schüler mitverantwortlich, sondern auch für die Ausbildung der Referendare. Dazu gehören Planen und Auswerten des Unterrichts, Feedback über Verhaltensweisen in bestimmten Situationen und Austausch über einzelne Schülerleistungen.
Dem einen Kollegen muss man mehr, dem anderen weniger helfen, um in die Lehrerrolle hineinzufinden; Schlüsselfragen zu Beginn sind vor allem “Wie bekomme ich Disziplin in den Haufen?” und “Wie reagiere ich, wenn ein Schüler xy macht?”.

Gerade habe ich das Glück, angehenden KollegInnen zuschauen zu dürfen, die gut sind. Und ich meine wirklich gut. Die zaubern Stunden aufs Parkett, bei denen ich gespannt hinten drinsitze und wissen will, wie es weitergeht. Die ohne mit der Wimper zu zucken die Rabauken der Klasse genau im richtigen Ton zurechtweisen und nicht den Hauch eines Zweifels übrig lassen, wer hier die Hosen anhat und gleichzeitig den stillen Kindern gerecht werden.

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Ich würde gerne viel öfter bei Kollegen hospitieren. Nicht so sehr, um deren Unterricht zu bewerten oder weil ich den Französischunterricht von früher vermisse – sondern vielleicht aus einem ähnlichen Grund, weshalb ich ins Museum gehe: Ich staune gerne. Zu sehen, wie andere Kollegen mit den Kindern arbeiten, wie sie Zusammenhänge herleiten oder einfach nur begeistert von der französischen Revolution erzählen. Ich genieße das.
Verblüffend (für mich) ist, dass ich als Referendar das Hospitieren eher öde fand – vielleicht liegt der Unterschied darin, ob man “hin und wieder” einem Kollegen zuschaut, oder “andauernd dem gleichen”.

Leider bleibt im Alltag nur wenig Zeit dafür. Außerdem muss man als Lehrer seinen eigenen Unterricht ganz schön toll finden, um die Hospitation eines Kollegen zu ertragen (ich finde meinen Unterricht total großartig :-D ).
So bleibt mir letztlich nur, die Show der Referendare zu genießen.