Apps für den Unterricht (Folge 15)

Ich bin ja nicht ganz sicher, ob ich das hier veröffentlichen soll, aber die App ist schon wirklich stark: PhotoMath.
Im Prinzip handelt es sich dabei um einen Taschenrechner: Man muss Aufgaben nur noch mit der Kamera scannen und erhält dann das Ergebnis, inklusive Zwischenschritten, auf dem Display angezeigt:

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Im Augenblick funktioniert das nur mit gedruckten Aufgaben, dort allerdings recht zuverlässig. Ich schätze, in wenigen Monaten kann ich mir das Aufdrucken der Lösungen bei meinen Lerntheken sparen. Funktioniert natürlich (im Moment) eher bei einfachen, linearen Gleichungen als bei komplexen Aufgaben. Trotzdem ganz cool zu sehen.

Die App ist aktuell kostenlos für Apple-Geräte und Windows Phones zu haben.

Für Apple: iTunes Appstore Link.

Für Windows Phone: AppStore Link.


Immer wieder werden hier Android- und iPhone-Apps vorgestellt, die sich im Unterricht sinnvoll einsetzen lassen. Einen Überblick aller bereits besprochenen Programme findest du hier.

Fehlt noch etwas? Weitere Vorschläge einsenden.

Wann ist gut gut genug?

Mit Erstaunen stelle ich fest, wie viele Leute den Text über die 12 Wochen Ferien im Jahr lesen. Hm. Da habe ich einen wunden Punkt getroffen (und stelle wieder fest, dass ich an dieser Stelle auch sehr dünnhäutig bin). Allzu oft wird uns Lehrern vorgeworfen, wir seien faul (man denke nur an das Schröder-Zitat) oder schlecht organisiert und  sollten “mal in der freien Wirtschaft arbeiten”, ja dann wüssten wir was wirkliche Arbeit ist. Ich wette, dass jeder von uns solche Sprüche kennt und alle Reaktionen schon ausprobiert hat: eine humorvolle Antwort, ignorieren, einen ernste Antwort oder – um es mit den Ärzten zu sagen – immer mitten in die Fresse rein.

Ich glaube, dass einer der Vorzüge am Beruf des Lehrers die unfassbar große Freiheit ist. In der Regel kontrolliert mich keiner mehr, wenn ich mich erst mal durch das Referendariat gequält habe. Deswegen liegt es im Ermessen jedes Einzelnen, wann gut auch wirklich gut genug ist. Und da liegt meiner Meinung nach nach beiden Seiten die Gefahr: Die extrem bequemen Lehrer gehen 5 Minuten nach dem Klingeln in den Unterricht, um dann früher wieder Schluss zu machen. Oder aber die extrem engagierten Lehrer, die für jede Stunde die Klasse neu dekorieren, rosa Kopien mit Glitzer bestreuen und laminieren, um sie dann in Herzform auszuschneiden. Und irgendwo dazwischen liegt die goldene Mitte.

Ich kann mich ganz wunderbar verzetteln – und dabei verliere ich dann jede Menge Zeit; Zeit, die mir an anderen Ecken wieder fehlt. Ich mache das mal an einem Beispiel deutlich. In der Oberstufe steht in Geschichte einiges zum Thema “Deutschland nach 45″ am Lehrplan. Und weil ich gerne Geschichte unterrichte, ist das mein Verzettelfach Nr. 1. Nehmen wir mal den Aspekt der “Entnazifizierung”. Das, was mir einfällt (Nürnberger Prozesse, Eichmann-Prozess, Hannah Arendt, Frankfurter Prozese, “Im Labyrinth des Schweigens”, Josef Neckermann, “Das Amt”, Franz Nüßlein, Hanns-Martin Schleyer, die RAF usw.), muss ich strukturieren und daraus eine extrem kurze Sequenz basteln. Aber alles ist so interessant und beim Lesen, Nachschlagen, Suchen und Ansehen gehen im schlimmsten Fall Stunden ins Land. So kann man das, glaube ich, mit allem machen. Grundschullehrer können da ein Lied von singen, weil – zumindest meine Freundinnen-  extremen Wert auf ganzheitliches Lernen und Methodenvielfalt legen. Da geht immer noch was – nur schlafen und sich ausruhen, das geht dann nicht mehr.

Große Familie

20141025_132016_AndroidDas Wochenende waren wir auf einem runden Geburtstag von Freunden aus alten Tübinger Zeiten eingeladen. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, eine alte Villa in Frankreich für diese Party zu mieten und haufenweise Familie und Freunde gerufen.
Für uns war es die erste größere Fahrt mit dem Baby – das, ganz Gemeindekind – zwei Tage lang von Arm zu Arm gereicht wurde und meist selig schlief. Carolina – im gleichen Haushalt aufgewachsen – kannte zwar niemanden, aber sprang sofort mit den anderen Kindern umher, fuhr ins örtliche Schwimmbad und begegnete uns erst abends wieder, wenn sie todmüde ins Bett fiel. Es wurden Geschichten und Anekdoten erzählt, Lieder gesungen und eine bunte Weinverkostung (bei der jeder Gast seinen Lieblingswein & eine Geschichte mitbrachte) genossen. Essen. Trinken. Lachen. Freuen. Spazierengehen. Zuhören. Aufmuntern. Freuen. Genießen.

Ein großartiges Wochenende.

Es tut mir immer leid, wenn ich höre oder lese, welche ätzendes Bild Menschen von Kirche haben. Als überflüssige Institution. Als seelenloses Konstrukt. Denn für mich ist es das nicht.

Obwohl wir Tübingen vor sechs Jahren verlassen haben, fühlte sich das Wochenende eher wie ein Familientreffen, als eine Geburtstagsparty an. Ein, nur schwer in Worte zu fassendes, Gemeinschaftsgefühl herrschte die Tage über – obwohl sich viele Gäste gar nicht oder nur flüchtig kannten.

Vielleicht lag das daran, dass der Geburtstag nur vordergründig Anlass der Feier war und im Mittelpunkt stand. Für mich bedeuten solche Feste vor allem, dass man das Leben feiert. Ein Blick auf mein neugeborenes Baby erinnert mich daran, wie zerbrechlich dieses Leben ist und wir alle wissen, wie schnell alles in Scherben vor uns liegen kann.

Ein Wochenende mit Freunden und Musik und Wein.

Feiert, Freunde, feiert das Leben.

Disziplinprobleme – Thesen und Rezepte aus dem Alltag

1. Erzählt mir nichts… je nach Schülerschaft kann es jeden treffen.

2. Die erste Minute in einer fremden Klasse ist entscheidend. Was man nicht tun soll: In die Masse reden und – weil einem keiner zuhört – seinen Namen an die Tafel schreiben.
Besser: Sich aufrecht vor die Klasse stellen und warten, bis einem alle zuhören und dann seinen Namen sagen. Was mich direkt zu Punkt 3 führt, der das oberste Gebot ist:

3. NIEMALS reden, wenn es in der Klasse laut ist bzw. wenn Schüler sprechen, auch wenn das bedeutet, dass ich u.U. lange warten muss oder immer wieder meinen Redefluss unterbrechen muss. Auch Schüler sollten an Wortbeiträgen gehindert werden, wenn die anderen nicht zuhören.

4. Wenn mir die Klasse nicht folgt, habe ich aus meiner Erfahrung zwei Möglichkeiten:
a) Sehr straffen Unterricht, der auf mich gerichtet ist, quasi Frontalunterricht, und die Schüler arbeiten lassen, bis denen die Kopfe, Hände und was weiß ich qualmen. Die Schüler dürfen keinen Freiraum haben zum Reden oder Unsinn machen. Es heißt Arbeit, Arbeit, Arbeit und null Freiraum.
b) Stationenarbeit, in der es einzig und allein darauf ankommt, was der Einzelne tut. Das bedeutet, dass die Schüler keine Möglichkeit bekommen zum Abschreiben oder Fuddeln.
In Extremform bedeutet das, dass jeder Schüler eine Stationenmappe hat, die beim Lehrer bleibt. In jeder Stunde werden die Arbeitsergebnisse eingesammelt und am Ende der Reihe bekommt der Schüler die Rückmeldung für seine Leistung durch eine Note.

4. Wenn Schüler vor mir keinen Respekt haben, nicht arbeiten und nicht auf mich hören, geht Gruppenarbeit gar nicht. GA funktioniert nur, wenn sich die Schüler an die Reglen und Anweisungen des Lehrers halten.

5. Je wichtiger das Fach und je mehr Stunden der Lehrer in der Klasse hat, desto ernster nehmen die Schüler den Lehrer.

6. Nebenstunden am Nachmittag sind immer schwierg, es sei denn man ist Dompteur und kein Lehrer.

7. Männer, die groß und breit sind, haben tendenziell weniger Probleme als zierliche, hübsche, junge Frauen. Ausnahmen bestätigen hier unbedingt die Regel.

8. Referendare haben tendenziell mehr Probleme mit der Disziplin als festangestellte Lehrer.

9. Wenn man die Namen der Kinder nicht kennt ist ohnehin alles verloren. Also: Sofort die Namen lernen – unbedingt!

10. Nur geplanter und gut strukturierter Unterricht funktioniert. Je schlechter meine Planung, desto schlechter folgen die Kinder. Das merkt man aber auch sofort.

11. Es schadet gar nichts Quatsch zu machen, wenn die Beziehung stimmt und alle eingesehen haben, dass ich der Leitwolf im meinem Untericht bin.

 

Hurra! Oh weh! Die Schullandschaft.

Weil es immer weniger Kinder gibt, werden überall Schulen geschlossen. Das hat zur Folge, dass die Schulen um jeden Schüler kämpfen und auch bereitwilliger Schüler aufnehmen, als sie das vor zwanzig Jahren getan hätten. Und das hat zur Folge, dass speziell den Haupt- und Realschulen die Schüler davonlaufen.

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Eine, nach der anderen.

Ich unterrichte an einer größeren Gesamtschule mit etwa 1000 Schülern. Ich behaupte einfach mal, dass wir richtig gute Arbeit leisten – zumindest haben wir Jahr für Jahr weit mehr Bewerber, als Plätze und ein gutes Eltern-Lehrerverhältnis (für mich ein untrügliches Indiz für gute Arbeit). Mittlerweile platzt unsere Schule aus allen Nähten und im Zuge der Inklusion fehlen uns zahlreiche Räume für Inklusionshelfer, Förderprogramme oder Arbeitsräume (für Lehrer und Schüler). Allein die Oberstufe umfasst mittlerweile fast dreimal so viele Schüler, wie ursprünglich angedacht.

Vor knapp einem Jahr wurden wir darüber informiert, wie sich der Schulausschuss der Stadt Siegen die Zukunft vorstellt. Es wurde laut über eine weitere Gesamtschule nachgedacht und Zusammenschlüsse von Realschulen und Gymnasien zu einer weiteren Schulform (dem Realgymnasium?). Aber am Ende – so empfand ich es zumindest – kristallisierten sich zwei Optionen heraus:

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