Ein Rätsel

Diesen Montag kam mein Freund Nils auf mich zu und erzählte mir eine spannende Geschichte: Sein Professor wäre mit einem Rätsel auf ihn zugetreten, welches Grundschulkinder im Allgemeinen ziemlich zügig lösen würden und Frauen nach wenigen Minuten. Männer bräuchten seiner Erfahrung nach deutlich länger aber am schlimmsten sei es mit Mathematikern, die seien außerstande, der Lösung auf die Spur zu kommen.

Nun war meine Neugierde geweckt. Ich wollte wissen, worum es ging und ob ich mehr Mathematiker als Mann sei. Folgende Reihe von Zahlen sei gegeben:

1, 11, 21, 1211, 111221, 312211, …?

Welche Zahl kommt als nächstes?

Natürlich liegt in Zeiten von Google und Wikipedia die Versuchung nahe, sofort auf die Lösung zu schielen.
Ich möchte an dieser Stelle aber an den populärsten Artikel dieses Blogs überhaupt erinnern: “Mathematik ist wie… dieses Bild”: Nicht die Lösung ist das Entscheidende, sondern der Prozess dahinter. Das Nachdenken, grübeln, Lösung finden. Lasst euch Zeit beim Denken. Genießt das Grübeln, die Lösung ist nicht schwer (zumindest für die Leserinnen dieses Blogs).
Mein Kollegium jedenfalls denkt und forscht und erfreut sich daran. Ein Schüler hatte tatsächlich nach gut zwanzig Minuten die Lösung. Ähnlich wie bei dem Bild gibt es auch hier genau eine Lösung und wenn man es weiß, ist man sich ganz sicher. Wenn man “vermutet” oder “rät”, dann ist es ziemlich sicher falsch.

Also: Kinder recht flott, Frauen zügig, Männer lahm, Mathematiker gar nicht.

EM Berichterstatter (1)

Nachdem der DFB unsere Bewerbung als Nachwuchs-Reporter angenommen hat, standen zwei Dinge auf dem Plan.
Zunächst einmal die spöttischen Kommentare meiner Kollegen ertragen und zum anderen musste ich mir Gedanken über die Organisation machen. Unsere Aufgabe wird sein, verschiedene Länder der EM vorzustellen. Zum einen sachliche Informationen, zum anderen Anekdoten oder welchen Stellenwert der Fußball dort hat. Mit reichlich Erfahrung in Sachen Gruppenarbeit stand ich vor einem Problem:

23 Schülern, aber wenige Artikel.

Ich habe mich für eine technisch-spielerische Lösung entschieden: Google Documents, bzw. Google Drive, wie es heute heißt. Das ist im Grunde eine Art “Online-Word”, auf dem jeder von zu Hause zugreifen kann, dem ich es erlaube und der einen Google Account hat.
Ich habe bisher gar nicht mit Google Documents gearbeitet und war gespannt, wie ich selbst hineinfinden würde und ob ich zwei Dutzend Siebtklässlern den Zugang ermöglichen könnte.

1. Schritt: Alle brauchen einen Google-Account.
Bei gefühlten 30° im Computerraum (einer der spärlichen Sonnentage der Stadt Siegen…) gegen den Lärm von zwanzig begeisterten Kindern anzukämpfen ist antrengend selbstmörderisch. Meine Fresse! Der eine hat sein Passwort vergessen, der nächste die Ziffer in seiner E-Mail-Adresse. Wieder einer hat eine Nicht-Google-Adresse und benutzt sie aber für seinen Google-Account und möchte wissen, ob das auch bei Google-Documents klappt und noch jemand hat sich verklickt und weiß nicht mehr vor und nicht zurück. Und alle versuchen gleichzeitig bei 35° C auf mich einzureden. Und wie Grundschüler kommen sie dazu ganz nach vorne und bilden eine verschwitzte Menschentraube um mich. Ich schwitze. Die Schüler schwitzen. Und es ist ohrenbetäubend laut.

2. Schritt: Alle müssen Zugriff auf den von mir freigestellten Ordner und die Dokumente bekommen.
Ging eigentlich ganz schnell. Nur flux die E-Mail-Adressen eintragen und fertig.

3. Schritt: Kooperatives Arbeiten.
Alle schauen sich ein Dokument an und ich möchte demonstrieren, wie man kooperativ (also zu mehreren daran arbeiten kann. Das klappt irgendwie zu gut. Denn ständig ändert irgendein Schüler etwas. Und bei jeder Änderung poppt ein kleines Farbfeld im Text auf, dass einen informiert, wer hier gerade rumpfuscht. Ping. Ein Schüler fügt ein Wort hinzu. Ping. Ein andere löscht es sofort wieder. Ping. Einer schreibt HAHA ans Ende. Ping. Ein anderer löscht es. Dreiundzwanzig Schüler fangen an, gleichzeitig an einem Dokument zu fummeln und bei gefühlten 38° sehe ich nur noch bunte Punkte vor mir. Einige regen sich auf. Andere lachen. Wieder andere beteuern ihre Unschuld. Es wird lauter. Und heißer.

Aber es funktioniert.

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Irgendwann herrscht Ruhe. Alle Bildschirme sind aus. Die Schüler sitzen wie Strafgefangene auf ihren Händen, um weder Maus noch Tastatur zu berühren zu können.
Endlich kann ich ein paar Worte sagen. Organisatorisches. “Kommentare bitte in eckigen Klammern. Jeder Schüler kann überall die Stichpunkte ergänzen – den Fließtext dürfen aber nur die Kerngruppen bearbeiten.”

Und es klappt. Ganz wunderbar sogar.
Abends sitze ich zu Hause uns kann zusehen, wie einzelne Schüler die Texte bearbeiten. Ich kann ihnen sogar beim Denken zu sehen: Sätze werden geschrieben. Gelöscht. Umformuliert. Neu geschrieben.

Ein absoluter Traum für konspiratives kollaboratives Arbeiten in der Schule. Ich wünschte, so etwas hätte es schon zu meiner Zeit gegeben!

Als ich völlig erschöpft im Lehrerzimmer niedersinke und stolz auf die Stunde zurückblicke, nähert sich meine Lieblingskollegin von der Seite. “Sag mal”, grinst sie, “kann es sein, dass Schule für dich eine Art Spiel ist? Du willst herausfinden, wie schlimm eine Situation werden kann und wie es dir dann geht?”

Ich überlege kurz. “Ich bin Dortmund-Fan. Da ist man Leidenszeiten gewöhnt!” ;-)

Die Geister, die ich rief…

ColorTouchIch habe eine besondere Klasse.
Genau genommen habe ich nur besondere Klassen, aber diese siebte Klasse sticht durch ihre Fußball-Begeisterung negativ auffällig hervor.
Jungen wie Mädchen begeistern sich gleichermaßen für den Sport: Während der Pausen wird draußen gekickt und während des Unterrichts heimlich über die letzten Transfergerüchte gesprochen.

Als der DFB nun, im Zuge der kommenden EM alle fünften bis achten Klassen dazu aufrief, sich als Nachwuchsreporter zu bewerben, sah ich meine Chance gekommen. Als Rache sozusagen. “Ihr habt mich jetzt Woche für Woche mit der Bundesliga abgelenkt, jetzt will ich auch mal sehen, was in euch steckt!”

Gesagt. Getan.
Wir formulierten eine Bewerbung und brachten unsere besonderen Talente zum Ausdruck. Besonders schön – die Fremdsprachen-Kenntnisse einzelner Schüler könnten genutzt werden, um unsere zukünftigen Berichte zu übersetzen. Stichwort: Integration.

Ich freute mich über das Engagement, rechnete aber nicht ernsthaft mit dem Erfolg unserer Bewerbung.

Bis ich dann heute Post vom DFB bekam: Ja, liebe 7c. Nun wird es ernst!
Wir sind ab sofort Nachwuchsreporter des DFB und werden uns nun so richtig in die Arbeit stürzen dürfen.

Herzlichen Glückwunsch!

(Und ganz ehrlich.. Lehrer sein ist einfach der coolste Beruf der Welt! Ist das nicht… geil?! Das ich sowas machen darf? Wuhuuuu)