Highlights im Physikunterricht.

Durch ein unfassbar grandioses Buch habe ich den Eindruck gewonnen, bisher nur bescheidenen Unterricht gestaltet zu haben.

Aber nun wird alles anders.

Zu gegebener Zeit werde ich das Buch (bzw. die Bücher) ausführlicher rezensieren und euch anempfehlen, für heute nur ein kurzer Einblick in eine sehr aufregende Physikstunde letzte Woche:

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Rechts im Bild eine Wanne mit Salzwasser, an der eine Spannung von 24 Volt Wechselspannung anliegt. In der Mitte der Wanne liegt meine Münze. Die hat der Bär da reingeworfen. 24 Volt sind etwa ein zehntel dessen, was aus der Steckdose kommt, aber schon schmerzhaft deutlich spürbar. Zwecks Dramatik steht ein Schüler am Notschalter und meine Kollegin (und ausgebildetete Rettungsassistentin) steht mit dem Erste-Hilfe-Koffer bereit. Trotzdem trauen sich viele Schüler, die Hand ins Wasser zu stecken. Aber nicht alle schaffen es, die Münze herauszuholen.

Links im Bild ein weiterer Versuch: Eine Bockwurst wird an 230 Volt Wechselspannung angeschlossen. Den Schülern wird deutlich klar, was mit dem menschlichen Körper passiert, wenn er von Strom durchflossen wird. Diese Versuche bitte auf keinen Fall nachmachen! Auf. Keinen. Fall!

Immer dabei (Danke, Herr Kramer!), Trottelbär Bruno. Er ist sich für keine dämliche Frage zu schade und bereit, jeden Fehler mehrfach zu machen.

Ich habe außerdem den Würstchen-Versuch mit meinem HTC in 3D gefilmt und auch hochgeladen. Auch das hat prima funktioniert. Das Ergebnis gibt es hier (Direkt auf Youtube kann man zwischen 2D und verschiedenen 3D-Möglichkeiten wechseln):

Würstchen unter 230V Wechselspannung.

Apps für den Unterricht (Folge 2)

An dieser Stelle folgt zukünftig (und dann ohne einleitende Worte) eine lose Sammlung von Smartphone-Apps, die sich sinnvoll im Unterricht einsetzen lassen. Dabei soll es weniger um Programme wie “Wikipedia” oder “Leo” gehen, sondern um wirklich spezielle Apps, die ansonsten in der schieren Masse an Programmen verschwinden würden.

  • SPARKvue (Messwerterfassungssystem – iOS)
    Mit dem kostenlosen SPARKvue lassen sich verschiedene Messreihen durchführen. Dazu können neben den im iPhone/iPod/… eingebauten Beschleunigungssensoren auch per Bluetooth angeschlossene PASCO-Sensoren verwendet werden. Laut Webseite gibt es über 70 verschiedene Sensoren, die sich hier koppeln lassen – das iPhone übernimmt die Rolle des Auswertprogramms und bietet die Möglichkeit, die Daten zu exportieren.

    Der Screenshot unten zeigt beispielsweise einen Temperaturverlauf – dafür braucht man dann jedoch zusätzliche Sensoren. 

     iPhone Screenshot 2
    (App-Store-Link)

 

 

  • Accelogger (Beschleunigungsmesser – Android)
    Das kostenlose “Accelogger” liest die im Smartphone eingebauten Beschleunigungssensoren aus und stellt die Messwerte für alle Raumrichtungen sowohl grafisch als auch numerisch dar. Ein Datenexport ist möglich.

    (App-Store-Link)

Jeden Montag werden hier Android- und iPhone-Apps vorgestellt, die sich im Unterricht sinnvoll einsetzen lassen. Einen Überblick aller bereits besprochenen Programme findest du rechts unter “Schule”.

Fehlt noch etwas? Weitere Vorschläge einsenden.

Unterricht mit Handy und Smartphone

Bereits am Montag schrieb ich darüber, dass ich mich in den kommenden Wochen etwas intensiver um den Einsatz von Smartphones im Unterricht kümmern möchte.

Dabei möchte ich weniger über allgemeine Risiken und Nebenwirkungen von Handys sprechen (Fotos/Videos vom Lehrer machen, …), weil die ohnehin jedem bewusst sind. Ich will mich auch ferhalten von didaktischen und methodischen Überlegungen (“Wie schaffe ich…?”) oder moralischen Aspekten (“Wie verhindere ich…?” …).
All diese Punkte sind wichtig – aber sind an anderer Stelle zu genüge diskutiert worden. Zudem sind sie in meinen Augen zum Teil inhaltsleeres Gerede, denn es wird viel theoretisch “über” etwas gesprochen, statt es in der Praxis einfach mal zu tun. Stichwort: Wie viele Gedanken und Bücher und Aufsätze über Laptopklassen gibt es? Und wie viele Laptopklassen gibt es?

Statt dessen will ich tatsächliche Einsatzgebiete und Möglichkeiten aufzeigen, die mir gar nicht so klar gewesen sind.

Besonders in der Physik ist es nämlich so wie im Kinderzimmer zu Hause: Man hat Schränke voller tollem Spielzeug.

Aber.

Aber bei vielen Geräten ist die Batterie leer. Oder ein Anschluss kaputt. Oder ein Zeiger wackelig. Oder sie funktionieren einfach gar nicht mehr.
Das einfachste Beispiel dafür ist die Schublade voller Stoppuhren. Jede Physiksammlung hat ein halbes Dutzend Stoppuhren. Und in jeder (!) Physiksammlung wird mindestens ein Drittel der Uhren gar nicht mehr funktionieren. Dies ist im Unterricht eine Stolperfalle. Statt um physikalische Inhalte muss ich den Schülerinnen und Schülern Ersatzgeräte besorgen. Glühbirnen wechseln. Kabel austauschen. Oder sagen:

“Geht zu der Gruppe neben euch.”

Dabei ist gerade die Stoppuhr in jedem Schülerhandy zuverlässig zu finden. Inklusive der Garantie, dass bei 25 Schülern mindestens 23 Stoppuhren einsatzbereit sind.

Die Zeitschrift “Physik in der Schule” zeigt in ihrer Ausgabe 7/60 eine großartige Mindmap zum Thema “Anwendungsmöglichkeiten des Mobiltelefons”, die ich leicht abgewandelt hier wiedergeben möchte:

Anwendungsmöglichkeiten des Mobiltelefons

Möglichkeiten wie “Internetrecherche” oder “Formelsammlung” und der “Einsatz als Kommunkationsmittel” sind nun trivial zu nennen. Darauf wäre ich gerade noch selbst gekommen.
Auch die von anderen Lehrern an anderer Stelle genannten Einsatzbereiche möchte ich  ausschließen – oft geht es um sinnvolle Apps für den “Meta-Unterricht”, also Vorbereitung, Organisation oder Nachbereitung von Unterricht. Zu Dokumentationszwecken beispielsweise nutze ich (Lehrer) das Handy schon heute regelmäßig. Das Abfotografieren von Tafelbildern erleichtert mir nach dem Mittagsschlaf die Erinnerung daran, was wir in der Stunde erreicht haben. Unsere Cola-Mentos-Fontäne haben viele Schüler mit dem Handy gefilmt und z.T. online gestellt.

Der wirklich interessante Bereich ist jedoch der, das Handy als Experimentiermittel aktiv in den Unterricht mit einzubeziehen. Denn – wenn ich ehrlich bin – habe ich davon gar keine Ahnung. Ich möchte also den Fokus weg vom Lehrer hin zum Schüler verschieben. In den höheren Klassen finden sich haufenweise Smartphones in den Hosentaschen der Schüler, deren Möglichkeiten für den Unterricht außer acht gelassen werden.
Leider findet sich auch im (deutschsprachigen) Internet keine zentrale Sammlung für unterrichtsrelevante Apps.

Aber jetzt. Zwinkerndes Smiley

Ferien. Und was bleibt.

Die ersten Ferien nach dem zweiten Staatsexamen sind ziemlich geil entspannend. Keine Unterrichtsbesuche. Keine Staatsarbeit. Nichts, woran man denken muss. Ich hatte nichtmal eine Klausur zu korrigieren, so dass ich Carolina und Papa testen statische Anziehungskräfte (2)ähnlich entspannt wie Frollein Rot, aber tatsächlich völlig ohne schlechtes Gewissen die Ferien genossen habe.

Aufregender waren die Ferien jedoch für meine Tochter. Denn während die Herbstferien noch im Eindruck des Schulbeginns standen und überdies voller Projekte und Ablenkungen waren, konnte sie die Weihnachtsferien bewusst erleben.

Und sich langweilen.

“Mir ist soooooo wangweilig”, quengelt sie dann und holt sogar einen alten Sprachfehler raus, um mir zu verdeutlichen, wie “wangweilig” ihr ist.

Langeweile.

Seit ich Internet und Handy habe, kenne ich das gar nicht mehr. Ich weiß mich tagein tagaus zu beschäftigen. Abzulenken. So richtig Langeweile hatte ich zuletzt als Kind.

Natürlich haben wir in den Ferien viele tolle Dinge gemacht. Wild getobt. Fahrrad gefahren. Regenbögen entdeckt. Und Fernsehen geguckt. “Och nö”, stöhnt die kleine Streberin Prinzessin, als ich einen Disney-Film starten will. “Lieber eine Domuketation. Etwas mit Orcas. Oder Bären. Oder Robben.” Und um auch die anderen Naturwissenschaften genügend zu fördern haben wir Kristalle gezüchtet und uns mit der Elektrostatik unseres alten Fernsehers auseinandergesetzt.
Außerdem Computer gespielt. Böse Orks und Drachen in Aventurien erschlagen. Und weil Carolina sich “Drakensang” nicht merken kann, nennt sie es nur das “Monster-Spiel”. Nunja.
Und als es zum Ende der Ferien mit der Langeweile arg zuviel wurde, fing sie an aufzuräumen. Das Wohnzimmer. Die Küche. Ihr Zimmer. Mein Zimmer. Das Schlafzimmer. Betten wurden gemacht. Spülmaschinen ausgeräumt. Zwei Stunden die Nadeln vom Tannenbaum eingesammelt. Immer wieder.

Montag morgen quälen wir uns beide müde aus dem Bett.
”Und, freust du dich auf die Schule?”, frage ich sie beim Frühstück.
”Joaa”, kommt es etwas gequält von meiner Tochter.
”Wenn die Lehrerin euch fragt, was ihr in den Ferien so gemacht habt, was sagst du denn dann?”

Sie überlegt. Einen Moment. Einen zweiten.

“Ich habe aufgeräumt. Alle Zimmer. Jeden Tag. Den ganzen Tag nuuur aufgeräumt!”

Ich schaue entsetzt. “Na, du hast doch noch mehr gemacht!”
Sie zuckt mit den Schultern. Offenbar ist ihr egal, dass ich noch mehr hören will. Als ich sie fordernd anblicke, fügt sie noch hinzu: “Und wir haben das Monster-Spiel gespielt.”

Na großartig. Monster abgeschlachtet und dann geputzt.

Ich frage mich, was wohl die Lehrerin sagt. Aber herausgefunden habe ich es nicht – denn wegen plötzlich einsetzender Phantom- Kopfschmerzen musste meine Frau Carolina von der Schule abholen…