Zeitumstellung

Vor kurzem fuhren einige Kollegen mit einer Klasse auf Klassenfahrt.
Dabei nahmen sie bei Königswinter die Fähre, um über den Rhein zu setzen.

“Freunde”, versammelte der Klassenlehrer die Schülerinnen und Schüler um sich. “Wir setzen jetzt gleich auf das andere Rheinufer über und ihr wißt, was das bedeutet.”
Erwartungsvolles Schweigen des Kollegen. Betretenes Schweigen bei den Schülern.

“Wir sind dann in einer anderen Zeitzone.” Erneutes Schweigen. “Ihr müsst eure Uhren eine Stunde vorstellen.”

Die anderen Lehrer beißen sich auf die Lippe. Der Klassenlehrer schaut ernst.

Und die Schüler?
Ohne jeden Widerspruch holen sie Handys, iPods und Armbanduhren hervor und stellen die Uhr um. Vor Lachen auf dem Boden wälzen

Zahlenspielerei, oder: Was kostet ein schlechter Lehrer?

In Zeiten von Burnout und Wirtschaftskrise, von Rettungsschirmen und der Festellung durch Hans-Werner Sinn, viele Berufe sollten geringer bezahlt werden, weil sie zu wenig erwirtschaften, ist in mir die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von uns Lehrern aufgekommen.

Welchen Nutzen bringe ich diesem Land, respektive: welchen Schaden richte ich eigentlich an?

Dazu eine kleine Rechnung (aber keine Sorge, es wird nicht schwer):

Das Bruttoinlandsprodukt (also der Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres hergestellt wurden) von Deutschland beträgt etwa 2500 Milliarden Euro.
Bei rund 80 Millionen Einwohnern erwirtschaftet also jeder Deutsche jedes Jahr durchschnittlich  31.000 Euro.

In einer langen Lehrerkarriere werde ich etwa 1000 Schülern begegnen, dass heißt: 1000 Menschen, die später jeder durchschnittlich 31.000 Euro pro Jahr erwirtschaften. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Schüler 50 Jahre im Beruf steht kann man also vereinfacht sagen:

Alle Schüler die ich unterrichten werde, erwirtschaften in ihrem Leben rund 1,5 Milliarden Euro.

Wenn ich ein guter Lehrer bin. Wenn meine Schüler den Durchschnitt erreichen.

Ein richtig guter Lehrer – und ich meine: Ein richtig guter, inspirierender Lehrer, der wird in seiner langen Karriere vielen Schülern begegnen. Sie inspirieren. Anfeuern. Motivierern. Ein richtig guter Lehrer dürfte dafür sorgen, dass ‘seine’ Schüler über diesem Durchschnitt liegen. Eine richtig gute Schule dürfte sogar weit über dieser Zahl liegen.

Und ein ‘schlechter’ Lehrer? Und eine ‘schlechte’ Schule? …!

Natürlich sind das alles Zahlenspielereien. Gerundet und vereinfacht.
Aber vielleicht müssen wir uns als Lehrer manchmal darüber klar werden, welches Ausmaß unser Beruf annehmen kann. Und sollte das für die Politik nicht ein Anreiz sein, besonders viel Geld in gute Lehrer und gute Schulen zu stecken? Ich wüßte nicht, wo die Rendite besser ist Smiley mit geöffnetem Mund.

Kreativität im Unterricht

In den vergangenen Monaten habe ich an verschiedenen Stellen unterschiedliche Artikel gelesen, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben.

Zunächst begegnete mir ein Bericht über einen 13jährigen Schüler, der eine intelligente Türklingel mit Mobilfunkanbindung erfand und mit dieser Entwicklung in kürzester Zeit knapp 300.000 Euro verdient hat. Auf die Idee kam der Junge, weil seine Mutter ständig zur Poststelle musste, weil sie bei der Lieferung der Pakete nicht zuhause war.

Clever. Und simpel.

Als Kickstarter (oder Crowdfunding) bezeichnete man in der Prä-Internet-Ära eine Art Kurbel, mit der man Motorräder startete. In der Welt 2.0 ist Kickstarter eine brilliante Möglichkeit, Projekte anzustossen. imageAuf einer Webseite werden zahlreiche Projekte vorgestellt, die tolle Ideen oder ausgefallene Designs oder Filme oder Musikalben beinhalten. Ein Beispiel ist der sich selbst aufpumpende Fahrradreifen. Benjamin Krempel hat mit einer Gruppe Freunden einen Reifen erfunden, der sich durch ein geschicktes System von Kanälen und einem Spiel mit dem erfahrenen Druck, selbst aufpumpt. Einen funktionierenden Prototyp kann er präsentieren. Um solche Erfindungen aber für die breite Masse zu produzieren, braucht es eine Anfangshilfe, einen “Kickstarter”. Auf der Webseite kann man sich nun eintragen und solche oder ähnliche Projekte unterstützen. Ist genug Geld zusammengekommen, wird so ein Projekt realisiert. Über 10.000 solcher Projekte sind schon realisiert worden.

Der dritte beachtenswerte Artikel findet sich in der ZEIT. Dort geht es um den (alten) Traum eines Weltraumlifts. Statt mit Raketen sollen Menschen, Satelliten und Sonden eines Tages an ein paar Seilen emporsteigen. Rechnet man das Gewicht des Seiles gegen die Fliehkräfte der Erde auf (Satelliten fallen ja auch nicht einfach vom Himmel) dann kann man ausrechnen, wo ein solches Seil enden müsste. Das Problem ist das fehlende Material: Stahl ist zu schwer und nicht reißfest genug. Eine Möglichkeit wären vielleicht künstlich erzeugte Spinnenfäden, andere forschen in Richtung Nanodrähte. 2 Millionen Doller gibt es als Preis für die Klasse denjenigen, der ein funktionierendes System präsentiert.

Was hat das nun alles mit Schule zu tun?

An dem 13jährigen Lawrence Rook kann man beispielhaft erkennen, dass mit ganz einfachen Ideen immer noch erfolgreiche Projekte anzustoßen sind. Eine Türklingel mit dem Handy verbinden. Ein Reifen, der sich selbst aufpumpt. Ein Lift in den Weltraum.
Das sind alles Ideen, die jeder versteht. Das ist keine Raketentechnik. Weiteres Beispiel? Die Solar-Flaschen-Lampen in den Slums von Manila.

Als Physik- und Techniklehrer kann ich meinen Schülern eine perfekte Umgebung zum forschen, experimentieren und basteln bieten. Werkzeuge, Material und Sachverstand. Schulen sind die perfekten Orte, um solche Projekte zu starten, oder nicht?

Vielleicht muss ich mich zukünftig etwas vom Lehrplan lösen und kreativer Freiheit mehr Raum geben.