Der Nikolaus war da (2)

“PAPAAAAAAA!”

Aufgeschreckt renne ich nach unten. Carolina hat ihr Bild aus dem Kamin gezogen. Urgs…

“Oh weh…!”, stammel ich und überlege fieberhaft, wie ich die Situation retten kann.

“Der Nikolaus hat das Bild verloren, als er den Schornstein hochgeklettert ist!” erklärt Carolina besorgt. Eifrig nickend stimme ich zu. “Ja.. genau! Dann… erm…!”

Ich verstumme.

Papa…” .
Meine Tochter sieht mich an, als wäre ich debil. “Dann müssen wir das an Weihnachten nochmal hinlegen. Dann nimmt der Weihnachtsmann dem Nikolaus das mit!”

Ich vermisse diese Zeit.
Blöde Frau Pallhuber. ;-)

Der Nikolaus war da…

“Papa? Es gibt keinen Weihnachtsmann!!”
“Bitte was?” Ich schaue, möglichst neutral, auf. “Wer sagt denn so etwas?”
“Die Frau Pallhuber. Heute in der 6. Stunde.”
Sie hält kurz inne. “Weißt du, einmal hätte ich gerne noch mit dem Weihnachtsmann Weihnachten gefeiert. So wie früher.”

Früher.

Vor drei Jahren noch hat meine Tochter extra ihr Zimmer aufgeräumt, die Stiefel geputzt und ihm ein Bild gemalt. Mit viel Liebe und Sorgfalt. Das Bild hat sie dann auf die Stiefel gelegt, bevor sie ins Bett musste.

Am nächsten Morgen ertönte aufgeregtes Rufen aus dem Kinderzimmer. “Papa! Papa!” (Natürlich ruft sie mich als erstes..) “Der Nikolaus war da! Und er hat mein Bild mitgenommen!”

Carolina jubelte laut und brabbelt weiter, während ich mich ganz schlecht fühle. Denn der ‘Nikolaus’ hat das Bild im Kamin entsorgt – schließlich darf sie es ja nie wieder finden…

“Ist das nicht toll, Papa?”

“Hm..?”

“Na, dass er mein Bild mitgenommen hat!”

“Erm… ja! Sehr!”
Wann habe ich mich zuletzt so schlecht gefühlt?

Sapperlot. Das Dinosaurier-Spiel.

IMAG0374Das wahrhaft Schönste am Lehrerberuf ist, dass ich viel Zeit mit meiner Tochter verbringen darf. Ich komme nicht abends um “7 vonne Maloche und bin fix und feddich mit die Welt”.

Wir vertreiben uns die Zeit mit allerlei Schönem und Unsinnigem. Eines unserer Spiele ist das Dinosaurier-Spiel: Dabei geht es darum, möglichst viele Synonyme zu finden. Dinosaurier-Spiel heißt es deswegen, weil es nach der Thesaurus-Funktion von Word benannt ist und Thesaurus klingt wie ein Dinosaurier.

Nach der Schule klingen unsere Gespräche dann zuweilen so:

Sapperlot, Papa, war das ein schöner Schultag heute!”
Donnerlittchen, das freut mich aber sehr, Lina!”
”Und… Papa, Herrschaftszeiten habe ich mich auf dich gefreut!”
”Ja, Kreuz, Birnbaum und Hollerstauden! Das freut mich zu hören!”
”Und machen wir jetzt noch was Schönes? Eis essen zum Beispiel?”
Donnerwetter! Das ist mal ein Vorschlag!”

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Happy Birthday, Universum!

IMG_20131110_180102Morgen wird meine kleine Tochter acht und darob haben wir den Tag heute besonders zelebriert. Alles wurde heute zum letzten Mal mit 7 gemacht: Zum letzten Mal etwas vorgelesen bekommen. Zum letzten Mal toben. Zum letzten Mal lachen, kreischen und gemeinsam singen. Zum letzten Mal mit 7 ins Bett gehen.

Durch die Medien, im Alltag Schule und auch im Umfeld begegne ich jedoch immer wieder Kindern, die nicht das Glück haben, das meine Tochter genießen darf. Und Eltern, die nicht das Glück haben, das ich genießen darf.
Und wenn ich sehe, wie an vielen Stellen Potential verschenkt wird, blutet mir das Herz. Kinder, die in ihrer Geschichte so gefangen sind, dass kaum eine Hoffnung auf irgendetwas besteht. Verhaltensweisen, die sich so stark eingeprägt haben, dass sie kaum zu lösen sind. Kinder, deren weiterer Lebenslauf stark vorgezeichnet ist.

Und umso mehr genieße ich die Nachmittage mit meiner Prinzessin.

Hin und wieder schlägt mir Amazon neue Bücher und Hörbücher vor: “speedlesen”, “besser arbeiten”, “effektiver denken”, “das volle Gehirnpotential ausnutzen”, “alles, was Sie wissen müssen”. Ich habe vor Jahren mal die CD “Bildung: Literatur – Alles was man wissen muss” von Schwanitz gehört und sie genossen. Ständig habe ich gedacht “Wow! Abgefahren. Wie spannend! Das muss ich mir merken!” Und das war es! Wirklich großartig. Aber heute weiß ich

nichts

         mehr.

Vor einigen Monaten stolperte ich über das Bild eines Leichenwagens, vollbepackt mit Kisten und Kartons, Surfbrett und Krimskrams. Und an der Seite standIMG_20131111_195014You can’t take it with you!1”. Ein beeindruckendes Bild. Im gleichen Zusammenhang las ich eine Rabbinische Weisheit (es ist eine Lehrerkrankheit, dass man Geschichten und Anekdoten sammelt, man möge es mir verziehen):

Jeder Mensch muss zwei Blätter Papier mit sich tragen und jeden Tag draufschauen. Auf dem einen steht: ‘Du bist nichts als Staub und Asche’, auf dem anderen: ‘Für dich wurde das Universum geschaffen.’

Dieses Universum feiert morgen seinen Geburtstag.
Mehr als je zuvor genieße ich die Zeit mit meiner Tochter. Es ist ein Segen des Lehrerberufs, dass man soviel Zeit für seine Kinder hat. Sie macht mir immer wieder klar, dass ich nicht mein volles Gehirnpotential ausnutzen, sondern ihr lieber Zeit schenken soll.

Zeit zum backen. Zum Fußballspielen. Zum Witze-erzählen. Zu “wer zuerst mit den Augen klimpert hat verloren”-Wettbewerben. Ich brauche gerade nicht mehr. Und ich habe ein paar Kinder vor Augen, denen ich wünsche, solch unbeschwerte Tage erleben zu dürfen. Ich denke, die meisten Lehrer haben das.

Als ich Carolina schließlich am Ende eines langen Tages vorschlug, sie müsse auch zum letzten Mal mit 7 in der Nase bohren, lachte sie frech, hob einen Zeigefinger lehrerhaft in die Luft und sagte: “In der Nase bohren.. und in den Mund stecken!”

Happy Birthday, Universum!

Erziehung

Wir gucken Star Trek: Deep Space 9.
Die Pilotfolge läuft und Captain Sisko erklärt den Wurmlochwesen die Prinzipien der menschlichen Existenz und der linearen Zeit.

Plötzlich setzt sich meine Tochter auf. “Hey, das stimmt! Wenn ich jetzt Fußball spielen würde und man wüsste, dass ich gewinne – dann wäre das ja voll langweilig!”

Es gibt im Leben eines Vaters viele großartige Momente. Aber zu erleben, wie eine 7jährige aufspringt und das Prinzip linearer Zeitabfolge durch eine Star Trek-Episode versteht gehört mit zu den besten!

Rabauki

2013-08-03 18.55.06Die nächsten 3 Wochen ist meine Tochter bei rabauki angemeldet: Betreut von einer Vielzahl Pädagogen und Sozialarbeitern werden knapp 150 Kinder auf einem großen Bauspielplatz aus Holzlatten Hütten bauen. Die Kinder bekommen dazu eigentlich nur Hammer, Nägel und Holz und sollen mal sehen, wie sie damit klarkommen eigenverantwortlich und selbstbestimmt arbeiten, ohne dass ihnen ein Erwachsener genau sagt, was wie gemacht wird. Das Projekt gibt es in Siegen seit mittlerweile 18 Jahren, Carolina ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. Von 10 Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Der Teilnehmerbeitrag beträgt 5 Euro pro Woche und Kind, alle 30 Mitarbeiter (Studenten, Lehrer, Sozialarbeiter uvm.) arbeiten ehrenamtlich von etwa 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Ich empfinde Demut und Bewunderung für soviel Einsatz. Die Leute wirken sehr alternativ sympathisch und insgeheim wäre ich auch gerne so frei mutig, bei so einem Projekt mitzuarbeiten.

Heute war Elternabend.

Ich. Liebe. Elternabende. Findet ihr nicht auch, dass die Fragen besorgter Mütter/Väter oft ganz viel über die Leute aussagen?

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Kochkünste in einer modernen Ehe.

Meine Frau und Carolina essen in der Küche zu Abend.
”Mama? Du musst mir unbedingt Kochen beibringen”, erklärt Carolina mit vollem Mund.
Meine Frau nickt.
“Bevor ich ausziehe!”, insistiert Carolina.
Meine Frau nickt.
”Sonst müssen der Vater (sic!) und ich immer Brote und Cornflakes essen!”

Ich weiß nicht… plant sie, mit mir auszuziehen? :-O

Heiraten.

Carolina und ich gucken Winnetou II. In diesem Film will Winnetou die hübsche Wiesbadenerin Indianerin Ribanna heiraten, doch deren Vater, der Häuptling der Assiniboin-Indianer entscheidet anders und Ribanna wird mit einem Bleichgesicht vermählt.

Ich versuche Carolina zu erklären, dass seinerzeit (und in manchen Ländern noch heute) die Eltern über die Hochzeit der Kinder bestimmen. Entsetzt schaut meine Tochter mich an. “Aber du machst das doch nicht, oder?”

”Nein”, lache ich, “du kannst heiraten, wen du willst. Und wenn du nicht heiraten möchtest, dann ist auch das okay!”

Carolina stößt einen erleichterten Seufzer aus und schmiegt sich an mich. “Guuuut. Dann kann ich nämlich immer bei dir bleiben, Papa!”

Meinen entsetzten Gesichtsausdruck sieht sie nicht. Zum Glück.

Hundeerziehung

IMAG0363Wir waren mit Freunden und ihrem Hund an der Ostsee, als Carolina uns einen Trick verrät: “Wenn man Ruhe von dem Hund haben möchte, dann tut man, als würde man ein Leckerchen werfen und dann rennt der weg. Klug, ne?”

Die Besitzer lachen. “Es gibt noch einen besseren Trick.. einfach ignorieren, dann geht der von alleine!”
Lina schaut verwirrt. “Igno.. was?”
”Das ist, wenn man einfach woanders hinschaut und jemanden gar nicht beachtet.”
“Aahhh”
, erwidert Carolina und strahlt mit kindlicher Freude, “das macht mein Papa immer, wenn ich was erzähle.”

Ich bin eine Mediennutte

Ja, ich gebe es zu. Ich bin abhängig. Dieses ganze Inter-Netz, Händi und Kompjuter-Zeugs ist ganz großartig.
Ich behaupte zwar, dass ich so eine ARTE-Dokumentation nicht nochmal machen wollte, aber die Wahrheit kennen wir alle: Klar würde ich wieder zusagen. Genauso, wenn der DFB wieder anriefe. Oder der FOCUS. Ich bin eine Mediennutte. Und so lustig das für mich selbst ist, so sehr achte ich darauf,