Enid Blyton–Relikt vergangener Zeiten.

Nachdem wir die SAMS Bücher durchgelesen haben, versuche ich Carolina für Enid Blyton zu begeistern. Was habe ich ihre Bücher als Kind verschlungen. Fünf Freunde. Geheimnis um. Rätsel um. Die Schwarze Sieben. Sogar Hanni und Nanni habe ich gelesen.
Und immer ging es um kluge Kinder, die Verbrechen lösen und Geheimnissen auf die Spur kommen. Enid Blyton war für mich damals, was Rosamunde Pilcher für Kollegin Eva heute ist: Bewährtes, immer wiederkommendes Rezept. Familie sozusagen.

Doch ich komme aus einer Zeit, da es keine Political Correctness gab. Die Playmobil-Bauarbeiter kamen noch mit einer Kiste Bier daher und bei Knight Rider hatten alle Bösen grundsätzlich einen Schnauzbart. Besonders frei von Gut und Böse waren Kinderbücher: Es gab Negerkönige und Zigeuner. George von den 5 Freunden war eigentlich ein Mädchen, wollte aber ein Junge sein – und zwar nicht, weil sie eine Identitätskrise durchlebte und über ihr Geschlecht uneins war, sondern weil Jungs cooler, stärker und mutiger waren.

Carolina hingegen ist mit Klassenrat und Streitschlichtern groß geworden. Mit den “Geheimnis um”-Büchern wird sie nicht so recht warm. Das einer der Jungen treffend “Dicki” genannt wird, findet sie gemein. Das die anderen Jungen (Rolf und Flipp) herablassend sind, ziemlich unsympathisch. Und das die Mädchen (Betti und Gina) sich nichts trauen und nur blöde Fragen stellen, findet sie blöd. Dazu kommt die alte Sprache.

“Wir müssen Indizien suchen.”

Sie blickt auf.
”In Dizien? Wo liegt das denn?”

Hach… Enid Blyton… ich glaube, deine Zeit ist gekommen. :-(

“Ruuuuhhhee!”

20141012_142925“Ruuuhhheee”, brüllt Carolina und intoniert eindrucksvoll den Studienrat Groll. Sie liest dem Hund vor, der aufmerksam zuhört, wie das Sams die Schüler zum Lachen und den Studienrat auf die Palme bringt.
Ihr Ton ist dabei so scharf, dass ich mich unwillkürlich frage, ob sie das von mir hat. Aber eigentlich bilde ich mir ein, nicht so streng zu sprechen. Und brüllen kommt bei mir auch nicht vor.

Sie liest weiter, wie sie sich einen Lehrer vorstellt.

»Ruhe!«, schrie Groll wütend. »Außerdem sagt man nicht du zu mir. Das solltest du in dem Alter längst wissen.«
»Wie denn dann?«, fragte das Sams erstaunt.
»Du sagst Sie zu mir, verstanden!«, erklärte er.
»Sie?«, fragte das Sams verblüfft. »Bist du denn eine Frau?«
»Lümmel«, schimpfte Herr Groll. »Mich als Frau zu bezeichnen, so eine Frechheit!«

20141009_125704_AndroidCarolina kichert.
Samstags ist unser Lesetag.
Ich freue mich, dass sie mit dem Sams endlich ein Buch gefunden hat, dass sie gerne und freiwillig liest – bisher hat sie Bücher zwar gelesen, aber nicht genossen.
Bailey indes scheint jede Form der Zuwendung zu genießen, bellt zwischendurch zustimmend, wenn Studienrat Groll allzu streng durch die Klasse brüllt und hat abends– wie es sich für einen Lehrerhaushalt gehört – ordentlich Tinte auf den Pfoten. Vielleicht will der Hund ja auch ein Sams-Buch schreiben.

ein Fahrrad aus dem Internetz

Vor einigen Wochen habe ich mir ein Fahrrad im Internet gekauft. Und zwar dieses hier bei Amazon: Ein Bergsteiger Alu-Mountainbike MTX.280.
Mein altes Trekking-Bike ist mittlerweile zwölf Jahre alt und ich befürchte, dass es irgendwann unter mir zerbricht. Denn ich bin in den letzten zwölf Jahren schwerer und älter geworden und die Knochen heilen nicht mehr so wie früher.

Da wir am Wald wohnen (und weil sie ein cooles Image haben und etwas jugendliches ausstrahlen) wollte ich ein Mountainbike. Und weil ich über 2 Meter lang bin, ein großes Mountainbike. Ich war etwas skeptisch, ob ich ein Fahrrad im Internet bestellen wollte – also ohne einmal drauf gesessen zu haben.
Letztlich haben zwei Gründe für das Internet und gegen den örtlichen Fahrradhändler gesprochen: Erstens: Amazon liefert mir das Fahrrad direkt nach Hause. Und Zweitens: Der Preis.
Das Mountainbike hat 319 Euro gekostet und ist auch zzgl. Schutzblech und Schloss viel, viel billiger als alles, was ich in den Fahrradgeschäften in und um Siegen bekomme. Es ist auch billiger, als viele der Fahrräder, die mir bei Ebay Kleinanzeigen angeboten werden. Kurz: Ich habe keine 1000 Euro für ein Fahrrad übrig.

Aber wird ein “Fahrrad aus dem Internetz” meinen Ansprüchen gerecht?

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Der Nikolaus war da (2)

“PAPAAAAAAA!”

Aufgeschreckt renne ich nach unten. Carolina hat ihr Bild aus dem Kamin gezogen. Urgs…

“Oh weh…!”, stammel ich und überlege fieberhaft, wie ich die Situation retten kann.

“Der Nikolaus hat das Bild verloren, als er den Schornstein hochgeklettert ist!” erklärt Carolina besorgt. Eifrig nickend stimme ich zu. “Ja.. genau! Dann… erm…!”

Ich verstumme.

Papa…” .
Meine Tochter sieht mich an, als wäre ich debil. “Dann müssen wir das an Weihnachten nochmal hinlegen. Dann nimmt der Weihnachtsmann dem Nikolaus das mit!”

Ich vermisse diese Zeit.
Blöde Frau Pallhuber. ;-)

Der Nikolaus war da…

“Papa? Es gibt keinen Weihnachtsmann!!”
“Bitte was?” Ich schaue, möglichst neutral, auf. “Wer sagt denn so etwas?”
“Die Frau Pallhuber. Heute in der 6. Stunde.”
Sie hält kurz inne. “Weißt du, einmal hätte ich gerne noch mit dem Weihnachtsmann Weihnachten gefeiert. So wie früher.”

Früher.

Vor drei Jahren noch hat meine Tochter extra ihr Zimmer aufgeräumt, die Stiefel geputzt und ihm ein Bild gemalt. Mit viel Liebe und Sorgfalt. Das Bild hat sie dann auf die Stiefel gelegt, bevor sie ins Bett musste.

Am nächsten Morgen ertönte aufgeregtes Rufen aus dem Kinderzimmer. “Papa! Papa!” (Natürlich ruft sie mich als erstes..) “Der Nikolaus war da! Und er hat mein Bild mitgenommen!”

Carolina jubelte laut und brabbelt weiter, während ich mich ganz schlecht fühle. Denn der ‘Nikolaus’ hat das Bild im Kamin entsorgt – schließlich darf sie es ja nie wieder finden…

“Ist das nicht toll, Papa?”

“Hm..?”

“Na, dass er mein Bild mitgenommen hat!”

“Erm… ja! Sehr!”
Wann habe ich mich zuletzt so schlecht gefühlt?