Geburtstag & Gedanken

Kurz bevor meine Mutter vor einigen Jahren starb, verfasste sie einen Brief an meine Geschwister und mich. Darin klärte sie vieles. Es war ein Abschiednehmen und eine Liebeserklärung an ihre Kinder.

Jeder kann sich ausmalen, was solch ein Brief für die Angehörigen bedeutet. Insbesondere für die eigenen Kinder.

Traurig.

Berührend.

Bedeutend.

 

Ich habe mir zu jener Zeit Gedanken über meine eigene Sterblichkeit gemacht. Meine Tochter war gerade ein halbes Jahr alt. Was, wenn mir etwas zustieße? Ich fuhr jeden Monat knapp 2000 km Autobahn … weiter

Erziehungsstile

Zurück von einem Ausflug bei ihren Großeltern merkt Carolina abends, dass sie ihr Lieblingsschäfchen “Schäfi” vergessen hat. Die bittere Erkenntnis kommt, als der Opa dies am Telefon bestätigt.

Bittere Tränen kullern über ihre Wangen. Schäfi in der Waschmaschine ist eben was anderes, als Schäfi in unerreichbarer Ferne beim Opa.

Ich stelle Carolina auf ihr Bett, umarme sie und fasse die Fakten zusammen.

Du hast Schäfi beim Opa vergessen, stimmts?

Schluchzen. Ein vorsichtiges Nicken.

Und ist das ein bisschen traurig?

Wieder Nicken. Sie hört auf zu … weiter

Glück

Vor einigen Tagen fand unser “Gemeinde-Café” statt. Das ist immer mit viel Kaffee und Kuchen und etwas Programm für die Kinder verbunden. Letzten Sonntag gab es eine Kostüm- und Theaterparty.

Im Verlaufe des bunten Nachmittages wurde meiner Tochter ein rosa Feenkostüm geschenkt, samt glitzerndem Zauberstab. Das Kleid schillert, überall ist bauschiger Stoff und es sieht arg kitschig aus.

Carolina liebt es.

Am nächsten Morgen hörte ich, wie sie ganz früh aufstand und sich dann, so dachte ich, wieder hinlegte. Aber ich lag falsch. Als … weiter

“Wir haben eine Regel…”

Als Vater wird man von den eigenen Kindern immer wieder schonungslos mit dem eigenem Erziehungsstil konfrontiert.

So wie ich mit meiner Tochter spreche, so spricht sie mit mir. Neulich erst gab es so eine Szene.

Wir haben in unserer Familie bestimmte “Regeln”.

“Ich bin der HERR, dein Vater, der dich aus dem Krankenhaus deiner Geburt heraus geführt hat. Du sollst von allem, was du isst, und wenn du es noch so wenig leiden kannst, wenigstens EINMAL probieren.”

Das ist eine gute Regel. Und sie funktioniert.

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Tischgebete

In der Erziehung sind feste Regeln und Rituale für Kinder wichtig.

Das Tischgebet ist so ein Ritual.

Von mir gerne und oft übersprungen, ist es für meine Tochter sehr wichtig. Obwohl sie frei formuliert, beginnt jedes ihrer Tischgebete gleich:

“Danke, lieber Gott, dass ich mit Mama und Papa gespielt habe.”

Dabei ist es egal, ob wir tatsächlich mit ihr gespielt haben, oder ob es 6 Uhr am Morgen ist. Diese Formulierung gehört zum Ritual. So auch heute Abend.

Carolina betet, ich beuge mein Haupt.

Danke, … weiter

Zeitarbeit

Gestern morgen hatten wir jene Freundin und Sozialarbeiterin zum Frühstück zu Gast, die letzte Woche den Ausflug zum Zoo initiiert hat. Ich liebe unser offenes Haus. Ich liebe es, Besuch zu haben und Einblick in Tätigkeiten zu gewinnen, die einem eher fremd sind.

Im Verlaufe des Frühstücks äußerte sich jene Freundin darüber, dass Menschen oft in bester Absicht einmalige Projekte für Kinder im Randbereich der Gesellschaft starten. Aber, und das sagte sie voller Überzeugung,

“Sozialarbeit ist Beziehungsarbeit.”

 

Nachmittags saß ich mit … weiter

Unsterblich

Meine Tochter hat ein Lieblingslied.

Unsterblich.

Von den Toten Hosen.

Das Lied läuft im Auto rauf und runter. Und von hinten kräht begeistert eine kleine Kinderstimme:

Ich will mit dir für immer leben,
wenigstens in dieser einen Nacht.

Mit dir hab ich dieses Gefühl,
dass wir heut Nacht unsterblich sind.
Egal, was uns jetzt noch geschieht,
ich weiß, dass wir unsterblich sind.

Am Dienstag dann plötzlich die Frage:

“Papa? Was heißt … weiter

Das Kartoffelfest – oder – Väter sind doof

Heute Abend war Kartoffelfest. Vom Kindergarten. Für die Eltern Kinder.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich habe echten Respekt für KindergärtnerInnen und ihre Geduld mit verzogenen Kindern und bescheuerten Eltern umzugehen.

Eltern wie mir zum Beispiel.

Ich gehöre zu jener Gattung Väter, die allen Oster-Frühstückstreffen, Nikolaus-Backnachmittagen oder eben Kartoffel-Festabenden tunlichst aus dem Weg gehen. Ich stehe bei solchen Events dämlich in der Ecke herum und IMAG0009 bemühe mich den … weiter

Vorbei…

Wir haben in unserer Familie ein heiliges Ritual. Es ist sogar noch heiliger, als das goldene Kalb damals am Berg Sinai, denn der HERR, dein Familienoberhaupt, sprach:

Carolina badet nicht allein.

So ist es Tradition. Natürlich, mit drei Jahren ist meine Prinzessin alt genug, um halbwegs unbeaufsichtigt zu baden. Aber seit ihrer Geburt habe ich sie in die Wanne gebracht und wieder herausgeholt.

Bis gestern.

Fröhlich rief ich von unten, ob es ihr im Bad gut gehe.

“Ja, Papa. Aber ich trockne mich schon ab!”

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Allein(v)erziehend

Vor einigen Tagen habe ich mich jedem merkwürdigen Ritual hingegeben, das wohl nur junge Väter wirklich nachvollziehen können: Ich habe mit meiner Tochter Monster gespielt.

Klingt toll, oder?

Irgendwann war meine Tochter das Monster, aber bevor sie mich erreicht hat, habe ich die Gartentür zugemacht und sie ausgesperrt. Zunge rausgestreckt. Lange Nase gemacht. Und anschließend das Rollo ein wenig runtergelassen. Gekichert. Gelacht. Anschließend wieder rein gelassen und was getrunken und unterhalten.

Dann wollte sie fangen spielen. Kein Monster mehr. Also gut. Ich renne raus … weiter