Familienleben.

IMAG0114_1Kritisch beäugt Oma die kleinen Babyfingerchen vom Amy. “Ihr müsst mal daran denken, der Kleinen die Hände zu waschen”, belehrt sie uns. “Nicht, dass die krank wird.”

“Keine Sorge”, murmelt Carolina wie beiläufig ins Wohnzimmer, “der Hund hat die vorhin ganz sauber geleckt.”

Sie sagt das in einem Tonfall, bei dem man nicht genau weiß, ob sie einen Witz gemacht hat.

Kinderpsychologie

Die kleine Amy spuckt Milch.
”Lina, hol mir bitte ein ZEWA”, bitte ich meine Älteste, während ich mich um das Baby kümmere. Carolina braucht einige Augenblicke, bis sie die Papierrolle entdeckt und kommt dann seelenruhig zurückgeschlendert, während ihre Freundin meinem Treiben interessiert, aber untätig zuschaut.

Carolina hat genau ein Blatt der Rolle in der Hand.

“Carolina”, sage ich, lege die Stirn in genervte Falten und wische die Sauerei mühsam weg, “wenn ich sage ‘ein Zewa’ meine ich damit zwei oder drei Blätter!”

Statt dass sie zurück in die Küche eilt, schaut sie mir entspannt zu und erklärt ihrer Freundin: “Normalerweise nennt mein Papa mich Lina. Wenn er ‘Carolina’ sagt, dann ist er sauer. ”

Ich blicke auf. “Carolina Sophie!”

“Und so nennt er mich, wenn er stinksauer ist!”, kichert sie und läuft mit ihrer Freundin rasch davon.

Scheinschwanger.

Als hätten wir mit einem kleinen Baby im Haus nicht genug Arbeit, ist unser Hund scheinschwanger.
Zumindest ist meine Frau davon überzeugt – ich habe noch nie von einer Scheinschwangerschaft gehört. Offenbar gibt es das bei Hunden aber öfter. Bailey ist seit einigen Tagen extrem verspielt und nähebedürftig – zwischenzeitlich total aufgekratzt und dann scharrt sie wieder im Boden und baut sich ein “Nest”.

“Wenn wir ihr jetzt ein Kuscheltier geben”, belehrt mich meine Frau, “dann wird sie es vielleicht bemuttern. Dann hätten wir Klarheit.”

Ich bin einverstanden und wir benutzen eines von Carolinas Kuscheltieren. Einen kleinen Hund. Bailey freut sich, schnappt sich das Tier und springt in ihr Körbchen.

“Ha!”, triumphiert meine Frau, “sie nimmt es mit in ihr Nest. Der Beweis!”

imageDoch Bailey bemuttert hier niemanden. Sie beutelt den kleinen Kuschelhund, schleudert ihn umher und nach wenigen Sekunden sind von dem kleinen Schnuffeltier nur noch Fetzen übrig.

“Tja”, murmle ich.

Hm”, murmelt meine Frau.

“Was das… war das etwa… mein Bello?”, jault Carolina auf.

 

Nun. Die Liste unserer Problemstellen wird nicht kürzer.

Bailey (Bailinho Rodriguez Klinge)

Es klingelt.
Nichtsahnend öffne ich die Tür und sehe einen völlig Fremden vor mir. Einen Fremden, der gelassen unseren Hund am Nacken zur Haustür geschleppt hat.
Mein Blick wandert von ihm zum Hund und wieder zurück.
”Hi”, stellt er sich vor. “Ich besuche eure Nachbarn – und Bailey ist in mein Auto gesprungen.”

Bailey strahlt mich begeistert an. Ihre Augen rufen “Abenteuer! Abenteuer! Abenteuer!” ihre sabbernde Schnauze dagegen “der Mann hat ganz lecker riechende Sitze!”

“Sie sagten mir, ich solle Bailey einfach hier abliefern.”

Ich entschuldige mich, blicke zerknirscht drein und hoffe, der junge Mann fährt kein Auto mit weißem Lederbezug.

Unser Australian Shepherd ist ein schlechter Wachhund, aber ein toller Familienhund. Sie liebt Menschen (und ich finde, damit passt sie prima in unsere Pastorenfamilie) und früher oder später wird sie zum Postboten ins Auto springen und mit ihm eine Runde fahren.

Ich glaube ja, dass viele Kinder ihren zweiten Namen nur als Steigerung ihres ersten tragen. Wenn ich Carolina rufe, dann überhört sie das geflissentlich – rufe ich sie aber zusätzlich mit zweiten Namen, ahnt sie, dass es Ärger gibt. Natürlich hat auch Bailey einen zweiten Namen (benannt nach Bender Rodriguez aus Futurama) und den schimpfe ich laut vor mich hin, kaum dass der Fremde gegangen ist.

Aber da ist der Hund schon längst verschwunden und schaut mit Carolina eine Dinosaurier-Dokumentation.

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Hach…

Große Familie

20141025_132016_AndroidDas Wochenende waren wir auf einem runden Geburtstag von Freunden aus alten Tübinger Zeiten eingeladen. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, eine alte Villa in Frankreich für diese Party zu mieten und haufenweise Familie und Freunde gerufen.
Für uns war es die erste größere Fahrt mit dem Baby – das, ganz Gemeindekind – zwei Tage lang von Arm zu Arm gereicht wurde und meist selig schlief. Carolina – im gleichen Haushalt aufgewachsen – kannte zwar niemanden, aber sprang sofort mit den anderen Kindern umher, fuhr ins örtliche Schwimmbad und begegnete uns erst abends wieder, wenn sie todmüde ins Bett fiel. Es wurden Geschichten und Anekdoten erzählt, Lieder gesungen und eine bunte Weinverkostung (bei der jeder Gast seinen Lieblingswein & eine Geschichte mitbrachte) genossen. Essen. Trinken. Lachen. Freuen. Spazierengehen. Zuhören. Aufmuntern. Freuen. Genießen.

Ein großartiges Wochenende.

Es tut mir immer leid, wenn ich höre oder lese, welche ätzendes Bild Menschen von Kirche haben. Als überflüssige Institution. Als seelenloses Konstrukt. Denn für mich ist es das nicht.

Obwohl wir Tübingen vor sechs Jahren verlassen haben, fühlte sich das Wochenende eher wie ein Familientreffen, als eine Geburtstagsparty an. Ein, nur schwer in Worte zu fassendes, Gemeinschaftsgefühl herrschte die Tage über – obwohl sich viele Gäste gar nicht oder nur flüchtig kannten.

Vielleicht lag das daran, dass der Geburtstag nur vordergründig Anlass der Feier war und im Mittelpunkt stand. Für mich bedeuten solche Feste vor allem, dass man das Leben feiert. Ein Blick auf mein neugeborenes Baby erinnert mich daran, wie zerbrechlich dieses Leben ist und wir alle wissen, wie schnell alles in Scherben vor uns liegen kann.

Ein Wochenende mit Freunden und Musik und Wein.

Feiert, Freunde, feiert das Leben.