Die ersten Nächte…

Die ersten Nächte sind rum.
Mittlerweile sind wir von “Oh, das Baby hat Pupsi Mupsi gemacht!” bei “Oh, das Baby hat schon wieder Pupsi Mupsi gemacht” angelangt. Von “Wie süß das klingt, wenn so ein Neugeborenes schreit” zu “Wer hat nochmal gesagt, dass das süß ist?”

2014-09-11 17.48.01Ich habe mir Sorgen gemacht, wie unser Hund den Familienzuwachs aufnimmt. Natürlich ist Bailey neugierig und über-aufmerksam: Wann immer das Baby weint, springt sie auf und kommt angeflitzt – auch über zwei Etagen hinweg. Ein leichter Beschützerinstinkt ist zu erkennen, der jedoch nicht sehr in den Vordergrund tritt. Ich habe immer wieder wild mit Carolina getobt, um zu sehen, wie der Hund auf Stress und Lärm und Gequicke reagiert: Er sieht interessiert zu und verspürt offensichtlich nicht den Drang, sich einzumischen. Sehr schön.
Außerdem zeigt Bailey amüsante Verhaltensweisen: Sie krallt sich mit den Vorderpfoten immer wieder um die Beine meiner Tochter und lässt sich durch die ganze Wohnung schleifen, genauso wie kleine Kinder sich spielerisch an die Beine ihrer Eltern hängen und mitziehen lassen.

Für Carolina ist die neue kleine Schwester überaus aufregend. Sie hat allerdings durch den Hund schon gelernt, das manche Dinge in der Phantasie schöner sind, als in der Realität – entsprechend vorsichtig ist sie mit ihren Erwartungen dem Baby gegenüber.
Immer wieder erkläre ich ihr, dass dies eine schwierige Zeit ist, weil das Baby so viel Aufmerksamkeit braucht die ihr dann fehlt und dass sie darüber ruhig traurig sein darf, aber wissen müsse, dass wir sie genauso lieb haben (vielleicht sogar ein bisschen mehr, weil sie durchschläft).

Ich schreibe immer noch an dem endlos langen Brief-Schrägstrich-Testament an meine Kinder, falls ich morgen das Zeitliche segnen sollte. Wenn ich mir durchlese, was ich vor Jahren so geschrieben habe, freue ich mich noch mehr auf die kommenden Nächte, Monate und Jahre.

Spannende Zeit.
Zum Glück sind jetzt Herbstferien. Passt mir gerade ganz gut. ;-)

Nachwuchs

2014-09-27 13.48.45Seit gestern bin ich stolzer Vater zweier Töchter und der festen Überzeugung, das “Hebamme” zu den furchtbarsten Berufen der Welt gehört.

Entsetzlich!

(Als ich den Hebammen dies sagte, lachten sie entspannt und erwiderten, aus ihrer Perspektive sei “Lehrer” einer der furchtbarsten Berufe der Welt.)
Ein neues Leben beginnt und ich freue mich unbändig auf die Zeit. Und weil ich als Vater auch ein alter Geschichtenerzähler bin, wird es Zeit, mal wieder eine hervorzukramenSmile.

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Inklusion und Parallelgesellschaften

2014-06-17 18.06.07Heute verbrachte ich den Nachmittag in der Musikschule. Die strenge Klavierlehrerin docente piano meiner Tochter (Zitat: “Wir Pianisten sitzen aufrecht!”) hatte Eltern und Verwandte geladen, die Künste ihrer Eleven zu bestaunen. Also saß ich inmitten des Bildungsbürgertums zwischen adrett frisierten Katharinas und Magdalenas und zurechtgestutzten Hendriks und Friedrichs und bestaunte ein musikalisches Wunderwerk nach dem anderen.
Eine echte Parallelgesellschaft mit glücklichen Kindern, die oft zwei Instrumente spielten und vereinzelt wochenends eine japanische Schule im Ruhrgebiet besuchen.
Keine Klassenclowns. Keine Hotzenplotz. Keine Kicker vom Aschenplatz.

Als meine Tochter erfuhr, sie wäre als erstes mit dem Vorspielen dran, entfuhr ihr ein halblautes “ach du scheiße!” Auch wenn sie das Klavierspielen liebt – man ahnt, wes Geistes Kind sie ist. Ich fühlte mich deplatziert.

Heute schreibt SPIEGEL ONLINE einen ausführlichen Artikel Kommentar von Jan Fleischhauer zum Thema Inklusion (klick). Tenor:

An deutschen Schulen hat ein radikales Bildungsexperiment begonnen: Erstmals ist für die Zulassung zu Realschule oder Gymnasium nicht mehr entscheidend, ob jemand dem Unterricht folgen kann. Was allein zählt, ist die Utopie einer Welt ohne Grenzen.

Natürlich stürzt sich auch das Forum auf die “sozialistische Hirnwichse aus dem Elfenbeinturm” (sic!). Allgemein herrscht die Angst, die da unten könnten uns am Lernen behindern. “Was ist mit der Elitenförderung?” rufen sie empört, als würden sie dazu gehören und als ob sie in ihrer Schulzeit irgendeine Form von Hochbegabtenförderung in der Schule erlebt hätten.

Dazu zwei Geschichten aus meiner Schul- und Studienzeit.
Ein (mittlerweile pensionierter) Physiklehrer, der praktisch nur im Vorbereitungsraum saß und korrigierte oder Zeitung las und die “Kinderchen” aufforderte, “nicht so einen Krach zu machen”.
Ein (ebenfalls pensionierter) Erdkundelehrer, dessen Unterricht darin bestand, die Schüler seine OHP-Folien abschreiben zu lassen. Stunde um Stunde. Um Stunde.

Katastrophaler Unterricht. Trotzdem ist aus ihren Schülern etwas geworden. Aus allen. Im Nachhinein blicken sie alle zurück, eher grinsend als grimmig.

In allen Inklusionsdiskussionen gewinne ich wieder und wieder den Eindruck, die Beteiligten würden die Vergangenheit verklären. Als ob es früher keine verhaltensauffälligen Klassenkasper gab, die den Unterricht gestört hätten. Als ob es früher ständig eine Förderung der Begabten gegeben hätte und nicht wie heute “nur eine für die schwachen 20%”.

Ja, es gibt Kinder, die durch ihr Verhalten nicht schulfähig sind. Kinder, die eine so entsetzliche Geschichte mit sich herumtragen, dass es einem die Fußnägel hochrollt und die ihre Wut, ihre Angst und ihre Störung an den Mitschülern und Lehrern auslassen. Und ja, es gibt Kinder, die auf Grund ihrer geistigen Behinderung an einem normalen Leben kaum teilnehmen können.
Solche Kinder gehören nicht in den Regelunterricht.

Aber sie gehören auch nicht in einen Käfig, am Rande der Zivilisation, damit sie uns ja nicht davon abhalten, Zahnärzte, Journalisten oder Anwälte zu werden.

An der Gesamtschule erlebe ich immer wieder, dass ein ganz großer Teil (etwa 50%) der Kinder mit Realschul-Empfehlung am Ende Abitur macht. Und studiert. Das verstehe ich unter Förderung.

Mein Leben wäre einfacher, wenn ich die Hauptschul- und Realschulkinder nicht in meiner Klasse hätte. Wenn ich nur die Katharinas und Magdalenas und Hendriks und Friedrichs unterrichten müsste.
Das Problem ist nur:

Ich wäre nicht dabei. 

Denn ich war ein Klassenkasper, die nur mit viel Geduld und Förderung der Lehrer durch die Schule getragen wurde. Gefühlt bin ich immer noch der Clown. Und sehe ich meine Tochter an, die mir heimlich Grimassen schneidet, während vorne musiziert wird – dann weiß ich, sie nimmt das Beste aus beiden Welten mit.

So soll es sein.

Die große Erschöpfung!?

2010-08-09 13.46.42Ich bin ein ganz großer Fan von Bill Cosby. Ich liebe seine Fernsehserie wegen ihres durchweg positiven Familienbildes, ich liebe Cosbys Humor und seine Art, über Familie und Ehe zu sprechen. Ich liebe das, weil ich Familie liebe. Weil ich meine Ehe liebe. Und weil ich meine Tochter liebe und auch noch das Vergnügen habe, beruflich mit Kindern arbeiten zu dürfen.
Neulich bin ich über einen lustigen Test für werdende Eltern gestoßen. Er stammt aus dem Buch “A beginners guide to fatherhood” von Colin Falconer. Ich finde den Test ganz lustig, weil ich Familie liebe und weil ich kleine Babys süß finde und gerne mit Kindern arbeite.

Ein Auszug:

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