Schwangerschaftskurs vs. ChampionsLeague

Champions League. Bundesliga. Das Leben hat wieder einen Sinn.

Zumindest für meine Freunde – denn ich muss heute zum Schwangerschaftskurs. Meine Frau und ich sind Intellektuelle. Das bedeutet, wir studieren und lesen über Dinge, die in der ganzen Welt völlig natürlich ablaufen. Die Geburt zum Beispiel. “Man kann nicht einfach ein Kind kriegen heutzutage. Das ist unnatürlich. Man muss sich darauf vorbereiten.”

Ah.

Und heute ist Partnerabend. Da können wir uns beide vorbereiten. “Alle Männer kommen” behauptet meine Frau um mich zu überzeugen. In Wirklichkeit habe ich gar keine Wahl – beschließe aber, mich als der unangepasste Rebell zu erkennen zu geben, der ich insgeheim schon immer war:
Als wir zum Kurs fahren, falle ich in meine Rolle: Ich schaue nur noch zu Boden, vermeide Augenkontakt und zucke zusammen, wenn jemand die Hand beim Sprechen bewegt; meine Stimme ist flüsterleise und weinerlich und als ich die Hebamme begrüße, fühlt sich mein Handschlag an wie ein toter Fisch. “Ist mit Ihnen alles in Ordnung?”, fragt sie mich. Ich nicke stumm. Meine Frau stößt mich unsanft an, damit ich mit dem Mist aufhöre – aber jetzt schaut die Hebamme nur noch nachdenklicher.

Zum Glück bin ich nicht der einzige Mann in der Runde. Alle sehen sie bemüht lässig drein aber ich kann in ihren Augen sehen, dass sie von ihren Frauen ebenso hergezwungen wurden wie ich. In Wirklichkeit ist der Abend nicht so schlimm, wie befürchtet. Wir unterhalten uns nett und lachen viel – hin und wieder brummt ein Handy leise… TOR-Alarm. Und dann sieht man – für einen Augenblick nur – Traurigkeit in den Augen der Männer aufblitzen. Champions League.

Ohne uns.

Die Hebamme möchte hören, wie wir die Frauen nach der Geburt unterstützen wollen. Mit leiser Stimme schlage ich vor, sie beim Waschen der Stoffwindeln zu unterstützen.

Einen Augenblick herrscht Stille. Die Hebamme sieht mich stirnrunzelnd an und sagt: “Wenn du willst, dann bin ich nicht die Hebamme, sondern Manuel Neuer. Und wir sind gar nicht in der Hebammenpraxis, sondern im Stadion. Und wir feiern den Sieg – aber nicht hier, sondern in der Kabine. Und wenn du nach Hause kommst, bin ich nicht mehr Manuel Neuer…”

Ich werde jäh aus meiner Phantasiereise geweckt, als alle ihre Taschen packen.

“Oh, schon?”, strahle ich fröhlich.

Datenverbrauch von SkyGo

Rechtzeitig zu unserem Umzug gibt es SkyGo kostenlos für alle Kunden dazu. Großartig für mich, denn in unserem neuen Heim gibt es (noch) keine Satellitenschüssel und dadurch kann ich die Bundesliga nur am Radio verfolgen. Spannend ist für mich vor allem die Frage gewesen, wie viel Traffic das Schauen eines (!) BVB-Spiels kostet. Die Antwort: 3,4 Gigabyte für die Samstagabend-Partie zwischen dem BVB und dem Plastikverein aus Leverkusen.

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Das ist abgefahren viel – sieht aber auch prima aus. Zwinkerndes Smiley

Arbeitsklima.

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Vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit einem Freund über sein Arbeitsumfeld. Er möchte Arzt werden und wechselt während seines PJs alle sechs Wochen die Station. Auf diese Weise sieht er in kurzer Zeit sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen.
Zuletzt war er nicht besonders glücklich: Die Schwestern waren chronisch überarbeitet und hatten wenig Zeit; wann immer er irgendwo dabei stand, wurde er angeranzt sich doch “wenigstens mal vorzustellen” – und wenn er sich dann ständig vorstellte hieß es “wissen wir längst!”.

Seit einer Woche ist er eine Station weitergezogen und erlebt ein völlig anderes Arbeitsklima: Die Schwestern sind sehr nett und aufgeschlossen – wenn sie eine Pause brauchen, nehmen sie sie sich. Ein Oberarzt bat ihn zuletzt, etwas länger zu bleiben und mein Freund kam 5 Stunden später nach Hause, als eigentlich geplant. Erschöpft, aber glücklich.

Wir haben uns länger über dieses Phänomen unterhalten. Auch über mein eigenes Arbeitsklima.

Wie die Bundesliga die Schule widerspiegelt.

2013-06-27 15.30.49Letzte Woche wurde ich von einem Online-Magazin angefragt, welche “Tipps” ich für Eltern zur Schulvorbereitung hätte. Und während ich noch ein paar freie Tage genießen darf, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, während ich mich gleichzeitig am Beginn der Bundesliga erfreut habe. Meiner Ersatz-Religion.

Freude hatte ich zumindest, bis ich die Interviews der Gladbacher nach der Niederlage gegen Bayern München hörte. Obwohl Gladbach nicht schlecht gespielt und durchaus einige Torchancen herausgearbeitet hatte, jammerte der Torwart ter Stegen hinterher sinngemäß: “Andere Gegner sind unsere Kragenweite… wir müssen gegen andere Gegner die Punkte holen… gegen die Bayern kann man verlieren…”

Das hat mich maßlos geärgert. Da war kein Frust über die vertane Chance zu spüren, nur das allgegenwärtige Kuschen vor den übermächtigen Bayern.

Vor allem, wenn ich das mit den Stimmen der Augsburger vergleiche, die mit 0:4 gegen Dortmund verloren. Dort schimpfte Halil Altintop: „Das Ergebnis ist definitiv zu hoch und spiegelt das Spiel nicht komplett wieder. Wir brauchen nicht über Borussia Dortmund zu reden […]. Die eigenen Fehler waren entscheidend heute.”

Die Augsburger waren zurecht frustriert. Sie hatten richtig gut gespielt und “es war mehr drin”. Das galt für beide Spiele – aber gegen die Münchener scheint sich ein Großteil der Liga in stiller Angst zu ergeben: Wenn wir nur mit zwei, drei Toren Unterschied verlieren, ist alles in Ordnung.

Zum Kotzen.

Und es erinnert mich an Schule.

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