Workbook “Elektronik”

imageNur noch wenige Tage Ferien, bis es wieder losgeht. Neben all dem renovieren und umbauen habe ich mir Gedanken über meinen WP-Technik-Kurs gemacht.
Nach dem Bau des großen Schulmodells im vergangenen Jahr (hier ein Video davon) mit einfachen elektrischen Schaltungen steht in diesem Jahr etwas mehr Elektrik auf dem Plan.

Ich habe einige Tage darüber gegrübelt, welche Methode hier sinnvoll wäre.
Normalerweise arbeite ich intensiv mit Lerntheken und Stationen. Sie ermöglichen ein differenziertes Arbeiten, d.h. ich kann die sehr guten Schüler genauso beschäftigen, wie die schwachen. Im Technikunterricht ist das ungleich schwieriger – ich kann das Material nicht in 25facher Ausfertigung bereitstellen, um jedem gerecht zu werden. Denn anders als in Mathematik kann man sich nicht direkt auf die komplizierten Schaltungen (= hohen Stationsnummern) stürzen, sondern fängt immer am Anfang an.

Im vergangenen Jahr habe ich überaus positive Erfahrung mit meinem NW-Workbook gemacht. Das Heft wird inzwischen von vielen Kollegen in ihren Klassen genutzt und beständig verbessert. Entsprechend versuche ich das dieses Jahr auch im Technikunterricht.

Ein Workbook bietet mir die Möglichkeit, alle Schüler mit Sachtexten, Schaltskizzen und Aufgaben zu versorgen und gleichzeitig komplexere Aufgaben so einzubauen, dass nur die “Nerds” sich damit beschäftigen dürfen müssen (“Wie funktioniert ein Transistor auf atomarer Ebene?”).
Abgesehen davon erschaffe ich gerne Unterrichtsmaterialien. Ein kurzer Überblick:

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Das Heft wird in den nächsten Monaten anwachsen, bisher sind erst mal nur die Grundlagen eingebaut. Dinge wie Lichtschranken, Radios und Alarmanlagen kommen später. Realisiert wird alles mit billigem OPITEC-Material. Das kann man auch mal gut im Klassensatz bestellen.

Interessierte Kollegen lade ich wie immer ein, das Workbook zu durchwühlen, zu kritisieren und für eigenen Unterricht zu benutzen – es findet sich an der üblichen Stelle bzw. schreibt eine Anfrage als Kommentar.

Mathestunde (Gedicht)

Ich weiß nicht: Gehört das in die Rubrik “Feedback zu Ihrem Unterricht, Herr Klinge”?

 

2013-12-20 08.23.16In der Mathestunde müssen wir alle sitzen

die Sonne scheint, die Schüler schwitzen.

Das Thema hat kaum einer verstanden,

der Lehrer schreit “Ihr werdet auf der Straße landen!”

In der letzten Reihe sind alle am pennen,

die vorne müssen die Zähler nennen.

Die Schüler müssen büffeln,

man riecht, wie sie nach Schweiß schon müffeln.

Langeweile verbreitet sich im Raum,

das Thema interessiert uns alle kaum.

Der Lehrer merkt, die Klasse schwätzt,

“Oh warum wurde die Prügelstrafe abgesetzt?”

Nach dem Klingeln machen wir alle Pause,

doch können wir noch lange nicht nach Hause.

Ja, so ist sie unsere Runde,

in der schönen Mathestunde!

“Name drauf!”

20140111_151933Ein großes Übel im Unterricht ist die Tatsache, dass man als Lehrer nicht nur Tests und Klassenarbeiten korrigieren, sondern auch diejenigen Exemplare ohne Namen anhand der Schrift den zugehörigen Kindern zuordnen muss.

Anstrengend.

Darum erinnere ich die Schüler immer wieder daran, ihre Namen auf alle Blätter zu schreiben, die sie abzugeben gedenken. Und natürlich vergessen es immer wieder etliche.

Letzte Woche ließ ich meine 6. Klasse einen NW-Test schreiben. Nachdem ich alle Blätter eingesammelt und grob sortiert habe, ziehe ich eines ohne Namen aus dem Stapel. “HAH!”, rufe ich scharf, “hier hat schon wieder jemand seinen Namen nicht draufgeschrieben!”

Blitzartig herrschteStille.
Keiner hat die Ankündigung vergessen, dass Tests ohne Namen nicht mehr zurückgegeben werden.

Vor den Augen der entsetzten Schüler zerknülle ich das Blatt und werfe es in den Mülleimer. Keiner traut sich, etwas zu sagen – selbst die Inklusionshelferinnen hinten runzeln besorgt die Stirn.

Einige Sekunden vergehen, dann meldet sich ein Junge zaghaft: “Herr Klinge, sie haben doch einen leeren Zettel weggeworfen, oder?”

Ein anderer widerspricht: “Nein! Da stand was drauf – habe ich genau gesehen!”

Wortlos packe ich die restlichen Papiere ein und bin mir einigermaßen sicher, dass meine Klasse zukünftig immer ihren Namen auf jeden Test, jede Umfrage und jede Klassenarbeit schreiben wird.

Natürlich stand auf dem Zettel etwas drauf – ich habe ihn ja selbst ausgefüllt. Nur meinen Namen, den habe ich ausgelassen. ;-)

Lerntheke: SteamPunk-Physik

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Nach wie vor bin ich ein großer Verfechter von offenen Unterrichtsformen, insbesondere Lerntheken. Meine Erfahrungen damit sind durchweg positiv und auch die Schüler nehmen diese Form des Arbeitens gerne an.
Während ich in Mathematik 90% meines Unterrichts mit dieser Methode gestalte, ist das im Fach Physik nicht so leicht zu realisieren: Dort wird praktisch jede Woche ein neuer Themenbereich aufgegriffen, neue Formeln erarbeitet und neue Begriffe gelernt. Während ich in der Mathematik sechs Wochen lang ‘Bruchrechnen’ üben kann, muss ich in der Physik in der gleichen Zeit die Kinematik, die Massenträgheit, den Begriff der Kraft, dann den Impuls und anschließend die Hebelgesetze lernen.

Glücklicherweise muss ich mich in meinem Oberstufenkurs keinen Abitursvorgaben unterwerfen, so dass ich mir nun – nach einem Quartal des Arbeitens – ein wenig Zeit nehmen kann, das Gelernte zu wiederholen. Im letzten Jahr tat ich dies mit einer Lerntheke zur Filmphysik und für dieses Jahr habe ich mir etwas neues ausgedacht. Mehr aus Spaß und Neugierde habe ich die aktuelle Lerntheke im Steampunk-Design entworfen, das ist ein Kunstgenre, welches (sozusagen) die moderne Technik mit dem Design des viktorianischen Zeitalters verknüpft.

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Notendiskussion

2013-09-29 17.00.14-1

Bei Herrn Rau gibt es gerade einen Artikel über das Für und Wider von Schulnoten zu lesen, der sich vor allem auf diese Diskussion bezieht. Ich möchte hier keine weitere Grundsatzdiskussion über Noten eröffnen, zumal mein Fokus hier eher auf der Notengebung bei Inklusionskindern liegt.

An der Grundschule meiner Tochter wurde in den vergangenen Wochen diskutiert, ob man die Schulmilch abschaffen sollte (sie widerspricht dem “gesunden Frühstück”) und außerdem, ob die Drittklässler zum Halbjahr schon Noten, oder “nur” Berichtszeugnisse erhalten sollten. Beim Elternpflegschaftsabend wurde von ein, zwei Müttern ein flammendes Plädoyer gegen den Notendruck und die Leistungsgesellschaft gehalten, verbunden mit dem Wunsch, die Kinder doch einfach sein zu lassen wie sie wären. Zustimmendes Murmeln hier und da.

Das hat mich wahnsinnig gemacht.

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