Mathestunde (Gedicht)

Ich weiß nicht: Gehört das in die Rubrik “Feedback zu Ihrem Unterricht, Herr Klinge”?

 

2013-12-20 08.23.16In der Mathestunde müssen wir alle sitzen

die Sonne scheint, die Schüler schwitzen.

Das Thema hat kaum einer verstanden,

der Lehrer schreit “Ihr werdet auf der Straße landen!”

In der letzten Reihe sind alle am pennen,

die vorne müssen die Zähler nennen.

Die Schüler müssen büffeln,

man riecht, wie sie nach Schweiß schon müffeln.

Langeweile verbreitet sich im Raum,

das Thema interessiert uns alle kaum.

Der Lehrer merkt, die Klasse schwätzt,

“Oh warum wurde die Prügelstrafe abgesetzt?”

Nach dem Klingeln machen wir alle Pause,

doch können wir noch lange nicht nach Hause.

Ja, so ist sie unsere Runde,

in der schönen Mathestunde!

“Name drauf!”

20140111_151933Ein großes Übel im Unterricht ist die Tatsache, dass man als Lehrer nicht nur Tests und Klassenarbeiten korrigieren, sondern auch diejenigen Exemplare ohne Namen anhand der Schrift den zugehörigen Kindern zuordnen muss.

Anstrengend.

Darum erinnere ich die Schüler immer wieder daran, ihre Namen auf alle Blätter zu schreiben, die sie abzugeben gedenken. Und natürlich vergessen es immer wieder etliche.

Letzte Woche ließ ich meine 6. Klasse einen NW-Test schreiben. Nachdem ich alle Blätter eingesammelt und grob sortiert habe, ziehe ich eines ohne Namen aus dem Stapel. “HAH!”, rufe ich scharf, “hier hat schon wieder jemand seinen Namen nicht draufgeschrieben!”

Blitzartig herrschteStille.
Keiner hat die Ankündigung vergessen, dass Tests ohne Namen nicht mehr zurückgegeben werden.

Vor den Augen der entsetzten Schüler zerknülle ich das Blatt und werfe es in den Mülleimer. Keiner traut sich, etwas zu sagen – selbst die Inklusionshelferinnen hinten runzeln besorgt die Stirn.

Einige Sekunden vergehen, dann meldet sich ein Junge zaghaft: “Herr Klinge, sie haben doch einen leeren Zettel weggeworfen, oder?”

Ein anderer widerspricht: “Nein! Da stand was drauf – habe ich genau gesehen!”

Wortlos packe ich die restlichen Papiere ein und bin mir einigermaßen sicher, dass meine Klasse zukünftig immer ihren Namen auf jeden Test, jede Umfrage und jede Klassenarbeit schreiben wird.

Natürlich stand auf dem Zettel etwas drauf – ich habe ihn ja selbst ausgefüllt. Nur meinen Namen, den habe ich ausgelassen. ;-)

Lerntheke: SteamPunk-Physik

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Nach wie vor bin ich ein großer Verfechter von offenen Unterrichtsformen, insbesondere Lerntheken. Meine Erfahrungen damit sind durchweg positiv und auch die Schüler nehmen diese Form des Arbeitens gerne an.
Während ich in Mathematik 90% meines Unterrichts mit dieser Methode gestalte, ist das im Fach Physik nicht so leicht zu realisieren: Dort wird praktisch jede Woche ein neuer Themenbereich aufgegriffen, neue Formeln erarbeitet und neue Begriffe gelernt. Während ich in der Mathematik sechs Wochen lang ‘Bruchrechnen’ üben kann, muss ich in der Physik in der gleichen Zeit die Kinematik, die Massenträgheit, den Begriff der Kraft, dann den Impuls und anschließend die Hebelgesetze lernen.

Glücklicherweise muss ich mich in meinem Oberstufenkurs keinen Abitursvorgaben unterwerfen, so dass ich mir nun – nach einem Quartal des Arbeitens – ein wenig Zeit nehmen kann, das Gelernte zu wiederholen. Im letzten Jahr tat ich dies mit einer Lerntheke zur Filmphysik und für dieses Jahr habe ich mir etwas neues ausgedacht. Mehr aus Spaß und Neugierde habe ich die aktuelle Lerntheke im Steampunk-Design entworfen, das ist ein Kunstgenre, welches (sozusagen) die moderne Technik mit dem Design des viktorianischen Zeitalters verknüpft.

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Notendiskussion

2013-09-29 17.00.14-1

Bei Herrn Rau gibt es gerade einen Artikel über das Für und Wider von Schulnoten zu lesen, der sich vor allem auf diese Diskussion bezieht. Ich möchte hier keine weitere Grundsatzdiskussion über Noten eröffnen, zumal mein Fokus hier eher auf der Notengebung bei Inklusionskindern liegt.

An der Grundschule meiner Tochter wurde in den vergangenen Wochen diskutiert, ob man die Schulmilch abschaffen sollte (sie widerspricht dem “gesunden Frühstück”) und außerdem, ob die Drittklässler zum Halbjahr schon Noten, oder “nur” Berichtszeugnisse erhalten sollten. Beim Elternpflegschaftsabend wurde von ein, zwei Müttern ein flammendes Plädoyer gegen den Notendruck und die Leistungsgesellschaft gehalten, verbunden mit dem Wunsch, die Kinder doch einfach sein zu lassen wie sie wären. Zustimmendes Murmeln hier und da.

Das hat mich wahnsinnig gemacht.

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Inklusion im Hühnerkäfig

Über den Lehrerfreund wurde ich auf eine ganz spannende Dokumentation des WDR aufmerksam gemacht: Ein Kamerateam hat die “Offene Schule Köln” ein Jahr lang besucht und den Werdegang der Schule gezeichnet. Hier der Link zum Videobericht (45 Minuten).  Man kann den engagierten Eltern und Lehrern gar nicht genug Hochachtung für ihre Leistung entgegenbringen.
Die Einbindung von Menschen mit verschiedenen Behinderungen und Lernstörungen in den normalen Schulalltag ist eine ganz gewaltige Herausforderung, die diese Schule anscheinend sehr gut meistert. Die Lehrer arbeiten sehr differenziert und ganz viel mit offenen Unterrichtsformen – mehr noch als ich das mit meinen Lerntheken schaffe. Ein wichtiger Faktor wird in dem Bericht angesprochen: Inklusion zum Nulltarif gibt es nicht.

Zwei Bilder können das verdeutlichen. Zunächst eines aus der Dokumentation.

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Physik für Dummies

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Ich habe da diesen unglaublichen Oberstufenphysikkurs. Mitlesende Lehrer werden solche Kurse kennen und vielleicht erinnert sich der ein oder andere an sein eigenes Schulleben: Es gibt so Kurse, da passt die Chemie einfach. Dieses Jahr sehen wir uns Donnerstagnachmittags in der 9. Stunde – und stets ist der Kurs vollzählig, immer gut gelaunt. Eigentlich fehlen nur noch eine Tasse heißer Kaffee und ein Stückchen Kuchen, um es noch heimeliger zu machen. Ich. liebe. diesen. Kurs.

Er ist ein Highlight.

Physik ist ein – wie ich finde – sehr, sehr anspruchsvolles Fach: Anhand einfacher Beobachtungen werden merkwürdige Begriffe erfunden und abstrakte Größen eingeführt. Auch jener Kurs kämpft zuweilen mit dem Verständnis.

Ich selbst bin nicht so besonders klug: Zeit meines Lebens habe ich mich mit Physik sehr, sehr schwer getan. Was genau ist eine Kraft? Wieso ‘weiß’ der Magnet, dass da ein zweiter Magnet in der Nähe ist? Was ist Strom? Was ist Licht? Wieso braucht Licht kein Medium, um sich auszubreiten?

Ich muss die Dinge
                          herunter-
                                    brechen.

Am schönsten ist Physik für mich dann, wenn man sich ganz einfachen Problemen widmet. Betrachtet einmal die folgende Zeichnung:

Apps für den Physikunterricht (Akustik)

Frequenz Generator Pro für Android zum erzeugen von Frequenzen. Klappt sehr gut.

Installiert man die Software auf zwei Geräten (Handy & Tablet) und erzeugt mit beiden Geräten den gleichen Ton, kann man sehr schön die Überlappung von Schallwellen hören. Ausgezeichnete Software! In der kostenlosen Version laufen die Töne nur 20 Sekunden lang, in der 99-Cent-Version bis zu 5 Minuten.

Außerdem:

FrequenSee für Android.

Einfache, kostenlose Software zum verdeutlichen des Frequenzspektrums. Patscht man auf den Bildschirm, friert das Bild ein (zumindest in der HD Version).

Beide sehr nützlich im Unterricht!


Immer wieder werden hier Smartphone-Apps vorgestellt, die sich im Unterricht sinnvoll einsetzen lassen. Einen Überblick aller bereits besprochenen Programme findest du hier.

 

Fehlt noch etwas? Weitere Vorschläge einsenden.

Filmphysik (Update in eigener Sache)

Eine kurze Meldung zum Stand der Physik:
Weil mittlerweile tausende zwei Physikkollegen meine Lerntheke zur Filmphysik angefragt haben: Ich habe etwaige Fehler ausgemerzt und jede Aufgabe mit einer ausführlichen Lösung versehen.

Interessenten bitte per Mail an halbtagsblog@gmail.com oder im Downloadbereich (allerdings mit separatem Passwort, damit meine Schüler nicht einfach die Lösung abschreiben…)

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Facebook sinnvoll für die Schule einsetzen.

Eine ganze Menge Leute landen auf meinem Blog durch die Kombination der Suchbegriffe “Facebook” und “Schule”, mein bescheidener Auftritt bei SPIEGEL ONLINE behandelte das Thema und auch der ein oder andere Lehrerblogger beschäftigt sich damit, bspw. Herr Rau oder auch Kreide fressen.

Hier und da und dort wird Facebook unterschiedlich eingesetzt. Es gibt ein Für und Wider, ob sich Schulen überhaupt damit auseinandersetzen sollten. Nun – meine Schule tut es. Und zwar mehrfach.

Denn der Bereich “Kunst und Schule” hat sich vor zweieinhalb Monaten eine eigene Facebook-Seite eingerichtet, auf der immer wieder Ausstellungen und Werkstücke präsentiert werden, außerdem kurze Berichte und Fotos von Theaterstücken: Klick.
Das Einverständnis der Schüler vorausgesetzt, bietet Facebook hier eine ganz einfache Möglichkeit, sich zu präsentieren. Keiner der Kollegen muss eine Homepage programmieren oder hosten – eigentlich müssen sie sich um gar nichts kümmern, außer hin und wieder ein paar Bilder hochzuladen. Umgekehrt werden die Kunstwerke jetzt nicht nur den eigenen Mitschülern präsentiert, sondern erreichen ein viel größeres Umfeld.
Für ein (großartiges!) Theaterstück, dass jetzt am kommenden Donnerstag noch einmal aufgeführt wird, kann man sich unkompliziert dort anmelden – für die Organisatoren auf jeden Fall eine Hilfe.
Dies ist nur eine weitere Möglichkeit, Facebook sinnvoll in den Kontext der Schule einzubinden.

Für jene, die dem großen Satan Facebook abschwören: Hier ein paar Screenshots.
(Für alle anderen: “Gefällt mir” anklicken! Zwinkerndes Smiley )

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Mathematik & SI-Störungen

2013-03-12 08.43.16Seit knapp einem Jahr unterrichte ich zwei Kinder mit der Glasknochenkrankheit und mit Erlaubnis der Eltern darf ich immer wieder darüber berichten.
An diese Aufgabe bin ich – ebenso wie die meisten Kollegen – recht blauäugig herangegangen, mit wenig mehr als einer gesunden Portion Menschenverstand, vermischt mit naivem Optimismus. Ich möchte heute auch weniger über die Herausforderungen des schulischen Alltags für Kinder mit Glasknochen beschreiben – das habe ich an anderer Stelle mehrfach getan – sondern einen (von einem Laien verfassten) Überblick über die mathematische Fähigkeit bestimmter Kinder in Kombination mit körperlicher Beeinträchtigung ermöglichen.

Warum?
Weil durch die zunehmende Inklusion an Schulen in den kommenden Jahren immer mehr Kinder mit einer SI-Störung im Mathematikunterricht sitzen werden.

Und?
Weil es im Internet (soweit das Google reicht) nur wenig Informationen darüber gibt und nicht jeder Kollege Zeit und Lust hat, Fachliteratur zu wälzen oder sich einzuarbeiten.

Und dich qualifiziert…?!
Gar nichts. Aber für eine Einführung sollte es reichen. Und alles, was im Internet steht, ist wahr – das hat schon Abraham Lincoln gesagt.