Warum ich #OER-Schulbücher für eine schlechte Idee halte

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Dieses Schuljahr unterrichte ich sieben verschiedene Kurse (Mathematik, Physik, NW und Technik) und in keinem einzigen habe ich aktiv mit dem Schulbuch gearbeitet. In fünf von sieben Kursen habe ich nicht mal ein Buch ausgeteilt. Wenig überraschend hat im Laufe des Schuljahres kein einziger Schüler je nach ihnen gefragt.

Ich möchte nicht so weit gehen, zu behaupten, Schulbücher seien überflüssig – aber wenn sich eine wachsende Zahl von Lehrern schon Gedanken über freie Bildungsmaterialien (Stichwort: “OER”) macht, dann halte ich eine Entwicklung in Richtung Schulbüchern für falsch.

Zunächst also zwei Beispiele für OER-Projekte, bevor ich über Diagnose spreche und dann Krankheitsverlauf und dann Heilungschancen.

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Inklusion & Alltagsprobleme

UnbenanntInzwischen hat das zweites Schuljahr für meine Klasse, in der auch zwei Mädchen mit Glasknochen sind, begonnen. Das erste verlief unproblematisch und der Alltag war geprägt von unkomplizierten, praktischen Lösungen.

Inklusion nennt sich die Einbindung von Menschen mit Behinderungen in den normalen Schulalltag, (Bildquelle: http://inklusion-olpe.de/satzung.php ) die in Deutschland in den nächsten Jahren mehr und mehr umgesetzt wird und ich habe an vielen Stellen von den Erlebnissen und Bereicherungen der Inklusion erzählt.

Aber – und auch darin sehe ich eine Gewisse “journalistische” Pflicht – es gehört auch dazu, von den Schwierigkeiten und Herausforderungen zu berichten. Diese entstammen natürlich meinen Erfahrungen, sind aber größtenteils auch auf andere Inklusionsfälle übertragbar. Heute also einige Worte zu ein paar Alltagsproblemen, die sich mit der Inklusion einstellen.

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Notensoftware für Android

imageEinige KollegInnen fragten mich vor den Ferien, wie ich das mit den Noten machen würde: Als Nerd hätte ich da doch bestimmt irgendwas cooles zur Hand.

Klar!

Ich kenne ganz unterschiedliche Varianten: Die meisten Lehrer nutzen das rote Notenbüchlein oder Varianten davon. Einige wenige nutzen ausgebuffte Excel-Tabellen mit komplexen Berechnungen zu Noten, Fehlstunden und prognostizierter Fehlstundenzahl für die nächsten Monate. Beides habe ich ausprobiert – bin aber nicht so richtig warm damit geworden.

Eine Notensoftware muss für mich vor allem leicht verständlich sein.
Unsere Waschmaschine z.B. ist sicher einfacher zu bedienen, als unser MediaCenter – aber ich verstehe sie nicht. Und darum drücke ich mich um die Bedienung, wo es nur geht (zur Freude meiner Frau, die unser MediaCenter nicht versteht..). Die meisten Notenprogramme sind bei mir nach wenigen Minuten wieder runtergeflogen, weil ich sie schlicht nicht verstanden habe. Und, ja: Ich bin zu faul, um die Anleitung zu lesen und außerdem extrem ungeduldig. Was ich nicht nach fünf zwei Minuten verstehe, finde ich blöd.

Die Software, die ich nun seit anderthalb Jahren benutze ist AndroClass von Apenschi.
Rezensionen sind jedoch so eine Sache, nicht wahr?

Erst neulich las ich den “Testbericht” eines Autors – offenkundig iPhone-Fan – über ein neues Handy. Als Nachteil führte er – für ein Windows Phone – das Betriebssystem “Windows” an. Himmel, dachte ich, dann soll er kein Windows Phone testen, wenn er das per se schlecht findet.
Erfahrungsberichte sind stets durch die subjektive Brille des Betrachters gefärbt und so ist es wichtig zu wissen, aus welcher Perspektive ich AndroClass beurteile.

Geklaute Bilder?

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Vergangene Woche wiesen mich mehrere Schüler unabhängig voneinander darauf hin, dass einige Bilder meines Blogs auf anderen Webseiten auftauchten. Genauer: meine “Schule im Schaubild”-Grafiken.

Interessant finde ich, dass die Schüler durchaus ein Bewusstsein für Copyright haben. Ihnen ist aufgefallen, dass die Bilder eigentlich mir “gehören” und sie wiesen mich darauf hin. Danke! Gerne. Immer!

Ich sprach mit einem Kurs über die mir nun offenstehenden Möglichkeiten und erklärte den Hintergrund der Creative Common Lizenz. Alle meine erstellen Inhalte dürfen unter bestimmten Bedingungen weitergegeben werden.

Den ganzen Nachmittag habe ich Continue reading

Schneeballschlacht (aus päd. Gründen)

IMAG0114Als Lehrer Mensch stehe ich regelmäßig vor einem Dilemma: Schneeballschlachten sind an der Schule verboten. Wie ich finde: Leider.
Denn natürlich sind Schneebälle gefährlich. Und vom Boden aufgekratzter Schnee ist nicht selten mit Steinen versehen und wird bei einigen Rabauken zu Eisbällen. Alle Winter wieder geht so etwas wortwörtlich ins Auge.

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Verantwortung im Blog. Update

Seit ich vor mittlerweile drei Monaten über mein Handy drübergefahren bin, habe ich nichts als Ärger mit dem Gerät. Nach kurzer Recherche stieß ich auf handyreparaturen-nrw.de, dem ich nach einer Absprache der Reparaturkosten mein Gerät zuschickte. Den Laden gibt es wirklich, eine Menge Rezensionen zeigen sich dankbar. Also eher keine Diamantenmiene in Nigeria oder so.

Eine Woche verging. Zwei. Ich wollte nicht unhöflich sein. Aber nach drei Wochen fragte ich per E-Mail nach. Keine Reaktion. Vier Wochen vergingen. Fünf. Sechs. Nachfrage. Keine Reaktion. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Gerade, als ich mein Handy schon aufgegeben hatte, rief der Shop an. Nun.. endlich! Nach mehr als zwei Monaten sei mein Gerät fertig. Zwei Klebestreifen wären einfach nicht gekommen. Soso.

Ich seufzte, war aber dankbar, mein Gerät zumindest überhaupt wiederzubekommen. Eine Rechnung erhielt ich nicht. Ein Tag verging. Zwei. … Wieder erst auf Nachfrage. Da war der Preis auch nochmal gestiegen.

Um mein Handy aber überhaupt wiederzubekommen, habe ich es geschluckt und überwiesen. Jaja, Gerät würde am gleichen Tag verschickt werden, schrieb der Ladenbesitzer. Ein Tag verging. Zwei. Sechs. Ja, genau das gleiche Spiel nochmal.

Mittlerweile sind knapp zwei Wochen seit der Überweisung vergangen. Er wisse auch nicht, was schiefgegangen sei, aber würde sich sofort rum kümmern, versprach er Mitte letzter Woche. Hmm. Soso.

Mein Ärger ist sicherlich nachvollziehbar. Monate lang keinerlei Informationen. Dann ein höherer Preis. Dann wieder eine Verzögerung. Zwischendurch noch einige ausfällige Worte bei Facebook (jemanden öffentlich als “Fotze” zu bezeichnen macht sich als Geschäftsführer nicht so richtig gut..).

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Und nun sitze ich hier und grüble. [Update s.u.]
In erster Linie nervt mich die ganze Angelegenheit. Ich habe weder Lust noch Zeit, mich mit so einem Mist zu beschäftigen.
In zweiter Linie aber möchte ich andere Opfer Kunden davor bewahren, die gleiche Odyssee durchmachen zu müssen. Sicherlich Womöglich macht der Shop sonst sehr gute Arbeit – in meinem Falle aber sind Kommunikation und Umgang mit dem Kunden katastrophal. Was mich zu meinen nächsten Schritten führt. Ohne meinen kleinen Blog jetzt überbewerten zu wollen – aber ich habe deutlich höhere Zugriffszahlen als jene Shop-Seite. Was bedeutet: Schreibe ich einen Erfahrungsbericht über dieses Erlebnis, landet dieser Bericht bei Google ganz weit oben. Und wie das so ist, reicht eine einzige negative Rezension, um eine Menge Leute davon abzuhalten, ihr Handy dort hinzuschicken. Das ist aber eine andere Dimension, als seinen Freunden zu erzählen, der-und-der Shop sei nicht zu empfehlen.

Und das ist führt mich in eine moralische Zwickmühle: Ich bin stinksauer auf den Kerl, der offenbar wenig Lust hat, mich anständig zu behandeln – aber seine Existenz anzugreifen wegen meines Frusts ist natürlich auch nicht okay. Vielleicht macht er ansonsten großartige Arbeit?

Irgendwelche Ratschläge?

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UPDATE.
Der Artikel oben erschien am Freitag dem 7. September. Wenige Stunden später kam die Meldung vom Shop. Samstags um 2 Uhr nachts. Ja, sei losgeschickt. Täte ihm furchtbar leid aus diesen und jenen Gründen. Eine Verkettung unglücklicher Zufälle. Die Sendungs-ID käme später.

Gut, habe ich gedacht, ich will ja kein Arsch sein. Wenn ich nur endlich mein Handy bekomme.
Also wartete ich. Und wartete. Und wartete. Natürlich bekam ich die Sendungs-ID erst wieder auf Nachfrage.
Heute nun ist der 14. September. Eine Woche vergangen. Mein Handy habe ich immer noch nicht. Und Hermes sagt mir:

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Ich habe mich schlau gemacht. “Die Sendungsdaten wurden übermittelt” heißt nicht, dass das Paket an Hermes abgegeben wurde. Es heißt lediglich, dass ein Auftrag aufgegeben wurde. Im Detail: “Beachten Sie bitte, dass dieser Sendungsstatus noch nicht bedeutet, dass das Paket physisch bei Hermes eingetroffen ist.”
Also liegt mein Handy vermutlich immer noch im Shop von handyreparaturen-nrw.de und wartet darauf, versandt zu werden.

Und irgendwann reißt auch mein Geduldsfaden. Also, lieber potentielle Kunden von handyreparaturen-nrw.de, die ihr womöglich auf der Suche nach Erfahrungsberichten seid: Es könnte sein, dass der Laden oft gute Arbeit abliefert – in meinem Fall war das jedoch eine absolute Katastrophe. Und auch der deutliche Hinweis auf den Sachverhalt brachte keine Besserung. Bis heute. Meine persönliche Meinung ist also: Ich würde den Shop nicht weiterempfehlen.

Nun – ich möchte weder wegen übler Nachrede, Verleumdung, Ehrverletzung, oder Beleidigung verklagt werden, also halte ich mich etwas zurück. Meinungsfreiheit und Erfahrungsberichte sind zum Glück erlaubt.
Mal schauen, ob ich mein Handy je wiedersehe. Den Laden kann ich aber nicht empfehlen.

Noch mehr Zombies auf meinem Blog

Ich lese gerade “Feed” von Mira Grant.
Die Handlung spielt im Jahr 2040. Die Welt ist von einer Seuche befallen, die die Toten untot wieder auferstehen lässt. Die Menschheit lebt in Angst – es gibt keine großen Versammlungen mehr, jeder bleibt soweit es möglich ist, zu Hause. In dieser Zeit haben Internet-Blogs eine viel größere Glaubwürdigkeit, als die traditionellen Medien, so dass die Hauptfiguren der Buches (Shaun und Georgia Mason) entsprechend Blogger sind.

Die Autorin vermischt geschickt (pseudo-)dokumentarische Blogartikel mit der Handlung des Buches. In dessen Zentrum stehen denn auch weniger die Untoten, als vielmehr die Lebenden: Wie sich die Menschen damit arrangiert haben. Interessant (zumindest für mich) ist es allemal, Blogger im Fokus eines Buches zu sehen und immer wieder zu denken ‘ah… kenne ich’. Werbung aussortieren. Anfragen abschmettern. Gastartikel aufnehmen. Gastartikel schreiben.

imageLetzte Woche erhielt ich dann eine neue Art Anfrage: Eine Firma wolle gerne Gastartikel zu einem bestimmten Thema  auf meinem Blog veröffentlichen und würde mich dafür auch bezahlen. Hui, dachte ich, jetzt geht’s aber los.
Anfragen zum Linktausch o.ä. kommen relativ häufig vor. Eine Firma (ich muss gestehen, ich weiß nicht mehr, welche) hat mir vor einiger Zeit ungefragt eine Mag-Lite Taschenlampe zugeschickt, in der Hoffnung, sie könnten hier werben.
Aber Geld?
Ich bin neugierig geworden und habe nachgefragt. Wie viel ist Werbung auf einem kleinen Blog wohl wert?
Vor allem aber warf diese Situation noch weitere Fragen auf: Darf ich als Beamter eigentlich einen Nebenverdienst haben? Bringt mich mein Blog jetzt ins Gefängnis? Was, wenn mir jemand einen Teppich anböte? Könnte ich dann in die FDP eintreten? Und nicht zuletzt: Muss der Artikel “Als Lehrer schnell reich werden in drei Schritten” jetzt umgeschrieben werden?

Ob Eitelkeit oder nicht – es ist immer auch spannend, welche Auswirkungen das Schreiben eines Blogs so nach sich zieht. Und das sind, nach nun bald drei Jahren, durchaus einige.

Zunächst: Die genannte Firma bot mir auf Nachfrage eine langfristige Zusammenarbeit an, also mehrere Artikel pro Monat ‘für mich’ zu schreiben. Es würde sich also um eine Nebentätigkeit meinerseits handeln. Nebentätigkeiten von Beamten sind durch das Beamtengesetz, ab § 64 geregelt. Dort ist die Genehmigungspflicht beschrieben und es sind auch sogenannte “Versagensgründe” aufgeführt, also Gründe, warum man mir eine Nebeneinkunft verbietet. Und da Werbung mich in meiner “Unparteiligkeit” beeinflusst [§64, (2) 2.], vermute ich, ein regelmäßiges Einkommen würde abgewiesen. Aber genau weiß ich das nicht.

Schwieriger ist die Sache mit der Taschenlampe. Denn Geschenke, die mich “materiell besser stehen” darf ich als Beamter nicht annehmen – Stichwort: Bestechung. Das regelt eine Verwaltungsvorschrift des Bundes. Dort steht, Geschenke bis 25 € dürfen angenommen werden, es besteht jedoch eine Anzeigepflicht gegenüber dem Dienstherrn. Schwierig. Die Lampe hat ja nichts mit meinem Beruf zu tun. Tatsächlich weiß ich nicht mal mehr, wer sie mir zugeschickt hat. Wäre ich verpflichtet gewesen, sie zurückzuschicken? Auf wessen Kosten? Hätte ich sie dem Land NRW zuschicken müssen? Man stelle sich nur mal vor, man hätte mir statt der Taschenlampe einen Teppich geschenkt – wenn ich den an die Landesregierung weiterschicke.. ;-).
Um mein Gewissen zu beruhigen, habe ich mir folgende Regel auferlegt:

Das Bestechungsgeld
Die Taschenlampe wird nicht benutzt, bis zu dem Tag,
da sich die Toten wieder erheben um die Lebenden zu fressen.

Was uns schlussendlich zurück zum Buch “Feed” führt: Werde ich nun ein Zombieblogger? Erliege ich der Versuchung des Geldes und benenne meinen Blog in HalbneunLive-Gewinnspiel-Blog um?

Es bleibt spannend Smiley mit geöffnetem Mund

(Ach ja… für die Neugierigen: pro veröfffentlichtem Gastartikel hätte man mir 25 € gezahlt. Drei wären nur für den Juni drin gewesen, inkl. Aussicht auf längerfristige Zusammenarbeit.)

Ein Verbotskatalog für Lehrer.

Datei:Vienna-convention-sign-B2a.svgDer Regierungsbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes-Wilhelm Rörig handelt gegenwärtig mit vielen wichtigen Leuten einen Verhaltenskodex aus, der unter anderem festlegt, dass Lehrer und Erzieher

  • bei gemeinsamen Übernachtungen die Räume der Minderjährigen erst nach Anklopfen betreten dürfen
  • die Kinder nicht im eigenen PKW nach Hause fahren dürfen
  • Facebook-Kontakte zwischen Lehrern und Schülern verbietet.
  • und die Anwesenheit in Dusch- und Waschräumen generell untersagt [Link]

Sexueller Missbrauch ist ein ernstes Thema und ich kann nachvollziehen, dass das Erstellen von Verbotskatalogen nach einem richtigen Schritt klingt, mit dem man Kinder schützt. Ich behaupte jedoch, dass ein solcher Katalog den Kindern – zumindest in der Schule – eher schadet, als nützt und vielleicht kann der ein odere andere Lehrer meine SIchtweise bestätigen (oder widerlegen).

Ich möchte mich gar nicht mit den harmloseren Dingen wie “erst nach Klopfen die Räume betreten” oder “Kinder ohne Körperkontakt wecken” auseinandersetzen. Kein Lehrer mit halbwegs gesundem Menschenverstand wird ein Zimmer mit SchülerInnen betreten, ohne vorher zu klopfen.
Was die verbotenen Facebook-Kontate angeht: Sollte man vielleicht Christian von Boetticher (“Es war schlichtweg Liebe.”) von der CDU mal befragen und evtl. Politikern den Kontakt mit dem Volk verbieten…!? Im Ernst – das ist doch Unsinn. Wie schon an mehreren Stellen ausgeführt, nutzen viele Lehrer Facebook als reines Werkzeug.

Spannend – und auf den ersten Blick harmlos – ist die Forderung, Lehrer dürften “Dusch- und Waschräume nicht mehr betreten”. Denn obwohl dieser Grundsatz erstmal vernünftig klingt, wäre er im Alltag eine Katastrophe!Übersetzt heißt heißt das nämlich, Rörig fordert Aufsichts-freie Räume.

Mal Schritt für Schritt gedacht.
Erstens: Wie oft habe ich es erlebt, dass mein Sportlehrer in die Duschen gekommen ist? Nie. Nicht ein einziges Mal. Habe ich an meinen Schulen je gehört, dass dies der Fall gewesen ist? Auch nie. Im Normallfall passiert so etwas auch nicht. Das weiß jeder Sportlehrer selbst.
Zweitens: Jeder kennt die Stellen auf dem Schulhof, die relativ uneinsichtig sind. Die Aufsicht kann hier nur schwer oder gar nicht reingucken. An diesen Stellen findet man zum einen die Raucher, zum anderen die Schläger. Wird irgendwer verhauen oder beklaut, dann in diesen dunklen Ecken, wo es keine Aufsicht gibt.

Wenn nun Lehrern offiziell verboten würde, die Duschen zu betreten, hätte man eine solche aufsichtsfreie Zone geschaffen. Was immer dort passiert – der Lehrer darf dort nicht rein.
Kerngedanke der “Aufsicht” in der Schule ist nämlich nicht die totale Kontrolle wie im Gefängnis. “Aufsicht” bedeutet, die Kinder müssen sich “beaufsichtigt fühlen”. Sie müssen also das Gefühl haben, dass ein Lehrer jeden Moment dazukommen kann. Auch in der Dusche kann Johannes dem Wilhelm nicht eine zimmern, weil der Lehrer jederzeit das Recht hat, dazwischenzufahren.

Solche Verbotskataloge nützen gar nichts. Ganz im Gegenteil, sie richten nur Schaden an. Was wir brauchen, ist mehr Transparenz und nicht mehr Verbote.

Lehrermobbing und Mathematik.

Gleich zu Beginn: Mobbing ist ein ernstes Thema. Ich reagiere empfindlich auf Ausgrenzung einzelner Schüler und lege in meinen Klassen sehr großen Wert auf ein vernünftiges Miteinander.

Auch mir begegnet zuweilen Mobbing in Facebook (Schüler vs. Schüler) und selbstverständlich hat so etwas immer Konsequenzen.

Aber.

imageSeit gestern lechzt der “Norton Online Family Report 2011” nach Aufmerksamkeit. Es geht um Cyberbaiting. Ein typischer Fall wäre ein Lehrer, der zu einer unbedachten Äußerung oder einem Wutausbruch provoziert wird und sich anschließend – durch einen Schüler gefilmt – bei Youtube wiederfindet.

Dramatisch ist das angeblich deswegen, weil knapp ein Fünftel der Pädagogen in Deutschland mit dieser Form des Online-Mobbings bereits Erfahrung gemacht hat oder einen Betroffenen kennt.”

Das sind so Aussagen, da werde ich als Mathematiker wahnsinnig. Ein Fünftel. Oha!
Als ziemlich junger Lehrer kenne ich aus dem Stegreif rund 100 Lehrer, bei älteren Kollegen sind das sicher noch mehr, aber lassen wir mal die 100 Lehrerfreunde stehen. In der Studie wurden 2379 Lehrer befragt. Ein Fünftel von denen (also 500) kennen jemanden, der “Erfahrung” (Welcher Art Erfahrung???) damit gemacht hat.

Diese 500 Lehrer kennen nach meiner Annahme insgesamt (Überschneidungen in den Freunden grob eingerechnet) etwa 30.000 unterschiedliche Kollegen.

imageUnd von diesen zigtausend Kollegen haben etwa fünfhundert schonmal “Erfahrungen” damit gemacht. Das ist dann etwa 1%.

Klingt jetzt nicht mehr so spektakulär.

Noch “besser” gefällt mir die Warnung vor Facebook: Zwei Drittel aller Lehrer sehen sich “Risiken ausgesetzt”, wenn sie über Facebook mit Schülern befreundet sind.

Bei allem Respekt.
Niemand zwingt mich, mit Schülern befreundet zu sein. Habe ich da keine Lust drauf, lasse ich es halt sein.
Und natürlich ist das “riskant”. Wann immer ich jemandem einen Einblick in mein Privatleben gebe, ist das riskant. Die Frage ist doch eher, ob ich der Typ Lehrer bin, der Beruf und Privates komplett trennt. Oder bin ich jemand, der den Schülern eher mal einen Schwank aus seinem Leben erzählt.

So eine Aussage ist in meinen Augen völliger Quark. Denn ja, es ist riskant. Und trotzdem bin ich mit zahlreichen Schülern befreundet. Es gibt nämlich auch eine ganze Menge Vorteile, mit seinen Schülern unkompliziert kommunizieren zu können.

Aber damit kann man schlecht Schlagzeile machen, gell?

Filme im Unterricht zeigen?

Filme und Fernsehaufzeichnungen sind zuweilen eine gute Alternative, um komplexe Sachverhalte im Physikunterricht anschaulich darzustellen. Quarks & Co hat ein paar sehr schöne (wenn auch durch Hintergrundmusik und Schnitt ziemlich subjektive und direktive) Episoden zu verschiedenen Themen. Ebenso diverse KiKa-Sendungen (z.B. zum Flaschenzug) oder die MythBusters.

Und nicht zuletzt bin ich ein Fan der Seite CISCI.net. Dort werden Sequenzen aus Hollywood-Filmen auf ihren physikalischen Inhalt hin überprüft und so aufbereitet, dass man dies im Schulunterricht gut einbeziehen kann.

Kurzes Beispiel:
Bruce Willis fällt in Stirb Langsam einen Fahrstuhlschacht hinunter, schafft es aber nach endlosen Sekunden, sich mit den Fingerspitzen an einem Absatz festzukrallen. Frage: Ist das möglich? Welche Kraft wirkt auf die Fingerspitzen? Womit ist das vergleichbar? (Antwort hier.)
Alternativen, die ich im Unterricht schon ausprobiert habe: In “Kevin – Allein zu Haus” fällt dem Einbrecher Marv ein Bügeleisen auf den Kopf. Wie lang ist es unterwegs? Ist das realistisch? Kann ein Schädel so eine Belastung aushalten?

Ich mag den Einbezug von Filmen in den Unterricht.
Denn im klassischen Physikunterricht versuchen wir den Schülern fremde Begriffe (“Potentielle Energie”) zu erklären und nutzen dafür meist fremde Gegenstände, die man nur in Physikschränken findet. Vermutlich wird fast jeder meiner Leser mir in Erinnerung an die eigene Schulzeit zustimmen.
Nicht nur, dass die Schülerinnen und Schüler unsicher in Bezug auf “Potentialtöpfe”, “kinetische Energie” und “negative Beschleunigung” sind, der Einbezug fremder und oft komplizierter Apparate erschwert den Zugang meines Erachtens noch.
Im Hollywood-Film dagegen werden Alltagsgegenstände genutzt. Dort fliegen Bügeleisen und Autos durch die Luft. Impulserhaltung kann ich anhand Arnold Schwarzeneggers Science-Fiction-Waffen verdeutlichen. Den Schülern machen diese Specials – soweit ich das beurteilen kann – eine Menge Spaß (nunja.. “Spaß”. Wieviel “Spaß” kann man im Physikunterricht haben? Zwinkerndes Smiley).

Mein Problem ist nur: Darf ich das überhaupt?
Das ich die guten alten Schulfernsehen-Sendungen zeigen darf, mag ja noch angehen, Fernsehaufzeichnungen sind womöglich Grauzone, aber Hollywood-Movies? Eraser? Stirb Langsam? Fluch der Karibik?

Verbindliche Informationen gibt das Bundesjustizministerium auf seiner Homepage. Dort gibt es ganz unten den Absatz Dürfen Lehrerinnen/Lehrer private DVDs, Filme und CDs im Unterricht zeigen?
Kurz gesagt: Ich darf1.
Und etwas länger: “Es kommt darauf an, ob es sich dabei um eine öffentliche Wiedergabe handelt. […] Nach der Kommentarliteratur sind Wiedergaben im Schulunterricht innerhalb des engen Klassenverbandes fast immer nicht öffentlich.”

Enger Klassenverband. Naja, wenn die ganze Schule an meinem Physikunterricht teilnehmen möchte, dann melde ich mich nochmal.
Hätten wir das auch geklärt.

1: Huaaaaa. Ohne Gewähr. Das Urheberrecht ändert sich schneller, als die Bundesligisten ihre Trainer. Was heute noch richtig ist, gilt morgen schon nicht mehr.

Kolloquium Schulrecht

Einmal pro Woche müssen dürfen wir Referendare nochmal in die Universität, das “Studienseminar”. Dort werden wir angeleitet, bekommen Hilfen, Unterstüzung, tauschen uns aus und bereiten uns gemeinsam auf die Examens-prüfung vor. Diese Prüfung besteht grob gesagt aus zwei Vorführstunden (“Tadaaaaa – so arbeite ich mit meinen Schülern…”) und einem Kolloquium, einer mündlichen Prüfung.

Vor zwei Wochen bot uns unser Seminarleiter an, das Kolloquium mal durchzuspielen. Freiwillige vor. (Und es sind dann ja doch immer die selben, oder?)
Bevor ich wußte, was ich tat, meldete ich mich für das Thema “Schule und Recht” freiwillig. Heute bin ich schlauer. Da weiß ich, dass man so etwas “grob fahrlässig” nennt. Das ist einer dieser Begriffe, die man als Lehrer kennen muss. “Grob fahrlässig” bedeutet, man hat im Kopf den Gedanken “es wird schon nichts passieren”. Man weiß also um die Gefahr, tut aber nichts dagegen. Zum Beispiel, wenn ich erst noch meinen Kaffee austrinke, bevor ich in die Klasse gehe. Oder meine Pausenaufsicht vernachlässige. Es wird schon nichts passieren.

Und wenn doch, dann bin ich dran.

IMAG0147-1In dieser Woche durfte ich mich mit einem mega trockenen Thema auseinandersetzen. Dachte ich zumindest. Aber jetzt finde ich großes Vergnügen daran, mich mit Begriffen wie “Verwaltungsakt1”, “Dienstweg2” und Ordnungsmaßnahmen auseinanderzusetzen. Was ist der Unterschied zwischen einer Teilkonferenz und einer Klassenkonferenz? Darf ich als Lehrer einen Schüler schlagen? (Natürlich nicht. Aber es gibt Ausnahmen3…) Was passiert, wenn ein Lehrer bzw. eine Lehrerin eine Beziehung mit einem Schüler/einer Schülerin eingeht? Muß ich allen Schülern die gleichen Hausaufgaben aufgeben, oder darf ich den Leistungsschwächeren mehr aufgeben? Was ist der Unterschied zwischen einem Erlass und einer Verfügung? Und wie werde ich Strahlenschutzbeauftrager einer Schule?

Solche Dinge finde ich jetzt – zum Entsetzen meiner KollegInnen – unglaublich spannend. Und ich lasse es mir auch nicht nehmen, ihnen ihr unangemessenes Verhalten vorzuhalten (“Du weißt schon, dass deine witzigen Kommentare als Anstiftung zum Unsinn treiben gewertet werden können?” “Weiß jemand, ob die Ersatzstoffprüfungspflicht auch für bunte Kreide gilt?”)

Letzte Woche Mittwoch wurde ich dann geprüft. Vor versammelter Mannschaft. Ich hatte mir ein herrliches Schaubild überlegt, anhand dessen ich die Ästhetik der Gesetzgebung darstellen würde können – leider machten mir das Whiteboard und meine Handschrift einen Strich durch die Rechnung. Es sah noch deutlich grausiger aus, als auf dem sensationellen Bild.

Anschließend gab es ein paar allgemeine Fragen (“Wie fließt bei Ihnen im Fach Mathematik die Sonstige Mitarbeit in die Benotung ein4?” “Wie gehen Sie mit Schülern um, die mehrfach die Hausaufgabe vergessen?”). Insgesamt war es eine richtig runde Sache. In erster Linie, weil die Erfahrung unersetzlich ist. Mittendrin statt nur dabei. Und wenn niemand die restlichen Themen angehen will – dann überlege ich mir einfach noch ein paar schöne Schaubilder und arbeite an meiner Handschrift Smiley mit geöffnetem Mund.

(Sehr zu empfehlen ist an dieser Stelle das Buch “SchulRecht!” von Günther Hoegg. Anhand zahlreicher Beispiele erläutert es kurzweilig die juristische Dimension der pädagogischen Praxis. Sehr anschaulich. Sehr lustig. Sehr gut. Für Referendare meines Erachtens ein Pflichtkauf, für kaffeetrinkende, Aufsichten schwänzende Lehrer ebenso Zwinkerndes Smiley.)

 

 

1: Ein Verwaltungsakt ist grob gesagt etwas, wogegen man klagen kann. Zum Beispiel die Nichtversetzung eines Schülers. Kein Verwaltungsakt ist dagegen bspw. die Note einer Klassenarbeit.
2: Will ich mich irgendwo über irgendwem beschweren, kann ich das nicht mehr bei meiner Frau machen, sondern muss ich einen fest vorgeschriebenen Weg einhalten. Den ‘Dienstweg’. (An dessen Ende steht dann wieder meine Frau.)
3: Was sagt uns das jetzt, dass diese Fußnote besonders interessant ist? Erstauntes Smiley
4: Laut Schulgesetz: “angemessen”. Das lässt Freiräume.

“Schläge? Geschadet hat es mir nicht.”

Immer wieder gerate ich – ob als Pädagoge, als Vater oder als Internet-Surfer – in Diskussionen über die Frage nach der Berechtigung von Schlägen in der Erziehung.

Dabei fällt (mir) auf, dass sich zum einen oft Menschen an der Diskussion beteiligen, die selbst keine Kinder haben und dass die Art des Argumentierens oft an religiöse Foren erinnert: Es werden vor allem Gesetze zitiert und andere Diskutanten angeschnauzt:

“Wenn ich im Jugendamt sitzen würde, würde ich wirklich dafür sorgen, dass solchen Müttern die Kinder weggenommen werden.“  “Bei manchen Sachen,z.B. wenn er sich mal wieder absichtlich in die Hose gepinkelt hat,können das dann auch schonmal so 30-35 feste Klapse sein.” “Aber spinnst du? Son nen scheiß hab ich noch NIE gehört.Ich könnte bei deiner erzihung das blanke KOTZEN kriegen…” (Quelle)

Zunächst einmal ist die Gesetztesgrundlage relativ klar: Nach BGB §1631 “Inhalt und Grenzen der Personensorge” gilt

(1) Die Personensorge umfasst insbesondere die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen.

(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

imageGrundsätzlich gilt also erstmal: Nein, Kinder dürfen nicht geschlagen werden. Und doch gibt es diese immer wieder kehrenden Diskussionen – die mit krasser Intensität ausgelebt werden. Und je deutlicher jemand seinen Standpunkt vertritt, desto mißtrauischer werde ich (meistens):  Wer kann sich schon ein zynisches Grinsen verkneifen, wenn wieder ein konservativer und “Homosexuelle heilender” Prediger dabei erwischt wird, wie er sich einen Callboy bestellt. Je konservativer und ereifernder, desto größer sind oft die eigenen Mißstände im Leben – zumindest meiner Erfahrung nach.

So schreibt beispielsweise Natascha Kampusch, die in einem alltäglichen kleinen Vorort aufwuchs in ihrem (bemerkenswerten) Buch, dass auch sie von ihrer Mutter geschlagen wurde.

Es war in dieser Zeit und in dieser Gegend nicht ungewöhnlich, mit Kindern so umzugehen: Im Gegenteil, ich hatte ein sehr viel »leichteres« Leben als manch andere Kinder in der Nachbarschaft. Im Hof konnte ich immer wieder Mütter beobachten, die ihre Kinder anbrüllten, zu Boden stießen und auf sie einprügelten. Das hätte meine Mutter nie getan, und ihre Art, mich nebenbei zu ohrfeigen, stieß nirgends auf Unverständnis. Selbst wenn sie mir in der Öffentlichkeit ins Gesicht schlug, mischte sich nie jemand ein.

Es scheint also ein Konsens darüber zu herrschen, dass Schlagen offiziell verboten, aber im Grunde schon okay sei. Und gerade im Kleinbürgertum („Was sollen die Nachbarn denken!“) scheint mir der Vordergarten oft wichtiger, als die Hinterfragung der eigenen Erziehung.
Wenn ich mich im Freundeskreis umschaue, entdecke ich unterschiedliche Erfahrungen – bei jenen, die als Kinder geschlagen wurden höre ich aber bemerkenswert oft den Satz: “Naja, geschadet hat es mir ja nicht, oder?”
An anderer Stelle schreibt Frau Kampusch übrigens:

Dazu kam eine alltägliche Form von Gewalt – nicht brutal genug, um als Misshandlung zu gelten, und doch so voll nebensächlicher Missachtung, dass sie mein Selbstwertgefühl langsam zerstörte. Unter Gewalt an Kindern stellt man sich systematische schwere Prügel vor, die zu körperlichen Verletzungen führen. Nichts davon habe ich in meiner
Kindheit erlebt. Es war diese fatale Mischung aus verbaler Unterdrückung und »klassischen« Ohrfeigen, die mir zeigte, dass ich als Kind die Schwächere war.

Ich selbst bin grundsätzlich (!) gegen jede Form von Gewalt in der Erziehung – allerdings bin ich auch in der glücklichen Situation, eine (von meiner Frau) toll erzogene Tochter zu haben, die mich bisher nie auch nur an den Rand meiner Geduld gebracht hat (nichtmal, als sie bewusst und wiederholt ihre Klamotten zerschnitten und die Wände angemalt hat). Ich habe meine Tochter noch nie geschlagen. Und ich beabsichtige nicht, dass zu tun. Trotzdem würde ich, um mal die besorgte Dame von oben zu zitieren keiner “Mutter die Kinder wegnehmen”, wenn es denn doch mal passiert.

imageBill Cosby erzählt in seinem Buch “Fatherhood” die Geschichte seines Sohnes Ennis, der sich im Alter von 12 Jahren angewöhnte, seine Eltern zu belügen und Schulbriefe zu unterschlagen. Trotz der Beschwichtigung, er werde sich bessern, wurde die Situation eher schlimmer. “Warum hast du nicht getan, was deine Mutter dir aufgetragen hat?”, fragte Cosby seinen Sohn seinerzeit. “Ich hatte halt keine Lust”, rechtfertigte der sich am Telefon. “Alles klar”, erwiderte Cosby, “wie gefällt dir das? Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich dir ordentlich den Hintern versohlen!”
Wenig später war er wieder zu Hause und spät am Abend kam Ennis heim. Cosby schreibt, dass er durchaus von Zweifeln geprägt war.

I was a father with absolutely no batting average: I had never before hit him or any of the other children. Was I making a mistake now? If so, it would just be mistake number nine thousand, seven hundred, and sixty-three.

Sein Sohn beginnt zu betteln und gelobt Besserung. “Ich freue mich, dass du das so siehst”, erwidert Cosby, “aber ich habe dir ein Versprechen gegeben und du würdest den Respekt vor mir verlieren, wenn ich das jetzt bräche.

„Just turn around,“ I said. „I want you to know that this is a form of punishment I truly do not believe in.“
„I hate to see you go against your principles, Dad.“
„I can make an exception. I also won’t say that this will hurt me more than it will hurt you. That would be true only if I turned around and let you hit me. This is simply a barbaric form of punishment, but it happens to match your barbaric behavior.“

Und dann schlägt Cosby Ennis, der daraufhin anfängt zu weinen. ”Verstehst du jetzt, dass ich nicht will, dass du mich anlügst?” ”Oh ja, Dad”, schluchzt sein Sohn, “ich habe es nie besser verstanden!”
”Gut. Dann kannst du jetzt gehen.”
Ennis wendet sich ab, aber in diesem Moment schlägt Cosby ihn nochmal. Ennis schaut ihn entsetzt an, mit dem Blick eines Betrogenen. (“… with a look of having been betrayed…).
”Es tut mir leid. Ich habe dich angelogen… Willst du mich je wieder anlügen?”

Cosby schreibt, dass er auch im Nachhinein von Zweifeln geplagt war.

Could I have done anything else to put him on the road to righteousness? My wife and I spent long hours pondering this question. The problem was that the reservoir was empty: we had tried all the civilized ways to redirect him, but he kept feeling he could wait us out and get away with anything. And we loved him too much to let him go on thinking that.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was Natascha Kampusch erleiden musste und dem, was Ennis Cosby erfahren hat. Schläge gegen Kinder halte ich für grundsätzlich falsch und gehören nicht in die Erziehung – aber ich bin zu sehr Vater, als dass ich die Geschichte von Bill Cosby nicht nachempfinden könnte. (Buchtipp)

Ihr Kinderlein zahlet, oh zahlet doch all!

Wenn man im Kindergarten oder in der Schule “Oh Tannenbaum” singen möchte, dann muss man der GEMA dafür Gebühren zahlen. Denn die Notenblätter sind urheberrechtlich geschützt. (Meine Tochter hat es letzte Woche erwischt und sie wurde wegen der raubkopierten Noten von “Alle Jahre wieder” in Untersuchungshaft genommen, der Kindergarten durchsucht!)

Die Musikpiraten haben vor zwei Wochen dazu aufgerufen, die Notensätze von allen möglichen Weihnachts- und Adventsliedern neu zu schreiben und unter eine freie Lizenz zu stellen. Dies ist nun geschehen und damit eine ideale Möglichkeit, die Kinder aus dem Gefängnis und die Grundschulen aus dem kriminellen Millieu zu holen.

Die Lieder als .pdf gibt es hier – sicher interessant für Musiklehrer, Chorleiter, Kirchenmitglieder und im Grunde alle anderen auch Smiley.

Hörspiel: Projekt – Material und Software

Teil 3 meiner Hörspiel Serie.

Als Grundlage für ein Hörspiel eignet sich jedes Buch oder Theaterstück. Je nach Vorlage muss dann mehr oder weniger Aufwand betrieben werden, es in ein “Drehbuch” umzuschreiben.
Hintergrundmusik findet man in Form von Film-Soundtracks – davon hat jeder sicher ein paar CDs aus seiner Jugendzeit rumfliegen.
Effekte findet man zum Beispiel kostenlos hier oder durch intensives googlen. Mit der Zeit bekommt man eine stattliche Sammlung zusammen.

Die Zeiten, in denen man Hörbücher auf Kassette aufgenommen und gemischt hat, sind endgültig vorbei. Leichter, schneller und besser geht es heute auf dem Computer. Dabei gilt für mich: Ich will kein galaktisches Alles-Könner-Programm mit 128 Spuren um jede Nuance noch verändern zu können – sondern eine einfache Software, die mir grundlegende Funktionen zur Verfügung steht und die ich intuitiv verstehe.
Ich arbeite seit jeher mit Goldwave, eine kostenlose Alternative ist Audacity. Denn im Grunde reduziert sich alles auf drei Funktionen:

            • Aufnehmen
            • Schneiden
            • Mischen

Mehr braucht es nicht.
Man nimmt einen Sprecher auf, schneidet vorne und hinten die Stille raus und mischt am Ende Geräusche und Musik drunter. Fertig.

Natürlich geht mit Adobe Audition alles besser und professioneller. Aber ich wollte ein Hörspiel machen und mich nicht tagelang mit der Bedienung der Software beschäftigen. Goldwave reicht für meine Begriffe völlig aus.

Die Sprecher müssen dazu nicht alle gleichzeitig zu den Aufnahmen kommen, sondern der Reihe nach. Im Grunde kann sich jeder Sprecher allein aufnehmen. Am Schluss mischt man sie zusammen und es entsteht der Eindruck, sie würden miteinander sprechen.

Ein praktischer Tipp dazu: Es ist sinnvoll, im Drehbuch alle Zeilen durchgängig zu nummerieren und die einzelnen Aufnahmen entsprechend ihrer Zeile zu benennen. Also “1532.wav” gefolgt von “1533.wav” und so weiter. So behält man den Überblick, wenn man am Schluß hunderte Aufnahme-Schnippsel hat.
Im Prozess des Schneidens und Mischens empfiehlt es sich, mehrere Backups zu machen, insbesondere von den einzelnen Arbeitsschritten: Nur Schnipsel, zusammengefügte Dialoge, mit Geräuschen, mit Musik.

Und morgen komme ich dann endlich zu den richtigen Ergebnissen.

Bußgeld für das Ablesen der Uhrzeit

An der Ampel bekomme ich eine SMS. Ich nehme mein Mobiltelefon aus der Hosentasche und schaue nur auf das Display, um zu erfahren, von wem die SMS ist. Dies hat mich 62 Euro und einen Punkt in Flensburg gekostet (40€ Strafe + 22€ Bearbeitungsgebühr). Der freundliche Polizist erklärte mir, dass das “aufs Display“ schauen” schon ein Verstoß gegen das Gesetz sei. Waaas?

§ 23 Absatz 1a Straßenverkehrsordnung (StVO): „Dem Fahrzeugführer ist die Benutzung eines Mobil- oder Autotelefons untersagt, wenn er hierfür das Mobiltelefon oder den Hörer des Autotelefons aufnimmt oder hält. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist.“

Auch ein Handy mit leerem Akku? Allein das Aufnehmen und Halten eines Mobil- oder Autotelefons ist einen Verstoß – und zwar unabhängig von der Betriebsbereitschaft des Handys oder Mobiltelefons (Beschluss v. 14.04.2009, Az.: 83 Ss-Owi 032/09). Deshalb ist beispielsweise das Amtsgericht Gummersbach der Meinung, dass dieses Gesetz verfassungswidrig ist, da das Handyverbot eine Ungleichbehandlung zu anderen, ähnlichen Sachverhalten darstellt, zum Beispiel Rauchen. Die Benutzung eines Handys als Navigationssystem ist genau so verboten, wie das Telefonieren (OLG Köln, Beschluss v. 26.06.2008, Az.: 81 Ss OWi 49/08). Das Ablesen der Uhrzeit ebenfalls (OLG Hamm, Beschluss v. 06.07.2005, Az.: 2 Ss OWi 177/05).

“[…] Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist.”

Aha! Schalte ich den Motor also demnächst zum telefonieren an der Ampel aus, muss ich kein Bußgeld bezahlen, oder wie?

Ja! Tatsächlich. Das Oberlandesgericht hat endschieden, dass das telefonieren an einer roten Ampel mit ausgeschaltetem Motor keine Ordnungswidrigkeit darstellt (Beschluss v. 06.09.2007, Az.: 2 Ss Owi 190/07).

Ich kann verstehen, dass das Telefonieren während der Autofahrt gefährlich sein kann, aber mindestens genau so gefährlich ist rauchen, essen und trinken. Häufigste Nebentätigkeit von Autofahrern ist übrigens Zeitunglesen (bei Brummi-Fahrern) und Schminken (bei Frauen). Beides ist zumindest nicht explizit verboten. Und laut Wissenschaft ist nicht das Handy in der Hand haben gefährlich, sondern das Telefonieren an sich. Da es erlaubt ist mit einer Freisprechanlage zu telefonieren, bleiben diese Gesetze für mich ein riesiges Rätsel.

Ich telefoniere jetzt nur noch mit ausgeschaltetem Motor an roten Ampeln, während ich mein Navigationssystem bediene, rauche, Zeitung lese, mich rasiere und esse :-)