Lucy und die 10% Gehirnaktivität

Dieser Tage kommt ein Film ins Kino, bei dem es um den Mythos geht, wir würden nur 10% unseres Gehirnes nutzen. Scarlett Johansson kann durch eine Droge die vollen 100% nutzen und erfährt dadurch mächtige Fähigkeiten.

Bevor ich lang quatsche, erst mal der Trailer:

Bestimmt ein cooler Film.

Was steckt dahinter?

Der Mythos über diese 10% geht womöglich auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, als der Psychologe Karl Lashley Ratten einige Tricks beibrachte und anschließend Teile ihrer Gehirne entfernte. Er fand heraus, dass er Teile der Großhirnrinde  zerstören konnte, ohne dass die Ratten die Tricks verlernten.

Zurück zu Scarlett Johannson.

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Obwohl das menschliche Gehirn nur rund 2% unserer Körpermasse ausmacht, verbraucht es bis zu 20% der Energie (Bei Klassenarbeiten bis zu 30%). 

Wenn nun – wie im Film angenommen – einem Menschen einer sexy Blondine plötzlich das zehnfache an Denkprozessen zur Verfügung stünden, dann bräuchte ihr Gehirn auch das zehnfache an Energie.

Woher kommt diese Energie?

Genau.

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Eigentlich müsste Lucy einen guten Teil des Films bei MacDonalds verbringen.

Ich bin gespannt.

Produkttester

2013-08-23 15.33.16Vor einigen Wochen wurden wir angefragt, ob wir nicht einen neuen experimentellen Taschenrechner testen wollten, der noch nicht auf dem Markt sei.
Das klang aufregend. In der Anfrage wurde versichert, es handle sich nicht um Werbung und wir sollten uns nicht bedrängt fühlen, irgend etwas Journalistisches zu verfassen – eine kleine Rückmeldung wäre aber nett.

Was hatten wir zu verlieren? (Darauf komme ich später nochmal zurück!)

Wir bekamen also mit der Post den HP Prime Graphing Calculator, laut Werbebroschüre ein “fleißiger Helfer für alle Schüler und Studenten, Lehrer und Technikbegeisterte”, voraussichtlich ab Ende September 2013 für lächerliche 159 €uro verfügbar.

Ein ganz schön beeindruckendes Gerät hielten wir da in der Hand. Von unseren Erfahrungen wollen wir – entsprechend unseren Anforderungen – zweigeteilt berichten: Ich habe mich auf den möglichen Einsatz in der Schule konzentriert – Nils hat den Taschenrechner mit in die Universität genommen und geschaut, ob er giftigen Dämpfen und ätzender Säure widersteht.

Ein physikalischer Orgasmus.

Manchmal ist Physik einfach schön. Im neuen Star Trek Film zum Beispiel ist die Einhaltung wahnsinnig vieler physikalischer Gesetze zu beobachten. Großartig! Eigentlich sollte ich mit meinem Physikkurs da rein. Aufgabenstellung: “Notiere, an welchen Stellen werden die Gesetze der Physik gebrochen?” Schöner aber die Sequenzen, in denen alles in Ordnung ist. Eine absolute Augenweide und die zahlreichen Insider sind sowieso großartig (allein die Erwähnung von “Sektion 31”… hach!)

Falls noch jemand reingeht: Kann es sein, dass im ersten Drittel des Films (im Appartement von Kirk?) eine Kleinsche Flasche auf einem Tisch im Vordergrund zu sehen ist? Wäre ein Oberbrüller für Physiker. Sicher bin ich mir aber nicht.

Nachdem ich heute dann über zwei weitere lustige Scherze im Fernsehen gestolpert bin, möchte ich euch unbedingt teilhaben lassen.

Zunächst eine Szene aus Big Bang Theory: Ungefähr so geht es uns Physikern manchmal:

Sheldon erklärt Schrödingers Katze.

 

Außerdem überaus lustig: Nachdem die Kleinsche Flasche schon in Futurama auftrat, hat nun der im Video gerade erwähnte Erwin Schrödingers höchstselbst seinen Auftritt bekommen:

 

Futurama und Schrödinger from hugo balder on Vimeo.

 

Physik. Das muss man einfach lustig finden 😉

Was ich so über die Zukunft lese.

Alljährlich schaue ich neidisch auf die Bücherliste vom Kollegen Rau. Neidisch, weil ich einerseits gerne auch 68 Bücher im Jahr schaffen würde (einen Halbtagsjob müsste man haben!), aber neidisch auch, weil ich in erster Linie deutlich profanere Literatur Schund lese.

Ich habe letztes Jahr zum Beispiel zunächst “Den Himmel gibt’s in echt” gelesen, ein skurriles Buch über einen Jungen, der einige Minuten klinisch tot war und später von seinen Besuch im Himmel erzählte. Für (sehr) fromme Christen möglicherweise ein hoffnungsvolles Buch, dass sich stellenweise berührend, stellenweise aber auch wirklich abgedreht liest. Zum Schluss hin

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Verantwortung im Blog. Update

Seit ich vor mittlerweile drei Monaten über mein Handy drübergefahren bin, habe ich nichts als Ärger mit dem Gerät. Nach kurzer Recherche stieß ich auf handyreparaturen-nrw.de, dem ich nach einer Absprache der Reparaturkosten mein Gerät zuschickte. Den Laden gibt es wirklich, eine Menge Rezensionen zeigen sich dankbar. Also eher keine Diamantenmiene in Nigeria oder so.

Eine Woche verging. Zwei. Ich wollte nicht unhöflich sein. Aber nach drei Wochen fragte ich per E-Mail nach. Keine Reaktion. Vier Wochen vergingen. Fünf. Sechs. Nachfrage. Keine Reaktion. Sieben. Acht. Neun. Zehn. Gerade, als ich mein Handy schon aufgegeben hatte, rief der Shop an. Nun.. endlich! Nach mehr als zwei Monaten sei mein Gerät fertig. Zwei Klebestreifen wären einfach nicht gekommen. Soso.

Ich seufzte, war aber dankbar, mein Gerät zumindest überhaupt wiederzubekommen. Eine Rechnung erhielt ich nicht. Ein Tag verging. Zwei. … Wieder erst auf Nachfrage. Da war der Preis auch nochmal gestiegen.

Um mein Handy aber überhaupt wiederzubekommen, habe ich es geschluckt und überwiesen. Jaja, Gerät würde am gleichen Tag verschickt werden, schrieb der Ladenbesitzer. Ein Tag verging. Zwei. Sechs. Ja, genau das gleiche Spiel nochmal.

Mittlerweile sind knapp zwei Wochen seit der Überweisung vergangen. Er wisse auch nicht, was schiefgegangen sei, aber würde sich sofort rum kümmern, versprach er Mitte letzter Woche. Hmm. Soso.

Mein Ärger ist sicherlich nachvollziehbar. Monate lang keinerlei Informationen. Dann ein höherer Preis. Dann wieder eine Verzögerung. Zwischendurch noch einige ausfällige Worte bei Facebook (jemanden öffentlich als “Fotze” zu bezeichnen macht sich als Geschäftsführer nicht so richtig gut..).

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Und nun sitze ich hier und grüble. [Update s.u.]
In erster Linie nervt mich die ganze Angelegenheit. Ich habe weder Lust noch Zeit, mich mit so einem Mist zu beschäftigen.
In zweiter Linie aber möchte ich andere Opfer Kunden davor bewahren, die gleiche Odyssee durchmachen zu müssen. Sicherlich Womöglich macht der Shop sonst sehr gute Arbeit – in meinem Falle aber sind Kommunikation und Umgang mit dem Kunden katastrophal. Was mich zu meinen nächsten Schritten führt. Ohne meinen kleinen Blog jetzt überbewerten zu wollen – aber ich habe deutlich höhere Zugriffszahlen als jene Shop-Seite. Was bedeutet: Schreibe ich einen Erfahrungsbericht über dieses Erlebnis, landet dieser Bericht bei Google ganz weit oben. Und wie das so ist, reicht eine einzige negative Rezension, um eine Menge Leute davon abzuhalten, ihr Handy dort hinzuschicken. Das ist aber eine andere Dimension, als seinen Freunden zu erzählen, der-und-der Shop sei nicht zu empfehlen.

Und das ist führt mich in eine moralische Zwickmühle: Ich bin stinksauer auf den Kerl, der offenbar wenig Lust hat, mich anständig zu behandeln – aber seine Existenz anzugreifen wegen meines Frusts ist natürlich auch nicht okay. Vielleicht macht er ansonsten großartige Arbeit?

Irgendwelche Ratschläge?

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UPDATE.
Der Artikel oben erschien am Freitag dem 7. September. Wenige Stunden später kam die Meldung vom Shop. Samstags um 2 Uhr nachts. Ja, sei losgeschickt. Täte ihm furchtbar leid aus diesen und jenen Gründen. Eine Verkettung unglücklicher Zufälle. Die Sendungs-ID käme später.

Gut, habe ich gedacht, ich will ja kein Arsch sein. Wenn ich nur endlich mein Handy bekomme.
Also wartete ich. Und wartete. Und wartete. Natürlich bekam ich die Sendungs-ID erst wieder auf Nachfrage.
Heute nun ist der 14. September. Eine Woche vergangen. Mein Handy habe ich immer noch nicht. Und Hermes sagt mir:

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Ich habe mich schlau gemacht. “Die Sendungsdaten wurden übermittelt” heißt nicht, dass das Paket an Hermes abgegeben wurde. Es heißt lediglich, dass ein Auftrag aufgegeben wurde. Im Detail: “Beachten Sie bitte, dass dieser Sendungsstatus noch nicht bedeutet, dass das Paket physisch bei Hermes eingetroffen ist.”
Also liegt mein Handy vermutlich immer noch im Shop von handyreparaturen-nrw.de und wartet darauf, versandt zu werden.

Und irgendwann reißt auch mein Geduldsfaden. Also, lieber potentielle Kunden von handyreparaturen-nrw.de, die ihr womöglich auf der Suche nach Erfahrungsberichten seid: Es könnte sein, dass der Laden oft gute Arbeit abliefert – in meinem Fall war das jedoch eine absolute Katastrophe. Und auch der deutliche Hinweis auf den Sachverhalt brachte keine Besserung. Bis heute. Meine persönliche Meinung ist also: Ich würde den Shop nicht weiterempfehlen.

Nun – ich möchte weder wegen übler Nachrede, Verleumdung, Ehrverletzung, oder Beleidigung verklagt werden, also halte ich mich etwas zurück. Meinungsfreiheit und Erfahrungsberichte sind zum Glück erlaubt.
Mal schauen, ob ich mein Handy je wiedersehe. Den Laden kann ich aber nicht empfehlen.

Medienbild

In den letzten Monaten gab es eine skurrile Anhäufung von Medienberichten, die sich mit bloggenden Lehrern beschäftigten. Und irgendwie rutschte ich da mit rein. Ich gebe zu – es ist eine Art kindlicher Neugier in mir, die gespannt ist, was da wohl noch alles kommt.

Nach einem gründlich erarbeiteten FOCUS-Artikel im Frühjahr wurde mein Blog (nebst anderen) am Montag in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung erwähnt. Auf diesen Zug aufspringend haben sich auch die Portale spickmich.de und wunschberuf-Lehrer.de bemüht, schnell einen Artikel über bloggende Lehrer zu bringen.  Und hier wird es spannend:

Tim und Struppi

Freitags ist bei uns zu Hause Kino-Tag.
Da gibt es Popcorn und Cola und irgendeinen spannenden Film. Neulich sahen Carolina und ich “Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn”. Ein spannender, schön animierter Film mit zahlreichen Schauplätzen. An einer Stelle jedoch bin ich aus der Geschichte gefallen.

In der MItte des Films – und ohne zuviel verraten zu wollen – erzählt Kapitän Haddock Tim von der Geschichte der Einhorn und berichtet von einem heißblütigen Kampf zwischen seinem Vorfahren und einem fremden Piratenkapitän. Ziel des Piraten war natürlich ein Goldschatz auf der Einhorn. Der Kampf wird sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt und schließlich findet der Pirat unter Deck den Schatz: Vom Bug bis zum Heck ist alles voller Goldmünzen und Schmuck und Kapitän Haddock raunt zu den Bildern geheimnisvoll, dass die Einhorn vier Zentner Gold geladen habe.

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Moment mal. Vier Zentner? Das sind zweihundert Kilogramm.

Auf den Bildern aber ist das Schiff so voll wie Dagobert Ducks Geldspeicher. Ich hatte mich schon auf einen tollen Blogeintrag gefreut – eine prima Umsetzung im Unterricht, bei der ich die Schüler mit der Dichte und Masse von Gold hantieren und rechnen müssten.
Aber schlußendlich hat mir eine Google-Bildersuche den Spaß verdorben – denn im Goldmuseum Jinguashi in Taipei (Taiwan) war (zumindest bis 2005) der größte Goldbarren der Welt ausgestellt. Immerhin 220 kg brachte er auf die Waage:

Irgendwie nicht so dolle… Smiley

Physik als Abenteuer (1)

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Etwa um die Weihnachtszeit schlug mir der Amazon-Suchalgorithmus ein Buch vor: “Physik als Abenteuer” von Martin Kramer.
Ich stehe Didaktik-Büchern im Allgemeinen eher skeptisch gegenüber. Zum einen, weil ich zu faul zum Lesen einer Anleitung bin (egal ob es um den Videorekorder, mein Handy oder eben Unterricht geht) und zum anderen, weil mir bisher nur sehr, sehr wenige wirklich nützliche didaktisch orientierte Bücher begegnet sind. Um Kalenderweisheiten oder pädagogische Grundsätze zu erfahren, fehlt mir schlicht die Zeit. Und als ich las, dass Martin Kramer im Unterricht ein Figurentheater nutzt, lief es mir schon kalt den Rücken herunter. Ich sah mich schon mit einer sprechenden Handpuppe und verstellter Stimme entsetzten Zehntklässlern die Gefahren der Gammastrahlung erklären.

Naja. Ich habe es mir trotzdem gekauft.

Und bin begeistert.

Begeistert!

Grundgedanke des Buches ist folgendes Zitat:

Das brauche ich nicht zu lernen, das habe ich erlebt.”

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert – im ersten beschreibt Kramer die Grundsätze seines Unterrichts. Einige Dinge finde ich ziemlich gut, andere teile ich nicht. Krämer lässt Schülerkleingruppen über viele Monate, z.T. Jahre zusammenarbeiten. Ich hingegen wechsle alle sechs Wochen die Sitzordnung. Krämer will, dass die Schüler ihre Arbeitsabläufe optimieren – ich möchte, dass sie lernen, immer wieder mit den wechselnden, unterschiedlichen Leuten zusammenarbeiten zu können.
Überrascht hat mich das Kapitel über – grusel – das Figurentheater. Doch statt Handpuppen und verstellter Stimme geht es mehr um ein Maskottchen. Eines, das für die dämlichen Fragen zuständig ist und in Form einer Geschichte auch für die Experimente verantwortlich sein kann. Bemerkenswert sind die Details, die Krämer erwähnt: So weist er bspw. darauf hin, der Figur keinen Mädchennamen zu geben – die (scheinbar) dämlichen Fragen des Maskottchens würden zu "typisch Mädchen”-Sprüchen im Physikunterricht verleiten.

Insgesamt ist Krämer, als Theaterpädagoge, sehr vom enaktiven Anteil des Unterrichts besessen. Vieles kann nachgespielt und von den Schülern selbst erfahren werden. Bis hierhin, dachte ich, sind ein paar schöne Ideen darunter (ich habe seitdem den Problembären Bruno mit magnetischen Händen).

Der zweite Teil des Buches ist aber dann tatsächlich großartig:
Thema für Thema arbeitet Krämer die Physik durch und gibt konkrete Ideen, Anleitungen und Möglichkeiten preis, wie man Physik erlebbar machen kann. In vieles werde ich mich noch monatelang hineindenken müssen. Anderes ist sofort offensichtlich. Besonders schön: Es gibt nicht nur “Physik als Abenteuer” sondern auch “Mathematik als Abenteuer”.

Das ein oder andere habe ich schon umgesetzt.
Zur Einführung der Symmetrie in meiner sechsten Klasse habe ich die SchülerInnen den Klassenraum entlang einer Linie aus Krepband symmetrisch umgestalten lassen. Spannend war, wie zunächst grob die Tische und Stühle halbwegs richtig standen – zum Ende der Stunde ging es dann aber um Details: “Der Stift auf diesem Tisch liegt mit der Spitze nach außen auf der linken Seite des Buches – auf dem Spiegeltisch liegt er aber…”
Die Klasse bekam ein Auge für die Details. Dafür, was Symmetrie ist.

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Zwei.

Lieber Lehrer,

vielen Dank dafür, daß Sie Ihr Leben meinem Kind gewidmet haben. Kann ich IRGEND ETWAS für Sie tun? Brauchen Sie IRGEND ETWAS? Ich bin für Sie da.

Warum?
Weil Sie meinem Kind – MEINEM SCHATZ – lernen und wachsen helfen. Sie sind nicht nur weitgehend für seine Fähigkeit verantwortlich, sich einen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern Ihr Einfluß wird sich auch sehr stark darauf auswirken, wie es die Welt betrachtet, was es von anderen Völkern auf dieser Welt weiß und wie es über sich selbst denkt.
Ich möchte, daß mein Kind glaubt, es könne alles erreichen – daß ihm keine Türen verschlossen, keine Träume in weiter Ferne sind. Ich vertraue Ihnen den kostbarsten Menschen in meinem Leben sieben Stunden jeden Tag an. Folglich sind Sie einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben!

Ich danke Ihnen.

Moore, Michael; “Stupid White Men”; Piper Verlag

Love wins.

In einer Predigt erzählte Bell einmal, dass er auf einem interreligiösen Kongress gewesen sei, bei dem auch der Dalai Lama, Erzbischof Desmond Tutu sowie zahlreiche weitere Vertreter anderer Religionen gewesen seien. Er berichtet, dass insbesondere der Dalai Lama und Desmond Tutu die ganze Zeit herumgealbert und Witze gerissen haben und wie er selbst nur staunend neben diesen beiden Größen gesessen hat. “Und was hättet ihr gemacht, wenn ihr mit Desmond Tutu und dem Dalai Lama in einem Raum wärt?”, fragt Bell seine Gemeinde und grinst. “Na klar! Ich habe mein Handy gezückt und Fotos geschossen.”

Diese Unverfänglichkeit galt vielen schon damals als verdächtig. Neben dem Dalai Lama (und einem Sikh und einem Muslim!) sitzen und ihm nicht direkt die Bibel um die Ohren schlagen? Das kann kein echter Christ sein!

Als Rob Bell nun vor einigen Tagen mit einem Video-Trailer sein neues Buch ankündigte, brach erneut das aus, was Geeks heutzutage vielleicht einen shit-storm nennen.
Aber zunächst der Trailer:

Love Wins – Rob Bell

Ein Buch über den “Himmel, die Hölle und das Schicksal jedes Menschen, der je gelebt hat.”

Das klingt nicht nur für die Erzkonservativen verdächtig nach Allversöhnung und hat u.a. bei Twitter zu einer Menge unschönen Bemerkungen geführt. Einen Eindruck gewint man, wenn man sich die Kommentare auf seiner Facebook-Seite ansieht. Und die Tatsache, dass Bell das völlig wurscht ist, macht die Sache noch verdächtiger.

So viel Aufruhr gibt es um dieses Buch, dass es schon vor der Veröffentlichung auf Platz 14 der amerikanischen Amazon Verkaufsliste steht. Ich für meinen Teil bin sehr gespant – als echter Fan gehe ich gewohnt subjektiv an das Buch heran – am 19.März landet es in meinem Briefkasten.

Rob Bell präsentiert das Buch heute abend in New York vor einem Auditorium und uns Fans / Kritikern / Inquisitoren ‘aufmerksamen Bewahrern der Wahrheit’ ist es möglich, dem Spektakel via Live-Feed beizuwohnen. Am Dienstag um ein Uhr nachts deutscher Zeit gehts los.

Rob Bell kommt übrigens im Mai nach Deutschland.

“Schläge? Geschadet hat es mir nicht.”

Immer wieder gerate ich – ob als Pädagoge, als Vater oder als Internet-Surfer – in Diskussionen über die Frage nach der Berechtigung von Schlägen in der Erziehung.

Dabei fällt (mir) auf, dass sich zum einen oft Menschen an der Diskussion beteiligen, die selbst keine Kinder haben und dass die Art des Argumentierens oft an religiöse Foren erinnert: Es werden vor allem Gesetze zitiert und andere Diskutanten angeschnauzt:

“Wenn ich im Jugendamt sitzen würde, würde ich wirklich dafür sorgen, dass solchen Müttern die Kinder weggenommen werden.“  “Bei manchen Sachen,z.B. wenn er sich mal wieder absichtlich in die Hose gepinkelt hat,können das dann auch schonmal so 30-35 feste Klapse sein.” “Aber spinnst du? Son nen scheiß hab ich noch NIE gehört.Ich könnte bei deiner erzihung das blanke KOTZEN kriegen…” (Quelle)

Zunächst einmal ist die Gesetztesgrundlage relativ klar: Nach BGB §1631 “Inhalt und Grenzen der Personensorge” gilt

(1) Die Personensorge umfasst insbesondere die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen.

(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

imageGrundsätzlich gilt also erstmal: Nein, Kinder dürfen nicht geschlagen werden. Und doch gibt es diese immer wieder kehrenden Diskussionen – die mit krasser Intensität ausgelebt werden. Und je deutlicher jemand seinen Standpunkt vertritt, desto mißtrauischer werde ich (meistens):  Wer kann sich schon ein zynisches Grinsen verkneifen, wenn wieder ein konservativer und “Homosexuelle heilender” Prediger dabei erwischt wird, wie er sich einen Callboy bestellt. Je konservativer und ereifernder, desto größer sind oft die eigenen Mißstände im Leben – zumindest meiner Erfahrung nach.

So schreibt beispielsweise Natascha Kampusch, die in einem alltäglichen kleinen Vorort aufwuchs in ihrem (bemerkenswerten) Buch, dass auch sie von ihrer Mutter geschlagen wurde.

Es war in dieser Zeit und in dieser Gegend nicht ungewöhnlich, mit Kindern so umzugehen: Im Gegenteil, ich hatte ein sehr viel »leichteres« Leben als manch andere Kinder in der Nachbarschaft. Im Hof konnte ich immer wieder Mütter beobachten, die ihre Kinder anbrüllten, zu Boden stießen und auf sie einprügelten. Das hätte meine Mutter nie getan, und ihre Art, mich nebenbei zu ohrfeigen, stieß nirgends auf Unverständnis. Selbst wenn sie mir in der Öffentlichkeit ins Gesicht schlug, mischte sich nie jemand ein.

Es scheint also ein Konsens darüber zu herrschen, dass Schlagen offiziell verboten, aber im Grunde schon okay sei. Und gerade im Kleinbürgertum (“Was sollen die Nachbarn denken!”) scheint mir der Vordergarten oft wichtiger, als die Hinterfragung der eigenen Erziehung.
Wenn ich mich im Freundeskreis umschaue, entdecke ich unterschiedliche Erfahrungen – bei jenen, die als Kinder geschlagen wurden höre ich aber bemerkenswert oft den Satz: “Naja, geschadet hat es mir ja nicht, oder?”
An anderer Stelle schreibt Frau Kampusch übrigens:

Dazu kam eine alltägliche Form von Gewalt – nicht brutal genug, um als Misshandlung zu gelten, und doch so voll nebensächlicher Missachtung, dass sie mein Selbstwertgefühl langsam zerstörte. Unter Gewalt an Kindern stellt man sich systematische schwere Prügel vor, die zu körperlichen Verletzungen führen. Nichts davon habe ich in meiner
Kindheit erlebt. Es war diese fatale Mischung aus verbaler Unterdrückung und »klassischen« Ohrfeigen, die mir zeigte, dass ich als Kind die Schwächere war.

Ich selbst bin grundsätzlich (!) gegen jede Form von Gewalt in der Erziehung – allerdings bin ich auch in der glücklichen Situation, eine (von meiner Frau) toll erzogene Tochter zu haben, die mich bisher nie auch nur an den Rand meiner Geduld gebracht hat (nichtmal, als sie bewusst und wiederholt ihre Klamotten zerschnitten und die Wände angemalt hat). Ich habe meine Tochter noch nie geschlagen. Und ich beabsichtige nicht, dass zu tun. Trotzdem würde ich, um mal die besorgte Dame von oben zu zitieren keiner “Mutter die Kinder wegnehmen”, wenn es denn doch mal passiert.

imageBill Cosby erzählt in seinem Buch “Fatherhood” die Geschichte seines Sohnes Ennis, der sich im Alter von 12 Jahren angewöhnte, seine Eltern zu belügen und Schulbriefe zu unterschlagen. Trotz der Beschwichtigung, er werde sich bessern, wurde die Situation eher schlimmer. “Warum hast du nicht getan, was deine Mutter dir aufgetragen hat?”, fragte Cosby seinen Sohn seinerzeit. “Ich hatte halt keine Lust”, rechtfertigte der sich am Telefon. “Alles klar”, erwiderte Cosby, “wie gefällt dir das? Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich dir ordentlich den Hintern versohlen!”
Wenig später war er wieder zu Hause und spät am Abend kam Ennis heim. Cosby schreibt, dass er durchaus von Zweifeln geprägt war.

I was a father with absolutely no batting average: I had never before hit him or any of the other children. Was I making a mistake now? If so, it would just be mistake number nine thousand, seven hundred, and sixty-three.

Sein Sohn beginnt zu betteln und gelobt Besserung. “Ich freue mich, dass du das so siehst”, erwidert Cosby, “aber ich habe dir ein Versprechen gegeben und du würdest den Respekt vor mir verlieren, wenn ich das jetzt bräche.

“Just turn around,” I said. “I want you to know that this is a form of punishment I truly do not believe in.”
“I hate to see you go against your principles, Dad.”
“I can make an exception. I also won’t say that this will hurt me more than it will hurt you. That would be true only if I turned around and let you hit me. This is simply a barbaric form of punishment, but it happens to match your barbaric behavior.”

Und dann schlägt Cosby Ennis, der daraufhin anfängt zu weinen. ”Verstehst du jetzt, dass ich nicht will, dass du mich anlügst?” ”Oh ja, Dad”, schluchzt sein Sohn, “ich habe es nie besser verstanden!”
”Gut. Dann kannst du jetzt gehen.”
Ennis wendet sich ab, aber in diesem Moment schlägt Cosby ihn nochmal. Ennis schaut ihn entsetzt an, mit dem Blick eines Betrogenen. (“… with a look of having been betrayed…).
”Es tut mir leid. Ich habe dich angelogen… Willst du mich je wieder anlügen?”

Cosby schreibt, dass er auch im Nachhinein von Zweifeln geplagt war.

Could I have done anything else to put him on the road to righteousness? My wife and I spent long hours pondering this question. The problem was that the reservoir was empty: we had tried all the civilized ways to redirect him, but he kept feeling he could wait us out and get away with anything. And we loved him too much to let him go on thinking that.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was Natascha Kampusch erleiden musste und dem, was Ennis Cosby erfahren hat. Schläge gegen Kinder halte ich für grundsätzlich falsch und gehören nicht in die Erziehung – aber ich bin zu sehr Vater, als dass ich die Geschichte von Bill Cosby nicht nachempfinden könnte. (Buchtipp)

Tagebücher zweier Krebserkrankungen

Ich habe im letzten Jahr zwei Bücher von zwei Autoren gelesen, die beide an Krebs erkrankten, beide ein Buch darüber schrieben und beide schließlich an ihrer Erkrankung starben.

Die Rede ist von Randy Pauschs “Last Lecture – Die Lehren meines Lebens” und Christoph Schlingensiefs “So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein”.
Randy Pausch war Hochschulprofessor und erlangte insbesondere durch die Aufzeichung seiner letzten Vorlesung Berühmtheit: Dort stand ein sterbenskranker Mann auf der ‘Bühne’, vollführte Liegestütze und demonstrierte der Welt seine Freude am Leben. In seinem Buch geht es – dem Titel entsprechend – viel um Kalenderweisheiten Lehren und Ratschläge, die Pausch uns vermitteln möchte. Selten erwähnt er seine Trauer und Angst, zum größten Teil wird alles mit einem Schmunzeln abgehandelt. Kern des Buches ist dabei das Motto von Walt Disney: “Wenn du es träumen kannst, kannst du es tun!”
Pausch will Mut machen seine Träume zu verwirklichen, volles und intensives Leben auszukosten und jeden Moment zu genießen. Dabei begegnet er seinem eigenen Tod durchaus mit der ein oder anderen Anekdote. Ja, habe ich gedacht, so müsste man der eigenen Sterblichkeit gegenübertreten: Mit einem Augenzwinkern und einem flotten Spruch auf den Lippen.
Diese Ruhe und Akzeptanz nehme ich Pausch in weiten Teilen ab. Ich glaube tatsächlich, dass er mit seinem eigenen Tod weitgehend rational umging und das diese “Lehren seines Lebens” ein aufrichtiger Versuch sind, ‘uns’ etwas mitzuteilen. Pausch widmet das Buch seinen Kindern, mit denen er gerne mehr Zeit verbracht hätte und denen er so viel mitgeben möchte, wie möglich.

Mir hat das Buch nicht gefallen. Aber dazu später mehr.

Gegen Ende des Jahres dann das “Tagebuch einer Krebserkrankung” von Christoph Schlingensief. Als digital Immigrant Nerd bin ich Schlingensief bisher gar nicht begegnet. Ich habe nie einen Film, ein Theaterstück oder eine Oper von ihm gesehen und kenne seinen Namen nur von jener Aktion, als er 1998 alle vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland dazu aufrief, gleichzeitig im Wolfgangsee zu baden um Helmut Kohls Feriendomizil zu überfluten.
Schlingensiefs Buch ist anders. Ganz anders. Deutlich direkter zum Beispiel. “Ach, Mann, ist das alles eine Kacke. So eine unendliche Kacke.”
Wer, wie ich, einen lieben Menschen an den Krebs verloren hat, der weiß, dass da nichts bleibt von Kalenderweisheiten. Oder Träumen. Da bleibt nur Kacke. Eine unendliche Kacke!
Schlingensief schreibt deutlich profaner, mehr über seinen Alltag, und wirkt für mich dadurch authentischer. Angst. Hoffnung. Bangen. Angst. Wut. Hoffnung. Erschöpfung. Frust. Angst. Keine romantischen Anekdoten und Weisheiten. Keine schöne Geschichte. Aber eine echte. Und immer wieder sind es einzelne Sätze, die besonders hervorstechen, die mir die Tragik der Erkrankung vor Augen führen. “Und ich lebe doch so gerne.”  Oder wenn er immer wieder mit Gott ringt und ihn anklagt wie damals Hiob: “Und das lieber, Gott, ist die größte Enttäuschung, dass du ein Glückskind einfach so zertrittst.”  Schlingensief ringt und kämpft und spuckt und hofft und bangt.

Beide Bücher haben sicher ihren Wert und sprechen mit ihrer unterschiedlichen Herangehensweise sicher verschiedene Typen an. Pauschs Buch war amüsant und tragisch zu lesen, ließ mich aber seltsam unberührt, distanziert zurück. Eine Sammlung von Hinweisen und Ratschlägen – nichts, was ich nicht schon hundertmal gelesen oder gehört hätte.
Schlingensief hingegen weckt bei mir die Erinnerung an die letzten Jahre. Das Hoffen und Bangen. Er schreibt, wie isoliert er sich fühlt, abgeschnitten vom Normalen, vom Alltag. Wie wir, die Gesunden, mit ihm, dem Kranken, umgehen. Ausweichen. Angst haben. Unsicher sind. Wie er von Tag zu Tag zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, guten und schlechten Tagen, Freude und Wut wechselt, ohne, dass er etwas dagegen tun kann. Wie er Pläne schmiedet und sie doch wieder verwirft. Sein Leben hinterfragt.

Meine Frau hat mich gefragt, warum ich es lese.

Die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht. Es ist anstrengend und hässlich zu lesen, es weckt böse Erinnerungen und läßt einen traurig und wütend zurück. Vieleicht eine Form von Therapie. Eine Form von “sich erinnern”.

Ein grandioses Buch, weil es echt ist. Denn am Ende ist diese Krankheit vor allem eines: Kacke. Eine unendliche Kacke!

OneNote-Projekt & Windows Live Mesh

Seit einigen Tagen sind die Windows Live Essentials in einer neuen Version erhältlich. Windows Live Mail, Messenger, Photo Gallery, Movie Maker und auch Live Sync haben Updates erfahren.

Leider nicht nur Gutes.
Denn für das OneNote Projekt bedeuten die aktuellen Updates de fakto das Ende.

Aber der Reihe nach: Wer sich auf der “Live Sync”-Homepage einloggen möchte, findet einen Hinweis, dass man bis Anfang 2011 bitte zum erneuerten “Live Mesh” wechseln möge, der alte Dienst würde dann abgeschaltet.

Die Installation und EInrichtung verläuft weitgehend problemlos.

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Das Programm sieht ansprechend aus und lässt sich ebenso leicht oder kompliziert wie LiveSync einrichten. Einige Sachen sind wirklich cool: Zum Beispiel kann man nun mit seinem SkyDrive-Ordner synchronisieren. Das ist sozusagen eine Online-Festplatte, die Microsoft einem zur Verfügung stellt. Bis zu 5 Gigabyte kann man so bequem im Netz backupen. Der Teufel steckt jedoch im Detail:

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Wenn man Ordner mit anderen Leuten teilt, kann man diesen keine “Nur-Lesen”-Rechte zuweisen. Im Rahmen des OneNote-Projekts liegt meine ganze Unterrichtsvorbereitung in einem Ordner – ich möchte aber nicht, dass er von anderen Kollegen (un-)wissentlich verändert oder zerstört wird.
So ist der Austausch keine Option mehr. Und damit ist das OneNote-Projekt (vorerst) am Ende.

Ich werde mich mit dem Essentials-Team in Kontakt setzen und weiter berichten.

Poets, Prophets, Preachers–Rezension 3/4

Die nächsten zwei Filme gehören eng zusammen: “The Science of Homiletical Architecture” und “Radar, Buckets, Chunks and the Marinade” könnte man treffend als “Predigtlehre” bezeichnen.

imageIm ersten Film setzt sich Rob Bell mit den konkreten Inhalten der Predigt auseinander. Er stellt die Behauptung auf, dass es in den meisten Predigten um drei Dinge geht:
Einen zentralen Moment bzw. ein Ereignis – oder
Eine Bewegung, eine Entwicklung – oder
Ein Geheimnis, etwas merkwürdiges, dass es zu entschlüsseln gilt.

Die erste halbe Stunde erläutert er diese These anhand von sehr eindrücklichen Bibelanekdoten. Ein schönes Beispiel bietet das Gleichnis Jesu aus Matthäus 7, man solle nicht die Perlen vor die Säue werfen.
Aber seht selbst:

Die ausgewählten Stellen sind sehr anschaulich und ich hatte auch das ein oder andere Aha-Erlebnis (besonders die skurille Geschichte um Jesus, der einen Baum verflucht, weil der keine Früchte trägt sehe ich nun in gänzlich anderem Licht…)

Im zweiten Teil von “The Science of Homiletical Architecture” geht es um vernünftiges Predigen. Wie sage ich was? Wie setze ich Geschwindigkeit, Ton, Intensität etc. sinnvoll ein.
Nichts atemberaubend neues, aber sicher nicht schlecht, es sich hin und wieder bewusst zu machen. Es finden sich Hinweise, wie man Themen öffnet und welche Gefahr in geschlossenen, zielgerichteten Themeneinheiten liegt. Interessant ist auch, das Rob Bell erklärt, wie er es schafft, frei 40, 50 Minuten am Stück zu predigen.

 

 

 

“Radar, Buckets, Chunks and the Marinade” bezieht sich hingegen konkret auf das Predigt-schreiben. Wie sieht es aus, wenn man als PastorIn auf ein leeres Blatt starrt, und der Sonntag näher und näher rückt.

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Den vierten Film empfand ich im Vergleich zu dem vorherigen als spannender. Mehrfach erklärt Bell, dass es nicht darum geht, dreißig vierzig Stunden zu opfern, um eine perfekte Predigt zu schreiben – dies sei jenseits jeder Vernunft. Und tatsächlich: schlüssig erklärt er, wie er zu seinen Predigten kommt, wie er Material sammelt und Anekdoten und Geschichten und Information am Ende zu einer Predigt zusammenbringt. Nicht durch vierzig Stunden und zahlreiche Prediger, die ihm zuarbeiten: Sondern vor allem 5 Minuten hier, 10 Minuten da um einen großen Fundus aufzubauen – der dann in einigen Stunden Arbeit zu einer (sauguten) Predigt wird.
Das klingt alles sehr gut, sehr motivierend.
Bis Rob Bell innehält und das Publikum fragt, ob jemand eine Bibel dabeihabe. Er bittet jemanden, blind eine Bibelstelle aufzuschlagen und irgendeinen Vers vorzulesen. Und prompt…

“Die Weisheit hat ihr Haus gebaut und ihre sieben Säulen behauen.”

Bell überlegt einige Sekunden und lässt dann ein Feuerwerk an Fragen, Ideen, Anmerkungen, Gedanken und Bildern abbrennen, dass mich mit offenem Mund zurücklässt. Sehr Beeindruckend!

Diese beiden Filme sind wohl in erster Linie für Prediger und Pastoren interessant – die zahlreichen Anekdoten und kleinen Informationshäppchen machen es aber auch für alle anderen zu einem Vergnügen.
Zum Beispiel: Das Wort “Vergebung” und das Wort “Tanzen” haben im hebräischen die gleiche Wurzel. In meiner Gemeinde wird eine Art “therapeutisches Tanzen” angeboten… Aha, aha! Da geht ein Licht auf…

Bisher also eine unbedingte (und natürlich völlig subjektive) Kaufempfehlung Smiley

Der letzte Teil meiner Rezension ist hier zu finden.